Ein Ozean namens Internet

Politik 2.0: Im Laufe des Superwahljahres 2009 wird der Begriff mit Sicherheit immer öfter auftauchen. Doch wird diese Entwicklung außerhalb der Blogging- bzw. Internetszene überhaupt jemand wahr nehmen? Natürlich, Demokratie 2.0 nimmt einen immer wichtigeren Stellenwert an und hat mit Seiten wie abgeordnetenwatch.de Wegweiser für die Zukunft. Langsam aber sicher, greifen die etablierten Parteien die Entwicklung auf und wagen sich vorsichtig hinaus auf den Ozeans namens Internet.

Einer der Pioniere der bloggenden Politikerkaste ist Julia Seeliger. Bis Ende letzten Jahres im Beriner Landesvorstand der Grünen Jugend Bündnis 90/Die Grünen saß. Eine Nachwuchspolitikerin, in die die Grünen sicherlich große Hoffnungen setzen.

Mediale Aufmerksamkeit bekommt Seeliger immer dann, wenn sich die Diskussionen um Internet und Politik 2.0 drehen. (oder Monogamie). Aktiv ist sie auch bei Twitter. Unter anderem wegen Seeliger gilt die Partei als Vorreiter für die restliche politische Welt. Aber ist sind die Grünen das wirklich? Das fragt sich auch Henning (ebenfalls grüner Politiker).

Insbesondere der Kontrollverlust wird von den meisten in der Politik nach wie vor eher als Bedrohung angesehen. Auch innerhalb der Grünen ist es nicht immer so einfach, die Leute von mehr Web 2.0 in der Politik zu überzeugen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich davon erstmal ziemlich überrascht war.

Er führt aus, dass die Grünen Partizipation groß schrieben und deshalb auch der Schritte zu einer Politik 2.0 kleiner sei, als kleiner sei als bei anderen Parteien.

Genau da kommt Julia Seeliger wieder ins Spiel. Sie arbeitet seit diesem Jahr bei campact, einem wirklich interessanten Projekt für Politik im Internet. Campact organisiert Kampagnen über das Internet und wirbt auch mit Plakaten dafür, sich online für Umweltschutz einzusetzen.

Doch wie soll das funktionieren? Die taz erklärt:

Damit sich möglichst viele Menschen an dem Onlineprotest beteiligen, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein, bevor die Campact-Aktivisten per Mail zur Unterschrift gebeten werden: Nur wenn ein Entscheidungsprozess ansteht und es einen „signifikanten Widerspruch gibt zwischen dem, was die Regierung oder eine Partei vorhat, und dem, was die Mehrheit der Bevölkerung will“, kommt ein Aufruf infrage, erklärt Kolb. Außerdem müsse es eine „reale Chance“ auf Erfolg geben. Kolb hat über soziale Bewegungen promoviert und weiß: „Nicht alle Zeitpunkte sind gleich gut für Veränderungen.“

Ich finde, das hört sich interessant und vielversprechend an. Denn eines ist klar: In Zukunft findet der Wahlkampf im Internet statt am Marktplatz statt. Den Newsletter habe ich abonniert, einen Versuch ist es wert. Das kommende Jahr wird zeigen, ob der positive Eindruck von campact auch den Praxistest bei den Wahlen bestehen wird.

8 Antworten zu “Ein Ozean namens Internet”

  1. Netter Artikel, aber ich muss doch eines korrigieren: Ich saß nicht im Landesvorstand der Grünen Jugend, sondern von Bündnis 90/Die Grünen. Außerdem war ich im Parterat.

    (Kannst den Kommentar ja löschen, wenn du das ausgebessert hast.)

  2. daburna sagt:

    Also obwohl ich mich als politisch aktiver und interessierter Mensch bezeichne, ist mir Wahlkampf 2.0 ziemlich schnuppe. Politikerblogs lesen? Wozu? Klar, wenn ich einen „Lieblingspolitiker“ hätte und der bloggen würde, würd ich das eventuell lesen. Aber so, ne ist mir irgendwie zu langweilig.

    Aber Campact ist eine Sache, die ich auch offen unterstütze. Bisher haben auch alle Kampagnen meiner persönlichen Meinung entsprochen. Diese Form von politischer Beteiligung bzw. Protest ist auch ziemlich einfach. Kampagne gut finen – eintrage – email verifizieren und ab geht die Post. Laut Eigenaussage von Camapct haben die auch schon einiges bewegen können z.B. Verschiebung Bahn-Börsengang.

  3. katha sagt:

    @ julia

    so, ist ausgebessert.

  4. Henning sagt:

    Julia saß aber nicht nur im Berliner Landesvorstand, sondern auch im erweiterten Bundesvorstand (genannt Parteirat).

    Ich bin übrigens im Landesvorstand BaWü, falls du das ergänzen willst.

    Aber zum Inhalt: Eigentlich frage ich mich nicht wirklich, ob wir da Vorreiter sind. Kulturell sind wir es sicher, in der breiten Masse der Mitglieder und Funktionäre auch. An der Spitze der Parteien ist es bei allen noch sehr mau. Aber wir haben eine breite Basis im Web 2.0. Das macht uns so schnell keiner nach. Nur müssen wir an der Spitze eben noch was tun.

  5. daburna sagt:

    Und von der heutigen Campact-Mail-Aktion überzeugt?

  6. katha sagt:

    @ Henning
    Du hast recht. Die Zielgruppe der Grünen ist sicherlich internetaffiner als die der Konkurrenzparteien.

    @daburna
    Ich hatte jetzt zwei Tage kein Internet (und ich habe überlebt ;-)) und habe mich erst heute genauer damit beschäftigt. Ich habe den Appell unterschrieben, alles vernünftige Dinge. Ich denke, dass campact als größere Organisation der politischen Partizipation (v.a. mit großen Potenzial) dieses Jahr vor allem in der Atomdebatte etwas bewegen kann.

  7. daburna sagt:

    Ja, in Sachen Atom und Kohle sind die ziemlich aktiv. 90.000 Newsletter Abonnementen ist schon nicht schlecht, wenn dann immer 50 Prozent die Aktionen unterstützen.

  8. Robert sagt:

    Trendsetter sind auch hier mal wieder die Amerikaner. Obama wird ja als der ersten Präsident 2.0 gefeiert.

    Leider fürchte ich, das für einen ernsthaften Wahlkampf im Web 2.0 den deutschen Politikern der Mut und die Erfahrung fehlt um seriös und informativ aufzutreten. Ich würde mich freuen, wenn ich mich irre.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *