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Internet statt Marktplatz: Demokratie 2.0

 

Beim US-Präsidentschaftswahlkampf nimmt das Internet eine wichtige Rolle ein. Wie sehr nutzen Parteien ein Jahr vor der Bundestagswahl die Möglichkeiten des WorldWideWeb? Gibt es auch in Deutschland Demokratie 2.0?

„Waren noch mit einigen delegierten und ein paar journalisten ein bier trinken. Waren alle von der michelle obama rede begeistert.“ Diese Worte schrieb Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, vom Nominierungsparteitag der US-Demokraten in Denver. Heil nützte den Internetdienst Twitter, der Nachrichten von einer Länge bis zu 140 Zeichen erlaubt. Über 1000 Nutzer haben seine Nachrichten abonniert.

Als erster Spitzenpolitiker in Deutschland nutzt er damit die Möglichkeiten, die das so genannte Web 2.0 mit ihren sozialen Netzwerken bietet, ganz nach amerikanischem Vorbild. In den Vereinigten Staaten sind Politiker, die Blogs schreiben oder mit ihren Anhängern über soziale Netzwerke kommunizieren, normal. Vor allem der Präsidentschaftswahlkampf 2008 zeigt ganz klar, dass eine ausgefeilte Strategie im Internet wichtig für den Gewinn der Wahl ist. Deshalb nutzen John McCain und sein Kontrahent Barack Obama strategisch alle zur Verfügung stehenden Wege: Die Demokraten und Republikaner haben ihre eigenen Netzwerke; sie stellen Videos auf die Plattform YouTube; Fotos gibt es beim Fotodienst flickr; die Wähler werden mit persönlichen eMails oder Twitter auf dem laufenden gehalten. Beide Anwärter wissen, dass sie so Millionen von Bürger einbinden und aktiv am Wahlkampf teilhaben lassen können. Diese neue Form der Politik heißt Demokratie 2.0, in Anlehnung an den Begriff Web 2.0.

Internet nur als verlängertes Presseorgan

Wie sieht die Situation in Deutschland aus? Natürlich haben alle Parteien ihre eigenen Webauftritte, wo sie sich vorstellen und die Bürger sich informieren können. Doch sie binden die Nutzer nicht wie in den USA ein. „Viele nutzen das Internet nur als verlängertes Presseorgan“, sagt Markus Beckedahl, Blogger bei netzpolitik.org. Eine Interaktion zwischen Politikern und Bürgern finde kaum statt. Zwar veröffentlicht Bundeskanzlerin Angela Merkel seit 2006 regelmäßig Videopodcasts, wo sie über ihre aktuelle Politik spricht. Doch ein direkter Kontakt, beispielsweise durch Fragen oder Kommentare der Zuschauer, komme nicht zustande.

Diese Zurückhaltung überrascht besonders, da in einem Jahr Bundestagswahlen anstehen und der Wahlkampf beginnt. Doch im Internet ist keine Spur davon. „Eine Inflation spontan in der heißen Wahlkampfphase aus dem Hut gezauberter Onlineaktivitäten ist erwartbar, aber weder nachhaltig noch mit den Auftritten der US-Wahlkämpfe vergleichbar.“, heißt es in der Studie „Zwischen Strategie und Experiment – Politik im Web 2.0“ vom Juni 2008. Weiter heißt es: „Die Parteien und Spitzenpolitiker sind zum Zeitpunkt der Erhebung im klassischen Wahlkampf verhaftet, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Und auch die Jugendorganisationen und ihre Spitzenvertreter bilden hier keine Ausnahme.“

Julia Seeliger, Mitglied im Parteirat der Grünen, ist die einzige Politikerin, die regelmäßig bloggt. Die Landesfraktion der bayerischen Grünen macht im Wahlkampf erste Versuche mit dem Dienst Twitter. Doch geplant und durchdacht nutzen die Parteien das Web 2.0 nicht.

Auch Schäuble antwortet

Doch die Parteien sind nur eine Seite der Politik im Netz. Denn das Internet bietet Menschen, die sich für Politik interessieren sehr leicht die Möglichkeit, selbst Texte zu veröffentlichen oder sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Abseits der Parteipolitik ist die Entwicklung des Internets hin zur Kommunikationsplattform weiter fortgeschritten. „Im Netz haben vor allem kleinere Organisationen viel besser eine Möglichkeit ihr Zielpublikum zu erreichen. Früher kam man nicht ins Fernsehen, wenn die Organisation nicht groß genug war“, weiß Beckedahl. Jetzt sei es einfacher, Menschen mit denselben Interessen zu finden und als Organisation bekannt zu werden.

