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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Stolze Länder, schwaches Europa?

Die Geschichte soll uns lehren, dass wir Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholen. Die Geschichte soll uns aber auch die Möglichkeiten von Staatsformen vor Augen halten, damit wir sie weiterentwickeln können. Oder ist es nicht am Besten, die Vorteile verschiedener politischer Systeme zu kombinieren?

Im 19. Jahrhundert gab es im deutschsprachigen Raum zwei Kaiserreiche. Auf der einen Seite das Deutsche Reich, das sich vor allem unter Wilhelm II. mit chauvinistischen Gebärden hervortat und das nationale Glück in der Expansion in Übersee sah. Schließlich sollte am deutschen Wesen die Welt genesen.

Im Osten führten die Habsburger ihr Reich, ein Vorläufer der europäischen Einigung. Deutsche, Italiener, Tschechen, Polen, Bosnier, Ungarn, Rumänen – halb Europa war unter österreichischer Herrschaft. Doch das Selbstbestimmungsrecht der Völker wurde unterdrückt, innere Unruhen und gewaltsame Auseinandersetzungen waren die Folgen.

Treffen in der Europäischen Union nicht die Vorteile beider Kaiserreiche zusammen? Verschiedene Staaten schließen sich unter einer Führung und Verwaltung zusammen, bleiben aber trotzdem eine eigene Nation und behalten ihre Souveränität. Dadurch ist in ein paar Jahrzehnten das gelungen, was vorher Jahrhunderte utopisch schien: Friede in Europa.

Doch die EU ist nicht perfekt. Schnell schießen sich Politiker in Wahlkämpfen auf die Bürokraten in Brüssel ein; die Bürger können mit der EU nichts anfangen, ja kommen sich ausgeschlossen vor und suchen ihr Heil in nationalistischen Parolen. Das ist die eine Seite der Medaille: mit Pickelhaube und Schwarz-Rot-Gold. Das ist Säbelrasseln gegen die Unterdrückung kleinerer Staaten durch die Riesen Deutschland, Frankreich oder Großbritannien. Schnell kann da Herr Gonzi, Ministerpräsident von Malta, am Verhandlungstisch mit Merkel, Sarkozy und Brown untergehen. Auch Proteste gegen Arbeitnehmer aus Osteuropa, die für lächerlich niedrige Löhne auch im Westen schuften wollen, sind verständlich, weil sie die ohnehin schwierige Arbeitsmarktsituation in einigen Ländern verschärfen.

Was sagt die Gegenseite? Europa kann nur gemeinsam stark sein! Ein einheitlicher Wirtschaftsraum kann nur dann auf dem Weltmarkt bestehen, wenn politisches Geplänkel aus Unternehmen ausgemerzt werden kann. Bei EADS, der Betreibergesellschaft von Airbus, ist keine betriebswirtschaftliche Entscheidung ohne Einfluss aus Paris, Berlin und Moskau möglich. Daneben schwächen gegensätzliche Meinungen wie zum Irak-Krieg das europäischen Ansehen in der Weltpolitik. Die EU muss ihr ganzes diplomatisches Gewicht in die Waagschale werfen und so zu Lösungen in den Krisenherden der Welt beitragen. Dazu ist es unumgänglich, dass die EU zu einem Machtblock wird um den Weltmächten in Amerika und Asien weiterhin die Stirn bieten zu können.

Wie sollen wir nun Europa gestalten? Stolze Länder, schwaches Europa? Oder Unterwürfige Staaten, übermächtiges Europa? Eine Lösung, hinter der alle Mitgliedsstaaten und deren Bürger stehen, wird es leider nie geben. Aber die Vergangenheit hat deutlich gezeigt, dass keines der beiden Extreme auf Dauer funktionieren kann. Es muss – wie immer in der Europäischen Union – ein Kompromiss gefunden werden.

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