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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Baader-Meinhof-Komplex

Baader, Meinhof, RAF – in den letzten Wochen wiederholen sich zum Teil wieder die Diskussionen rund um Terrorismus in Deutschland. Der "Baader-Meinhof-Komplex" ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Spielfilm. Die Betonung liegt auf "Spiel". Überall betonte Produzent Eichinger zwar, dass der Film auf Fakten beruht, auf dem Buch von Stefan Aust. Ich bezweifle nicht, dass jede Patrone an der richtigen Stelle einschlägt und jede Haarsträne perfekt frisiert ist. Der Film lässt mich als Jahrgang 1988 wunderbar in die Mode und Lebenswelten der 60er und 70er Jahre eintauchen. Vor allem der Beginn mit der Demonstration gegen den Besuch des persischen Schahs und die Rede von Rudi Dutschke an der Berliner Universität sind eindrucksvoll. Die Stimmung der Studenten und ihre Motivation zur Revolte sind klar nachzuvollziehen.

Alle Fakten werden beachtet, die Anschläge nachgezeichnet, die Initiatoren  Baader, Meinhof und Ensslin vorgestellt. Die Anschläge detailgenau nachgezeichnet, Baader als Macho, Meinhof als die stille Denkerin und Ensslin als kaltblütige Möderin stilisert (obwohl kaltblütige Mörder natürlich alle waren).

Ich war mit meiner kleinen Schwester im Kino. Ich hätte nicht gewollt, dass sie sich den Film ohne Vorkenntnisse ansieht. Denn die Motive, warum sich diese kleine Gruppe von Menschen so radikalisierte und vor Gewalt nicht zurückschreckte, wird zu sehr übergangen. Bei Ulrike Meinhof gar konnte man gar das Gefühl haben, sie habe die ganze Sache (ein bisschen Schießen und Abenteuer) nur aus Langeweile und Unzufriedenheit in ihrer Ehe begonnen. 

Comments

Vielleicht war es so, dass einige Mitglieder der RAF die Taten aus Langeweile begangen haben. Ich glaube das zwar nicht, aber was weiß ich schon über diese Leute? Ich habe diese Zeit zwar als Erwachsener bewusst miterlebt, aber die Motivation habe ich, wenn ich es richtig überlege, eigentlich nie richtig begriffen. Ich habe jedenfalls unser Land nicht als ein Schweinesystem begriffen, gegen das man sich mit Gewalt wehren müsste. Das war damals. Heute wäre ich, angesichts der Finanzkrise und der Ursachen für dieses Desaster weniger distanziert.

Robert sagt:

Über die Taten der RAF kann ich ebenfalls kein gutes Wort verlieren, jedoch über den Film als solches. Der Film ist gut gemacht und bietet anständige Unterhaltung.
Ich finde jedoch, das das nur EINE Sichtweise der Dinge ist, wenn man die Fakten einmal weglässt. In vielen Dingen vermischen sich jedoch meiner Meinung nach Fakten mit Meinungen, vielleicht auch um den Film „geschmeidiger“ zu machen. So hinterlässt der Film bei mir viele Fragen und gerade in der Schlussphase wird er doch sehr fiktiv.

Nichts desto trotz finde ich diese Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte sehr gut, fehlt doch bei vielen jungen Menschen das Geschichtsbewusstsein für die Zeit zwischen Weltkrieg und Mauerfall.

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