Ein Beispiel für Demokratie 2.0 ist die Seite abgeordnetenwatch.de. Jeder kann dort online seinen Abgeordneten befragen. Die Fragen und Antworten sind online einsehbar. „So entsteht nach und nach ein Wählergedächtnis“, sagt Gregor Hackmack, einer der Gründer der Seite, denn gespeichert wird auch das Abstimmungsverhalten. Es könne ein direkter Kontakt zwischen Bürgern und Politikern hergestellt werden. 93 Prozent aller Bundestagsabgeordneten haben auf der Plattform mindestens eine Frage vernünftig beantwortet. „Es gibt Abgeordnete, die geben nur Standartantworten“, erzählt Hackmack, „aber auch keine Antwort ist eine Antwort.“ Innenminister Schäuble habe beispielsweise 112 Standartantworten geschrieben, gebe aber seit der 113. Frage mustergültige Antworten. „Die Abgeordneten nehmen das wirklich ernst mittlerweile, weil die Antworten durch die Medien transportiert und für die Nachwelt erhalten werden.“

Politiker nutzen Chancen nicht

Es überrascht, wie wenig die Parteien bei ihren Wahlkämpfen auf das Medium Internet setzen, denn es hat das Potenzial mit wenigen Mitteln Millionen von Deutschen zu erreichen. Internetplattformen bieten sowohl Politikern als auch politisch Interessierten Chancen sich zu vernetzen, auszutauschen und zusammenzuarbeiten. Viele Politiker sind sich offensichtlich nicht bewusst, welche Chance sie verspielen, wenn sie das Internet ignorieren. Die Demokratie 2.0 steht in Deutschland noch ganz am Anfang.

Für die Bundestagswahlen 2009 ist nicht mit großen Veränderungen zu rechnen. Die ersten richtigen Konzepte für Wahlkamp im Internet sind wohl erst im Jahr 2013 zu erwarten. Nichtregierungsorganisationen sind da grundsätzlich schon weiter, doch sowohl Parteien als auch alle anderen politischen Organisationen müssen sich in den kommenden Jahren mit dem Gedanken anfreunden, dass die Wahlen immer weniger auf Marktplätzen, sondern im WorldWideWeb entschieden werden.

15 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo,

    auch wenn das Bedauern in deiner Aussage gut und selten ordentlich formuliert ist, machst Du wie so viele Menschen den Fehler zwei voneinander gänzlich differente Systeme miteinander vergleichen zu wollen. Spiegel bzw. Spiegel-Online sehen die “politische” Netz, Netz 2.0 Welt da tatsächlich fast genau so.

    Was jedoch selbst bemühte Journalisten wie auch Du hier übersehen ist der Umstand das Authentizität in einer Welt der quasi tolerierten Doppelleben einfach nicht machbar ist. Die Gefahr der virtuellen Entblößung, die sich auf komplexe Systeme und Verstrickungen in der realen Welt auswirken, ist hier viel zu groß.

    Das von dir aufgeführte Beispiel “abgeordnetenwatch” kann diesbezüglich als regelrecht exemplarisch betrachtet werden. Hier machte ich mir persönlich die Mühe Herrn Wiefelspütz darum zu bitten seine eigene Aussage:
    “Ich wäre für die Vorratsdatenspeicherung auch dann, wenn es überhaupt keinen Terrorismus gäbe.” sachlich zu begründen. Seine Antwort vom 17.11.2007:
    “Sehr geehrter Herr Kostic, die Vorratsdatenspeicherung hat den Sinn, die Aufklärung schwerer Straftaten zu erleichtern. In Deutschland sind terroristische Straftaten eher selten. Die meisten schweren Straftaten haben kein terroristisches Gepräge.”.
    Daraufhin hakte ich sachlich nach:
    “Sehr geehrter Herr Wiefelspütz, danke für Ihre Aufschlussreiche Antwort. Sie definieren hierin, dass in Deutschland terroristische Straftaten eher selten sind. Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie dem Wort „selten“ einen nachvollziehbaren Zahlenwert zuzuordnen könnten, basierend auf Verurteilungen der letzten 10 Jahre.”
    und bekam diese Antwort:
    “Sehr geehrter Herr Kostic, die exakten Zahlen werden dem Bundesjustizministerium vorliegen. Wenden Sie sich bitte an das Ministerium.”
    Meine diesbezüglich weiterführende Frage:
    “Sehr geehrter Herr Wiefelspütz, danke für Ihre Antwort vom 18.11.2007. Hierin definieren Sie, dass Ihnen persönlich die genaue Zahl terroristischer Straftaten in Deutschland, basierend auf Verurteilungen der letzten 10 Jahren, nicht bekannt ist.

