Besitz ist sowas von Industriezeitalter

„Uber, the world’s largest taxi company, owns no vehicles. Facebook, the world’s most popular media owner, creates no content. Alibaba, the most valuable retailer, has no inventory. And Airbnb, the world’s largest accommodation provider, owns no real estate. Something interesting is happening.“

Der Einstieg zu einem TechCrunch-Text mit folgender Grundaussage: Nicht das Produkt zählt, sondern die Software, die Zugang dazu ermöglicht. Kein ganz neuer Gedanke, aber ein wichtiger.

via Christian Fuchs

Update: Zuerst lautete der Titel „Produzieren ist sowas von Industriezeitalter“. Nach einer Diskussion auf Twitter mit Robert Weißgraeber habe ich das Wort „Produzieren“ zu „Besitz“ geändert.

Mindestens haltbar bis: Das Verfallsdatum des Online-Journalismus

Eine zufällig ausgewählte Nachricht: Es ist Juli 2005, die SPD stimmt sich auf den Wahlkampf ein und ändert deshalb das Design seines Logos. Anstatt Blau ist der Hintergrund des roten Logos nun Beige, genauer gesagt Umbrafarben. Der Artikel ist fast zehn Jahre alt, aber nach wie vor ohne Probleme auf Spiegel Online zu finden. Doch: Wen interessiert das?

In Teil 2 der Serie über die Ökonomie des Online-Journalismus es genau darum: Was ist das Verfallsdatum von Online-Journalismus?

[blue_box] Die Frage nach der Finanzierung von Online-Journalismus beschäftigt Journalisten und Manager in Verlagen genauso wie all jene, die sich ohne diese traditionelle Organisationen aufmachen, Journalismus im Web anzubieten. Alle haben sie aber dasselbe Problem: Online-Journalismus ist ein schweres Geschäft. Dieser Text ist der zweite Teil einer mindestens vierteiligen Serie, die sich mit der Ökonomie des Online-Journalismus beschäftigt.
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Die wichtigsten Punkte

  • Journalismus im Internet ist digital. Diese Feststellung ist trivial, hat aber weitreichende Folgen für die wirtschaftlichen Eigenschaften. Eine davon: die Haltbarkeit.
  • Aus technischer Sicht sind alle digitalen Güter unendlich lang haltbar, denn sie können mühelos immer wieder kopiert und nahezu kostenlos auf Servern bereitgehalten werden.
  • Aus journalistischer Sicht sind Nachrichten allerdings nur sehr kurz haltbar; gerade im Internet beschleunigt sich die Berichterstattung immer weiter. Wen interessiert die Eilmeldung von vor einer Stunde?

Keine physischen Speicher mehr

Bis vor wenigen Jahren war die Haltbarkeit von digitalen Gütern abhängig von ihren physischen Trägern. Musik auf einer CD, ein Film auf einer DVD und eine Masterarbeit auf einer Festplatte waren genau so lang speicher- und damit konsumierbar, wie die Lebensdauer dieser Trägermedien. Diese können recht unterschiedlich ausfallen: 50 bis 80 Jahre bei CDs, DVDs sollen mit bis zu 100 Jahre funktionieren. Festplatten im laufenden Betrieb dagegen haben mit einer erwarteten Haltbarkeit von zwei bis zehn Jahren keine lange Lebenszeit. Die Haltbarkeit dieser Speichermedien ist damit endlich, die Haltbarkeit der darauf befindlichen digitalen Güter dagegen potenziell unendlich, schließlich kann ja eine mp3-Datei einfach von einer CD auf die nächste überspielt werden.

Foto: Luis Fernández García

Foto: Luis Fernández García

Doch wer verwendet denn noch CDs?

In den letzten Jahren werden digitale Güter vermehrt ohne physische Medien als Träger verkauft und konsumiert: Musik bei Spotify oder iTunes, Filme, Texte. (Anbieter brauchen mit Servern jedoch weiterhin ein physisches Speichermedium). Diese, wie Rayna es formuliert, potenziell unendliche Haltbarkeit ist damit eine reale Eigenschaft geworden: „Kein anderes wirtschaftliches Gut, außer Information und Boden, hat eine solche Eigenschaft.“

Wie oft kaufe ich eine Datei, wenn sie ewig haltbar ist?

