Making-Of beim Datenjournalismus: Geocoding im Lokalen

Eigentlich war ich im November mit der Karte für die Bürgermeisterkandidaten im Landkreis Freyung-Grafenau fertig. Die Bilder und Namen erscheinen, die Gemeindegrenzen nicht erkennbar und eine Version für die gesamte Breite auf der Hogn.de-Webseite ist möglich.

Heute im Februar, vier Wochen vor den bayerischen Kommunalwahlen, ging mit der Karte der Bürgermeister-Kandidaten im Landkreis endlich mein erstes Datenjournalismusprojekt online, das eine Auftragsarbeit war. Die Resonanz, gemessen als Facebook-Shares, ist bisher noch, sagen wir, verhalten.

Fünf Gedanken:

1. Starke Konkurrenz bei der Passauer Neuen Presse mit wahl.info

Die Konkurrenz bei der Passauer Neuen Presse, meines Wissens nach unter der Federführung von Roland Mitterbauer, hat ein ähnliches, weitaus breiter angestelltes Wahlportal für das gesamte Verbreitungsgebiet der PNP in Niederbayern und Oberbayern erstellt. Die Infrastruktur stand bereits bei den Landtags- und Bundestagswahlen im Herbst. Das Wahlportal ist das beste, was die PNP in den letzten Jahren gemacht hat. Ich glaube sogar das einzige, das mir bei der Onlineausgabe der Passauer Neuen Presse jemals imponiert hat. Wer im Landkreis Freyung-Grafenau wählt oder sich für den Medienwandel interessiert, sollte wahl.info anklicken.

2. Daten besorgen ist harte Arbeit

Die Kandidaten wurden erst Januar bekannt gegeben, doch zu der Zeit war ich mit der Uni beschäftigt und Fotos, Alter und Berufe sammeln kostet Zeit und Nerven. Datenerhebung macht wirklich keinen Spaß. Gegen Ende fehlte mir die Praktikantin, die ich ab März beim Onlinemagazin Hogn.de sein werde.

Gesammelt habe ich die Daten in einem GoogleDocs-Spreadsheet, auch einsehbar.

3. Warum ich mich für Leaflet.js entschied

Erster Gedanke: Das mache ich mit D3.js. Allerdings wäre dann nur die Silouette des Landkreises sichtbar. Ich glaube, die wäre sogar alteingessesenen Waildern nicht als ihr Landkreis erkennbar. Außer bei kompletten Ländern wie Deutschland oder den USA kann man sich nicht nur auf die Form verlassen. Ohne Hinweise auf Städte etc. klappt das bei einem einzelnen Landkreis, der einfach so auf der Seite plaziert wird kaum, Betrachter haben kaum geografische Fixpunkte, um sich zu orientiren. D3.js ist also nicht die beste Wahl.

Aus der Arbeit an einer Umsetzung mit D3.js ging aber die Deutschland-Karte mit Lokalblogs hervor.

Grundsätzlich könnte man natürlich auch Google Maps verwenden. Doch gemäß der „Own your Platform“-Devise finde ich eine eigene Lösung besser. Das JavaScript-Plugin meiner Wahl ist Leafet.js, womit ich bereits eine WLAN-Karte für Regensburg umsetzte. Karten-Tiles unter Creative-Commons-Lizent stellen die Karte dar, die Gemeindegrenzen lege ich mit räumlichen Daten im Geojson-Format darüber. Die Infos zu den Kandiaten werden einzeln in HTML und JavaScript konstruiert, um Popup-Blasen zu vermeiden. An dieser Stelle gibt es viel Raum für Verbesserungen.

4. Keine iPad-Version

Mitterbauer vom Projekt bei der Passauer Neuen Presse hat mich darauf hingewiesen, dass es auf dem iPad nicht funktioniert. Damit hat er recht. Ich hab’s nie ausprobiert und wusste zumindest, dass es auf dem Handy nicht geht. Für eine responive Darstellung hatte ich nicht die Ressourcen und die Motivation.

5. Die Karte ist wirklich noch ausbaufähig. Mach mit!

Wenn jemand weiß, wie man die Einträge zu Namen und Fotos aus einer Datenbank einspeisen kann oder eine responsive Version herstellen? Dann seid ihr herzlich eingeladen, eure Ideen bei Github einzubringen! (Wenn ich es denn mal geschafft, die Dateien hochzuladen. Github check ich wirklich nicht.)

Update

Beim #ddjmonaco hab ich kurz von der Karte erzählt. Dabei hab ich Folien (Katharina Brunner #ddj) benutzt.

3 Antworten zu “Making-Of beim Datenjournalismus: Geocoding im Lokalen”

  1. matthias sagt:

    krasse arbeit, nicht schlecht!
    hab mir grade wahl.info angesehen und finde es so mittelgut. hat was von abgeordnetenwatch und wegen der dämlichen premiumprofile hält sich der mehrwert der plattform (?) irgendwie in grenzen. jeder flyer bietet mehr information

  2. Katharina sagt:

    Ja, stimmt: Die Idee von wahl.info ist im Grunde die gleiche wie bei Abgeordnetenwatch. Das finde ich nicht verwerflich, schließlich wurde das Prinzip auf eine lokale Einheit heruntergebrochen.

    Diese Premiumprofile finde ich auch ziemlich grenzwertig…. Das war wohl der Grund, warum ich immer gefragt wurde, ob es etwas kostet, wenn sie mitmachen …

  3. Roland sagt:

    Danke für das Lob! Deine Karte ist auch gut geworden. Kannst dir ja dementsprechend ungefähr vorstellen, wie viel Recherche und Erfassung in wahl.info steckt.

    @Matthias Für diese Daten von 17.000 Kandidaten aus 200 Gemeinden musst du dann aber viele Flyer sammeln. 😉 Das Infoportal wird in den kommenden Tagen und Wochen weiter ausgebaut.

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