    Ist Ihnen persönlich bekannt wie viele schwere Straftaten in Verbindung
    bzw. basierend auf sog. IT resp. unter der Zuhilfenahme/Einbindung des
    sog. Internet, in den letzten 10 Jahren zu Ermittlungsverfahren bzw.
    Verurteilungen führten?”

    wurde von der Redaktion unter Zuhilfenahme fadenscheiniger Ausreden, nicht eingepflegt. Und natürlich verweigerte Herr Wiefelpütz die direkte Antwort, weil er es schlicht nicht wusste und noch immer nicht weiss. Nach wie vor weigert sich die Redaktion von abgeordnetenwatch die Möglichkeit das informelle Defizit von Abgeordneten dort durch Nachfragen darzustellen. Eben auf welcher Basis einen Abgeordneter seine Argumentation (und also auch Entscheidungsfindung nach GG) aufbaue, wenn ihm die von ihm benannten Informationen nicht einmal bekannt sind. In Summe wird dieser Dienst also nur noch von Abgeordneten genutzt, weil eine extrem starke Moderation logisch nachvollziehbare, bzw. klare systemische Missstände offenbarende Kritik, gänzlich unterdrückt.

    In den USA jedoch sieht die Welt grundlegend anders aus. Dort arbeiten alle Menschen mit Informationen und Informationsgenerierung. Schon seit Jahrzehnten. Und ein sog. Doppelleben eine Doppelmoral im eingangs genannten Sinn, ist äußerst verpöhnt (wenn auch nicht seltener als hierzulande). Wird eine Person des öffentlichen Lebens darin entlarvt, ist genau das eben das interessante daran. Hier in Deutschland ist das egal. Hier kann eine Familienministerin mit 7 Kindern eine Pädagogik und Lebensführung predigen, die sie sich nicht einmal zeitlich (siehe ihre Vita) selbst erarbeitet haben kann. Und genau das stößt hier nicht einmal der ach so geheiligten Web 2.0 Gemeinschaft auf. Eine Wertschöpfung im entlarvenden Sinn findet nicht statt…

    Politik in Europa und das Internet stehen sich ganz klar wie Feuer und Wasser gegenüber. Da wo die Einen Transparenz schaffen, verzerren, verwaschen und verdunkeln die Anderen mit aller Macht. Erstere sind hierbei garantiert weder in der Politik noch in der Wirtschaft tätig. Und also kommt das dabei heraus >http://www.ciez.de/ciez-defaul.....ml<

    Gruß

    Antworten

  2. Michael schreibt:

    >>>In den USA jedoch sieht die Welt grundlegend anders aus. Dort arbeiten alle Menschen mit Informationen und Informationsgenerierung. Schon seit Jahrzehnten. Und ein sog. Doppelleben eine Doppelmoral im eingangs genannten Sinn, ist äußerst verpöhnt (wenn auch nicht seltener als hierzulande). Wird eine Person des öffentlichen Lebens darin entlarvt, ist genau das eben das interessante daran. Hier in Deutschland ist das egal.< <<

    Auch ich hätte ein paar Fragen dazu, um deren Beantwortung in bitte ;-)

    War das im Fall Seehofer und seiner außerehelichen Affäre auch so?? Wann soll man solche tatsächliche Doppelmoral aufgreifen??? Wie ist die Grenzziehung zwischen Privatsphäre und politischem Raum? Konkret: Wer sich mit christlichen Tugenden brüstet und privat dagegen verstößt (z.B. Ehebruch) darf vorgeführt werden? Was ist mit einem konservativem Politiker, dessen Partei Homosexuelle diskrimminiert. Ist ein öffentliches Outing gegen seinen Willen zulässig? Darf ein/e Politiker/-in, die für ein öffentliches Rauchverbot eintritt, privat Zigarre rauchen?? Wann ist Doppelleben oder Doppelmoral, denn überhaupt solche??? War die Clinton-Lewinsky-Affäre wirklich aufklärerisch berichtet???

