Das neue Design ist nicht das tolle an Quartz – Drei Dinge sind viel wichtiger

Die Webseite der Wirtschaftsseite Quartz gilt als State-of-the-Art. Dennoch ruht sich das Magazin nicht auf den Lorbeeren aus.

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Als Quartz gestern sein neues Webdesign vorstellte, kam das zumindest für mich überraschend. Schließlich gilt die Webseite unter der Adresse qz.com bereits als State-of the-art: Das Design ist unter der Devise mobile-first entwickelt worden. Die populärste Aussage aus dem New York Times Innovations Report „The Homepage is dead“ haben die Quartz-Macher bereits beherzigt – und erst gar keine gemacht. Stattdessen bauten sie einen Stream: ein Text ist bereits geöffnet, weitere werden ständig nachgeladen. Das war eine wirkliche Neuerung bei Nachrichtenwebseiten. Nachahmer sind u.a. das Time Magazin, LA Times und die Neue Zürcher Zeitung (ein Interview zum NZZ-Stream gibt’s bei Vocer. Wie es der Zufall so will am gleichen Tag wie das Quartz-Redesign erschienen.).

Und was macht Quartz? Ruht sich einfach nicht auf den Lorbeeren aus und bringt ein neues Design – inklusive Startseite. Auch das neue Quartz sieht super aus, keine Frage. Aber hätte wirklich jemand etwas anderes erwartet?

Aber: Drei Dinge sind viel wichtiger als das Aussehen.

1. Quartz operiert wie ein Tech-Unternehmen

Quartz ist schnell: Zweites Design in zwei Jahren. Sie schreiben zum neuen Aussehen:

It’s our second major redesign in as many years, a rapid pace of reinvention that makes good on our promise to continually evolve and improve on what a purely digital news organization can be.

Features, die nicht ankommen, werden weggelassen, anstatt sie mitzuschleppen. Im Grunde agiert Quartz wie ein Tech-Unternehmen, von der Angst getrieben, dass da ein neues, besseres Format um die Ecke kommt – schließlich haben auch sie so ihre Position erlangt. Etwas, das viele traditionelle Medien nicht zu kennen scheinen. Frédéric Filloux bezeichnet es in seinen Monday Notes als „The Missing Gene“.

In the media industry, historic players never developed a sense of urgency. The situation varies from one market to another but, in many instances, the “too important to fail” was the dominant belief. It always amazed me: As I witnessed the rise of the digital sector – its obsession with fast growth, and its inevitable collision course with legacy media – incumbents were frozen in the quiet certitude that their role in society was in fact irreplaceable, and that under no circumstances they would be left to succumb to a distasteful Darwinian rule. This deep-rooted complacency is, for a large part, responsible for the current state of the media industry.

2. Die Startseite ist keine Eingeständnis eines Fehlers, sondern ein Zeichen des Erfolgs

Quartz musste erst mit seinen Inhalten punkten, um bis zu dem Punkt zu kommen, dass Leute qz.com in ihre Browserzeile tippen und nicht über einen Link kommen. Die Notwendigkeit einer Startseite ist also ein Zeichen des Erfolgs: Quartz hat sich als Nachrichtenquelle und wenn man so will als Medienmarke etabliert.

3. Sie wollen nicht bloß deinen nächsten Klick

Schauen wir uns die neue Startseite an: ganz oben eine Titelstory mit großem Bild, darunter kurze Nachrichten, dann wieder Bilder mit Überschriften. Das interessanteste dabei sind die kurzen Nachrichten, die prominent platziert sind. „The Brief. Your world right now“ nennen sie das: kurze, mit Links versetzte Nachrichtensnippets, die ggf. auch auf einen zweiten Absatz erweitert werden können – die Häppchen erinnern an die News-App Circa. Ein ähnliches Prinzip verfolgt glass.qz.com, eine Webseite, die sich mit der Zukunft des Fernsehens befasst. Dort gibt es keine Artikel, sondern eine Aggregierung von Nachrichten, Links, kurzen Kommentaren. Diese Formate dienen nicht dazu, Besucher zu locken, damit sie doch noch einmal mehr klicken. Diese Formate dienen dazu, Besucher an sich zu binden – und sicherlich ganz im Interesse ihrer Werbekunden.

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