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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Ein Junkie und sein Ersatzstoff

Angenommen, es wäre nicht das Jahr 2008, sondern 10 Jahre früher. Ich wäre von der Außenwelt, den politischen und wirschaftichen Entwicklungen der Welt und in Deutschland abgeschnitten. Ich wüsste nichts von der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo, den morgendlichen Razzien der Steuerfahndungen und sogar von Britney Spears neuesten Ausrutschern wüßte ich nichts.

Denn ich lebe momentan in Gengma, einer Kleinstadt in der südchinesischen Provinz Yunnan: 80 km bis zur Grenze zu Burma, 700 km bis zur Provinzhauptstadt Kunming und 3000 km bis nach Beijing.

Angenommen ich lebte hier in den 90er Jahren, ich könnte keine Zeitungen lesen, denn ich kann kein Chinesisch. Doch das Gewäsch, von der ideologischer Beeinflussung geschwängert, wäre aber sowieso keine ernstzunehmende Informationsquelle. Briefe dauern zum Teil Wochen um in Deutschland anzukommen. Mit dem Wort Blog wüsste ich nichts anzufangen. Die Beiträge und Diskussionen in denselben über Politik und vieles andere würde ich sehr vermissen.

Doch es gibt Internet. Der RSSFeed von tagesschau.de hält mich kurz und bündig auf dem Laufenden und jetzt.de, die Jugendseite der Süddeutschen Zeitung, liefert mir sogar jeden Tag 15 Artikel aus der gedruckten Zeitung auf meinen Bildschirm – kostenlos. Daneben ergänzen Blogs mein tägliches Pensum – und sie werden immer mehr. Je mehr ich mich in der sogenannten Blogosphäre bewege, desto mehr interessante und gut geschriebene Seiten entdecke ich.

Doch auch meine eigenen Blogs werden mir hier immer wichtiger. War es in Deutschland eine kleine Spielerei, so ist es hier fast die einzige Möglichkeit Gedanken auszutauschen und zu diskutieren, denn tiefergehende Gespräche sind hier oft wegen sprachlichen Barrieren schwierig.

Angenommen, es gäbe kein Internet, ein Informationsjunkie, wie ich es bin, wäre auf kaltem Entzug. Doch Gott sei Dank habe ich meinen Ersatzstoff: Das Internet.

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