Wenn ein Gut unendlich haltbar ist, wird ein rationaler Konsument dieses Gut nur einmal erwerben. Man kann es ja schließlich immer wieder verwenden. Die Folge: Die Nachfrage geht zurück. Gründe, die in der Vergangenheit dazu führten, dass Konsumenten trotzdem ein Gut mehrmals erwarben, gelten bei digitalen Gütern nicht mehr: Sowohl Verschleiß als auch eine Veränderung der Technologie, wie der Übergang von VHS zur DVD, können durch Kopien umgangen oder verhindert werden. Diese Kopie ohne Qualitätsverlust, die sogenannte vollständige Replizierbarkeit, hat zwei Konsequenzen:

  1. Die Güter sind langlebig
  2. Die Güter sind öffentlich (Thema von Teil 3)

Das ist schlecht für die Anbieter, deren Marktmacht sinkt. Wirtschaftsnobelpreisträger Ronald Coase schreibt: „Bei kompletter Haltbarkeit ist der Preis unabhängig von der Anzahl der Anbieter und entspricht deshalb immer dem Wettbewerbspreis.“ Coase durchdenkt diese Situation aus der Sicht eines (monopolistischen) Landbesitzers, denn – siehe oben – nur Land und Information sind haben a priori kein Verfallsdatum. Die optimale Strategie wäre laut Coase, das Land nicht zu verkaufen, sondern zu vermieten. Das unendlich haltbare Gut wird damit weniger haltbar: Es erhält ein Verfallsdatum. Konsumenten haben deshalb nicht mehr den Anreiz, einen Kauf nach hinten zu verschieben, um auf einen günstigeren Preis zu warten.

Eine alternative Strategie ist die geplante Obsoleszenz, um die Haltbarkeit eines Gutes zu verringern: Die Qualität eines Gutes sinkt nach einer gewissen Zeit oder ein besseres Substitut kommt auf den Markt.

Was bedeutet das für den Online-Journalismus?

Die grundlegende Eigenschaft von langlebigen Gebrauchsgütern erfüllt der Online-Journalismus: Inhalte können beliebig oft kopiert werden. Sie sind damit theoretisch unendlich lange haltbar. Text markieren und copy – paste – copy – paste – copy – paste – paste – paste – paste …

Gleichzeitig gibt es im Journalismus den Effekt in die gegensätzliche Richtung, den die Redensart „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ zusammenfasst: Auch wenn eine einzelne Einheit des Gutes Online-Journalismus unendlich haltbar ist, heißt das nicht, dass der Leser den Konsum unendlich nach hinten verschieben will. Denn Journalismus ist nicht nur ein digitales Gut, sondern auch ein Informationsgut.

Bis vor wenigen Jahren war die Haltbarkeit von Journalismus leicht zu beziffern: ein Tag. Angenommen eine Zeitung berichtet exklusiv (und man lässt die Berichterstattung im Rundfunk außen vor), konnte ein Konkurrenzblatt erst am kommenden Tag ebenfalls berichten – das entspricht, wenn man so will, der Haltbarkeit des Trägermediums Papier.
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Im Internet hat sich diese Reaktionszeit erheblich verkürzt, Geschwindigkeit wird von Sorge sogar als „wichtigste Währung“ bezeichnet: „Eilmeldungen“ und „Echtzeitjournalismus“ lassen als eigenständige Formen der Berichterstattung auf eine immer kürzer werdende Haltbarkeit schließen.

Im Online-Journalismus kommt es also zur paradoxen Situation, dass die Inhalte gleichzeitig unendlich lange haltbar und doch nur sehr kurz aktuell sind. Wer sieht sich Eilmeldungen von vor fünf Jahren an? Oder einen Text über eine neue Farbe im SPD-Logo?

Fazit

Die Tatsache, dass Online-Journalismus digital ist, macht einen Artikel technisch unendlich langlebig.

Die Tatsache, dass der Artikel Information enthält, macht ihn zu einem kurzlebigen Verbrauchsgut.

[blue_box]In den kommenden Woche werde ich weitere Texte zur Ökonomie des Online-Journalismus veröffentlichen. Sie sind modifizierte Varianten meiner Masterarbeit – und damit robuste digitale Güter. [/blue_box]

Literatur

  • Coase R.H. (1972), Durability and monopoly, in: Journal of Law and Economics 15 (1), 143- 149
  • Klein, L. R. (1998), Evaluating the Potential of Interactive versus Experience Goods, in: Journal of Business Research 41, 195-203
  • Quah, D. (2003), Digital goods and the new economy, Centre for Economic Performance, London School of Economics and Political Science, Discussion Paper 563 (pdf)
  • Rayna, T. (2008), Understanding the Challenges of the Digital Economy: The Nature of Digital Goods, Communications & Strategies 71 (3), 13-36 (pdf)
  • Shapiro, C., Varian, H. (1998). Information rules, Harvard Business School Press, Boston
  • Sorge, P. (2014), Echtzeitjournalismus in der Kritik, in: Politik, Medien, Öffentlichkeit, Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung 22-23/2014

Lesenswertes: Medium, Holocaust und künstliche Intelligenz

Medium, Centralized Publishing and the Future of the Blog

Medium ist das neue Medium (hust). Zumindest ist es die Blogging-Plattform, die im Moment en vogue ist: Einfache Bedienung, großartiges Design und viele namhafte Autoren, die dort publizieren. Doch es ist nicht alles rosig. Martin Weigert beschreibt die Nachteile, die sich aus einer zentralen Plattform ergeben, sei sie auch noch so verführerisch, und plädiert für dezentrale Blogs. Hooray!

