Nockherberg 2011

Luise Kinseher hatte es nicht leicht beim Nockherberg 2011. Als erste Frau derbleckte sie die Politiker und statt eines Mönchs hielt die Bavaria, die „weibliche Symbolgestalt Bayerns“, die Fastenrede.

Es geht ab zur Zeit in der Politik: Revolution jagt Doktorarbeit, Ghaddafi seine Bevölkerung und die Natur Japan. Das ist gäbe jede Menge Stoff her, aber: Bayern und bayerische Politiker spielen dabei eine eher untergeordnete Rolle. (Ausgenommen Guttenberg natürlich.) Das macht es schwierig eine richtig gute Rede zu machen, wenn die brennenden Themen irgendwie nicht passen (dürfen). Denn der Spaß am Nockherberg ist ja, dass die Menschen, die ihr Fett wegkriegen, auch anwesend sein sollen, damit ihr gezwungenes Lachen mit einer Maß Bier vor dem Gesicht in Großaufnahme gesendet werden kann.

Da blieb dann nicht richtig viel übrig für die Kinseher. Ein bisschen Landesbank, ein bisschen Dioxinskandal und für meinen Geschmack viel zu viel Olympiabewerbung. Den Ude interessiert außerhalb Münchens niemanden (also mich zumindest nicht; außer wenn als Sechzger-Fan den Verein von der Insolvenz retten würde). Aber die etwas veralteten Themen waren weniger Kinsehers Schuld, sondern der Tatsache geschuldet, dass die CSU irgendwie ruhiger geworden ist. Es gibt keine Landtagswahl dieses Jahr und Kanzler wird nach der Plagiatsaffäre wohl auch kein CSU-ler werden. Der Stoiber sitzt wahrscheinlich in Wolfratshausen und sortiert die Akten der BayernLB und der alte Rabauke Söder durfte auf Befehl Merkels den Stecker im AKW Isar I ziehen, obwohl dem bayerischen Umweltminister dabei sicherlich das Herz blutete. Mit der FDP zog auch die Langeweile in die Staatskanzlei ein.

Mein Lieblingsspruch war zur Landesbank und dass sich die bayerische Regierung in ihrem Größenwahn von Jörg Haider über den Tisch ziehen lassen hat. „Von einem Putin oder Berlousconi – das wäre zumindest auf Augenhöhe gewesen.“

Kinseher brachte Ilse Aigner als Kandidatin für den Posten der Ministerpräsidentin bei den nächsten Landtagswahlen 2013 ins Spiel. Daran hatte ich noch nie gedacht, aber vielleicht ist das wirklich die einzige Chance, einen weiteren Abturz Richtung der 40 Prozent Marke zu verhindern. „Keine Chance als Frau in Bayern“, meinte übrigens mein CSU-wählender Mitgucker. Trotzdem: mein Tipp für die Landtagswahlen 2013: Aigner vs. Pronold!

Das Singspiel fand ich langweilig und hab nach 10 Minuten abgeschaltet. Was das verfrüht? Hat es doch noch mehr hergegeben als eine schunkelnde Merkel, die mit Seehofer ein gar frohes Lied darbot?

„Aber überhaupt nicht!” – Der politische Aschermittwoch in Passau

An einem Tag im Jahr ist meine Heimatgegend im Fokus des politischen Deutschlands. Jeden Aschermittwoch hält die CSU ihre Feier in Passau ab, erst in der Nibelungenhalle, jetzt schon seit ein paar Jahren in der Dreiländerhalle, draußen in Kohlbruck. Die anderen Parteien im Umkreis.

