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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Einmal Löwe – immer Löwe

Ich war sieben Jahre alt, als der Fußball in mein Leben trat. Ich bin der F-Jugend des örtlichen Sportvereins beigetreten und habe mich als Mädchen versucht gegen die Buben in meinem Alter durchzusetzen (Sind 7-jährige Jungs eigentlich die größten Machos?) Ich ging fleißig ins Training, doch spielen durfte ich nicht. Zugegeben ein besonders großes Talent war ich nicht.

Anerkannt war ich in meiner Mannschaft nie so richtig. Ich hatte schließlich zwei gravierende Merkmale, die mich myteriös machten. Zum einen bin ich ein Mädchen. Zum anderen Fan des TSV 1860 München.

Wie jeder in Bayern, der sich halbwegs für Fussball interessiert, hatte ich im frühesten Alter eine Entscheidung zu treffen, die das Leben, prägt. Bayern oder 60er? Edelclub oder Vorstadtverein? Champagner oder a Halbe? Sieg oder Niederlage?

Natürlich war ich mir in diesen jungen Jahren der Reichweite meiner Wahl nicht bewusst. Mein Entscheidungsfindungsprozess, am Boden in der Küche, auf meinen Knieen das Paninisammelalbum, lief folgendermaßen ab:

1. Ich war schon mal in München. Das scheint auch einigermaßen in der Nähe zu sein. Denn niemand in meinem Umfeld hatte je gesagt: „Am Wochenende bsuacha ma die Verwandtschaft in Uerdingen.“

2. Blau war meine Lieblingsfarbe (und sie sie natüerlich immer noch, einmal Löwe – immer Löwe).

3. Klare Entscheidung für die Sechziger.

Jahre voller Schmähungen und Häme sollten folgen, die von mir, einem kleinen Mädchen, natürlich auch nicht halt machen. Denn geschätzte 98 Prozent aller mir damals bekannten Personen feuerten die Roten an. Sechzgerfan und dann auch noch ein Mädchen: „Die hat ja keine Ahnung.“ (Dass ich die 60er wegen der Farbe ausgewählt habe, verschwieg ich lieber, denn ich wollte ja nicht noch Vorurteile bestärken.)

An Ostern bekam ich ein veraltetes Trikot der Saison 1993/94 mit Hakkawerke-Werbung, mein ganzer Stolz. An meinem zweiten Schultag lachte mich eine Zweitklässlerin so gemein aus, dass ich kurz zweifelt (Das zweite mal zweifelte ich, als ich das Emblem malen wollte und ich sah, dass das der Bayern um so viel einfacher gewesen wäre – aber Bayernfan sein ist ja schließlich immer leicht).

In den folgenden vier Jahren konnte ich sämtliche Spieler der Sechziger (aber auch der meisten anderen Bundesligavereine) mit Geburtsdatum, vorherrigen Vereinen und den aktuellen Statistiken herunterbeten (hilfreich war am Saisonanfang immer die Sonderausgabe von Sport-Bild).

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Doch ich konnte wissen, was ich wollte, die Blauen verloren trotzdem. Das wäre im Grunde nicht schlimm gewesen, der 1. FC Köln oder Bochum verloren noch viel öfter. Das schlimme war, dass je öfter die Blauen verloren, desto öfter gewannen die Bayern. Die Sechziger krebsten um Platz 12 rum und die Bayern spielen in der Champions League. Wie es natürlich die arrogante Art aller Bayernfans ist, ließen sie uns, die verstreuten Blauen, dies bei jedem Sieg ihrerseits eindeutig spüren.

Dreimal war ich im Olympiastadium in München, nie gwannen die Sechziger. Beim ersten Mal kam ich mit meinem Vater und dessen Onkel (der in München wohnte und natürlich zu den Blauen hielt) erst zu Minute 35 an, denn wir hatten eine Autopanne. Beim zweiten und dritten Mal spielten die Sechzger so schlecht, dass ich mir eine Autopanne gewünscht hätte.

Ist die Entscheidung zwischen den Roten und den Blauen einmal gefallen, determiniert sie das ganze Leben, ja man hat keine Chance neu zu wählen. Mein Opa ist ein alter Sozi und Gewerkschaftler und ständig zetert er über Hoeneß und die ganzen Geldhungrigen Sportlern, schimpft über die Allianzarena („rausgeschmissenes Geld“), verteufelt den FC Bayern im Allgemeinen. Und lobt den TSV 1860. Doch kaum läuft ein Spiel feuert er die Bayern, „den kapitalistischten aller Vereine“ an und freut sich wie ein kleines Kind, wenn sie drei Punkte einfahren – am besten beim Derby gegen die Löwen.

Gestern war es mal wieder soweit. Ein Derby. Wie meistens verloren meine Löwen, aber an das habe ich mich inzwischen gewöhnt. Trotzdem fieberte ich hier in China mit, dachte vorm Schlafen nocheinmal an sie und wünschte ihnen viel Erfolg. Aber nichts, natürlich wie bei allen Spielen gegen die Bayern spielen sie gut, aber stehen am Ende mit leeren Händen da. Scheiß Bayern einfach.

So sehr man sich als Löwenfan definiert, so sehr muss man mindestens auch die Bayern hassen. Das ist ein Naturgesetz.

Einmal Löwe – immer Löwe!

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