Bücher im November und Dezember 2015

Überlegungen eines Wechselwählers – Sebastian Haffner

Flohmarkt-Fund als ich aus Prinzip irgendwas kaufen wollte. „Was ham’s denn gefunden?“ – „Weiß nicht genau. Irgendwas Politisches aus den 80ern.“ Haffner ging bis dahin vollkommen an mir vorbei. Nur dunkel schwelte es in einer Hirnecke vor all den Konsalik-Büchern, dass mir der Name gelegentlich begegnet sein musste.

Im Wechselwähler-Buch argumentiert Haffner, warum Deutschlands Demokratie sich nach dem Zweiten Weltkrieg stabilisierte (Stand: 1980 unter Kanzler Schmidt). Das Rezept: ein faktischer Zwei-Parteien-Staat (SPD und FDP vs. CDU und CSU). Die Mehrheiten sind nie zu stark, jede Regierung könnte abgewählt werden. Der wichtigste Unterschied zur Weimarer Republik: Die Parteien wollen regieren und nicht nur opponieren.

Gegen Ende nimmt er sich der damals funkelniegelnagelneuen Partei der Grünen an. Viele Seiten hinweg schimpft er sehr erzürnt über die Umwelt- und Friedenspartei. Niemals würden sie sich etablieren können (und ihm so eine These zerstören). Well…

Der Untergang – Joachim Fest

Im Vergleich zur Fests Hitler-Biografie sind die etwa 200 Seiten Untergang schon eher mein Kaliber. Chaos, Willkür, Realitätsferne aus dem Bunker unter der ehemaligen Reichskanzlei. Ein bisschen Hitler geht ja immer.

Die Geschichte eines Deutschen – Sebastian Haffner

Gleich der zweite Haffner hinterher: Seine Kindheits- und Jugenderinnerungen an den Ersten Weltkrieg, die Revolution von 1918, Inflation, Weimarer Republik und die Machtergreifung Hitlers. Machtergreifung lehnt Haffner als Begriff ab. Zu leicht hätten es ihm alle anderen Parteien gemacht, die – siehe Wechselwähler-Buch – seit dem Kaiserreich nichts anderes kannten als die Opposition. Und im Zweifel lieber andere regieren lassen. Und wenn’s der Hitler ist.

Zweimal Haffner, einmal Fest innerhalb kürzester Zeit. Die mussten sich doch kennen. Und ja, im Spiegel schrieb Fest 2003 einen langen Text über Haffner: „Der fremde Freund“

Extremely Loud and Incredibly Close – Jonathan Safran Foer

Die Geschichte eines depressiven Jungen, der seinen Vater am 11. September verloren hat, und seiner Großeltern, die ein halbes Jahrhundert zuvor in Dresden kennengelernt hatten und nie über das, was sie im Zweiten Weltkrieg erlebten, hinweg gekommen sind. Extrem schön und unglaublich traurig.

Tschick – Wolfgang Herrndorf

Lange vorgenommen, endlich gelesen. Schön. Hoffentlich ist das Schullektüre.

Ausnahmezustand. Reisen in eine beunruhigte Welt – Navid Kermani

Kermani, Deutschlands Chef-Erklärer des Islams, erzählt von seinen Reisen aus Indien, Pakistan, Afghanistan, Irak, Syrien und wo es sonst noch brennt. Über was ich gelernt viel habe: Sufismus.

Überraschenste Szene: Afghanistan, auf einem Kabuler Friedhof spricht Kermani mit einem alten Mann names Agha.

Ach ja, der 11. September 2001, komme ich auf den Tag genau zehn Jahre später meiner Pflicht als westlicher Berichterstatter nach: wie er dazu stehe? Nur Agha weiß nicht, was ich meine. Die Anschläge in Amerika, die Flugzeuge, die in die Hochhäuser flogen? Nur Agha schüttelt den Kopf. Damals habe es ja kein Fernsehen gegeben, bittet er um Verständnis für die Wissenslücke, und das Radio habe auch niemand einschalten dürfen.