In Amerika feiern Leute Politiker mit rechteckigen Namensschildern ab, in Bayern mit dem Maßkrug in der Hand. Gibt’s dort eigentlich Freibier? Pünktlich zum Beginn der Fastenzeit machen sich nochmal alle Parteien richtig dumm von der Seite an. Dieses Jahr kommt noch die ganze Reihe an Landtagswahlen dazu, und die Guttenberg-Sache haben wir auch alle gerade erst hinter uns. Und grundsätzlich läufts in den Koalitionen nicht so toll für die Schwesterpartei. In Berlin wird laut gemault, in München eher leise, aber gegen die FDP gehts oft, auch gegen die Roten, die Grünen und die Dunkelroten. Stoiber, der Beckenbauer der CSU ist auch da. Der in letzter Zeit so liebevoll KT genannte Verteidigungsminister a.D. dagegen nicht.

Die Sache, die die CSU an der abgeschriebenen Doktorarbeit des Karl-Theodors zu Guttenbergs am meisten schmerzt, ist die, des Anstandes und der Moral. Denn wenn jemand ständig betont, dass er diese Werte gepachtet hat, jawohl, als ob er sie sich verdient habe, weil er so gewandt, hübsch und intelligent und obendrauf auch noch adelig ist, dann tut es besonders weh, wenn gerade dieser Freiherr des Betrugs überführt werden kann. Das Internet und die Medien prallten an mehreren Fronten zusammen über den Fragen, ob 1. die Doktorarbeit in Teilen kopiert ist (ja!), 2., ob das etwas mit seiner Arbeit als Politiker zu tun hat (Ja! Nein!) und ob er, 3., deshalb zurücktreten soll (Ja! Seid ihr denn wahnsinnig – er ist so doch so gewandt, hübsch und intelligent und obendrein auch noch adelig!).

Wenn dann auch noch die Partei, der dieser Politiker angehört, genau dieselbe Strategie fährt, und sich als der einzige warme Herd mit Familie, Anstand und Füßen unter den Tischen sieht, inmitten einer kalten Welt aus Quoten, Integration und Gutmenschen, dann trifft es ganz tief ins Herz, wenn der hellste Stern am schwarzen Firmament untergeht.

Dann kann man es Horst Seehofer schon nachsehen, wenn er sich heute in Passau so arg aufregen musste: “Ich sage euch, liebe Freunde, aus der Partei der Sterne- äh Steinewerfer, der RAF-Sympathisanten und von den Stasi-Kommunisten lassen wir uns nicht Anstand und Moral vorhalten!” (Jubel!) –  Und noch schnell ein “Aber überhaupt nicht!” nachschieben. Als Abschluss in all der Aufregung noch eine entschlossene Kopfbewegung.

Da ist es ein bisschen mit ihm durchgegangen in den ersten 22 Sekunden des folgenden Videos. Oder nicht, Herr Seehofer?

Die anderen Parteien habe ich noch nicht viel gesehen, der Ernst von der Linkspartei scheint ein Hobby-Kabarettist zu sein. Doch die CSU macht immer noch am meisten Spaß, das weiß-blaue Original.

Zum Weiterlesen:

Fridolin Wernick war für den Passauer Bürgerblick das erste Mal bei den CSU-lern und berichtet von da, wo das Herz für die Politik nach Fasching ach-so-leidenschafltich schlägt: “Seehofer ruft Guttenbergs Geist”.

Vielen Dank auch, Lieber Freistaat!

Am 28.9.2010 wurden im bayerischen Kabinett massive Einsparungen im Hochschulbereich beschlossen. So soll allein die Universität Regensburg noch in diesem Jahr fast eine Million Euro einsparen. Die ohnehin angespannte Lage am Regensburger Campus, der ursprünglich für rund 11.600 Studierende ausgelegt war und im aktuellen Wintersemester 18.575 Studierende allein an der Universität zählt, hat sich damit dramatisch verschärft.

Für das nächste Jahr müssen die Hochschulen mit noch drastischeren Einsparungen rechnen. Die Bewältigung des für 2011 ins Haus stehenden doppelten Abiturjahrgangs ist dadurch massiv gefährdet, die Aufrechterhaltung eines qualitativen Studien- und Forschungsbetriebs kann unter diesen erschwerten Bedingungen nicht gewährleistet werden.

Pressemitteilung der Universität Regensburg