„Das läuft viel schneller“: Interview mit dem Macher der Facebook-Seite „Infoseite – Hochwasser 2013 Bayern“

Eine oft genutzte Informationsquelle zum Hochwasser istin Bayern die Facebook-Seite „Infoseite – Hochwasser 2013 Bayern“. Seit dem 2. Juni haben über 132 000 Menschen auf „Gefällt mir“ geklickt und werden so mit Fotos, Links und Nachrichten aus den Hochwassergebieten versorgt. Macher der Seite ist Daniel Wildfeuer, der in Prä-Facebook-Zeiten das in Niederbayern sehr erfolgreiche soziale Netzwerk „bsm-party“ mitbegründet hat und während der WM 2010 eine Fanpage mit Inhalten bespielt hat. 

Hochwasser in Bayern Facebook Continue…

Die Großstadt ist da, wo der Woid aufhört

Logisch ist das ja nicht, dass die Menschen im Wald Hinterwäldler sein sollen. Warum das aber doch immer wieder so gesehen wird, zeigt ein Video, das ich hier einbinden wollte, aber: „Dieses Video ist aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Jugendtreff Underground Bodenmais nicht mehr verfügbar.“ (Zonk-Geräusch).

Der Titel lautet: „Das denkt die Bayerwald-Jugend“. In dem Video sondern Jugendliche abstruse Theorien auf Niederbayerisch und noch nicht oft benutztem Schriftdeutsch, ja manchmal sogar Englisch ab. Grundtenor: Die Großstadt, respektive Berlin, ist gefährlich, voller Drogen, Nutten auf den großen Strichen, Vergewaltigungen an jeder Ecke. Klischees, Vermutungen und Zuspitzungen. Es fallen Sätze, auf die Stolz wäre, hätte ich sie mir ausgedacht: „Großstadt is des, wo koi Woid mehr is.“

Bei Facebook macht das Video die Runde, bis (ich vermute) das Jugendzentrum sich der Schmach nicht mehr aussetzen wollte, und Urheberrechtsansprüche für sich proklamiert hat. Beim Wochenblatt kann man sich das Video aber dennoch noch ansehen.

Herrlich!

Und der Dialekt ist der beste ever, damit wir uns da klar verstehen!

Bayerische Beats

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Bayerische Musik mit Beats hat der Blumentopf DJ Sepalot fabriziert. Dazwischen mal ein Herrschaftszeiten rein reingeschmissen, manchmal mehrere zusammenhängende Wörter und Versatzstücke bekannter Lieder. Und alles zusammen hört sich das Ganze schon ziemlich genial an. Wie geil wär denn, wenn “Prost” bei nächsten Dult gespielt werden würde?

via Der Feuilletonist

Von 90 auf 120 km/h: Blitzermelder als Raserhelfer

Heute geht’s um Daheim, also dem Bayerischen Wald. Autos sind dort das ultimative Statussymbol. Kein Wunder, denn neben Schulbussen gibt es kaum öffentliche Verkehrsmittel. Wer nicht mit 15 den Rollerführerschein macht, ist bis zur Volljährigkeit auf Erwachsene oder ältere Freunde angewiesen, wenn man von A nach B kommen will. Und von A nach B ist es oft ziemlich weit und bergig, was zum Beispiel Rad fahren ausschließt. Der 18. Geburtstag heißt als eigener Führerschein, mobil und unabhängig sein.

Die Straßen zwischen den Bergen sind kurvenreich und oft leer. Das lädt schon sehr dazu ein, einen auf Sebastian Vettel zu machen und das Gaspedal sauber durchzudrücken. Wer am schnellsten fährt, ist der Macker, am besten mit einem Audi Quattro, mit einem Aufkleber der Adi-Ringe an den Seiten und einem Abschleppseil, das aus dem Kofferraum hängt. Marktrunden, bei denen sinnlos x-Mal im Kreis durch die Stadt gefahren wird, ist eine beliebte Freitzeitgestaltung in Waldkirchen. Ausgeruht wird sich dann an Tankstellen, wo sich Jugendliche versammeln und abhängen (inklusive eigenen Klappstühlen und Notebooks).

