Totenglöckchen der CSU

Beim Landesparteitag der SPD im vergangenen Juli in Würzburg war ich Teil der Redaktion von politikorange. Dabei führte ich gemeinsam mit Felix Scheidl ein Interview mit Florian Pronold, Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. Im Bezug auf die Kommunalwahlen im März, dessen Wahlkämpfer schon in der Startlöchern sitzen, stelle ich das Interview online. Leider kann ich keine Umlaute darstellen – bin ja in China.


Bei den Landtagswahlen 2008 will die Bayern SPD punkten.
Einen „Raketenwahlkampf“ plant Florian Pronold, 34-jähriger Hoffnungsträger der Bayern-SPD. Zurzeit ist er Vorsitzender der SPD-Landesgruppe im Bundestag. 2008 will er die Mehrheit der bayerischen CSU brechen.

Bald sind Landtagswahlen. Sie haben bereits angekündigt, dass es einen „Raketenwahlkampf“ geben wird. Den werden Sie brauchen, wenn man die Umfragewerte der Partei betrachtet. Kann die absolute Mehrheit überhaupt geknackt werden?

Ja, selbstverständlich. Bei zwei der letzten drei Bundestagswahlen haben wir die CSU unter die 50-Prozent-Marke gedrückt. Was bei einer Bundestagswahl geht, kann uns auch bei einer Landtagswahl gelingen. Drei Wochen vor der letzten Bundestagswahl lag die Bayern SPD in Umfragen bei 17 Prozent. Erreicht haben wir schließlich 27 Prozent. Seitdem lasse ich mich von Umfragen nicht mehr ins Bockshorn jagen.

Glauben Sie wirklich, dass der Unschärfefaktor so groß ist? Immerhin hat die CSU ja eine gewisse Stammwählerschaft.

Ja, aber die CSU-Stammwählerschaft versteht zur Hälfte nicht, warum der Beckstein und der Huber den Edi gemeuchelt haben. Wenn sie die Stimmung vor Ort betrachten, ist da Soddom und Gomorra ausgebrochen. Die eine Hälfte der CSU-Wähler hat immer noch nicht verstanden, warum der schönste und beste Ministerpräsident Stoiber gehen muss. Die andere Hälfte ist froh darüber.

Sie sagten, dass der Laden explodieren wird, wenn die Mehrheit der CSU gedrückt wird. Doch die CSU hat eine Zwei-Drittel-Mehrheit. Kann der Laden überhaupt explodieren? Selbst wenn die CSU die Zwei-Drittel-Mehrheit verliert, bleibt ihnen noch immer die einfache Mehrheit.

Die CSU lebt von dem Nimbus, sie seien die ewigen Sieger. Verlieren sie die bei einer Landtagswahl, ist dies das Totenglöckchen der CSU und der absoluten Mehrheit. Bei der Krise der CSU Anfang des Jahres gab es zum ersten Mal, seit ich politisch denken kann, eine Umfrage in Bayern, die eine Mehrheit im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat.

Die SPD setzt ihre Hoffnungen bei den Wahlen im März 2008 auf Würzburg und Regensburg. Andere Städte wie München werden schon lange von der SPD regiert. Planen sie jetzt eine Revolution von unten?

Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, was die Personen tun und wie sie rüberkommen. Bei Landtagswahlen ist die politische Grundausrichtung viel wichtiger. Deshalb läßt sich ein Erfolg bei Kommunalwahlen nicht so leicht auf die Landesebene übertragen. Trotzdem wollen wir den Schwung des Erfolges mitnehmen für die Landtagswahl.

Also kommunale Siege als Signal.

Ja. Wir wollen dieses Signal setzen, indem wir Städte hinzugewinnen. Schon jetzt regiert die SPD in den drei größten Städten – das gibt es in keinem anderen Bundesland. Das ist ein Ergebnis unserer erfolgreichen Kommunalpolitik.

Fakt ist aber, dass die drei größten Städte nicht ganz Bayern repräsentieren. Ludwig Stiegler sagte, dass die SPD in der Bayerischen Gesellschaft nicht verankert sei. Wie wollen sie die Defizite vor allem im ländlichen Raum ausgleichen?

Wir haben in vielen ländlichen Bereichen erfolgreiche Bürgermeister. Natürlich gibt es aber auch schwarze Flecken, wo es nicht einmal einen SPD-Ortsverein gibt. Aber wir stellen noch immer genauso viele Oberbürgermeister wie die CSU.

