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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Lesenswertes: gay ’n‘ gender

EXCLUSIVE: Undercover At NOM’s Anti-Gay Student Conference

Ein junger, schwuler Mann schreibt seit einiger Zeit gegen eine US-Organisation NOM, die gegen die Homo-Ehe ist. Eben diese Leute richten eine Konferenz aus. Eher aus Spaß bewirbt sich xxx, in der Annahme nicht eingeladen zu werden, da nach einem Googeln klar ist, das er eines auf keinen Fall ist: Ein Freund. [Update: xxx steht für den Blogger Carlos Maza von „Equality Matters – A Campain for Full LGBT Equality“].

Doch er wird eingeladen. In seinem Bericht der vier Tage in San Diego bloggt er über den kleinen Schritt zwischen der Verweigerung der Ehe für Homosexuelle und anti-schwul-lesbisch-bi-und-was-auch-immer-nicht-Mann-Frau-Kind. Er zeigt Fotos und Audio-Aufnahmen, die er gemacht hat.

I told them I was a practicing Catholic (false) who recently graduated from Wake Forest University (true), where I was a member of the university’s debate team (true). I told them that I worked with my mom at a computer software company in Miami, FL (false) but was planning to move to Washington, DC in order to be closer to my long-term college girlfriend (absolutely false). I also claimed to have found out about ITAF through the Ruth Institute’s YouTube page (true), which I was browsing to learn more about how to defend traditional marriage (could not be more false).

Was mich Gender kümmert

Der Physiker Joachim Schulz erläutert sein Interesse an Genderforschung und warum statistische Unterschiede keine Aussage pro oder contra nature oder nuture treffen:

Ein Satz wie „Mathematik ist nichts für Mädchen“ oder „Männer können nicht zuhören“ wird nicht dadurch richtig, dass es in Mathematikfähigkeiten oder Einfühlungsvermögen messbare Gender-Unterschiede im Mittelwert gibt. Solche Sätze können aber Menschen demotivieren. Vor allem, wenn sie als wissenschaftlich fundierte Tatsachen dargestellt werden.

Lesenswertes: Regeln, Systeme und (keine) Ideologien

Freifahrt – Da das Internet ja an allem Schuld ist, kann es als Sündenbock mittlerweile für so ziemlich alles gebraucht werden. Politiker schlagen deshalb immer wieder, zum Teil groteske Regulierungen vor, die die Netzaktivisten jedes Mal erbost von sich weisen: “Und trotzdem darf dies alles kein Grund sein, Augen und Ohren davor zu schließen, dass Veränderungen auch vor dem Netz nicht Halt machen werden”, schreibt Johnny Häusler auf Spreeblick in seinem Text.

Ich bin davon überzeugt, dass es im Netz neben den glitzernden Hauptstraßen auch immer die dunkleren Seitengassen, die nur halb legalen Rotlicht-Viertel, die Indie-Läden und die Drogendealer geben wird – wie in jeder Stadt auch. Man wird immer finden, was man will, wenn man weiß, wo man suchen muss. Ich mache mir keinerlei Sorgen darum, dass das Netz zu einem klinisch sauberen Ort werden könnte, der keinen Platz mehr für Spinner und Absurditäten lässt, für Abgedrehtes und Absonderliches und für das, was nun wirklich nur drei echt ziemlich schräge Leute interessiert. Das Netz besteht schließlich aus Menschen. Die machen das schon.

Ich bin aber auch ziemlich sicher: Das anarchistische Internet ist tot. Und es wurde nicht allein von regulierungswütigen Politikern oder Wirtschaftbossen getötet, sondern vielleicht auch von der Realität seiner verschiedenen Entwicklungen, von der Tatsache, dass es schon lange kein elitärer Klub mehr ist, sondern ganz einfach eine Erweiterung des öffentlichen Raums. Und für einen solchen kann das Hoffen auf Selbstregulierung kaum genügen.

Wenn die unten nicht mehr wollen – Mal wieder ein Text, der sagt, dass Begriffe wie “links” und “rechts” ausgedient haben. Wir stehen nun, so Arno Widmann im Tagesspiegel, nach dem Ende des Kommunismus, der Finanzkrise usw. an einem Wendepunkt, an dem sich ein Systemwechseln ereignen wird. Elementare Dinge eines politisches Systems wie die Frage der Partizipation und Wirtschaftsform sollen sich erheblich ändern. Wichtig dabei: Wie kann mit möglichst geringem Schaden geschehen?

Es geht nicht darum, Einstürze, Bankrotts also, zu verhindern. Es geht darum, sie möglichst früh, also möglichst kostengünstig passieren zu lassen. Das ist sicher keine linke Idee. Das ist aber auch keine rechte Idee. Das ist vernünftig. Es ist das Vernünftige, das schwer zu tun ist. Besonders in einem Land, das Jahrzehnte lang marode Industrien durchgefüttert, ganze Landstriche miternährt hat, ein Land also, das sich in Ost und West daran gewöhnt hatte, dass es irgendwie schon funktionieren wird.

