Die Neon kann es doch noch

Seit einigen Monaten schon kaufe ich die NEON mehr aus Pflichtgefühl, denn aus Überzeugung. Ich lese sie jeden Monat und finde sie durchaus unterhaltsam. Sie bildet meine Lebenswelt besser ab als jede andere Zeitschrift auf dem deutschen Markt. Doch richtig überrascht hat sie mich schon lange nicht mehr. Die Reportagen sind gefällig. Themen, die die Zielgruppe interessieren: Sex, Musik, Drogen. Im Grunde macht das Magazin Boulevard für Hipster. Die Geschichte des Mannes, der sich von Pferden ficken ließ – bis er starb. Eine Reportage aus Kalifornien, wo Cannabis auf Rezept auf dem Vormarsch ist. In dieser Ausgabe eine Anleitung für den Ritalinkonsum. Kathrin Passing hält ein flammendes Plädoyer für Ritalin, der sie in einen Arbeitsrausch versetzt. (Das wirft natürlich ein ganz anderes Bild auf ihr Buch: „Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin“.)

Auch politische Texte finden ihren Platz. Meist interessant und informativ, aber nicht neu. Meistens habe ich das Gefühl diese Geschichten schon einmal gelesen. In Tageszeitungen und Zeitschriften, Online und Print. Und immer öfter auch in Blogs. Blackwater, Söldner und Korruption in der UNO – die Themen hatten auch die SZ oder die Zeit betrachtet, die NEON hinkt immer ein bisschen hinterher. Die Musik- und Filmtipps findet man auf Blogs schon seit Wochen und zeigt ganz deutlich die Nachteile einer monatlichen Zeitschrift. Slumdog Millionär, The Whitest Boy Alive: ich dachte einen Moment, ich hätte nicht die aktuelle Ausgabe in meinen Händen.

Doch in der Ausgabe April 09 hat mich die NEON überzeugt, mit einem Artikel über Heavy Metal und seine Bedeutung in der zweiten und dritten Welt. Brasilien, Indonesien und der arabischen Raum sind die Zentren dieser Kultur. Mit der Musik folgt oft eine politische Einstellung, die mehr Freiheit in den meist undemokratischen Staaten fordert. In vielen Ländern des mittleren Ostens haben Jugendliche mit langen Haaren und einschlägigen Band-T-Shirts Repressionen zu befürchten.

Der Artikel berichtet über die Band Sepeltura und einem Metalfestival in Dubai. Millionen Fans weltweit laden sich die Songs ihrer Helden wie Metallica aus dem Internet. In Ländern wie Iran, in denen Metal verboten ist, ist das Netz oft die einzige Möglichkeit an die Musik zu kommen. Und natürlich auch der modernste und einfachste.

Solche Artikel erwarte ich von einem Magazin, das nach eigenen Angaben diejenigen bedienen will, die nicht erwachsen werden wollen, obwohl sie es sollten. Da sind Jugendkulturen aus aller Welt ein wichtiges Thema und der die Reportage „Iran Maiden“ trifft da den Nagel auf den Kopf.

4 Gedanken zu „Die Neon kann es doch noch“

  1. Ich habe das Heft nicht gelesen, aber das Thema Heavy Metal VS Repressive arabische Regime, das kenne ich schon. Ich meine, da gab es einen Dokumentarfilm zu und ich habe auch in irgendeinem Magazin schon mal was dazu gesehen (am Ende war´s das SZ-Magazin?)…

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