Chinesen, die unbekannten Wesen Teil 2: Die Trinkkultur

Asiaten vertragen keinen Alkohol! Ein Enzym, das den Alkohol abbaut, arbeitet bei ihnen langsamer, führt daher schneller zu einem Vollrausch. Das hält Chinesen aber sehr oft nicht vom übermäßigen Alkoholkonsum ab.

Alkohol trinken gehört zu einem Abendessen mit Freunden oder Kollegen genauso dazu wie Reis. Entweder gibt es Reisschnaps, wenn man Pech hat ist er sogar selbst gebrannt und scheint sämtliche Zellen vom Mund über den Rachen bis in den Magen irreparabel zu zerstören. Oder es wird Bier getrunken, lauwarm.

Meistens wird Schnaps beim Essen bevorzugt. Ein Tipp für alle Chinareisende bei der Getränkeauswahl: „Wine“ ist in China hochprozentiger Schnaps und kein edles Tröpfchen aus Frankreich oder Franken.

Aus kleinen Schnapsgläsern wird vor, während und nach dem Essen getrunken. In einem Tempo, dass ich manchmal kaum Zeit fand meinen Magen mit Leckereien zu füllen, um die Promillezahl einigermaßen niedrig zu halten. „Gambei, Gambei!“ – „Prost, Prost“, wörtlich „Trockne das Glas“, ist das Zeichen sich den Alkohol auf Ex hinter die Birne zu kippen. Zu Beginn prosten alle zusammen, dann jeder mit jedem, zu Beginn die Ranghöchsten.

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Bei einem Abendessen mit 10 Personen werden da schon mal leicht drei bis vier Flaschen Schnaps geleert, es entwickelt sich sehr oft zu einem richtigen Gelage. Ein „Nein“ zählt selten. Nur eine Krankheit überzeugt, einfach aus Spaß nüchtern bleiben – undenkbar. Immer wieder habe ich erlebt, dass Bekannte, die offensichtlich sturzbesoffen waren und keine Lust mehr auf Alkohol hatten, sich bei ihren Vorgesetzten nicht trauten, abzulehnen. Dies zeugt vom weit verbreiteten Hierarchiedenken und dem Gehorsam, der Älteren oder höher gestellten Personen entgegen gebracht wird.

Vor allem in Männerrunden konnte ich ein Verhalten beobachten, das ich in Deutschland vor allem von 14-jährigen pubertierenden Jungs kenne: Wer kann am meisten Saufen? Da wird geprahlt und versucht sich gegenseitig unter den Tisch zu saufen. Wird nicht das ganze Glas geleert, wird zäh über die zu trinkende Menge verhandelt, zum Teil minutenlang: Der eine zeigt eine Linie auf seinem Glas – soweit will er trinken. Der andere deutet auf sein Glas. Das ganze geht so lange bis sie sich geeinigt haben.

Natürlich sind nicht alle Chinesen Alkoholiker, aber der Konsum von Bier und Schnaps ist überraschend hoch und als Ausländer (und auch Chinese!) gerät man in Situationen, wo sehr viel diplomatisches Geschick nötig ist, um zu vermitteln: „Nein, ich will nichts mehr trinken“ ohne zu unhöflich zu werden.

Dieser Beitrag ist ein Teil der Serie „Chinesen, die unbekannten Wesen“.

Teil 1: Chinesen, die unbekannten Wesen

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