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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Die nächste Milliarde: Die Konsumenten des 21. Jahrhunderts

Brasilien ist die neue Figur auf dem Spielfeld der großen Wirtschaftsmächte oder sitzt zumindest auf der Bank und wartet auf seinen großen Auftritt. Spätestens 2014 wird es soweit sein, wenn Brasilien die Fußball-Weltmeisterschaft austragen wird und zwei Jahre später die Olympischen Spiele in Rio stattfinden werden.

Fast 200 Millionen Menschen leben in Brasilien, und langsam steigt der Wohlstand. Der Schweizer Konzern Nestlé war einer der ersten, der diesen riesigen Markt erkannte, ihn untersuchte und mit speziell auf ihn ausgerichteten Produkten bedient. Doch nicht nur was verkauft wird, hat der Konzern verändert, sondern auch das wie. Denn in den Favelas gibt es keine Supermärkte, weshalb selbstständige Verkäuferinnen von Tür zu Tür gehen und Kondensmilch oder Fertigprodukte verkaufen. So verdient nicht nur Nestlé daran, sondern auch ein Heer an Verkäuferinnen. “Hausfrauen-Ökonomie” nennt der Brasilien-Chef von Nestlé dieses Mikro-Verteilsystem, das die Armen als Nachfrager ernst nimmt. In der Reportage Boom, Boom, Brasilien zeigt das Schweizer Das Magazin, wie dieses System funktioniert:  

Die Weltwirtschaft braucht neue Kunden, und sie findet sie ganz unten, am Fuss der Bevölkerungspyramide. Im Westen ist Krise, doch in den Boom-Staaten der zweiten Welt gibt es potenzielle Konsumenten in Massen, in Brasilien, in China, in Indien, auch in Russland, Südafrika, Indonesien, Thailand. “The Next Billion” heissen sie in der Sprache der Ökonomen, die nächste Milliarde Menschen, die den Aufstieg in die Mittelschicht schafft. Man hofft auf sie, man rechnet mit ihnen. Historisch bilden sie die dritte grosse Welle, die sich Richtung Wohlstand aufmacht, nach dem Industrie-Proletariat im Europa des 19. Jahrhunderts und den Baby-Boomern in der westlichen Welt zwischen 1950 und 1980. Sie sind nicht reich, aber zahlreich. Sie ziehen weg vom Land, wo die Armut ist, an die Ränder der Städte, wo es Möglichkeiten gibt, nach Mumbai, Peking, São Paulo. Sie verdienen plötzlich mehr als 2 Dollar pro Tag, internationale Armutsgrenze für Entwicklungsländer, sondern vielleicht 10 oder 20. Noch immer kämpfen sie ums Überleben, aber nicht mehr an jedem Tag, und in guten Wochen können sie sich etwas leisten. Sie kaufen oder leasen Fernseher, Mobiltelefone, Kleider, Möbel, Waschmaschinen, Stereoanlagen, Computerspiele, Gebrauchtwagen. Sie haben nicht immer alle genug zu essen, aber alle zusammen essen sie sehr viel. Und manchmal gönnen sie sich eine Dose gesüsste Kondensmilch von Nestlé.

Comments

caro sagt:

Sehr geil. Und in 20 Jahren sind alle Brasilianer fett, haben vor lauter Mononatriumglutamat kein Geschmacksempfinden mehr, geschweige denn eine Nationalküche.

Katharina sagt:

@caro
das ist schon eine arg arrogante position eines 1. welt bewohners.
natürlich, nestlé hat viele punkte, die man kritisieren kann, doch ihr geschäft in brasilien machen sie gut.

caro sagt:

das dauert 10 jahre bis die brasilianer merken, dass die große kohle ihr land richtung schweiz verlässt und sie selber was aufbauen müssten, um ein stück vom kuchen abzubekommen. dann hat nestle den markt aber schon völlig vereinnahmt und wird es zu verhindern wissen, dass brasilianische firmen fuß fassen können. das ist keine starthilfe was die da betreiben, sondern invasion.

Katharina sagt:

Man kann Nestle so einiges vorwerfen… es gibt genügend Skandale in den letzten Jahrzehnten.

Doch dieses Konzept, das ein wenig wie Mikrokredite funktionieren, finde ich allerdings sehr interessant und innovativ.

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