    Weiter schreibt Michael: >>>Politik in Europa und das Internet stehen sich ganz klar wie Feuer und Wasser gegenüber. Da wo die Einen Transparenz schaffen, verzerren, verwaschen und verdunkeln die Anderen mit aller Macht. Erstere sind hierbei garantiert weder in der Politik noch in der Wirtschaft tätig.< <<

    Ist das nicht eine etwas einfache Weltsicht? Alle (???) in der Politik verzerren, verwaschen und verdunkeln???? Politik ist per se antiaufklärerisch? Egal von wem? Ob Antifa-Gruppe in Berlin oder SPD-Abgeordneter im Bundestag???

    Jedes neue Medium, sei es früher Buchdruck, dann Radio, dann Fernsehen und heute Internet, sind sowohl zur Manipulation wie zur Aufklärung genutzt worden und werden es auch zukünftig. Es kommt immer darauf an wer sich ihrer bedient und wofür. Woran machen Sie fest, dass es einen höheren Grad an Aufklärung durch die politische Kommunikation im Netz in den USA im Gegensatz zu Europa gibt??? An Ihrem eigenen Blogeintrag??? ;-)

    Antworten

  3. @katha: freut mich, dass du das Thema aufgreifst. :-)
    @ Michael Kosic: Naja, die USA hier als die Bessere Welt zu bezeichnen finde ich wirklich etwas schräg. Wenn man sieht um was es tatsächlich geht im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf und Sarah Palin abgezogen wird, nicht nur im Web, dann bin ich froh hier in Bayern zu sein.
    @ Florian Pronold: Insofern muss ich dem Michael recht geben. Authentisch wird es so schnell in der Politik leider nicht zugehen, da ist zuviel Spiegelfechterei, mit wem könnt ich’s mir verscherzen, drehen nach dem nächsten Opportunismusfähnchen, etc. Oder glaubt wirklich noch jemand an Wahlversprechen? Wieso werden sie dann nachwievor von allen Parteien gemacht?
    Allerdings zu der Frage mit der Doppelmoral, das wissen wir doch, wie das geht. ;-)
    Man ist Staatsekretär einer großen bayerischen Partei, wird wegen einer Trunkenheitsfahrt rechtskräftig verurteil und taucht danach als wär nichts geschehen wieder auf und wird ein paar Jahre später sogar Verkehrsminister. Oder man ist Bundeskanzler und Mitglied einer dem Namen nach Sozialdemokratischen Partei, führt die größten Sozialkürzungen der Geschichte der Bundesrepublik durch und erhält dann einen lukrativen Posten in der Firma, mit der sein Freund Putin ganz Europa mit Energie versorgen (und dadurch kontrollieren) will.
    Ich bin ja gespannt, wann die Hohlmeier aus der Versenkung wieder auftaucht…

    Antworten

  4. @MdB Florian Pronold,

    zunächst einmal ist festzustellen das Sie am Freitag den 9. November 2007, in der 124. Sitzung des Deutschen Bundestages mit JA gestimmt haben. Siehe hier:
    http://www.bundestag.de/Parlam.....erwach.pdf

    Vor einem überlegten Disput sollten die Positionen der Diskutanten geklärt sein, um keinen falschen Eindruck zu vermitteln.