Der große Schlaf – Raymond Chandler

Ein Krimi-Klassiker, dessen Protagonisten mir zumindest namentlich bekannt war: Philipp Marlowe. So ungefähr, wie ich weiß, dass es in Star Wars um Jedi-Ritter geht.

Also, der Privatdetektiv Marlowe ist ein echter Haudegen, Raucher, Trinker und mit den Frauen kann er’s natürlich auch. Nicht unspannend, aber ein bisschen viel Testosteron für so ein dünnes Büchlein.

John Irving: „Last Night in Twisted River“

Frägt man mich, wer mein Lieblingsautor sei, antworte ich seit Jahren mit: „John Irving“. Denn ich habe die meisten seiner Bücher gelesen und die absurden Geschichten haben mir gefallen. Und sein Foto auf der Umschlagseite erinnert mich an meinen Opa. Deshalb hatte ich mir „Last Night in Twisted River“ in der englischen Orginialversion gekauft, weil ich nicht warten wollte, bis es in Deutschland auf den Markt kommt – und dann hat es drei Jahre und Bücherregale in drei verschiedenen Wohnungen gebraucht bis ich es gelesen hatte.

Das Problem war der Anfang. Zweimal habe ich mich ein paar Seiten vorgekämpft, und es dann doch zur Seite gelegt. Obwohl ich ja eigentlich wusste, dass mir die Gesichte taugen dürfte, schließlich stand auf dem Cover „a typical Irving“. Der Roman startet in den 1950er Jahren in einem Holzfällercamp in Neuengland. Dort wird ausführlich in Holzfällerfachtermini das Setting eingeführt. Auf jeder Seite Wörter, die ich nicht verstand, und von denen ich wusste, dass ich sie nie brauchen würde. Erst als das zentrale Unglück passierte – ein zwölfjähriger Junge erschlägt die Küchenhilfe, denn er glaubt ein Bär habe seinen Vater, den Koch, angefallen, doch die dicke, langhaarige Frau und sein Vater haben nur Sex – macht mir die Sprache nichts mehr aus. Denn noch in der gleichen Nacht flüchten Vater und Sohn aus dem Wald nach Bosten. Vorbei mit dem Holzfällerslang!

Und tatsächlich: Die Geschichte ist ein typischer Irving. Bestimmte Motive erkennt man aus anderen Büchern (Der Bär!), andere gibt es nur im Buch und tauchen über die sechs Jahrzehnte, die sich die Geschichte spannt, immer wieder auf. Vater und Sohn müssen immer wieder weiterziehen, denn der „Constable“, der damalige Freund der getöteten will Rache (nicht wegen der Toten, sondern weil sie einen anderen hatte). Und dann ist da noch Ketchum: Der beste Freund von beiden, Vater und Sohn. Der Sohn wird Schriftsteller, der Vater arbeitet als Koch, Ketchum bleibt in den Wäldern und ist die eigentliche Hauptperson.

„Last Night in Twisted River“ ist sicherlich nicht Irvings spektakulärster Roman (hinsichtlich der Abstrusität) , aber eine Geschichte, die mit steigender Seitenzahl immer besser wird, denn Irving kann verdammt gut erzählen.

Lesenswertes: Lektüre am Samstag

Wie innovativ Journalismus sein muss

Stefan Plöchinger, Chef der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung über ein Wort, von der nicht besonders viel hält: Innovation, und zwar im Journalismus. Sein Fazit:

Innovativer Journalismus muss schon noch Journalismus sein. Deshalb verpflichtet uns die gefühlte Dauerbedrohung unseres Berufs in den vergangenen Jahren gleich mehrfach. Innovativ ist, Trash sein zu lassen. Den digitalen Wettbewerb über publizistische Profilierung zu führen. Die Möglichkeiten des Multimediums auszunutzen. Themen cooler, interaktiver, spielerischer zu präsentieren. über Erwartungen unserer Nutzer zu debattieren und über die Möglichkeiten, sie für die Zukunft des Journalismus zu begeistern. Auch, sie finanziell zu beteiligen. Neue Formen des Leserdialogs einzuführen. Neue Ansätze für Recherche zu erforschen… — die Liste der Möglichkeiten ist lang.