Vor der Wende mussten die Autobesitzer aus dem Landkreis Freyung-Grafenau mit die höchsten Prämien für Autoversicherungen zahlen. Inzwischen wurden sie von ein paar Landkreisen in Ostdeutschland überholt.

Kein Wunder, dass immer wieder tödliche Autounfälle gibt. Vor zwei Jahren starben vier Mädchen um die 18 Jahre auf dem Weg ins McDonalds. Die Ursache ist, soweit ich weiß, ungeklärt, wahrscheinlich überhöhte Geschwindigkeit. Vor wenigen Monaten verunglückten zwei Cousins gemeinsam, eine weitere Frau starb dabei. Die Unfälle werden medial aufgebauscht: Bei den Mädchen waren überregionale TV-Teams da, aber auch die Lokalpresse beteiligt sich inzwischen Rege. Berichtet wird über Gedenkgottesdienste und Auto-Korsos (sic!), die rund um die Todesfälle entstehen. Am krassesten fand ich einen Brief eines Mädchens an ihren verstorben Bruder, der fotografiert und gut leserlich abgedruckt wurde. Das ist Boulevard ohne Skrupel vom feinsten.

Das ist natürlich alles schlimm, jaja, klar. Aber mei, was soll man denn machen?

Langsamer fahren offensichtlich nicht. Unterstützt wird die Raserei von den sogenannten Blitzermeldern. Früher ging das ganze über private SMS, in denen Leute schrieben, wo Radarkontrollen stehen. Damit an den passenden Stellen abgebremst und dann wieder schnell auf 130 km/h beschleunigt werden kann.

Vier junge Burschen aus meinem Heimatort haben nun eine Facebookgruppe gegründet, in der nun zentral über die neuesten Blitzer informiert wird. 36000 Autofahrer machen laut einem Artikel mit dem Titel “Bayerns größter Blitzermelderclub” in der Passauer Neuen Presse. Kritische Fragen über das zweifelhafte Fahrverhalten vieler junger Leute in der Gegend fehlen völlig. Stattdessen werden “der selbstständige Unternehmer” und “Versicherungsmakler” als verantwortungsbewusste Herren dargestellt, die sich in den Dienst der Öffentlichkeit stellen. (Dass, wenn mich mein Gedächtnis nicht irrt, beide schon in sehr jungen Jahren Sportwagen gefahren haben, findet keine Erwähnung). Als ob die schweren Unfälle, denen die Zeitung so viele Zeilen gewidmet hat, völlig im Redaktionsarchiv vergessen wären.

Am Ende des Artikels kommt die Auflösung. Die Passauer Neue Presse beteiligt sich nun selbst an dem Projekt zur Mithilfe zur Raserei. Damit wird es auch in Zukunft nicht an Sonderberichterstattungen von Beerdigungen mangeln.

Disclaimer: Ich habe früher selbst für die Passauer Neue Presse als freie Mitarbeiterin gearbeitet.

Rohkost

In der bayerischen Vertretung in Berlin glauben die Köche, dass ein Teller mit gelben Rüben, Salat, Tomaten, Paprika und Oliven mit schmalzartigem dunkelgrünem Etwas darauf eine vollwertige fleischlose Mahlzeit sei. Zumindest mit einer Hoibe Bier im Steinkrug sollte ich so auf meine erforderlichen Kalorien kommen. Obst in Vanillesoße, eine mir bis dahin unbekannte Kombination, rundete ein karges Mittagessen ab. Und das gerade an dem Ort, von dem mir eine Mitstudentin sagte, dass es ihn nur gebe, um Besuchergruppen aus Bayern zu verköstigen.

