Oh Schreck! Wetten, dass…?

Gestern abend zappte ich aus Versehen auf das ZDF. "Wetten, dass…?" lief und ich erschrak. Vor 10 Jahren war die Sendung das Größte für mich. Jeder Samstag, bei dem mir mein Papa erlaubte, die Sendung ganz – mit allen Überlängen – zu sehen, war ein guter Tag. Denn oft musste ich bereits nach den Wetten ins Bett: Wer zum Wettkönig gewählt wurde, wusste ich erst am nächsten Morgen. Beim Frühstück unterrichteten meine Eltern mich und meinen Bruder über den restlichen Verlauf: Wer gewann die Saalwette? Wer trat noch auf? Wie lange hat Gottschalk mal wieder überzogen?

Menschen die Wärmflaschen aufgeblasen haben oder weltbekannte Stars, die es sich auf dem Sofa bei Thomas bequem gemacht haben. Danach Simultanübersetzung, die immer eine kurze Verzögerung bei den Antworten von Madonna oder Elton John mit sich zog – auch das ist typisch "Wetten, dass…?".

Doch gestern war alles anders. Es war erscheckend. Es hätte auch eine zehn Jahre alte Sendung laufen können. "Wetten, dass…?" hat keine Entwicklung durchlaufen. Sie wirkte auf mich wie eine Sendung aus den 70er Jahren, die man in den letzten Jahren in diversen Rückblicksformaten zu sehen bekam.

Nur kurz sah ich "Wetten dass…?". Gottschalk stellte in dieser Viertelstunde komische Fragen, wies Jamie Oliver mindestens zweimal auf die widerliche Küche in England hin, nannte ihn später "Jeremy". Pink, wahrlich ein internationaler Superstar, ließ er links liegen. Die Unterhaltung war alles als locker. Alicia Keys durfte davor noch kurz die Flirtversuche von Gottschalk an sich abprallen lassen. In englischer Sprache machte er seine sogenannten Altherrenwitzchen.

Und wieso spricht Gottschalk so schlecht Englisch? Ich dachte, er lebt seit Jahren in den Vereinigten Staaten? Oder ist es Ironie? Will er uns Deutschen mit unserem akzentgefärbten Englisch den Spiegel vorhalten? Hat er diese Taktik mit Marcel Reich-Ranicki ausgeheckt?

4 Gedanken zu „Oh Schreck! Wetten, dass…?“

  1. Ohje, wie recht Du hast. Ich kenne noch die Anfänge damals mit Frank Elstner. Sicher war Wetten Das??? damals noch nicht so Gottschalk-like poppig, aber irgendwie fand ich es aufregender.

    Vor allem die Wetteinsätze waren damals anders, nicht so ein Pippifaxkram wie heute und die Moderation von Gottschalk stößt übel auf udn die Altherrenwitzchen von Elstner hatten wesentlich mehr Stil, Gehalt und waren damit auch erträglicher.

    Kurz, die Sendung ist wirklich nciht mehr das was Sie mal war und gefällt mir so schon lange nicht mehr. Da versüß ich mir den Abend lieber mit der Guiness Show, wenn diese mal läuft. Oder auch der Domino Day ist interessanter – aber das ist jetzt nur meine subjektive Meinung.

  2. Die Beobachtung von Gottschalks Englisch finde ich sehr interessant! Ich hatte ganz vergessen, dass er ja in den Staaten lebt. Mir ist er seit der Ranicki-Sache übrigens eher noch sympathischer – während des Fernsehpreises hat er super reagiert, und auch die spätere Sendung mit ihm war doch gut.

    Ich würde gern wissen, wie du dir die Weiterentwicklung des Formats vorstellst. Ich habe manchmal den Eindruck, dass es gerade so gut ankommt, weil die älteren Teile der Zielgruppe sich an früher zurückerinnern können… Wahrscheinlich ist „Wetten, dass…?“ aber doch nur ein kleiner Aspekt des größeren Problems.

  3. Ich habe die Sendung ganz anders empfunden. Zum einen möchte ich auch die Qualität der Wetten bemänglen, sowie die Wetteinsätze der Kandidaten. Ich denke eher, die Couch war zu voll mit Superstars. Eine Uma Thurman hätte gereicht, denn die fand ich äußerst gut. Ich hatte stellenweise das Gefühl, Gottschalk war überfordert was aber auch angesichts der Kürze und Kompaktheit der Sendung und dem anwesenden Aufgebaut kein Wunder gewesen ist.

    Ich halte Gottschalk immer noch für einen der besten Moderatoren Deutschlands, aber auch er ist irgendwann schlichtweg überfordert.

  4. @ Eva:
    Ich muss zugeben, dass ich den Fernsehpreis nicht gesehen habe und nur die folgende Diskussion in den Medien verfolgt habe, Inwieweit Gottschalk sich elegant aus der Sackgasse herausmanövriert hat, kann ich also nicht beurteilen.

    Ich denke auch, dass Nostalgie in gewissem Rahmen eine große Rolle spielt. Vor 10, 20 Jahren war die Sendung das Maß aller Dinge. Doch heute gibt es viele Sendungen mit ähnlichen Inhalten (zumindest was die Wetten angeht): Guinnessshow u.ä.

    Dazu kommt, dass „Wetten, dass…?“ vor Jahren die einzige Sendung war, zu der amerikanische/internationale Superstars kamen (oder irre ich mich?). Heute sitzen die aber auch bei Raab, der die jugendliche Zielgruppe viel eher anspricht.

    Wie ich mir eine Weiterentwicklung des Formats vorstelle? Das ist schwierig zu beantworten. Peppigere Wetten, wirkliche Gespräche, wie Robert schon angesprochen hat, und nicht nur eine möglichst große Zahl an internationalen Stars auf dem Sofa zu haben, die aber dann kaum beachtet werden.

    Meine Prognose: „Wetten, dass…?“ bleibt wie es ist. Jede Sendung werden ein paar Millionen Menschen sehen. Doch ich glaube kaum, dass sich „neue Seher“ finden lassen werden, sondern nur die weitergucken, die es auch die letzten 10, 15, 20 Jahre schon gemacht haben. „Wetten, dass…?“ und seine Zuschauer altern quasi gemeinsam.

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