Wenn Wissenschaft kein Wissen schafft

Ein Rant über die treibende Kraft in der Wissenschaft: Die Veröffentlichung. Und ein Rant für alle, die frustriert von der Uni sind, also zum Beispiel für mich: „Auswendiglernen, Kreutzchen setzen, auskotzen – Unialltag.“

“I like Hitler! He hates Isreali people.”

Caro ist zur Zeit in Jordanien und muss da beim Essen dann und wann erklären, warum die Deutschen den Hitler jetzt nicht so dolle finden.

What Is the Business of Literature?

Ein Gang durch die Geschichte der Literatur-Industrie, die nach Gutenberg auch mit dem Copyright Fahrt aufnahm:

Copyright, though nominally instituted to encourage the creation of a work, has as its only logical purpose the encouragement of the  reproduction of the work. What we see again and again in our society is that people do not need to be encouraged to create, only that businesses want methods by which they can minimize the risk of investing in the creation. (…) As with any law that loses the consent of the governed because it no longer reflects the logic of society, the law is not overturned, just ignored.

Hinter einer Buchveröffentlichung steckt ja nicht nur ein Autor, sondern Verlage.

What, then, is the biggest job to be done by publishers? There is marketing and discovery, yes, but even though editors are not miracle makers who make their best decisions in a vacuum, the editor is a source of great value in the economics of literature and will therefore remain as valuable, if not more so, than before, even if less privileged.

Nur wenige der tatsächlich veröffentlichten Bücher, haben auch wirklich großen wirtschaftlichen Erfolg.

Books, like most entertainment media, live in what Nassim Nicholas Taleb calls Extremistan, a place with vast amounts of commercial failure and spectacularly high and extremely infrequent success. The advent of self-publishing has rendered this ever more visible. The vast majority of the 28 million books currently in print made no money at all, and every few years one author will make more than $200 million: first Dan Brown and J. K. Rowling, now E. L. James.

Mehr zur „Extremistan“-Theorie von Taleb:

Nassim Nicholas Taleb on Extremistan von FORAtv

In Talebs neues Buch „Antifragilität“ hab ich gestern beim Hugendubel hineingeblättert und hier und da einen Absatz gelesen. Das scheint wirklich sehr interessant zu sein. Wenn dann werd ich mir das Buch für den Kindle holen, denn mit dem Buch könnte leicht ein handelsüblicher Hamster zerquetscht werden. Der Trailer zum Buch:

Frank Schirrmacher in den Fängen der E-Books

Fast bin ich durch mit Schirrmachers „Ego“. Ob ich auch noch die letzten 30 Seiten lese, bleibt abzuwarten, denn er wiederholt sich schon seit 50 bis 60 Seiten, neuer Inhalt ist deshalb wohl nicht mehr zu erwarten.

Ich habe das Buch gekauft, weil ich neugierig war auf Kapitalismuskritik von rechts. Aber ich musste feststellen: „Ego“ ist keine Kapitalismuskritik, sondern eine Verschwörungstheorie. Continue…

Lass uns spielen

Ein paar Minuten nachdem ich die kaffeegetränkten Karteikarten zur Spieltheorie zusammen mit den Vorlesungsskript und den gelösten Übungsaufgaben in einem roten Ordner verstaut habe, begegnet mir zwei Tage nach der Klausur die Spieltheorie schon wieder. Frank Schirrmacher, prominenter Herausgeber der FAZ, hat ein Buch geschrieben. In „Ego“ behandelt er den Kapitalismus in Zeiten der Digitalisierung, der sich den Maximen der Spieltheorie verschrieben hat. Spieltheorie hat nichts mit Lego zu tun, eher schon mit „Schick,  Schnack, Schnuck“, der strategischen Interaktion zwischen zwei oder mehr Spielerin, die unter der Anforderung der Rationalität handeln.

