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Eileen Chang: Gefahr und Begierde

Oder: Wie kleine Zufälle das Leben versüßen können

Ich liege entspannt auf dem Sofa und überfliege kurz den SPIEGEL der letzten Woche, bevor sein Schicksal den Müllentsorgungsfirmen übergeben wird. Dann, am Ende, in der Rubrik “Szene”: Einspaltiger Artikel, Überschrift: “Shanghai in Krieg und Liebe.” Wie immer, China – das zieht meine Aufmerksamkeit an. Eileen Changs Roman wurde ins Deutsche übersetzt. Dann sehe ich das Buchcover. Irgendwie kommt mir das bekannt vor!

10 Minuten später: Ich hab’s! Ich schnappe mir ein Buch, vergleiche die chinesischen Schriftzeichen: Eindeutig! Ich hab ein Buch von Eileen Chang zu Hause. Liebe Leser, ihr fragt euch vielleicht, wieso mich das so freut.

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Die Antwort: Während meiner Monate in China lernte ich ein Mädchen kennen. Sie studiert Arabisch und ihre Leidenschaft ist Literatur. Lange unterhielten wir uns: Über Orhan Pamuks “Rot ist mein Name” oder Goethe . Am Ende der Ferien, bevor sie wieder zu ihrem Studienort am anderen Ende Chinas aufbrach (ich konnte mir die Stadt nicht merken), schenkte sie mir ein Buch. Es sei eine ihrer Lieblingschriftstellerin, ihre Bücher in China Klassiker und vor allem bei den Jüngeren beliebt. Ich freue mich, finde es jedoch schade, dass ich es nicht lesen kann. Aber ein schönes Souvenir ist es trotzdem.

Und jetzt das: Der erste Band “Gefahr und Begierde” wurde ins Deutsche übersetzt. Die Rezensenten sind begeistert, z.B. taz:

Kniffeliger Geschlechterkampf, in dem Blut, Schweiß und Tränen fließen, das ist der Stoff, aus dem nach Ansicht der begeisterten Rezensentin Susanne Messmer Eileen Changs Literatur gemacht ist, die mit diesem Erzählungsband nun endlich auch auf Deutsch zu entdecken sei. Chang werde im “angloamerikanische Raum” schon länger als “dichtende Garbo” kultisch verehrt. Zu Recht, wie man dem leidenschaftlichen Plädoyer der Rezensentin entnehmen kann, die diese Autorin für eine der interessantesten Erzählerinnen der klassischen chinesischen Moderne hält. Die Texte des Bandes bestächen mit Milieugenauigkeit und psychologischer Schärfe, mit der hier die Verwicklungen der Gefühle immer auch im Kontext von Geschlechter- und Klassenverhältnissen geschildert würden. Schonungslos bitterböse Prosa also, wie die Rezensentin genüsslich notiert.

Ang Lee hat den Stoff verfilmt. Leider kenne ich den Film nicht. Ich freue mich, werde das Buch schnellstmöglich lesen, den Film ansehen und auf die Übersetzung des zweiten Bandes hoffen!

Im anglo-amerikanischen Raum sind die Bücher seit langem übersetzt und geschätzt; ich könnte also die englische Version lesen. Doch mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wie der Titel “meines Buches” ist. Die englischsprachigen Ausgaben haben – im Gegensatz zur ersten deutschen Übersetzung – das chinesische Buchcover nicht übernommen.

Ich freue mich, dieses Buch auch bald lesen zu können und zufällig von der Übersetzung erfahren zu haben. Oh, wie schön sind Zufälle!

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  1. Pingback: China through Lomo » Beitrag » schafott.blog

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