Trump also

America Has Never Been So Ripe for Tyranny

Eine spannende Analyse im New York Magazine, die die Brücke schlägt zwischen Plato und Trump. Denn eine von Platos Thesen lautet: Nach einer funktionierenden Demokratie kann Tyrannei folgen.

Ein paar Quotes:

„For, like all tyrants, he is utterly lacking in self-control. Sleeping a handful of hours a night, impulsively tweeting in the early hours, improvising madly on subjects he knows nothing about, Trump rants and raves as he surfs an entirely reactive media landscape. Once again, Plato had his temperament down: A tyrant is a man “not having control of himself [who] attempts to rule others”; a man flooded with fear and love and passion, while having little or no ability to restrain or moderate them; a “real slave to the greatest fawning,” a man who “throughout his entire life … is full of fear, overflowing with convulsions and pains.” Sound familiar? Trump is as mercurial and as unpredictable and as emotional as the daily Twitter stream. And we are contemplating giving him access to the nuclear codes.“

„In retrospect, it is clear he was training — both himself and his viewers. If you want to understand why a figure so widely disliked nonetheless powers toward the election as if he were approaching a reality-TV-show finale, look no further. His television tactics, as applied to presidential debates, wiped out rivals used to a different game. And all our reality-TV training has conditioned us to hope he’ll win — or at least stay in the game till the final round. In such a shame-free media environment, the assholes often win. In the end, you support them because they’re assholes.“

„To call this fascism doesn’t do justice to fascism. Fascism had, in some measure, an ideology and occasional coherence that Trump utterly lacks. But his movement is clearly fascistic in its demonization of foreigners, its hyping of a threat by a domestic minority (Muslims and Mexicans are the new Jews), its focus on a single supreme leader of what can only be called a cult, and its deep belief in violence and coercion in a democracy that has heretofore relied on debate and persuasion. This is the Weimar aspect of our current moment.“

Die Geschichte hinter dem Obama-Selfie

Barack Obama, David Cameron und eine unbekannte blonde Frau, die sich als die dänische Ministerpräsidenten Helle Thorning Schmidt entpuppt, haben bei vierstündigen Trauerfeuer für Nelson Mandela ein Selfie von sich gemacht. Der AFP-Fotojournalist Roberto Schmidt hat die Geschichte hinter dem Foto erzählt. Er schreibt unter anderem:

„I took these photos totally spontaneously, without thinking about what impact they might have. At the time, I thought the world leaders were simply acting like human beings, like me and you. I doubt anyone could have remained totally stony faced for the duration of the ceremony, while tens of thousands of people were celebrating in the stadium. For me, the behaviour of these leaders in snapping a selfie seems perfectly natural. I see nothing to complain about, and probably would have done the same in their place. The AFP team worked hard to display the reaction that South African people had for the passing of someone they consider as a father. We moved about 500 pictures, trying to portray their true feelings, and this seemingly trivial image seems to have eclipsed much of this collective work.“

P.S.: Michelle Obama war gar nicht angepisst, auch wenn sie auf dem Bild so guckt. Mehr dazu ebenfalls im Text von Schmidt.

P.P.S.: Die Fotorechte liegen selbstverständlich bei AFP Photo / Roberto Schmidt.

Pro Homo

Barack Obama hat sich für die Homoehe ausgesprochen. Endlich also. Obama hat nach seiner Wahl 2008 nämlich einige Unterstützer enttäuscht, gerade auch auch Homosexuelle. Die dachten nämlich, mit Obama hätten sie jemand auf ihrer Seite im Weißen Haus. Seine persönliche Haltung war aber nie klar.

Es dauerte drei Regierungsjahre, viele Diskussionen und Schlagzeilen auf den Titelseiten bis Homosexuellen offiziell in der Army dienen dürfen. Die Abschaffung dieser Regelung, die unter dem Namen “Don’t ask, Don’t Tell” bekannt ist, war bitte nötig. Jetzt also die Ehe, pünktlich zum Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen im November – aber: „Who cares? Mehr als Symbolpolitik kann Obama sowieso nicht machen, denn ob Homosexuelle heiraten dürfen ist Sache der einzelnen Bundesstaaten. Und die Ehe ist da nur die Spitze des Eisberges. Diskriminierung und Benachteiligung gibt es in den allermeisten Staaten auch bei der Adoption, dem Arbeitsmarkt und anderen Bereichen, wie die Grafik des Guardian zeigt. USA-weit könnte eine Entscheidung nur kommen, wenn die Streitfrage irgendwie an den Obersten Gerichtshof übergeben wird. Da sitzt mit Sonia Sotomayor mindestens eine Person, die auf jeden Fall positiv abstimmen würde.

Die Tatsache, dass Obama sich aber in dieser Frage, die neben der Abtreibung eine der großen kulturellen Debatten in den USA ist, endlich positioniert hat, ist sicherlich auch der massiven Kampagnenarbeit von LGBT-Organisationen wie der Human Rights Campaign und vielen anderen geschuldet (Zugegeben, es gibt auch genug Kampagnen der Gegenseite). Mit bunten Videos, die Unmengen an “Fuck”s beinhalten, sammelt zum Beispiel FCKH8 (“Fuck Hate”) Geld und Aufmerksamkeit:

 

Lesenswertes: Berlin und Angst

Berlin oder: Wie viel Hippness verträgt eine Stadt? Immer wieder begneten mir während der letzten zwei Monate in Berlin Beschwerden über Touristen. Erstaunt und erbost gleichzeitig berichteten Berliner über die Gentrifizierung ehemals heruntergekommener Stadtteile wie dem Prenzlauer Berg (aber das brauche ich euch Internetmenschen, deren Mekka das ja ist, nicht zu erzählen). Caro schreibt über die Entwicklung als Touristikstudentin von einem professionellem Blickpunkt aus.

Angstallergie – Als der Stab um den US-Präsidenten Barack Obama live die Eroberung von Osama bin Laden verfolgte, unterschied sich die einzige Frau am Tisch, Außenministerin Hillary Clinton, klar von den Männern: Sie hatte die Hand vor dem Mund, offensichtlich aus Erschrecken, Angst oder Anteilnahme. Egal, jedenfalls ist es eine klare Gefühlsregung. Clinton selbst verwies auf Heuschnupfen. Miriam Meckel beschreibt, warum es nicht schlimm ist, wenn Politiker Gefühle zeigen, die Öffentlichkeit und Politiker aber von einer Angstallergie beherrscht werden.