Lesenswertes: Krugman und Smith

Eigentlich sollte ich ja Ökonometrie pauken…

The Big Fail (New York Times)

Paul Krugman glaubt, dass zu Beginn der Finanzkrise ganz gut gehandelt wurde (Zinsen runter, Stimulus-Pakete), ab 2010 aber die falsche Richtung eingeschlagen wurde (Austerität).

Außer Rand und Hand (The European)

Adam Smith‘ bekannte These der „unsichtbaren Hand“ ist bis heute eine Maxime der Volkswirtschaft. Evolotionsbiologisch lässt sich aber feststellen, dass nur der Blick auf das Eigeninteresse das Überleben nicht sichert. Wichtig ist nämlich auch die Stabilität der Gruppe: „Probleme auf höherer Ebene verlangen auch nach Anpassungen auf diesen Ebenen und nicht lediglich auf dem Level des Einzelnen.“

Lass uns spielen

Ein paar Minuten nachdem ich die kaffeegetränkten Karteikarten zur Spieltheorie zusammen mit den Vorlesungsskript und den gelösten Übungsaufgaben in einem roten Ordner verstaut habe, begegnet mir zwei Tage nach der Klausur die Spieltheorie schon wieder. Frank Schirrmacher, prominenter Herausgeber der FAZ, hat ein Buch geschrieben. In „Ego“ behandelt er den Kapitalismus in Zeiten der Digitalisierung, der sich den Maximen der Spieltheorie verschrieben hat. Spieltheorie hat nichts mit Lego zu tun, eher schon mit „Schick,  Schnack, Schnuck“, der strategischen Interaktion zwischen zwei oder mehr Spielerin, die unter der Anforderung der Rationalität handeln.

Nun ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung nun nicht gerade als Kritikerin der neoliberalen Wirtschaftsordnung, umso verwunderlicher ist ein solches Buch aus diesem Dunstkreis. In der SZ wird es recht positiv besprochen:

„Im Zentrum (des Buches) steht die Spieltheorie. (…) Denn unbestreitbar ist, dass spieltheoretische Prinzipien heute so gut wie allen avancierten mathematischen Programmen zugrundeliegen, die von Investoren, Banken, Brokern und Unternehmen in direkten Konkurrenzsituationen angewendet werden. Und das hat in der Tat nicht zu überschätzende gesellschaftliche Folgen, die in dem harmlosen Begriff „Spieltheorie“ so verborgen sind wie der biblische Wolf im Schafspelz.“

Entscheidend ist, dass diese Theorie Entscheidungskämpfe zwischen Rivalen mathematisch durchspielt, indem sie für jeden „Mitspieler“ alle strategischen Optionen, Gewinnchancen und Risiken quantitativ ausformuliert und berechnet. Die einzige Unterstellung lautet, dass jeder „Spieler“ nur sein Eigeninteresse verfolgt: rational, ungerührt, auf Selbstmaximierung bedacht. Hauptanwendungsfälle sind Konkurrenzen in „nicht-kooperativen“ Konstellationen, vor allem in solchen, in denen man sich gegenseitig auch nicht in die Karten schauen kann – eben wie beim Gegeneinander im Kalten Krieg, aber auch wie in Wetten auf dem Finanzmarkt, beim Derivatenhandel zwischen Tradern oder bei der feindlichen Übernahme eines Unternehmens.

Das Buch steht auf Platz 1 meiner Leseliste für die Ferien.

FAZ-Feuilleton schießt aus der Hüfte gegen die VWL

Langsam könnte ich meinen Blog umbenennen: „VWL-Bashing“-Blog oder „Mein Studium ist scheisse“ oder „Hass-Liebe VWL“. Aber ich bin damit nicht alleine. Immer wieder treffe ich auf Gleichgesinnte, und zwar an den überraschendsten Stellen. Zum Beispiel in der FAZ. Dort echauffiert sich eine Autorin über die Generation der Vielleichtsager, die sich für nichts entscheiden können. Besonders überzeugend legt sie das nicht dar, wie auf jetzt.de in einer Gegenrede gezeigt wird. Über weite Teile des FAZ-Textes läuft die Kritik an den Vielleicht-dies-vielleicht-das-Menschen parallel mit einer Kritik der Geisteswissenschaften, um das ganz zum Schluss aus dem Hinterhalt und aus der Hüfte gegen die Volkswirtschaftslehre zu schiessen. Es geht um eine junge Frau, der in der Abschlussprüfung an der Uni vorgeworfen wird, sie würde ihre Meinung nicht klar genug zuspitzen, zu sehr abwägen:

„In der Abschlussprüfung in Volkswirtschaftslehre sah sich die junge Frau jedenfalls nicht mit dem Zuspitzungsproblem konfrontiert. Es fehlte der Anlass, irgendetwas kritisch hinterfragen zu müssen. Das hatten die Dozenten ja während des ganzen Studiums nicht von ihr verlangt. Es gibt durchaus Disziplinen, die noch Wahrheit kennen. Aber vielleicht ist genau das ihr Problem.“