    Zu Ihren vielen Fragen…

    Thema Doppelmoral:

    Nicht nur laut GG sondern auch den Forderungen aus Wirtschaft und Politik sollen die Bürger dieses Landes ein mündiges, sich selbst und der Gemeinschaft gegenüber verantwortliches Leben führen. Sie sollen Grundsätze wie Würde, Toleranz und Gleichberechtigung schützen und wahren. Auch wenn Ehebruch laut deutschem Recht keine “strafbare” Handlung mehr darstellt, bzw. seit Jahrzehnten kein alleiniger Scheidungsgrund ist. So wurde doch die Würde der Dame von Herrn Seehofer mit Füßen getreten. Er hätte ja auch unumwunden die Ehe scheiden lassen können um sich anderweitig zu orientieren. Wenn ich mit Menschen interagiere die -warum auch immer- die Sexualität bestimmter Gruppen im o.g. Sinn (Toleranz/Gleichberechtigung) diskreditieren, ich aber selbst zu diesen Gruppen gehöre, muss mir klar darüber sein das ich abgelehnt werde, sobald dies denen offenbar wird. Zu implizieren das dies niemals geschähe ist blank weltfremd. Ein Rauchverbot, ist eine klare Verhaltenssteuerungsmaßnahme. Solche Maßnahmen sind Diktaturen eigen, aber keinen Lebensgemeinschaften die sich der freiheitlich rechtsstaatlichen Grundordnung verschrieben haben. Und wenn der Präsident einer imperialen Pseudodemokratie sich derart vorführen lässt, dann sollte er mal darüber nachdenken ob es nicht sinnvoller währe im Land der geheuchelten Prüderie männliche Sekretäre zu beschäftigen. Wie heisst es so schön?: “Mitgegangen, Mitgehangen!” Der Herr hat Jahrelang die konservativen Kräfte in seinem Land hofiert, und genau dafür die Quittung kassiert.

    Ein Doppelleben, doppelte Standards oder auch eine ebensolche Moral ist mit aufgeklärten mündigen Bürgern eben nicht zu machen.

    Thema Weltsicht und Politik:

    Sie nennen es tatsächlich einfach, wenn ich darstelle das Politik nur durch die genannten Mittel und Methoden möglich ist? Ich persönlich nenne das Realismus. Was gewinnen Sie wenn Sie versuchen ein nettes Menschbild von diesem Aufgabengebiet aufzubauen, welches noch nicht einmal über eine konkrete Tätigkeitsdefinition verfügt? Lassen Sie sich bitte nicht durch meinen Namen täuschen. Meine Familie besteht in Teilen aus Berufspolitikern. Hier, in Österreich und in Israel. Es ist überall das selbe. Es gibt nur zwei Arten Wahrheiten die ein Politiker jemals äußern kann und wird. Die welche ihm die Aufmerksamkeit der Wähler sichert (Karriere) und diese welche ihm schlussendlich sein berufliches Rückrad bricht. Persönlich erachte ich es als eher verwerflich auf der einen Seite zu erwarten man könne innerhalb dieses Systems erfolgreich wirken und dabei auf der anderen Seite auch noch den Menschen die korrekten Zusammenhänge darlegen (die Wahrheit sagen). Ihr wollt keine Vorratsdatenspeicherung? Na dann passt doch einfach euer Verhalten an und meldet freiwillig wenn ihr virtuell beobachtet das jemand getötet werden soll. Politik und Verwaltung operieren grundsätzlich bedarfsorientiert. Ohne Bedarf keine Regeln. Aus welchem Grund haben Sie für die Vorratsdatenspeicherung gestimmt? Aus Überzeugung, bitte welche? Aus Fraktionszwang? Wie war das gleich mit dem Gewissen und der Karriere?

    Thema neue Medien:

    Sie haben offensichtlich recht übereilt formuliert, ohne sich die Mühe zu machen sich hier einmal objektiv zu informieren. Ich kenne sowohl diese Technologie bis zum Prozessorkern hinunter, als ich auch PR und dessen Anwendungsgebiete in den USA erlernt habe. Daher habe ich auch lediglich auf die Differenz der beiden Nationen/Völker in der Nutzung dieser Technologie verwiesen. Ob und inwiefern sich hier eine verwertbare Aufklärung ergibt steht eben auch im Zusammenhang mit dem Volk an und für sich. Es ist schlicht nicht möglich ein Volk wie die Deutschen mit den Amerikanern zu vergleichen. 2500 Jahre Kultur und Geschichte gegen was? Um es mal polemisch provokant auszudrücken, dürfte sich ein durchschnittlicher deutscher Hauptschüler nicht mit einem amerikanischen Collegeschüler geistig duellieren, denn der Amerikaner ist schließlich unbewaffnet! Bzw. ist es aus kontinentaleuropäischer Sicht der Dinge einfach nicht möglich das Verhalten eines Volkes zu analysieren, welches nicht einmal über kontinentale Feinde verfügt und daher in Bürgerkriegen seine Haupterfahrung finden muss. Ebenso hätte man auch in der Antike versuchen können Römer und Griechen miteinander zu vergleichen. Schon aus geologischer sich ein absolutes Unding, von der gegebenen Allgemeinbildung einmal ganz abgesehen.