Es wird in dem Gebäude in Berlin-Mitte aber auch gearbeitet, sagte der Referent für Bildungspolitik. Im Bundesrat zum Beispiel. Darauf gehe mindestens ein Arbeitstag in der Woche drauf. Ich dachte an Kalbsgulasch mit Kartoffeln. Der Herr im mittleren Alter erzählte, dass ein Unterschied zwischen dem Landtag in München und dem Bundestag sei, dass die Entscheidungsprozesse professioneller ablaufen. Es gebe in Berlin einfach viel mehr Mitarbeitern in den Fraktionen. „Jeder hat hier vier, fünf Referenten.“ In Bayern gebe es für jeden Fachbereich der Fraktionen einen Mitarbeiter (Wobei ich mir das zum Beispiel bei der CSU nicht vorstellen kann, bei den Freien Wählern, die ihre erste Legislaturperiode im Parlament sitzen, dagegen schon).

Ähnliches schreibt die Zeit über die Grünen, denen gerade in Wirtschaftspolitik kein großes Sachverständnis zugetraut wird. Das liege gerade auch an der fehlenden Erfahrung, heißt es unter der Überschrift „Wenn Grün auf Wirtschaft trifft„:

Grüne Fachpolitiker verweisen darauf, dass noch nicht alles bis ins Klein-Klein durchdacht ist. Oftmals seien nur Fernziele formuliert. Anders als andere Parteien verfüge man noch nicht über den jahrelangen Erfahrungsschatz von (Landes-)Finanz- und Wirtschaftsministerien.

Die Zeit schreibt einen Artikel über grüne Wirtschafts- und Finanzpolitik, wie ich ihn schon lange lesen wollte. Jetzt, wo sie zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellen und auch im Bund in die Regierungsverantwortung drängen, bleibt diese Frage nicht aus: Kann denn das klappen mit den vermeintlichen Verstaatlichern und Windparkanlagenfans? Was hat es denn jetzt auf sich mit diesem „New Green Deal“? Taugt der was?

Zentraler Punkt ist darin eine Vermögenssteuer für Menschen mit einem Einkommen über einer Million Euro im Jahr. Betroffen wären ein Prozent der Steuerzahler. Opposition gibt es da sogar schon innerparteilich. Christine Scheel warnt davor, dass das dem Mittelstand nicht so gut bekommen könnte.

Umstritten sei auch die Zahl 420 Euro in der Grundsicherung für Hartz-4-Empfänger,heißt es  „hinter vorgehaltener Hand“, was irgendwie komisch klingt aus einer Partei, die doch so offen mit Meinungen umgehen will.

In einer „Grünen Bürgerversicherung“ soll es gleiche Bedingungen geben, egal öffentliche oder private Krankenkasse. „Arbeitnehmer und Arbeitgeber sollen wieder gleich hohe Beiträge zahlen. Der Beitragssatz eines Bürgers soll sich zusätzlich aus „allen übrigen Einkünften, wie Miet- und Vermögenserträgen“ berechnen (…)“.

Was das große Ganze der Finanzmärkte angeht, glaube ich, dass die Grünen das einzige Konzept entwickeln könnten, das sich von dem der anderen Parteien unterscheidet. Außer der Finanztransaktionssteuer weiß ich nur wenig konkretes darüber.

Nach der Seriosität einer grünen WIrtschaftpolitik zu fragen, ist aber nicht mehr zeitgemäß:

In den Forschungsinstituten, die sich mit grünen Ideen befasst haben, äußert man sich jedenfalls positiv über die Partei: Deren Konzepte seien genauso gut vorbereitet, wie die von Union und SPD auch. Manchmal enthielten sie Fehler, falsche Einschätzungen. Aber das sei auch bei den anderen Parteien normal. Deswegen werde ja extern geprüft.

Der Vollständigkeit halber: Nach einem Tag mit nur halb mit Rohkost gefülltem Magen in Zeiten von EHEC, kehrten wir irgendwann in einem Fastfood-Restaurant ein und genossen das güldene Glück.

Die Klugscheisser: Im Internet flimmert nichts.

Der bayerische Rundfunk stellt drei großartige Kabarettisten und Comedians auf eine Bühne, nennt die Sendung die “Die Klugscheißer” und verbockt es trotzdem. Ich war sehr euphorisch als ich die Sendung entdeckt habe. Mein nicht besonders komplexer Gedankengang nachdem ich den Trailer gesehen habe, war folgender: “Der Jonas, die Monika Gruber und der Rick von der Bullyparade zusammen beim Dritten, geil, Mediathek.” Die drei stellen Politikberater dar und machen dazu dann klassisches politisches Kabarett.