Die CSU hat einen Plan für 2020 aufgestellt, der sich für die Wähler recht angenehm liest. Herr Stiegler meinte: „Alles geklaut.“ Wo bleibt denn dann der große Umsturz, wenn die SPD wirklich an die Regierung kommen würde?

Die CSU hat ja nur die Überschriften geklaut. Aber bei der Umsetzung bleiben sie nach wie vor defizitär. Stoiber war immer gut in der Ankündigungspolitik. Die Kommunisten haben wenigstens nur Fünf-Jahrespläne gemacht, aber Edmund Stoiber macht 13-Jahrespläne. Warum? Das ist doch offensichtlich: Stoibers Plan ist nicht gegen die SPD, sondern gegen Beckstein und Huber gerichtet, weil er seinen Nachfolgern nichts zutraut. Die CSU hätte einfach die Anträge der SPD übernehmen können, dann hätten sie den Plan jetzt schon erfüllt.

Was wollen Sie besser machen?

Unsere Ziele sind klar gesetzt: Wir wollen beispielsweise mehr auf die ländlichen Regionen Bayerns eingehen. DSL-Anschlüsse müssen in allen Teilen Bayerns verfügbar sein. Auch die Autobahnen müssen ausgebaut werden – und das nicht nur in München.

Klingt nach einer Guten Idee. Aber woher soll das Geld kommen?

Sehen Sie sich doch beispielsweise einmal das Milliardengrab Transrapid an. Wir wollen den Bau stoppen und stattdessen für mehrere Millionen das Münchner S-Bahn-Netz ausbauen. Dann haben wir immer noch viel Geld übrig, um Bayern zu fördern – nur um mal ein Beispiel zu nennen.

Wie sehen sie sich in Zukunft in der SPD?

Mein Ziel ist es, die Bayern-SPD so aufzustellen, dass sie in absehbarer Zeit an der Regierung beteiligt wird und die CSU aus der Regierung schmeisst.

Das Bundeskanzleramt ist also nicht das Ziel?

Nein, Bundeskanzler zu werden ist viel zu einfach. Mein großes Ziel ist es zweiter sozialdemokratischer Ministerpräsident in der Nachkriegsgeschichte Bayerns zu werden.

[Update: Umlaute zu Hause am Laptop richtiggestellt.]

6 Antworten zu “Totenglöckchen der CSU”

  1. Martin sagt:

    jaja, a bisserl großspurig war er ja schon immer. Das hat er wohl von seinem Papa… 🙂
    ———————
    offtopic:
    hier hat sich das Design verabschiedet, ich seh nur den Inhalt, schwarz auf weiß; sidebar und header sind ganz unten.
    ———————-
    offtopic2:
    auch im Ausland kann man Umlaute verwenden.
    Dazu verwendet man die Alt-Taste und die entsprechende Zahl für den entsprechenden Umlaut.
    Die gibt’s z.B. hier:
    http://www.joern.de/tipsn73.htm

  2. katha sagt:

    weiß nichts von seinem vater. war der auch politiker?
    danke für den hinweis mit dem design. hab jetzt ein neues, weil ich zu faul zur fehlersuche bin ^^
    und danke auch für den tipp mit den umlauten. ich habe das problem aber eh nur in internetcafes, weil zu hause hab ich meinen laptop.. mit alles Ös und Üs und Äs, die es nur gibt ^^

  3. Martin sagt:

    ni hao,
    Florians Vater heißt Ambros Pronold und ist in der Deggendorfer Lokalpolitik ein erfrischender Stachel im CSU Sumpf.
    ciao
    Martin

  4. katha sagt:

    gut zu wissen. von der deggendorfer lokalpolitik bekomme ich gar nichts mit… 🙂
    der pronold jr. ist echt ein charismatischer typ. ein großmaul, ja, aber ein sympathisches

  5. […] auch der Landesgruppenchef im Bundestag Florian Pronold, mit dem ich für politikorange ein Interview geführt habe, so: “Die Menschen schauen bei Kandidaten für Kommunalwahlen darauf, […]

  6. […] im bayerischen Landtag jenseits der CSU gesehen hat", sagte Florian Pronold, bei einem Interview, das ich im Rahmen des Landesparteitages 2007 geführt habe. Er hat recht, 2007, im Jahr des […]

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