Gehen zwei nach China

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Folgenden englischsprachigen Satz habe ich bisher nur passiv wahrgenommen habe (Quelle: Internet). Ich habe jetzt die Gelegenheit ihn auch selbst zu verwenden. Aufgepasst:

Xifan Yang und Philipp Mattheis, beide Redakteure beim jetzt-Magazin, scheinen ein Paar zu sein und werden gemeinsam nach Shanghai gehen. Noch mal zum auf der Zunge zergehen lassen: Junges Pärchen geht zusammen nach China. (Jetzt kommt der Satz.) Been there, done that, got the t-shirt (hellblau ist es.) Das kann ja, äh…, heiter** werden.

Am besten also gleich die Reisbetriebenen Roboter abonnieren. Freu mich auf drauf.

Anderer Blog, der in eure Feedreader sollte: Accidental Chinese Hipster. Wie der Name sagt, Chinesen mit Kombinationen von Klamotten, mit denen ihnen in westlichen Städten das Dasein eines Hipsters auf keinen Fall verwehrt werden könnte.

* Das fallende Kind! Oder was immer das Mädchen da macht.

** Aber die beiden sind ja auch schon geschätzt zehn Jahre älter, und zumindest Xifan spricht Chinesisch. Das ist ja schon mal ein nicht zu verachtender Vorteil.

Lesenswertes: Zweimal aus der Zeit

„In Windeseile Geld machen“ – Als ich am Ende meines Chinaaufenthalts ein paar Tage in Guangzhou verbrachte, der Millionstadt am Perlflussdelta, die in Deutschland vor allem unter ihrem alten Kolonialnamen Kanton bekannt ist, überraschte mich vor allem eines: Die vielen Afrikaner, die genauso wie wir in billigen Hotels rund um den Bahnhof wohnten. Immer wieder wollte ich darüber schreiben, auf irgendeiner Festplatte liegt sogar ein angefangener Blogpost rum. Jetzt ist ein Artikel in der Zeit über Afrikaner, die oft auf eigene Faust nach China reisen und zu Händlern werden. In dem Text wird auch Diskriminierung durch Chinesen angesprochen. Ich hatte den Eindruck, dass Rassismus weit verbreitet ist, gerade auch gegenüber Schwarzen.

Elf Frauen sollt ihr sein – Pünktlich zur Frauen-WM läuft die PR-Maschinerie an. Das ist klasse, schließlich wurde den kickenden Frauen in Deutschland noch nie so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber damit kommt auch die latente Angst vor dem Unbekannten, dem Unweiblichen. Der DFB wirkt deshalb sehr bemüht Stereotypen keinen Raum zu lassen und feminine Spielerinnen zu präsentieren. Aber was ist, wenn das einfach nicht der Wahrheit entspricht? “Kann es sein, dass das neue Image vom Frauenfußball als Girlie-Sport nur ein Sommermärchen ist?”, fragt sich Heike Faller in der Zeit.

Lass uns mal ne Runde unterdrücken: Die Angst Chinas vor seinen Bürgern

Der Economist legt in seiner aktuellen Ausgabe dar, warum die aktuelle Verhaftungswelle zu einem Zyklus gehört, der 2008 begann. Seitdem werde die politische Freiheit in China immer weiter eingeschränkt. Dafür gebe es drei Gründe:

1) In den letzten Jahren ging das Regime gegen Topanwälte vor. “Als erstes lässt man die Anwälte verschwinden”, sagte auch Lorenz Lorenz-Meyer bei seinem Vortrag “Die Rückkehr des Politischen in China” bei der diesjährigen Re:publica.

2) Der aktuelle Zyklus ist seit dem Jahr 2008 am Laufen – also schon seit drei Jahren. Los ging es im Frühjahr 2008 mit den Unruhen in Tibet, im Sommer folgten die olympischen Spiele in China, bei denen sich das Reich der Mitte im besten Licht darstellen wollte – Kritiker konnte man da nicht brauchen und die Hoffnung, dass sich Olympia positiv für die Demokratiebewegung auswirken könnte, löste sich in Luft auf. Auch das Erdbeben in Sichuan 2008 führte zu Repression, die auch Ai Weiwei spürte, der das Augenmerk besonders auf die Kinder lenkte, die wegen schlecht gebauten Schulgebäuden sterben mussten. Außerdem jährte sich das Massaker am 4. Juni 1989 am Tiananmen-Platz zum 20. Mal. Auch bei der Expo in Shanghai letztes Jahr konnte die kommunistische Partei keine Kritik brauchen.