    Und bezüglich neuer Medien sei festgestellt, dass ich Ihnen hiermit genehmige sich mit unserer Initiative auseinander zu setzen. Die Tore stehen offen. Hier können Sie auch lernen warum Ihre netten Gesetze tatsächlich nichts Wert sind in einer Welt die nicht einmal in der Form existiert, die Sie zu sehen glauben (Religion ist tatsächlich ein sehr schlechter Ratgeber).

    In diesem Sinn “Knock, Knock Florian!”

    gez. Michael Kostic

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  5. @Martin:

    Ich habe nicht dargestellt das die USA “besser” wären. Ich habe auf die massgebliche Differenz aufmerksam machen wollen (siehe meine Erläuterungen oben).

    Gruß

    Antworten

  6. ^^
    Deutschland und die USA unterscheiden sich nicht nur im Punkt Wahlsystem dermaßen, dass der Vergleich zwischen beiden schon schief ist.

    Allein den auf eine Person bzw. auf dessen Running Mate zugeschnitte Wahl- und Poltikschema ist schon unterschiedlich genug, und ich möchte nicht wissen, wie viele Congress Men, Senators und ähnliches bloggen oder twittern. In Zahlen würde das bestimmt ähnlich traurig ausfallen…

    Zudem gibt es allein in meinem Blinkwinkel (der allerdings etwas zu Die Linke. verschoben ist) ein anderes Bild (siehe http://www.linke-blogs.de/). Unter anderem vier MdBs, die stellv. Parteivorsitzende … Bei den Grünen hat es auch so einige mehr. Und ich kenne auch noch ein paar SPD nahe Blogs.

    Ich denke man sollte nicht vergessen, dass es sich hier um mehr oder weniger öffentliche Ämter handelt, die Kommunikation nach außen also immer verschoben sein muss – teils aufgrund der Erwartungen des Hörenden und teils, weil der Sprechende natürlich nur kommuniziert, was er “will”.

    @florianpronold:
    wurde der Fall Seehofer denn von Blogs, Twitter und dem “Web2.0″ breitgetreten? Was spricht dagegen, homosexuelle Politker zu outen, die sich “von Berufs wegen” schlimmster homophober Propaganda befleissigen? Gerade in Blogs, im Netz2.0?

    Vielleicht ist das Netz der Gerüchte und Halbwahrheiten je immer schon dagewesen – als Reaktion auf die tatsächlichen Wahrheiten und das Reale. Das einzige was sich ändert ist die leichte Zugangsform, die einfache Möglichkeit, an den Conexus anzudocken. Früher musst man schon in eine Kneipe an den Stammtisch gehen, um Deutungshoheit zu erlangen. Oder die Zeitung mit den vier großen Buchstaben lesen.

    Es stehen somit zwei Alternativen zur Wahl – entweder Sie als Politiker ändern das Internet (ich sag mal: Vorratsdatenspeicherung, Telecom Act) oder das Internet ändert sie :). Da ich durch die gute bayerische Jusoschule gegangen bin erkenne ich die Hegelsche Dialektik hierin und weiß, dass letzeres passieren wird.

    Im übrigen glaube ich nicht, dass sich “Das Internet” und “Die Politik” in Deutschland gegenüberstehen wie Feuer und Wasser. Und zum Thema Postpolitik, was hier meines erachtens mitschwing hat Robert Misik eigentlich alles gesagt.

    http://www.misik.at/sonstige/p.....enhang.php

    Venceremos, Florian :)

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  7. @Michael Lindner:

    Ohne hier klugschwätzen zu wollen. Die Adresse lautet http://www.linkebogs.de und auch der Blog von Mark Seibert ist sehr lesenswert, wenn man die Dinge auch mal aus einer sozialeren Perspektive betrachten möchte (http://www.mark.linkeblogs.de/).