Shoplifters of the World Unite – Slavoj Žižek  schreibt über die Ausschreitungen in London. Dass es keine politischen Forderungen gab, sieht er in einer Linie darin, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus eine ideologielose Zeit begann:

The fact that the rioters have no programme is therefore itself a fact to be interpreted: it tells us a great deal about our ideological-political predicament and about the kind of society we inhabit, a society which celebrates choice but in which the only available alternative to enforced democratic consensus is a blind acting out. Opposition to the system can no longer articulate itself in the form of a realistic alternative, or even as a utopian project, but can only take the shape of a meaningless outburst. What is the point of our celebrated freedom of choice when the only choice is between playing by the rules and (self-)destructive violence?

Lesenswertes: Gleichgewicht und Promis

“China’s Treasury Holdings Make U.S. Woes Its Own” (Was wäre denn eine gute Übersetzung für die Überschrift?) – China und die USA hängen voneinander ab: China kauft wie wild amerikanische Staatsanleihen, um sich so den niedrigen Wechselkurs leisten zu können, und finanziert den Amerikanern so ihre Schulden. China müsste mehr konsumieren und weniger sparen, die Vereinigten Staaten weniger konsumieren und mehr sparen. Die Regierung in Beijing versucht die überhitzte Wirtschaft zu bremsen, die in Washington sie wieder anzukurbeln. Die New York Times schreibt dazu, dass es sich dabei um ein Gleichgewicht ähnlich wie im Kalten Krieg handelt, bei dem keine der beiden Seiten extreme Schritte gegenüber dem anderen machen kann (z.B. China hört auf Staatsanleihen zu kaufen, weil es an der Zahlungsfähigkeit der USA zweifelt), ohne dass es dramatische Konsequenzen für das Land selbst hat (der Wechselkurs der Chinesen steigt, was die Export – und somit das chinesische Geschäftsmodell – teurer macht).

“The Gossip Machine, Churning Out Cash” – Polizeifotos von Lindsay Lohan oder Auszüge aus Krankenakte von Michael Jackson: Irgendwie müssen Promiblogs und Medien ja an die Infos kommen. Die New York Times hat umfassend dargestellt, wie das Geschäft funktioniert, wie eine Hand die andere wäscht. Gerade der Vater von Lohan scheint ein Meister darin zu sein, die Bekanntschaft seiner Tochter (und damit seinen eigenen Promistatus) zu Geld zu machen. Wer sich für Medien interessiert und auch mal Fotos von “Stars am Strand” (o.ä.) ansieht, sollte das lesen. Gerade auch während des “News of the World”-Skandal zeigt die Reportage, dass solche Methoden nicht nur auf das Murdoch-Imperium beschränkt sind und gerade auch Blogs fleißig am Rädchen drehen, damit es jeden Tag zehn exklusive Berichte geben kann.

Lesenswertes: Die sowjetische Revolution von 1991

Everything You Think You Know About the Collapse of the Soviet Union Is Wrong – Das Ende der Sowjetunion im Sommer 1991 kam überraschend, auch trotz der Unruhen in Polen, der Wiedervereinigung und generell dem Fall des Eisernen Vorhangs in Europa. Wirtschaftlich war nichts außergewöhnlich (schlecht), auch demografisch nicht und Dissidenten waren entweder tot, in Lagern oder im Exil. Das Magazin Foreign Policy zeigt, dass entscheidend für die Revolution von 1991 die Ideen und Vorstellungen über den Staat waren (und damit auch seine Glaubwürdigkeit), sowohl innerhalb der Führungsriege im Kreml als auch unter der Bevölkerung. Zentral war die Rolle von Michael Gorbatschow, der einen moralischeren Staat bauen wollte:

Indeed, the expectations that greeted the coming to power of Gorbachev were so strong, and growing, that they shaped his actual policy. Suddenly, ideas themselves became a material, structural factor in the unfolding revolution.

(…) the actual deterioration of the Soviet economy became consequential only after and because of a fundamental shift in how the regime’s performance was perceived and evaluated.