3) Die Methoden des Staates verschärft: Leute verschwinden einfach – so wie Ai Weiwei und viele andere – und Gewalt ist an der Tagesordnung.

Mittlerweile gibt der chinesische Staat mehr Geld für die innere Sicherheit aus als für das Militär – viel geht dabei in die Überwachung des Internets. Die Great Firewall ist dabei nur die Spitze des Eisberges.

Lorenz Lorenz-Meyer stellte in seinem Vortrag “Die Rückkehr des Politischen in China” die zwei Sichtweisen zum Internet und autokratischen Systemen dar. Die Optimisten glauben, dass Bürgerbewegungen durch das Internet im Allgemeinen und die sozialen Netzwerke im Besonderen profitieren. Die Pessimisten sind der Meinung, dass autokratische Systeme genauso schnell wie die Kritiker lernen die sozialen Netzwerke für ihre Zwecke zu nutzen.

In China passiert beides: In Blogs können Privatpersonen Missstände öffentlich machen. In China muss dabei aber die ausgefeilte Zensur umgangen werden. Praktisch läuft das dann so ab, berichtete Lorenz-Meyer, dass Blogger Accounts bei verschiedenen Plattformen haben und ihre Beiträge überall raufstellen. Denn damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beitrag durch die Zensur kommt. Eine Studie zufolge gebe es nämlich große Unterschiede in der Stärke der Zensur.

Lorenz-Meyer erklärte auch, dass es leichter für Journalisten und Blogger sei, über Probleme zu berichten, die nicht in der eigenen Provinz herrschen. “Dann hat man nämlich nicht mit mit den lokalen Zensurbehörden zu tun”, so Lorenz-Meyer. Die Internetzensur in China hat nämlich zwei Zweige: Zum einen gibt es Zensur auf lokaler Ebene, bei der Behörden dezentral unliebsame Inhalte entfernen. Daneben gibt es aber auch noch Propaganda- und Sicherheitsbehörden, die denselben Job landesweit machen.

Im Grunde zeigt die Entwicklung die Angst der chinesischen Führungsriege vor seinen Bürgern. Während Kritik auf lokaler Ebene zum Teil geduldet wird, wenn es gegen die Zentralregierung geht, versteht die kommunistische Partei keinen Spaß mehr. Gerade auch ein Jahr bevor die Führungsriege der Nation ausgetauscht wird. Dazu kommen wirtschaftliche Entwicklungen  – hohe Inflation, die Gefahr einer Immobilienblase – die den “Faustian Deal” – Wohlstand im Tausch gegen Freiheit – in Gefahr bringen und die Angst vor Unruhen wachsen lassen.

Lesenswertes: Naher und ferner Osten

China Rises and ChessmatesHou Yifan ist 16 und die neue Weltmeisterin im Schach. Das sei ein Zeichen, wie China in sein Humankapital, vor allem auch dem weiblichen investiert, denn Schach ist wirklich kein verbreitetes Spiel, weniger als ein Prozent der Bevölkerung spielt es. Dennoch gab es in den letzten zwanzig Jahren vier Weltmeisterinnen aus China. Die New York Times nimmt das zum Anlass, um klar zu stellen, dass Chinas Erfolg nicht nur ein Produkt von Währungsmanipulation ist:

“Cynics sometimes suggest that China’s rise as a world power is largely a matter of government manipulation of currency rates and trade rules, and there’s no doubt that there’s plenty of rigging or cheating going on in every sphere. But China has also done an extraordinarily good job of investing in its people and in spreading opportunity across the country. Moreover, perhaps as a legacy of Confucianism, its citizens have shown a passion for education and self-improvement — along with remarkable capacity for discipline and hard work, what the Chinese call “chi ku,” or “eating bitterness.”

