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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Informationen über den Irakkrieg

Der Irakkrieg bestimmt die Medien seit vier Jahren wie kein anderes Thema. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichte über Selbstmordattenate oder neueste Berichte über die verheerende politische Lage zwischen Eufrat und Tigris. Die Präsidentschaftsvorwahlen in den USA heizen das Thema zusätzlich an, geht es doch auch die Zukunft Iraks: Obama will den sofortigen Abzug der Truppen, Mc Cain als Vietnamveteran sieht nur militärische Härte als Möglichkeit, Clintons Meinung ist irgendwo dazwischen anzusiedeln, Tendenz zu Mc Cain.

Doch neben diesen Informationen, die tagtäglich auf uns einprasseln, hat kaum jemand einen Überblick über die politischen Lager. Al-Sadr, Schiiten, Sunniten oder „Grüne Zone“ – natürlich kennt jeder die Begriffe, der regelmäßig Zeitung liest. Doch was bedeuten sie? Welche politischen Lager neben der Religionszugehörigkeit gibt es? Und spielt die Trennung zwischen den Muslimen wirklich eine so große Rolle, wie überall zu lesen ist?

Aufschluss über die politische Situation gibt ein Artikel auf Hintergrund.de. Er berichtet ausführlich über den Irak unter amerikanischer Besatzung. Dabei werden verschiedenste Studien ausgewertet und ein Rundumschlag über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gemacht.

Die Bush-Administration habe im Irak keinen Fehler ausgelassen, so eine häufig geäußerte Kritik, gerade so, als hätten sie eine Checkliste abgearbeitet. Wäre das Hauptziel ein stabiler, demokratischer Irak gewesen, so wäre das sicher richtig. Stabilität hatte für die dominierenden Kräfte in Washington jedoch nie Priorität. Sie versuchten genau das umzusetzen, was sie sich vorgenommen hatten – ohne die geringste Rücksicht auf die Iraker.

Es ging schließlich nicht nur um die Absetzung des Regimes von Saddam Hussein. Ziel war vor allem die dauerhafte Ausschaltung des Iraks als Regionalmacht und zweitens die Etablierung einer massiven permanenten militärischen Präsenz – als Ausgangsbasis für die Umgestaltung bzw. Unterwerfung der gesamten Region. An dritter Stelle stand schließlich die Umwandlung des Iraks in ein radikal neoliberales Modell und der direkte Zugriff US-amerikanischer Konzerne aufs irakische Öl. (Unterpunkt: Weichen von Washington früh gestellt)

Neben diesen Punkten, die kritischen Beobachtern bewusst sind, beschäftigt sich der zweite Teil mit den Widerstandsgruppen und Freiheitskämpfern, ihrer Organisation und Stärke. Dabei kommt der Autor zu einem Schluss, der so direkt kaum in Zeitungen zu lesen ist. Ich zumindest hatte bisher den eindruck Sadr sei ein militanter Islamit, der die Scharia einführen will.

Keine bedeutende Widerstandsgruppe strebt einen islamischen Staat an, auch nicht die Bewegung des schiitischen Klerikers und Besatzungsgegners Muktada al Sadr. Die einzigen Organisationen, die eine islamistische Gesellschaft anstreben, sind die schiitischen Regierungsparteien SCIRI und al-Dawa, sowie die Al-Kaida-nahen Gruppen, die Ende 2006 einen »Islamischen Staat Iraks« proklamierten. (Unterpunkt: Gegenkräfte, Bewaffneter Widerstand)

Am Schluss wagt der Autor einen Ausblick in die Zukunft, einen Ausblick auf die weitere Strategie Amerikas. Nach dem Vorbild Israels wollen sie mit Mauern, Zäunen und Barrikaden die Städte unter Kontrolle halten.

Wer viel Zeit hat und Lust sich ausführlich über den Irak jenseits von ard, Süeddeutsche und Spiegel zu informieren, dem sei dieser Artikel wärmestens empfohlen.

(via).

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