Männersache

Mütter haften für ihre Kinder. Sie machen das. Sie können das. Sie haben die Kinder neun Monate lang im Bauch getragen, sind also für Pflege und Fürsorge prädestiniert – eine Haltung, die 1968 und an den antiautoritären Aufbruch zwar nicht ganz unbeschädigt überstanden hat, aber dennoch in einigen Köpfen weiterlebt, die manchmal einen Bart tragen, manchmal aber auch Eva heißen. (Die ZEIT vom 3. Januar 2008)

Diese Einstellung herrscht meiner Meinung nach in mehr Köpfen vor, als es der Autorin lieb ist. Frauen. das ist Haushalt. Frauen, das sind Friseurinnen und Krankenschwestern. Am besten halbtags, damit nachmittags die Kinder versorgt sind. Wozu also höhere Bildung? Verschwendete Zeit.

Ist es wirklich so wie der SPIEGEL im Dezember schreibt: Eltern schicken ihre Mädchen nicht aufs Gymnasium, weil doch der Realsculabschluss sowieso reicht?

Im schönen Niederbayern geht halt alles etwas langsamer. Frauen in der Politik gibt es kaum. Eine Frau sitzt im Parlament meiner Heimatstadt, im Umkreis von 150 km gibt es eine Bürgermeisterin (zumindest, soweit ich weiß.) Diese ist in der CSU, der Männerpartei, ohne die gar nichts geht. Sie ist meiner Meinung nach notwendig, um in einer konservativen Gegend wie meiner Heimat überhaupt einen Fuss auf den politischen Boden zu bekommen. Eine Frau und dann möglicherweise auch noch bei der SPD oder den Grünen – Gott bewahre. Eine Teufelsanbeterin, eine Abgefallene.

Bei der Union, beziehungsweise ihren Derivaten, die in Ostbayern tatsächlich nicht zu unterschätzende Stimmenanteile bekommen, wie die Bayernpartei oder die ödp, weiß Mann was man hat: Eine Frau mittleren Alters, die die Langeweile quält, seitdem die Kinder aus dem Haus sind.

Doch, denkt ihr Leser bestimmt, was soll die Schwarzmalerei? Wir leben im 21. Jahrhundert, auch in Niederbayern laufen der katholischen Kirche die Gläubigen davon. Natürlich, antworte ich da, doch an der politischen Mitbestimmung der Frauen hat sich trotzdem nichts geändert.

Beispiel: Die Kommunalwahlen im März. Auf der Seite bsmparty.de, dem sozialen Netzwerk für die Jugend in Ostbayern, bei der gefühlte 100 Prozent der Jugendlichen Mitglied sind, hat ein Wahlportal erstellt: Alle jungen Kandidaten können sich anmelden und sich vorstellen. Insgesamt gibt es fünf Landkreise. Inzwischen haben sich viele Kandidaten angemeldet, auch die, die nicht mehr ganz so jung sind. Doch in den fünf Landkreisen kandidiert offenbar nicht eine Frau!

Keine junge Frau will in einen Gemeinderat – das kann ich mir wirklich nicht vorstellen. Wobei wir beim nächsten Punkt sind. Auf Kommunalebene wohl noch mehr als auf Landes- oder Bundesebene spielt sich oft in Klüngeln ab. Der Huber und der Meier sind halt schon seit 20 Jahren im selben Stammtisch, natürlich, wählt der Huber den Meier. Und wenn der Meier dann auch noch im Sportverein oder der Feuerwehr ist, dann hat er sein Mandant sicher. Das Problem für Frauen: Sportverein und Feuerwehr sind meistens noch immer von Männer dominiert.

Ich fordere keine Quotenregelung, weiß Gott nicht. Aber es kann doch nicht sein, dass maximal eine Frau im Stadtrat sitzt. Ich kenne genug selbstbewusste, intelligente Frauen, denen ich die Aufgabe zutrauen würde. Doch das größte Problem sind wahrscheinlich leider die Frauen selbst: „Politik – das ist doch was für Männer. Geh‘ ma lieber in den Frauenbund.“

Ein Gedanke zu „Männersache“

  1. Das ist nicht nur in Bayern so, auch auf dem gar nicht so flachen Land in Baden-Würstchenberg gibt es immer wieder solche Dinge. Dass die Schwester des Mitschülers am Gymnasium wie selbstverständlich auf die Regalschule geht, usw.
    Doch langsam kommt der Umbruch. Da gibt es dann auf einmal Dinge wie eine freiwillige Feuerwehr mit Kommandantin. Und es geht auch, natürlich genau so gut. Gerne übersieht man an den Stammtischen auch, dass der traditionelle schwäbische Handwerksbetrieb ohne die Ehefrau des Meisters als Buchhalterin keine zwei Monate überleben würde.
    Wenn Bayern den Umbruch nicht schafft, dann kann man den Frauen raten, einfach auszuwandern. Deutschland ist groß.

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