Lesenswertes: Zweimal aus der Zeit

„In Windeseile Geld machen“ – Als ich am Ende meines Chinaaufenthalts ein paar Tage in Guangzhou verbrachte, der Millionstadt am Perlflussdelta, die in Deutschland vor allem unter ihrem alten Kolonialnamen Kanton bekannt ist, überraschte mich vor allem eines: Die vielen Afrikaner, die genauso wie wir in billigen Hotels rund um den Bahnhof wohnten. Immer wieder wollte ich darüber schreiben, auf irgendeiner Festplatte liegt sogar ein angefangener Blogpost rum. Jetzt ist ein Artikel in der Zeit über Afrikaner, die oft auf eigene Faust nach China reisen und zu Händlern werden. In dem Text wird auch Diskriminierung durch Chinesen angesprochen. Ich hatte den Eindruck, dass Rassismus weit verbreitet ist, gerade auch gegenüber Schwarzen.

Elf Frauen sollt ihr sein – Pünktlich zur Frauen-WM läuft die PR-Maschinerie an. Das ist klasse, schließlich wurde den kickenden Frauen in Deutschland noch nie so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber damit kommt auch die latente Angst vor dem Unbekannten, dem Unweiblichen. Der DFB wirkt deshalb sehr bemüht Stereotypen keinen Raum zu lassen und feminine Spielerinnen zu präsentieren. Aber was ist, wenn das einfach nicht der Wahrheit entspricht? “Kann es sein, dass das neue Image vom Frauenfußball als Girlie-Sport nur ein Sommermärchen ist?”, fragt sich Heike Faller in der Zeit.

Lesenswertes: Berlin und Angst

Berlin oder: Wie viel Hippness verträgt eine Stadt? Immer wieder begneten mir während der letzten zwei Monate in Berlin Beschwerden über Touristen. Erstaunt und erbost gleichzeitig berichteten Berliner über die Gentrifizierung ehemals heruntergekommener Stadtteile wie dem Prenzlauer Berg (aber das brauche ich euch Internetmenschen, deren Mekka das ja ist, nicht zu erzählen). Caro schreibt über die Entwicklung als Touristikstudentin von einem professionellem Blickpunkt aus.

Angstallergie – Als der Stab um den US-Präsidenten Barack Obama live die Eroberung von Osama bin Laden verfolgte, unterschied sich die einzige Frau am Tisch, Außenministerin Hillary Clinton, klar von den Männern: Sie hatte die Hand vor dem Mund, offensichtlich aus Erschrecken, Angst oder Anteilnahme. Egal, jedenfalls ist es eine klare Gefühlsregung. Clinton selbst verwies auf Heuschnupfen. Miriam Meckel beschreibt, warum es nicht schlimm ist, wenn Politiker Gefühle zeigen, die Öffentlichkeit und Politiker aber von einer Angstallergie beherrscht werden.

Lesenswertes: Freie Bildung und kostenloses Kopieren

Das Wunder von Mauritius – Freie Bildung für alle, eine kostenlose Gesundheitsversorgung und dann wächst das BIP auch noch seit 30 Jahren um mehr als fünf Prozent jährlich – Saxendi, wo gibt’s denn so was? Der Nobelpreisträger für Ökonomie Joseph Stiglitz zeigt: Mitten im Pazifik. „Die Mauritier haben einen Weg gewählt, der zu einem höheren Grad gesellschaftlichen Zusammenhalts, Wohlstands und Wirtschaftswachstums führt – und zu einem geringeren Grad an Ungleichheit.“ Ohne Öl, Diamanten oder andere Ressourcen, blieb dem Land nur eines über: Der Aufbau von Humkapital.

Zwei Wochen deutsches Psychodrama – Wer immer noch nicht genug hat von Doktorarbeiten, Freiherren und allem, was da so dazugehört, dem sei der Text von Nils Minkmar empfohlen. Er bezeichnet die ganze Chose als „zeitlich begrenzte Episode klinischen Wahnsinns“.

Das intellektuelle Eigentum in Zeiten des Internets* – Und gleich nochmal die FAZ, und gleich nochmal indirekt Guttenberg. Im Blog Deus Ex Machina geht es darum, wie sich die wissenschaftliche Arbeit in den letzten Jahren geändert hat. Das Kopieren lässt sich mit wenigen Tastenkombinationen ausführen und ich zweifle an der Existenz von Leuten, die bei Referaten in den letzten Jahren nicht bei Wikipedia abgekupfert haben. Das ist die eine Seite, doch das zeigt, dass geistiges EIgentum nicht wertgeschätzt wird, was eigentlich ja doch ziemlich dumm ist:

„Vielleicht ist es also tatsächlich nicht die Gelegenheit, sondern der mangelnde Respekt vor gedanklicher Arbeit. Geradezu grotesk mutet es an, daß ausgerechnet unsere Gesellschaft, die ihren Wohlstand mehr als jede Generation vor uns aus geistiger – statt aus manueller – Arbeit bezieht, den laxen Umgang damit zum Prinzip erhebt. Es will mir nicht in den Kopf, wie wir den dreisten Diebstahl industrieller Ideen durch die Chinesen verdammen, die Bildungsrepublik für alle gesellschaftlichen Schichten ausrufen können; aber dann geistiges Eigentum in jener Disziplin, die quasi das Mutterschiff geistigen Eigentums ist, mit Füßen treten.“