Nun ist die Frankfurter Allgemeine Zeitung nun nicht gerade als Kritikerin der neoliberalen Wirtschaftsordnung, umso verwunderlicher ist ein solches Buch aus diesem Dunstkreis. In der SZ wird es recht positiv besprochen:

„Im Zentrum (des Buches) steht die Spieltheorie. (…) Denn unbestreitbar ist, dass spieltheoretische Prinzipien heute so gut wie allen avancierten mathematischen Programmen zugrundeliegen, die von Investoren, Banken, Brokern und Unternehmen in direkten Konkurrenzsituationen angewendet werden. Und das hat in der Tat nicht zu überschätzende gesellschaftliche Folgen, die in dem harmlosen Begriff „Spieltheorie“ so verborgen sind wie der biblische Wolf im Schafspelz.“

Entscheidend ist, dass diese Theorie Entscheidungskämpfe zwischen Rivalen mathematisch durchspielt, indem sie für jeden „Mitspieler“ alle strategischen Optionen, Gewinnchancen und Risiken quantitativ ausformuliert und berechnet. Die einzige Unterstellung lautet, dass jeder „Spieler“ nur sein Eigeninteresse verfolgt: rational, ungerührt, auf Selbstmaximierung bedacht. Hauptanwendungsfälle sind Konkurrenzen in „nicht-kooperativen“ Konstellationen, vor allem in solchen, in denen man sich gegenseitig auch nicht in die Karten schauen kann – eben wie beim Gegeneinander im Kalten Krieg, aber auch wie in Wetten auf dem Finanzmarkt, beim Derivatenhandel zwischen Tradern oder bei der feindlichen Übernahme eines Unternehmens.

Das Buch steht auf Platz 1 meiner Leseliste für die Ferien.

Alle interessiert Sex!

Alle interessiert Sex. Deshalb interessiert alle das folgende Buch: „The Inner Circle“ von T.C. Boyle, zu Deutsch: „Dr. Sex“.

TC Boyle The Inner Circle Kinsey

Es handelt von Alfred Kinsey, dem Vater des Kinsey-Reports, in dem zum allerersten Mal eine statistische Analyse der Menschen gemacht wurde, in zwei Bänden. Einer über die “male humans”, drei Jahre später über die “female humans”. Die Daten sammelten Kinsey, Prok wie er im Buch genannt wird, und sein Team in zweistündigen Interviews mit Amerikanern und Amerikanerinnen. Wann hast du das erste Mal ein Geschlechtsteil gesehen? Wann hattest du zum ersten Mal oralen Kontakt mit dem Geschlechtsteil des Gegengeschlechts? Wann mit jemanden vom eigenen Geschlecht? Wie oft masturbierst du?

Die Interviewer sind angehalten professionell zu bleiben, jegliche Emotionen sollen außerhalb der verschlossenen Wände bleiben – zumindest auf Seiten des Befragers. Einer davon ist John, zu Beginn sexuell völlig unerfahren, am Ende sicherlich alles andere als das. Er ist Proks Zögling und Mitstreiter seit der ersten Stunde. Dieser John erzählt die Geschichte der ersten empirischen Studie über Sex. Aber nicht nur das: Er erzählt von Professor Kinsey und seiner Frau Mac, seinem engen Verhältnis zu Beiden.

Kinseys Haltung und damit die von John ist eine klare: Nur gesellschaftliche Konventionen halten das menschliche Tier davon ab, seine Sexualität voll auszuleben. Jemand ist „sex shy“ ist eine Art Beschimpfung, zumindest ein Herabschauen.

Doch, das muss John erfahren, Liebe ist nicht das gleiche wie Sex. Auch wenn es das auch gleichzeitig gibt: Zum Beispiel mit seiner Frau Iris. Und Prok, der so vieles ist: Vorbild, Chef, Geliebter.

T.C. Boyle hat mit “The Inner Circle” einen fiktiven Roman über den Sexualforscher Alfred Kinsey geschrieben, John hat es nie gegeben. Von den Biografien und Berichten über Kinsey und seine Frau Mac informiert, ist das Buch ein unterhaltsamer Roman, eine Hommage an den Wissenschaftler, der das “Insitut of Sex” gegründet hat.

Auf Englisch angenehm zu lesen, das Wort “junction” kommt darin auffällig oft vor.

T.C. Boyle: “The Inner Circle” oder “Dr. Sex”.

