So sieht die Zukunft aus! (Vielleicht).

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„Wie wir leben werden“ ist ein ehrgeiziges Buch. Es geht schließlich über die Zukunft.

Matthias Horx, der Gründer des Think-Tanks Zukunftsinstitut, schreibt aber nicht 250 Seiten Zukunftsvision, vielleicht 15 bis 20 Prozent befassen sich wirklich mit konkreteren Ideen vom Leben in ein paar Jahrzehnten. Viel mehr wabern seine Vorstellungen über den einzelnen Kapiteln, die mit Begriffen wie Geburt, Familie, Wohlstand, Kriege und Katastrophen bis zum Tod überschrieben sind. Die verschiedensten Lebensbereiche betreffen jede Person.

Zu Beginn war ich nicht besonders überzeugt, bis ich das Buch nicht mehr mit dem Gedanken ein Zukunftsbuch zu lesen in die Hand genommen habe, sondern kleine Essays über verschiedene Themen. Gefallen haben mir  vor allem die Teile, in denen historische Entwicklungen aufzeigt und es dann schafft den Bogen logisch über die Gegenwart in die Zukunft zu schlagen.

So schreibt Horx über Zukunftsideen Anfang des 20. Jahrhunderts. Die technologische Revolution, die besonders die Kommunikation beeinflusst hat, konnten sich anscheinend Menschen ganz gut vorstellen. Was auch daran liegt, dass gerade Technologie besonders linear entsteht, schreibt Horx. Auf der anderen Seite trieften die Texte von Horx’ Vorgängern vor hundert Jahren vor Rassismus und Überlegenheitsgeschichten.

Unvollständige Zusammenfassungen von ein paar Themengebieten (Interessanterweise, sind die meisten meiner Notizen Historisches).

Wohlstand

  • Warum konsumieren wie wild und lassen uns auf den Konsumterror ein? Drei Gründe zählt Horx auf:
  1. Wir sind einfach Jäger und Sammler
  2. Der Kauf eines iPhones bringt ein soziales Upgrade mit sich (zumindest so lange, bis es fast alle haben).
  3. Konsum verändert die Rollenstrukturen in einer Gesellschaft: Nicht mehr der Stand ist entscheidend für Privilegien.
  • Horx geht von sogenannten postmateriellen Ökonomiekreisläufen aus. Güter werden weniger gekauft als “angeboten”, was durch das englische Wort “provide” besser ausgedrückt wird, und so zum Beispiel vom Kunden nur noch für die benötigte Zeit gemietet.
  • In einer Wissensgesellschaft, die viele Arbeiten aussourct, wird sich eine Unterschicht, die nur schwer zurechtkommt, kaum vermeiden lassen.

Krieg und Katastrophen

Globale Auseinandersetzungen sollen nicht mehr so strukturiert ablaufen: Fronten an der Grenze zwischen zwei Ländern gehören der Vergangenheit an und territoriale Eroberung deshalb nicht mehr das Ziel eines Krieges. Stattdessen sollen Netzwerke der Zerstörung, die wie Verbrecher agieren, sollen dann Netzwerken des Wissens gegenüberstehen. Horx ist Realist genug nicht auf ewigen Frieden zu hoffen, aber Optimist genug, sich einen dominanten Frieden vorstellen zu können.

Politik

  • Links vs. Rechts haben in ausgedient und sind Schuld daran, dass eine Lieblingsbeschäftigung von allen ist, auf Politiker zu schimpfen: „Das was wir „Politikverdrossenheit“ nennen, ist nichts anderes als das logische Resultat dieses bipolaren Versagens. Linke wie Rechte stehen wie Ochsen vorm Berg der Zukunft. Sie scharren mit den Hufen, muhen und sehnen sich lautstark und polemisch nach einer vergangenen Zeit. Sie appellieren, drohen, heben die Zeigefinger früher oder später gegen den Bürger“
  • Eine existenzielle Frage für globale Zukunft lautet: Wer bestraft in Zukunft diejenigen, die den Nichtbestrafer nicht bestrafen? Denn sobald sich komplexere Gesellschaften entwickeln, also alles, was über 20, 30 Personen hinausgeht braucht irgendeine Form von neutralen Institutionen. Entscheidend für das Zusammenleben ist es dann nämlich, dass nicht nur eine Strafe gibt, wenn gegen Regeln verstoßen wird, sondern auch, wenn es jemanden gleichgültig, ob jemand anderer Regeln ignoriert.
  • Schweinegrippe, EHEC und so soll’s auch weitergehen: Eine Gefahr geht in Zukunft von Hysterischen Epidemien aus, die Angst und Panik in Gesellschaft schüren.

Natürlich muss es nicht so geschehen, aber warum denn auch nicht?

Zum Buch: Matthias Horx, Wie wir leben werden, Campus

Eine Antwort zu “So sieht die Zukunft aus! (Vielleicht).”

  1. chantal mouffe siehts genau anders. laut ihrer theorie ist der a(nta)gonismus das grundlegende des politischen/der demokratie und zwingend erforderlich und das vorherrschende konsensstreben führt zu politikverdrossenheit…

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