Lesenswertes vom Wochenende (und davor)

Wie leicht sich Medien manipulieren lassen — Ryan Holiday weiß wie das System funktioniert. Er arbeitet in der PR-Branche und bringt Sachen über Blogs in die Medien. Sein Spezialrezept scheint zu sein: Protest gegen das Produkt zu inszenieren.  Die Financial Times Deutschland interviewte den jungen Herren.

In Ihrem Buch vergleichen Sie dieses Mediensystem mit der Immobilienkrise, die sich dann zur Finanzkrise auswuchs…
Es ist wie bei einem Schneeballsystem, das auf Glauben und Vertrauen beruht. Viele professionell betriebene Onlinemedien handeln mit wertlosen Assets. Sie belügen und betrügen ihr Publikum, wie während der Finanzkrise. Stellt sich heraus, dass eine Geschichte falsch oder schlicht gelogen war, dann heißt es: Wir haben ein Problem mit einem isolierten Einzelfall. Dabei ist das ganze System verrottet und zutiefst korrupt. Es funktioniert, solange die Illusion noch aufrechterhalten werden kann, hinter dem Müll, den sie verbreiten, steckten Werte. Mit meinem Buch wollte ich in diese Blase stechen und ein wenig Luft herauslassen.

The Critic Wall Street Loves to Lunch With — Portrait über Felix Salmon, Blogger und Kritiker der Finanzmärkte, von dem ich zuvor noch nie hörte. Was aber besonders an ihm ist: Es wird ernst genommen von den Großen, das zeigt gleich der Anfang des Textes.

THERE AREN’T MANY people who can get the Treasury secretary on the phone—and fewer still who can get away with yelling at him on the call. His wife, sure. Probably the president. Add to that group Felix Salmon, Reuters’s finance blogger, who has no problem raising his voice and giving Timothy Geithner the what-for while bobbing away on the yoga ball that serves as a desk chair in his Times Square workspace.

Behind China’s High Abortion Rate: New Sexual Freedoms — 13 Millionen Abtreibungen gibt es pro Jahr in China – und das nicht nur wegen der Ein-Kind-Politik. Grund dafür sei auch die fehlende Aufklärung bei gleichzeitig höherer Freiheit, was Sex anbelangt. Etwas, das ich mir nur zu gut vorstellen kann. Mir erzählte man, die Pille mache krank, Kondome seien was für Loser und ich kann mir vorstellen, dass die Abtreibung der damals 15-Jährige wahrscheinlich nicht ihre letzte war.

Werdet Weltbürger statt Bologna-Sklaven! — Ein Redakteur, der dem Foto nach zu alt aussieht, um das Bolognasystem mitgemacht zu haben, schreibt einen Erbauungs- und Motivationsaufsatz. Lernen statt employable werden! Einer der Texte, die wahrscheinlich sowieso nur die Leute lesen, die sich damit identifizieren können.

Xinnián Kuaile – fröhliches neues Jahr!

Die Chinesen feiern seit heute das Neujahrsfest. Das stimmt mich doch ein wenig traurig, war ich doch letztes Jahr selbst bei dem größten Fest in China mit dabei. Wehmütig, und ein kleines bisschen sentimental, habe ich in meinem china.blog nachgelesen, was ich vor einem Jahr im Städtchen Gengma in der Provinz Yunnan erlebte. Hier findet ihr ein paar Auszüge davon und Fotos vom Neujahrfest 2008.

Seit Wochen sind die Straßen mit roten Lampions geschmückt, im Supermarkt stapeln sich Geschenkkörbe und alle unsere Nachbarn putzten letzte Woche ihre Wohnung für das große Fest, so dass ihre Möbel einen Nachmittag vor der Türe verbrachten.

Chinesisches Neujahr

Chinesisches Neujahr Yunnan

Chinaböller – so heißen die Feuerwerke nicht umsonst. Chinesen böllern oft und gern – bei Hochzeiten, Beerdigungen oder Einweihungen. Doch an Neujahr übertreffen sie sich selbst. Knaller stapelten sich schon seit Tagen vor Geschäften, zum Teil in furchterregender Größe.

Chinesisches Neujahr Yunnan

Natürlich gehört auch ein Festessen zum Silvesterabend. Bevor jedoch wir Menschen uns die Mägen vollschlagen konnten, wurde den Ahnen ein Tisch voller Köstlichkeiten geopfert.

Chinesisches Essen Yunnan

Später schauten wir zu zehnt die Silvestershow im Staatsfernsehen. Da wir kein Wort verstanden, war das für uns langweilig, weshalb wir uns über das Dauerlächeln chinesischer Moderatoren lustig machten. Entweder werden sie konsequent vor jeder Sendung auf Drogen gesetzt oder ein chirurgischer Eingriff verhindert einen normalen Gesichtsausdruck. Von 20 Uhr bis 1 Uhr gibt es Lieder, komoediantische Einlagen und Akrobatik zu sehen.

So erlebte ich die Silvestergala 2007. Mark Siemons, der offenbar mehr Chinesisch versteht, beschreibt die Show dieses Jahres: „Die Planung und Gestaltung der Show ist ganz oben angesiedelt, beteiligt sind die Kultur- und Kunst-Abteilung des Senders, die Leitung des Senders, das staatliche Amt für Fernsehen und Radio sowie die zentrale Propagandabehörde.“ Auch 2008/2009 war es eine Schau an Sängern und Moderatoren, Sportlern und Schauspielern. Imposante Kostüme und Bühnenbilder umrahmten die Show mit viel Tanz und Musik. Wie gesagt, ich fand’s letztes Jahr langweilig, diesmal scheint es nicht viel anders gewesen zu sein. Doch ein paar Minuten Bombast-TV aus dem Reich der Mitte, können niemanden schaden, oder? Also, viel Vergnügen…

… und ein gutes neues Jahr des Ochsen!

Chinesisches Neujahr Feuerwerk