abgeordnetenwatch.de: Was tut sich?

Vor einiger Zeit prüfte ich die Bundestagsabgeordneten aus den Wahlkreisen Deggendorf und Passau darauf, wie und ob sie überhaupt die Fragen auf abgeordnetenwatch.de beantworten.

Das Ergebnis war nicht gerade berauschend. Während sich Jella Tauchner und Max Stadler viel Mühe gaben auf wirklich gute Fragen zu antworten, haben Bruni Irber und Barthl Kalb dazu kaum eine Chance, weil Fragen fehlen. Andreas Scheuer dagegen hatte Fragen genug, die er jedoch allesamt ignorierte.

Wie sieht die Situation einen Monat später aus?

Nur bei Scheuer ist eine Veränderung eingetreten. Nachdem der Passauer bis Mitte Mai sämtliche Fragen ignorierte, obwohl dies bereits in Anfragen thematisiert wurde.

Sehr geehrter Herr Dr. Scheuer,

aus diesem Forum geht hervor, dass insgesamt sechs Fragen an Sie gestellt wurden, davon jedoch keine beantwortet wurde. Außerdem ist die weitere Fragestellung nach der Wahl geschlossen worden. Dies zeigt, wie ignorant Sie gegenüber den Wählern in Ihrem Wahlkreis sind. Desweiteren würde mich interessieren, welche selbständige Tätigkeit Sie ausüben.

Mit freundlichen Grüßen
R. Tham

Natürlich ist es nachvollziehbar, dass ein Abgeordneter nicht tagtäglich durch das Web surft um schnellstmöglich sämtliche Fragen zu beantworten. Doch Politiker, die stets auf Außenwirkung bedacht sind, sollten ein natürliches Interesse an einer nominierten Seite des Grimme-Online-Preises sein.

Doch der Clou – und damit unterscheidet sich Abgeordnetenwatch.de von allen anderen Politikseiten im Internet – besteht darin, dass online Fragen gestellt werden können, die der oder die Abgeordnete dann online beantwortet. Das ist öffentlich einsehbar; auch wer selbst keine Fragen stellt, kann nachlesen, wie ernst ein Politiker die Bürgeranfragen nimmt, ob er sie abwimmelt oder sachgerecht beantwortet. Fast 125 000 Besucher und knapp 600 000 Seitenzugriffe im ersten Jahr belegen das rege Interesse an dieser Form des politischen Meinungsaustauschs. Täglich kommen etwa 900 weitere User hinzu. Auch Journalisten informieren sich inzwischen gern auf Abgeordnetenwatch.de. (Markierungen von mir)

Dies scheint nun auch Herr Dr. Scheuer begriffen zu haben. Denn plötzlich antwortete er (oder einer seiner Mitarbeiter) auf drei von fünf Fragen sehr ausführlich und vorbildlich. Dennoch wird aus einer Antwort deutlich, dass er abgeordnetenwatch.de als Plattform für den Kontakt zum Wähler nicht ernst nimmt.

Frage:

Sehr geehrter Herr Scheuer,

wieso beantworten Sie keine Fragen der Bürger?

Oder was machen Sie , dass Sie keine Zeit haben?

Antwort:

Sehr geehrter Herr Stamm,

vielen Dank für Ihre Frage bei abgeordnetenwatch.

Mich erreichen eine Vielzahl von Fragen aus dem Wahlkreis in meinem Berliner Büro und dem Wahlkreisbüro per Brief, Mail, Fax oder auch telefonisch. Die Kontaktdaten können der Internetseite des Deutschen Bundestages oder auch meiner Homepage entnommen werden.
Ich bitte Sie daher um Verständnis, dass ich direkte Anfrage von Bürgerinnen und Bürgern vorrangig beantworte.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas Scheuer, MdB

Natürlich ist der direkte Kontakt zum Bürger für die Politiker wichtiger, aber auch Scheuer ist einer der „jungen Wilden“ der CSU, die sich gerne im Glanz des Lederhosen-und-Laptop-Mythos sonnen. Aber im Zweifelsfall ist das bierselige Gröhlen im Bierzelt doch dankbarer.

2 Antworten zu “abgeordnetenwatch.de: Was tut sich?”

  1. […] interessiert mich. Zweimal beschäftigte ich mich bereits mit den Abgeordneten aus Passau und […]

  2. […] Dem Frageportal für Parlamentarier abgeordnetenwatch.de. Mein Fazit damals war eher ernüchternd. Von großem Willen Antworten zu geben war seitens der Politiker nicht viel zu […]

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