Lesenswertes: Viel Lesen

Wie liest man viele Bücher:

Der Koellerer ist wohl das was man einen Intellektuellen nennt und – soweit ich das auf Twitter mitbekomme – ein, wie man bei daheim sagt: „A Gscheidhafal, wo ma oans hin braucht.“ (Aber sind wir das nicht alle?) Jedenfalls hat er darüber geschrieben, wie man viele Bücher liest. Einer davon: Mehrere gleichzeitig, damit man immer was zur passenden Stimmung da hat. Noch einer: Weniger Surfen, jajaja…

 

Ferien = Lesezeit

booksbooks

”Das größere Glück” von Richard Powers

Dieses Buch macht glücklich – mich zumindest. Bereits nach 50 Seiten habe ich angefangen, allen Leuten um mich herum davon zu erzählen und das Lesetempo zu drosseln. Die Geschichte handelt von einem College-Dozenten, der halb-lethargisch, halb-depressiv vor sich hin lebt, bis in seiner Klasse Thassadit auftaucht. Thassadit ist etwas besonderes: Jeder will mit ihr befreundet sein, sie strahlt Euphorie aus und scheint immer glücklich zu sein. Sogar Russell Stone, ihr Lehrer, kann sich dem nicht entziehen, und fragt bei der College-Psychologin um Rat: Ist das eine Krankheit, dieses Glücklich-Sein? Wenn ja, ist sie schlimm? Heilbar?

Ein zweiter Erzählstrang verfolgt einen smarten Wissenschaftler und eine TV-Journalistin, die sich ebenfalls mit der Glückfrage beschäftigen. Der Forscher sucht das Glücks-Gen, die Reporterin Einschaltquoten:

„Die Sendung macht sich eines der ältesten Lagerfeuer-Geheimnisse zunutze: Der Schrecken birgt Chancen. Erstaunlich viele Zuschauer gieren regelrecht nach den neuesten Methoden, mit denen göttliche Technik-Gimmicks ihr Leben zerstören. Schiff bemisst den Erfolg jeder Sendung danach, wie viele illegale Clips tags darauf im Internet auftauchen. Sie wertet sogar ihre gelegentlichen mit Photoshop bearbeiteten Nacktfotos als Erfolgsbeweise.“ (S. 90)

Über allem schwebt ein Ich-Erzähler, dessen Identität sehr lange unklar bleibt. In einer Schlüsselstelle heißt es über einen Kommilitonen von Thassadit:

„Was will er? Er will das, was alle wollen. Er will das, was er nie haben kann, dieses mühelose Strahlen, das einen beglückt, wenn man nur danebensitzt. Er will kurz aus dem Hochsicherheitstrakt seines Selbst ausbrechen – nur für eine Minute. Er will ein wenig von ihrer Lebensfreude besitzen, von ihrer Kunst, eine Geschichte dem Vergessen zu entreißen. Er will die Flamme verzehren, die in ihr brennt.

Vielleicht möchte er auch den Docht löschen. Sie für immer auspusten. Die Angst in ihr wecken, die alle anderen plagt.“ (S. 147)

“Niederland” von Joseph O’Neill

Barack Obama sagte über das Buch, dass es brillant sei. Deshalb hab ich es aus dem Mängelexemplarkarton beim Norma mitgenommen.

Ein Bankanalyst trennt sich von seiner Frau, offiziell führen sie eine New York – London Fernbeziehung. Während er alleine in New York bleibt, Sohn und Frau gehen zurück nach England, freundet er sich mit Chuck an. Ihr Bindeglied ist Cricket. Seitenweise wird darüber doziert und geschwärmt – was aber trotzdem nicht langweilig ist. Kein schlechtes Buch, aber jedes Buch nach “Das größere Glück” konnte nur enttäuschen.

“The Book Thief” von Markus Zusak

Die Empfehlung und Leihgabe einer Freundin – und was für welche. Könnte ich Lehrpläne machen, würde ich das Buch zur Pflichtlektüre küren.