Verbotene Liebe – Das Souk Magazine berichtet vom Leben Homosexueller im Nahen Osten, das so gut wie immer ein Versteckspiel vor der Familie und der Gesellschaft ist. “Homosexualität gibt es nicht im Nahen Osten. Das behaupten zumindest die meisten Personen hier, die Regierungen, die religiösen Führer, die Familienväter. Sie stört das traditionelle Bild einer kinderreichen arabischen Familie derart, dass in Ländern wie Ägypten, Syrien oder Saudi-Arabien Homosexualität oft als Krankheit bezeichnet wird.”

Lesenswertes: Öl und die chinesische Psyche

Entwarnung? – 86 Tage lang versuchten BP nach der Ölkatastrophe das Bohrloch am Meeresboden zu verschließen. 86 Tage lang an denen jeden Tag Millionen Tonnen Öl ins Meer flossen. Im August hieß es dann von Seiten BP’s: Mission accomplished! Die Strände in Florida sind jetzt wieder frei gegeben und man sieht kein Öl. Warum? Jeden Morgen wird frischer Sand aufgeschüttet und das Bauen von Sandburgen ist jetzt illegal, denn man stößt so auf Öl. Michaela Haas fuhr für das SZ-Magazin an die Küste in Florida und berichtet von Anwohnern, die von eingesetztem Gift krank werden, Fischsterben und mehr Schein als Sein.

Das Leben von psychisch Kranken in China – Die New York Times schreibt in einer über einer Seiten langen Reportage über Schätzungen, denen zufolge über 170 Millionen Chinesen an psychischen Krankheiten leiden. Doch behandelt wird nur ein Bruchteil von ihnen. Das führt soweit, dass es immer wieder Fälle von Schizophrenen gibt, die Morde begehen, wie der Fall von Yang Jiaqin, der mit einer Axt auf drei Schulkinder losging, einen Jungen dabei tötete, und später zwei weitere Menschen.

“China hat kein nationales Gesetz für psychisch Kranke, nur kleinen Versicherungsschutz für psychische Erkankungen, so gut wie keine Behandlungsmöglichkeiten in ländlichen Gegenden und zu wenige stationäre Behandlungsmöglichkeiten.”

2007 wurde ein Mann entdeckt, den seine Familie 28 Jahre lang in einen fensterlosen Raum hinter eine Stahltüre geschlossen hat. 339 Fälle dieser Art wurden in den letzten drei Jahren entdeckt. Außerdem gibt es viel zu wenig Fachpersonal: “ Professionelle Psychologen sind in China wie Pandas. Es gibt nur ein paar tausend von uns”, sagt einer von ihnen von der South Central University. Das Büro für psychische Krankheiten im Gesundheitsministerium besteht aus genau drei Mitarbeitern.

Catch Me If You Can

Chinesen haben ein anderes Verhältnis zum geistigen Eigentum als Europäer oder Amerikaner. Wenn sich deutsche Unternehmen über chinesische Raubkopieren ihrer Produkte beschweren, sieht der chinesische Fabrikant vielleicht das Problem gar nicht: “Durch Nachahmen lernen” heißt das Motto. Dieses (Raub-)Kopieren hat einen großen Anteil am Aufstieg Chinas als Werkbank der Welt. Doch nun könnte China dieses Verhalten zum Verhängnis werden, denn es werden nicht nur Schuhe von Adidas gefälscht, sondern auch Zeugnisse und wissenschaftliche Arbeiten: Es gibt falsche Mediziner, Piloten, Lehrer und im wissenschaftlichen Bereich häufen sich Plagiatsvorwürfe an Chinesen so sehr, dass ihre Glaubhaftigkeit erheblich sinkt – und das könnte ein schwerwiegendes Problem in der weiteren Entwicklung des Landes darstellen.

Die New York Times dazu:

„The problem is not confined to the realm of science. In fact many educators say the culture of cheating takes root in high school, where the competition for slots in the country’s best colleges is unrelenting and high marks on standardized tests are the most important criterion for admission. Ghost-written essays and test questions can be bought. So, too, can a “hired gun” test taker who will assume the student’s identity for the grueling two-day college entrance exam“.