Die Leidenschaft Lesen

Von dem Gefühl in Büchern zu versinken

Meist passiert es am Anfang. Manchmal dagegen braucht es einen zweiten Anlauf. Es braucht einfach dieses wunderbare Gefühl, ein ganz besonderes Buch gefunden zu haben. So entsteht ein Zwiespalt: Einerseits will ich die Seiten verschlingen, so schnell wie möglich das Ende der Geschichte kennen und bis dahin das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Andererseits will ich jedes Wort ganz bewusst aufnehmen, lese Absätze immer und immer wieder und will so das unvermeidbare Ende so lange wie möglich hinauszögern. Habe ich eine solche Lektüre gefunden, ziehe ich sie allem anderen vor: arbeiten, essen, schlafen,

Wie findet man diese wunderbaren Bücher mit ihren Geschichten, die mich völlig in ihren Bann ziehen? Doch welche Bücher sind das? Sie sind wahrlich schwer zu finden. Das letzte Buch, das ich in die Kategorie eines tollen Buches, das mich völlig ergriffen hat, ist „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier. Irgendwie wusste ich das bereits vorher. Welchen Schatz ich mit „Kafka am Strand“ von Haruki Murakami im Bücherregal stehen hatte, war mir dagegen nicht von Anfang an klar. Beim ersten Anlauf vor zwei Jahren legte ich das Buch nach 35 Seiten weg. Als ich in China das zweite Mal begann, las ich es in einem Zug aus. (Ist es Zufall, dass genau diese zwei Bücher von der Leidenschaft zum Lesen handeln?).

Was braucht ein solches Buch? Meiner Erfahrung nach sind es keine Thriller oder Krimis, keine reine Unterhaltungsliteratur. Es sind Bücher, die oft vom Sinn des Lebens handeln, von Menschen, die ihr Leben komplett umkrempeln oder einfach Geschichten, die in mein Leben passen – oder eben doch ganz anders sind. Im Grunde kann ich nicht genau sagen, was genau sie ausmacht, wenngleich ich oft schon in der Buchhandlung bzw. Bücherei merke, wann eine Geschichte das Potenzial hat, mich ganz und gar zu vereinnahmen.

Warum suche ich also nicht konkret nur nach solchen Büchern? Das ist ganz einfach. Lesen ist stimmungsabhängig. Konnte ich in Deutschland mit „Kafka am Strand“ nichts anfangen, legte ich es in China nicht mehr aus der Hand. Außerdem: Ein solches Buch ist etwas ganz besonderes. Etwas, das umso schöner ist, wenn man es nicht immer zur Verfügung hat. Denn Verzicht ist Genuss.

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