Ein Mädchen während der Nazi-Zeit lebt bei ihren Pflegeeltern und klaut Bücher, der menschlich-denkende Tod erzählt ihre Geschichte. Die großen Ereignisse der Zeit spiegeln sich auch im Leben des Mädchens wieder. Eine ausführliche Rezension gab es in der Lautschrift, Seite 61. Wirklich ein tolles Buch mit einer innovativen Erzählmethode!

“Jenseits von Epirus” von Nikos Themelis

Wie die beiden Vorgänger auch ein Mängelexemplar, das ich kaufte und lange im Schrank stehen hatte. Zur Einstimmung für meinen Griechenlandurlaub habe ich das Buch zur Hand genommen. Es wird die Geschichte von Nikos erzählt, der Ende des 19. Jahrhundert, Anfang des 20 Jahrhunderts seine Heimat im griechischen Landesinneren verlässt, und über die Insel Lesbos nach Kleinasien kommt. Anfangs hat mich das Buch verwirrt, erst als ich das Erzählprinzip durch Amazon kapierte, machte die Geschichte Spaß.

3 Mal Buch im Frühling

“Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” von Haruki Murakami

Murakami war mal wieder super. Doch um was es in “Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt” geht, ohne zu viel zu verraten, ist schwierig. Das ist wohl auch der Grund, warum der Klappentext einerseits schon viel zu viel verrät, andererseits den Kern der Geschichte nur kaum trifft. Nur so viel: Das Buch ist zweigeteilt. Eines spielt in Tokio, wo ein Mitte 30-Jähriger aus seinem Alltag herausgerissen wird und in die Unterwelt (im wahrsten Sinne des Wortes) eintauchen muss. Der zweite Teil spielt in einer ruhigen, von der Außenwelt abgegrenzten Welt Stadt, in der die Menschen mit ihren Schatten auch ihre Seelen abgeben.

“Die 27ste Stadt” von Jonathan Franzen

Zu Jonathan Franzen habe ich ein ambivalentes Verhältnis. Ich mag den Typ, stelle mich Schlangen, um ein Autogramm von ihm zu bekommen, kaufe mir Bücher von ihm, lese sie dann aber nicht. So habe ich seinen neuesten Roman „Freiheit” grundlos etwa zur Hälfte aufgehört zu lesen (wenn man fehlende Spannung nicht als Grund sieht). Auch bei der “27sten Stadt” (das schon seit ein, zwei Jahren ungelesen im Schrank stand) hätte es mich nicht so sehr tangiert, hätte ich niemals erfahren, wie die Geschichte ausgeht. Doch aus fehlender Alternative und Faulheit, mir ein neues Buch zu besorgen, habe ich einfach immer weiter gelesen, bis ich irgendwann die fast 700 Seiten durch hatte. Dabei ist die Story einer indischen Frau, die als Polizeichefin nach St. Louis kommt und dort mit krimineller Energie versucht Macht und Einfluss zu bekommen, durchaus spannend. Denn ihre Methode ist folgende: Menschen in persönliche Krisen versetzen und dann ihre fehlende Urteilskraft ausnutzen. So lässt sie zum Beispiel bei einem führenden Bauunternehmer der Stadt durch ihre Schergen erst den Hund töten und schreckt dann auch vor drastischeren Eingriffen in sein Familienleben nicht zurück. Ob ich es gut oder schlecht finde, dass einige lose Fäden nicht zusammengeführt werden, weiß ich nicht. Und: das Buch hätte auch mindestens 200 Seiten weniger haben können. Ich erwarte, dass ich irgendwann auch “Die Korrekturen” zumindest anfangen werde zu lesen. Ob auch ganz, sei dahingestellt.

“Tannöd” von Andrea Maria Schenkel

“Tannöd” liegt bei meinen Eltern rum und geht gerade durch viele Hände in der Verwandtschaft. Die Geschichte des Mordes an einer Familie einem Einödhof ist spannend, erschreckend und bildet das bäuerliche Leben am Land in Bayern ganz gut ab (wenn ich dem, was mir so erzählt wurde, Glauben schenken darf). In Anbetracht des Hypes um das Buch, fehlt mir aber ein Twist, den es aber vielleicht auch gar nicht geben kann, weil die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht.