Tokio Hotel in China (2)

Mich kann nichts mehr schocken. Vorgestern noch sorge ich mich ob der Berichterstattung über Tokio Hotel als Aufmacher in der Onlineausgabe der „New York Times“. Heute kann ich nur müde darüber lächeln. Denn es kommt noch schlimmer: Tokio Hotel nehmen China ein!

Rückblende. Ich sitze gemütlich in einer Nachbarswohnung und unterhalte mich nett mit der mit Zhini Xu, der Tochter des Hauses, die am anderen Ende Chinas Arabisch studiert und wegen des Neujahrfestes nach Hause gekommen war. Das erste Mal im Reich der Mitte kann ich mich mal wieder über Musik und Bücher austauschen. Wir sprechen über Orhan Pamuks „Mein Name ist Rot“ und Oscar Wilde. Wir hören Musik von den Arctic Monkeys und Mando Diao. Ich hatte es nicht mehr zu glauben gewagt, dass es Chinesen mit einem guten Musikgeschmack gibt, hatte ich doch bisher nur das Gegenteil erfahren.

Sie zeigt mir chinesische Zeitschriften für Musik und Filme, die sich fast nur mit westlicher Kultur beschäftigten. Ich sah Rezensionen für „Blood Diamonds“, dem deutschen Film „Der letzte Zug“ oder „The Departed“. In den fünf Magazinen, die ich sah, war sogar eine explizite Sexszene abgebildet, verwunderlich in einem Land, wo sich die Regierung dem Kampf gegen Pornografie verschrieben hat.

Dann die erste Überraschung. Über Maximilian Hecker, einem deutschen Sänger, dessen Lieder von Welt- und Herzschmerz triefen, wird sogar auf zwei Seiten berichtet. In Deutschland dagegen kennt ihn fast niemand.

Dann die zweite, wesentlich unangenehmere Überraschung. Schon wieder die Tröten aus Magdeburg. Diesmal gezeichnet und gebastelt von Fans. Wobei das rechte Bild nicht wirklich den Eindruck macht, aus China zu stammen, denn in China gibt es traditionell eher wenige Menschen, die auf den Namen Sophia hören und dann auch noch auf Deutsch „Frohe Weihnachten“ wünschen können.

Ich frage Zhini Xu was es mit Tokio Hotel in China auf sich hat: „Große Stars sind sie noch nicht, aber sie werden langsam immer bekannter.“

Doch vielleicht hilft uns die Weltgeschichte, den Feldzug der Zwillinge aufzuhalten, denn die Chinesen und Japaner sind aus historischen Gründen nicht besonders gut aufeinander zu sprechen. Wer will denn da eine Band hoeren, die die Hauptstadt der Japaner im Namen trägt?

3 Gedanken zu „Tokio Hotel in China (2)“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.