    Zum Thema Feuer und Wasser empfehle ich den Konsum dieses Beitrages:

    http://www.spiegelfechter.com/.....-interview

    Hier wird erstmals ganz klar ersichtlich in welchem Ausmaß die hiesige Politik die mittlerweile sog. Mainstreampresse beeinflusst. Und bevor hier wieder Missverständnisse auftauchen, sollte der Fall aus allen Richtungen betrachtet werden.

    Seit Jahrzehnten wurde in Deutschland Politik über die Öffentlich Rechtlichen und div. Printmedien (Der Spiegel/Stern) kommuniziert. Beides war kontrollier-, regulier- und ausrichtbar. Mittlerweile ist es “normal” das Interviews mit Politikern vor deren Veröffentlichung mit der jeweiligen PR-Abteilung der jeweiligen Partei “abgestimmt” werden. Einmal davon abgesehen das es sich hierbei, da nicht öffentlich kommuniziert (es steht nicht am Artikel), um eine arglistige Täuschung des Konsumenten handelt. Muss man sich auch die Frage gefallen lassen, weshalb sich hier Protagonisten äussern dürfen, deren Aussagen man “sicherheitshalber” zensieren muss.

    An diesem Punkt ist selbst die mangelhaft strukturierte Wirtschaft diesem sog. Volksvertretungssystem haushoch überlegen. Leute die sich dort nicht artikulieren können, die simpelsten Diskussionen scheuen, oder einfach nicht ihrer Position entsprechend über ein Thema informiert sind, lässt man einfach nicht mit Kunden/Auftraggebern sprechen (Ausnahmen bestätigen die Regel).

    Gruß

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  8. sorry fürs vertippern :) da ich linkeblogs.de mitgestaltet habe sollte ichs natürlich besser wissen :) *gnarf*

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  9. @ml:

    Hey! Wir sind doch eben keine Maschinen. Schön am Rande übrigens, dass Du wieder aufgetaucht bist. Es soll ja Leute geben die schaffen das nicht ;-)

    Gruß

    Antworten

  10. Scheint sich ja wirklich nichts mehr zu tun seitens des Herrn MdB der hier freundlicherweis’ mitdiskutierte. Dabei wäre ich auf seine Antwort durchaus gespannt gewesen. Aber vielleicht will ja gut’ Ding tatsächlich Weile haben :)

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  11. Das ist der Kern der Sache :-)

    Die Frage ist ob ihm klar ist, dass ich diesen Bloglink noch in 10 Jahren beobachten werde. Derweil ich natürlich bei jeder Elternversammlung auf diesen Zwischenfall hinweisen werde. Bei 4 Kindern an der Schule sind das locker 100 Leute die erfahren werden, dass gewisse MdB’s gerne ein Doppelleben führen wollen. Sie doppelte Standards bevorzugen und vom Privatleben absolut zu entkoppelnde sog. politische Gestaltungsräume einfordern. Wobei natürlich auch gern übersehen wird, dass solcherlei Parallelleben dem einfachen Bürger nicht zugestanden wird.

    Alle Menschen sind gleich, manche Menschen sind Gleicher…

    Gruß

    Antworten

  12. wo der MdB ist? Die bayerische SPD feiert doch bestimmt gerade den eigenen Erfolg, ääähhh den Misserfolg der CSU…
    Irgendwie kommt mir das so ähnlich vor wie das Gehabe der Linken, die die Reichen ärmer machen wollen, wovon die Armen aber auch nicht reicher werden.
    Weniger Stimmen für die CSU waren ja auch nicht mehr für die SPD, oder hab ich da was falsch verstanden?

    Antworten

  13. @Martin:

    Böse Zunge :-)

    Die SPD hat tatsächlich 1,0 % und 2 Stimmen im Landtag verloren. Grund zur Freude sollte dies wahrlich nicht sein. Jedoch erinnert mich deren Verhalten an das der Menschen die auf der Straße an einem Unfall vorbeigehen. In deren Gesichtern sieht man auch ganz oft dieses “Puh, es hat nicht mich erwischt…”. So in der Art halt ;-)

    Hast Du was gegen die Leute von der Linken? Mal davon abgesehen das die auch ein Auth… Authenzie…Authentitä… Glaubwürdigkeitsproblem haben müssen?

    Gruß

    Antworten

  14. Pingback: Ein Ozean namens Internet » Beitrag » schafott.blog

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