Die erste Folge war nicht sehr überzeugend. Die Sendung will zu viel. Sie ist ganz modern konzipiert, mit viel Touchscreen-Optik, schon im Vorspann, dann auch während der Sendung. Aber trotzdem – und vielleicht gerade deswegen – wirken machen Dinge sehr veraltet: Bei Bruno Jonas fängt ein Bildschirm immer zu flimmern an. So ein Blödsinn, erst so technikaffin tun – und dann krabbeln die schwarzen Ameisen über weißen Grund. TV-Satellitenempfang ist so letztes Jahrhundert.

Aber das anachronistische Fernsehsflimmern ist nicht das einzige, was bei den Klugscheißern nicht passt. So ganz nehme ich Bruno Jonas seine Rolle als Internetanalysator nicht ab. Monika Gruber macht Späße über Veronika Ferres und Uschi Glas. Wen interessieren  denn die beiden? Womöglich die Zielgruppe des Bayerischen Rundfunks, die er hat – so ab der Lebensmitte – und die nicht die, die er gerne hätte – die darunter.

Apropos Monika Gruber. Monika Gruber ist eine der wenigen Frauen auf den deutschen Kabarettbühnen. Die Gruber ist messerscharf in ihren Beobachtungen, spricht derbes Bayerisch und sich leider manchmal auch für ein paar Lacher mit plattesten Vorurteilen zum Beispiel bezüglich Ausländer nicht zu schade. (Habe da an eine kleine Tirade über klauende Polen in Erinnerung.)

Bei den Klugscheißern stöckelt sie auf High-Heels und blauem Minikleid über die Bühne und spielt die Sekretärin vom Jonas, der von dem Job überfordert scheint. Sie allerdings  ist schlagkräftig und kennt sich aus. Wenn sie schon seine Sekretärin ist, dann könnte es zumindest realistisch dargestellt werden: Ich möchte ich mal eine Sekretärin im echten Leben sehen, die in solch einem Kleid am Arbeitsplatz sind. Überhaupt macht diese Sekretärin-und-Chef-Nummer keinen Sinn. Es ist nur eine doofe und schlechte Hintergrundstory, mit der sich die Sendung von Einzelauftritt zu Einzelauftritt der drei hangelt.

Aber die Sendung hat auf jeden Fall Potenzial. Vielleicht sollten alle drei nicht so in ihren Rollen verharren –. Monika Gruber als blonde Frau, Rick Kavanian als der Grieche und der Bruno Jonas als der alternde Überklugscheisser und Chef. Die Monika Gruber kann nämlich auch Nummern über Politik ohne Frauen, Kinder und Sozialstaat; Rick Kavenian ist bestimmt auch schon gelangweilt davon, dass er die ganze Sendung einen Ausländer spielen musste, nur weil er gut mit Akzenten ist. Bruno Jonas ist wie immer.

So verkümmert die gute Idee zu einer herkömmlichen Kabarettshow, der ein Social-Media-Experte vom Internet erzählt hat. Lieber keinen Background mit der Politikberatung und  einfach so auf die Bühne gehen und die Stücke nacheinander ohne größeren Zusammenhang erzählen als auf diesem Papa-hat-Geburtstag-wir-machen-eine-Einlage-Level. Denn alleine sind sie ziemlich gut, aber zusammen, mit der “Hintergrundstory” macht es keinen großen Spaß. Ich glaube, dafür sind sie auch alle drei zu schlechte Schauspieler. Es würde reichen, wenn sie das täten was sie am besten können: Blöd daherreden. Und zwar mit weniger Klischees und auf gleicher Ebene.

Weil Ostern ist ein Papst-Witz und einem Mann mit blondem und wallendem Haar:

Papst braucht neuen Job: “Er trägt gerne ausgefallene Klamotten und glaubt an das Unmögliche? Er soll Wetten Dass moderieren.”

Es spricht nicht für die Klugscheißer, dass ich mir dachte: Wenigstens haben sie einen guten Schluss-Gag hingebracht.