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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Trash TV

Es gibt kaum Unterhaltsameres als einen gut geschriebenen und nachvollziehbaren Verriss. Bestes Beispiel: Michael Bitalas Artikel „Ohne Sinn und Verstand“ (warum hat der Text online eine andere Überschrift als in der Printausgabe?) über Herz-Schmerz-Filme der ARD, die in Afrika platziert werden und vorwiegend mit Christine Neubauer besetzt sind. Stereotypen werden in diesen Filmen auf dem Silbertablett präsentiert, der intellektuelle Anspruch an den Zuschauer minimal. Also, here we go:

Wenn nun an diesem Dienstag Christine Neubauer erneut für die ARD in Namibia aufschlägt, um gleich mal den ganzen Kontinent in Beschlag zu nehmen (der Film heißt Meine Heimat Afrika), dann muss man das Offensichtliche gar nicht mehr kritisieren.

(…)

Nein, es geht nicht darum, dass Afrika als Projektionsfläche für Sehnsüchte hergenommen wird, dagegen ist nichts zu sagen, die ganze Tourismusindustrie des Kontinents lebt davon. Und keiner erwartet auch im Unterhaltungsprogramm ein Dokudrama über den Genozid in Ruanda oder über den ewigen Krieg im Ostkongo. Wer so gegen Afrika-Unterhaltungsfilme argumentiert, versteht das Fernsehgeschäft nicht.

Es geht um etwas anderes. Es geht darum, wie schlecht diese und viele andere Degeto-Produktionen sind. Würde man das Niveau als unterirdisch bezeichnen, wäre das zu hoch gegriffen.

Wie die bayerische Mama Afrika stapft sie mit einem Ureinwohner, der perfekt Deutsch spricht, über die Dünen, und nachdem sie immer wieder voller Freude festgestellt hat, dass Afrika in ihr Kräfte freilegt, die sie in Deutschland nicht verspürte – aus welchen Gründen auch immer -, sieht man sie schon breitbeinig auf dem Dünenkamm stehen und „Ich bin Mutter Erde“ in die leere Namib-Wüste schreien. Das, zum Glück, haben sich die Drehbuchautoren verkniffen. Dafür wird ihr dann das Gesicht von echten Afrikanern bunt bemalt, und sie darf an einer traditionellen Zeremonie teilnehmen, bei der ebenfalls perfekt Deutsch gesprochen wird. Da fehlt dann nur noch das Baströckchen.

(…) am Ende von „Meine Heimat Afrika“ weiß man nicht, worüber man mehr unglücklich sein sollte. Darüber, dass man für dieses sinn- und verstandfreie Werk mit seinen GEZ-Gebühren beigetragen hat, oder darüber, dass man 90 Minuten Lebenszeit vergeudet hat.

Wenn der Film nicht schon gestern gelaufen wäre – ich glaub, ich hätte ihn mir angesehen. Denn der Artikel macht Lust auf Trash-TV.

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