Frank Schirrmacher in den Fängen der E-Books

Fast bin ich durch mit Schirrmachers „Ego“. Ob ich auch noch die letzten 30 Seiten lese, bleibt abzuwarten, denn er wiederholt sich schon seit 50 bis 60 Seiten, neuer Inhalt ist deshalb wohl nicht mehr zu erwarten.

Ich habe das Buch gekauft, weil ich neugierig war auf Kapitalismuskritik von rechts. Aber ich musste feststellen: „Ego“ ist keine Kapitalismuskritik, sondern eine Verschwörungstheorie.

Das Buch ist überschattet von einem dunklen Pessimismus, ja gar Paranoia. Gekoppelt mit Konservativismus ergibt das eine krude Mischung aus Technologie- und Wirtschaftskritik. Denn Schirrmacher spielt mit Ängsten und fasst durchgängig den rationalen Homo oecomicus, die Spieltheorie, Algorithmen und Technologie generell als „Nummer 2“ oder „Monster“ zusammen. Der Monsterbegriff taucht in dem faktenarmen Buch immer wieder auf.

Doch Schirrmachers Monster macht nicht in den Finanz- und Technikwelten halt, es greift auf jeden von uns über. Schirrmacher schreibt:

“Wem das zu abstrakt ist, der frage sich, welche »Präferenzen« ihm Google oder Facebook vorgeben, oder, was im Augenblick sehr viel dramatischer ist, welche Börsenalgorithmen die Präferenzen des Traders abbilden. Die Annahmen von Nummer 2 sind beim Lesen eines E-Books, bei »smarten« Geräten, in Finanzmärkten, im politischen Leben alle immer schon implantiert.”

Wie sehr auch Schirrmacher selbst schon in die Fänge seine eigner Verschwörung verstrickt ist, zeigt das knapp 400 Bücher umfassende Literaturverzeichnis. Nur 43 Titel davon sind als Papier-Bücher angegeben, bei 363 Büchern steht der Zusatz (Kindle Edition) dabei. Also 89 Prozent aller Bücher sind Monster-E-Books.

Für eine ausführliche Besprechung und Kritik des Buchs verweise ich auf mspro: Ego: Die eierlegende Wollmilchsau des Bösen

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