Langes auf dem Kleinen: Über das Lesen auf dem Smartphone

The Atlantic schreibt darüber, dass mehr und mehr Leute immer länger auf ihren Smartphones lesen – sogar länger als die Leute mit Tablets. Zumindest beruft sich der Text auf einen Artikel Buzzfeed, wahrlich keine große Stichprobe. Wie dem auch sei, langes Lesen auf dem Smartphone weicht von der gängigen Meinung ab:

„The working assumption, among media executives and most of the public who cares about such things, has long been that phones are best suited for quick-hit stories and tweets rather than immersive, longform reads. And while content producers have attempted to take advantage of the „lean-back“ capabilities of the tablet (see, for example, tablet-optimized products like The Atavist), phone use has generally been seen as flitting and fleeting—the stuff of grocery store lines and bus rides. „The average mobile reader tends to skim through headlines and snackable content as opposed to diving into long-form articles,“ Mobile Marketer put it in late October.“

Verbunden, so schreibt Megan Garber, sei die Entwicklung mit der Entdeckung von langen Texten im Internet. Stimmt: Schon seit Monaten liegt der Begriff „longform“ allen Meta-Medien-Menschen leicht auf der Zunge. Verlage und Medienfirmen, die etwas auf sich halten investieren in all das, was sich mit Snowfalling zusammenfassen lässt. Natürlich sind all diese Beiträge viel diverser all die Urmutter aller Digital-Storytelling-Projekte der New York Times. Aber schrei‘ einmal Snowfall in den Raum und alle wissen, was gemeint ist. Also: Generell gibt es mehr längere Geschichten, also lesen die Leute auch länger, auch auf dem Smartphone.

Dazu kommt das Scrollen auf Smartphone und Tablet:

„That single, tab-less screen—the screen that scrolls with the flick of a finger—fits the way we most like to read.“

Doch mit den Fingern scrollen kann man auf beiden, Tablets und Smartphones. Warum aber auf Smartphones immer mehr gelesen werde, hänge auch einfach damit zusammen, dass man das Handy in der Regel immer dabei hat, das Tablet hingegen nicht ganz so mobil ist. Die Hosentasche ist meistens doch näher als der Griff in die Tasche mit dem Tablet (wenn man denn überhaupt eines hat).

Und noch einen wichtigen Punkt spricht der Text an: die fehlende Ablenkung am Handy. Liest man am Smartphone einen Text am Handy ist der Browser automatisch im Vollbildmodus. Keine Adressleiste, die mich dazu verführt, eine andere Seite zu besuchen. Keine Leiste mit Programmen, die geöffnet werden wollen. Ein Grund, warum ich auch am Laptop lange Texte gerne im Vollbild lese.

Einen Punkt hat der Text aber vergessen: Lesen am Smartphone wird beliebter, weil es endlich Spaß macht, auf dem ja doch relativ kleinen Handy-Bildschirm zu lesen. Erst mit ausgereiften Webseiten, die sich automatisch an die Display-Größe anpassen (oder eine mobile Version haben), fühlt man sich Nutzer eingeladen, den Text zu lesen. Öffne ich die Seite und die Schrift ist winzig, im besten Fall erkenne ich ein Logo und die Seite schreit laut: Handy-Leser will ich nicht! Die meisten großen Nachrichtenseiten haben inzwischen eine mobile Seite, die es endlich bequem macht, im Bus, im Bett und auf dem Balkon zu schmökern.

Disclosure: Ich habe den Atlantic-Text auf dem Smartphone gelesen. Wicked sick!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.