Menu

Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Playboy-Häschen in Endloswiederholung

Früher konnte der Zuschauer die Musiksender MTV und Viva klar unterscheiden: Viva war quietschbunt, MTV düsterer. Und heute? Dauerwerbesendungen, Comic-Serien und Reality-Soaps über Prominente auf beiden Sendern. Unterschiede? Gibts nicht mehr. Musikfernsehen auch nicht mehr, weil kaum mehr Musik gespielt wird.

Musik wird immer unwichtiger. Die Viva-Mitarbeiter (sofern denn noch welche vorhanden sind) haben das auch bemerkt und sogleich reagiert: Vor ein paar Wochen stand Viva unter dem Thema „Musikwoche“. Ist das der erste Schritt zu Besserung durch Selbsterkenntnis, Ironie oder einfach nur Dummheit?

Denn die Ursache für das Dilemma ist eindeutig: MTV und Viva fehlt journalistische Arbeit. Praktikanten reichen für die redaktionelle Arbeit leicht, weil sie ja nur daraus besteht Kassetten mit halbnackten Frauen in die Rekorder schieben. Die Musiksender bombardieren die Zuschauer mit E- und F-Prominenten, die uninteressante/skandalöse/dumme Statements über A-,B-C- und D-Prominente vom Stapel lassen (vorzugsweise zum Thema Sex/sexuelle Orientierung/Schönheitsoperationen).

Wie schön war es doch noch vor ein paar Jahren! Natürlich gab es auch damals Sendungen, bei denen ich mich am liebsten zu Boden geworfen und drei „Gegrüßet seist du Maria“ gebetet hätte um den Herrgott in seinem Zorn zu besänftigen. Doch schimmerten auch Perlen im Musikwirrwarr: Viva 2 (leider nur in der Endphase bewusst wahrgenommen), Unter Ulmen, Kuttner. Es gab tatsächlich Sendungen, die sich mit Popkultur auseinandersetzten.

Wieso gibt es heute diese Ausnahmen nicht mehr? Warum ist die Musiksenderlandschaft ein einziges Tal der Tränen? Ganz einfach: Kompetente Berichterstattung braucht kompetente Journalisten. Und diese kosten Geld, das die Chefs nicht ausgeben wollen. Denn warum Kohle ausgeben, wenn auch Reality-Soaps über die Hugh Heffners Playboy-Häschen in knappen Bikinis auch in der Endloswiederholung genug notgeile Typen finden, die die Quote einigermaßen stabil halten. Und damit die Werbeeinnahmen.

Womit wir beim Pudels Kern angelangt sind. Privatsender finanzieren sich durch Werbung, die Handyklingeltöne und komische Frösche dominieren. Dadurch werden ganz klar Kinder angesprochen, denn welcher halbwegs vernünftig denkende Mensch schließt ein Jamba-Abo ab? Und damit die (Prä)pubertäre Zuschauerschaft auch weiterhin ihr Taschengeld für sinnlosen Quatsch aus dem Fenster wirft, muss sie zwischen den Werbepausen einigermaßen bei Laune gehalten werden. Das geht am besten mit denselben Liedern, die im Moment als Handyklingeltöne total angesagt sind. Oder aber mit Serien, die sicher nichts mit Musik zu tun haben (und weibliche sekundäre Geschlechtsteile zeigen) – denn die hört man ja schließlich in den Reklamepausen schon genug.

Popkultur und Musik wurden so zunehmend verdrängt. Und unsereins bleibt nur eins: Glotze aus und ab ins Internet!

Schreibe einen Kommentar