Lesenswertes: Naher und ferner Osten

China Rises and ChessmatesHou Yifan ist 16 und die neue Weltmeisterin im Schach. Das sei ein Zeichen, wie China in sein Humankapital, vor allem auch dem weiblichen investiert, denn Schach ist wirklich kein verbreitetes Spiel, weniger als ein Prozent der Bevölkerung spielt es. Dennoch gab es in den letzten zwanzig Jahren vier Weltmeisterinnen aus China. Die New York Times nimmt das zum Anlass, um klar zu stellen, dass Chinas Erfolg nicht nur ein Produkt von Währungsmanipulation ist:

“Cynics sometimes suggest that China’s rise as a world power is largely a matter of government manipulation of currency rates and trade rules, and there’s no doubt that there’s plenty of rigging or cheating going on in every sphere. But China has also done an extraordinarily good job of investing in its people and in spreading opportunity across the country. Moreover, perhaps as a legacy of Confucianism, its citizens have shown a passion for education and self-improvement — along with remarkable capacity for discipline and hard work, what the Chinese call “chi ku,” or “eating bitterness.”

Verbotene Liebe – Das Souk Magazine berichtet vom Leben Homosexueller im Nahen Osten, das so gut wie immer ein Versteckspiel vor der Familie und der Gesellschaft ist. “Homosexualität gibt es nicht im Nahen Osten. Das behaupten zumindest die meisten Personen hier, die Regierungen, die religiösen Führer, die Familienväter. Sie stört das traditionelle Bild einer kinderreichen arabischen Familie derart, dass in Ländern wie Ägypten, Syrien oder Saudi-Arabien Homosexualität oft als Krankheit bezeichnet wird.”

Lesenswertes: Multikulti und Therapie

“Nerv’ mich doch!” – Es gibt Texte, die sind sehr klug und sehr wahr. Ich zitiere ja häufig Texte, aber hier möchte ich am liebsten den ganzen Artikel kopieren. Malte Welding über Integration und Multikulti.

“Merkel erklärt Multikulti für gescheitert“ titeln die Zeitungen und für mich klingt das, als habe Angela Merkel gerade den Sommer verlängert, den Winter abgesagt oder die Wiedereinführung der Kinderlähmung beschlossen. Kann die Kanzlerin die Wirklichkeit in die Schranken weisen? Die Realität ist gescheitert, wir brauchen eine andere.

Wer an die Homogenität der Deutschen glaubt, der glaubt auch, Homosexualität sei eine Erfindung der Grünen. Wir sind in Wirklichkeit eine höchst zufällige Ansammlung von Einzelwesen, kein Volk von eineiigen Mehrlingen und das waren wir auch nie.”

“Mein Leben mit dem Therapeuten” – Jetzt.de sprach mit jungen Menschen, die in Therapie sind. Noch immer haben Menschen mit Depressionen oder Angststörungen mit Stigmatisierung zu kämpfen. “ Die Zahl der psychisch bedingten Krankschreibungen bei Erwerbspersonen hat in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent zugenommen habe. Es werden immer mehr Menschen psychisch krank, aber trotzdem redet niemand über diese Krankheiten?”

Lesenswertes: In deutschen Landen

“Migrationsvordergrund” – Der Journalist Michalis Pantelouris zur Debatte um Thilo Sarrazin: “Um der “Man wird doch wohl noch sagen dürfen”-Orgie noch einen hinzuzufügen: Man wird doch wohl noch sagen dürfen, dass Thilo Sarrazin mit seinem überflüssigen Buch keine Debatte losgetreten, sondern ganz einfach ziemlich dumpfen, rassistischen Strömungen ein Ventil verschafft hat.”

“It’s perception, stupid” – Wie Deutschland in Zeiten der Wirtschaftskrise im Ausland wahrgenommen wird: nicht gut! “A newspaper (…) commented on the unexpected growth figures by describing Germany as a one-eyed man among the blind. As such it is still ahead of the pack. But if the one eye is occupied with self-observation, you are rendered blind nonetheless.”

“Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” – Ein katholischer, gläubiger und in der Kirche engagierter Abiturient zeigt auf, warum in den Kirchenbänken keine jungen Menschen sitzen. “Wie anachronistisch wirken doch Würdenträger, die sich in purpurne Gewänder hüllen und versuchen, die Welt aus der Bibel heraus zu erklären. Während wir über die Rente mit 67 diskutieren, gehen Bischöfe und damit die Entscheidungsträger und medialen Repräsentanten der katholischen Kirche mit 70 Jahren oftmals noch lange nicht in Rente.”