„While Medium thrives, the yearly “is blogging dead?” meme goes into another round. And while even this time the answer has to be a clear “no”, which anyone who actually reads blogs will realize, there is a risk that blogging in the sense of a democratic, decentralized publishing system, might die out for real. Not because of a lack of interest in the creation of digital content, but because everybody will have moved to a few centralized platforms. Even this has been a discussion almost as old as blogging itself. But with Medium, this free, high-quality, elegant, usable publishing platform that comes with an effective built-in distribution mechanism, there is now a centralized publishing system with an allure never seen before.“

20 Pictures That Change The Holocaust Narrative

holocaust narrative

„Seriously, how is this image not beyond famous by now? Depicting a woman at the shortly after her liberation, so skinny you can hardly see her, her face is aglow and alive. As if she was never imprisoned.“

via Raphael Raue

The AI Revolution: The Road to Superintelligence

Ich übernehme mal David Bauers Empfehlung:

„Ein atemberaubend guter Text und eigentlich Pflichtlektüre für alle, die planen, noch zwei, drei Dekaden auf diesem Planeten zu verbringen.

Man liest ja viel von künstlicher Intelligenz und denkt dann an den reichlich beschränkten Siri oder hört von Fantasten, die von Singularität und Unsterblichkeit reden. Dieser Text ist der erste, der mir verständlich gemacht hat, wie der Weg vom einen zum anderen verläuft.“

Ein Zitat aus dem Text, der aber nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Aspekte ist, die besprochen werden:

„Build a computer that can multiply two ten-digit numbers in a split second—incredibly easy. Build one that can look at a dog and answer whether it’s a dog or a cat—spectacularly difficult. Make AI that can beat any human in chess? Done. Make one that can read a paragraph from a six-year-old’s picture book and not just recognize the words but understand the meaning of them? Google is currently spending billions of dollars trying to do it. Hard things—like calculus, financial market strategy, and language translation—are mind-numbingly easy for a computer, while easy things—like vision, motion, movement, and perception—are insanely hard for it. Or, as computer scientist Donald Knuth puts it, “AI has by now succeeded in doing essentially everything that requires ‘thinking’ but has failed to do most of what people and animals do ‘without thinking.’”

Die Ökonomie des Online-Journalismus – Teil 1: Online-Journalismus als ökonomisches Gut

Die Frage nach der Finanzierung von Online-Journalismus beschäftigt Journalisten und Manager in Verlagen genauso wie all jene, die sich ohne diese traditionelle Organisationen aufmachen, Journalismus im Web anzubieten. Alle haben sie aber dasselbe Problem: Online-Journalismus ist ein schweres Geschäft.

[blue_box]Dieser Text ist der erste Teil einer mindestens vierteiligen Serie, die sich mit der Ökonomie des Online-Journalismus beschäftigt.
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Ökonomie des Online-Journalismus

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist Journalismus spannend: Schon immer ist Marktversagen auf dem Nachrichtenmarkt eher die Regel als die Ausnahme. Man denke nur an die Monopolstellung vieler Regionalzeitungen – dem Paradebeispiel für eine suboptimale Verteilung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Der populäre Standard-Zusammenhang von Angebot und Nachfrage lässt sich deshalb nicht anwenden. Daraus ergeben sich direkt Konsequenzen für die Refinanzierung, die sich durch das Internet nur weiter verschärfen. Spoiler: Betriebswirtschaftlich sind sie nicht positiv und die Kostenstruktur ist schuld.

Journalismus aus ökonomischer Perspektive

Journalismus wird meist nicht aus einer ökonomischen, sondern einer kommunikations- oder politikwissenschaftlichen Perspektive betrachtet. Im Vordergrund stehen dann positive Externaliäten, die sich aus dem Konsum von Nachrichten ergeben: Informierte Bürger können an zivilgesellschaftlichen Debatten teilnehmen und die Wahrscheinlichkeit einer Partizipation an demokratischen Willensbildungsprozessen steigt. Kurz: Journalismus hat als vierte Gewalt einen klaren demokratischen Auftrag. Journalismus als ökonomisches Gut hat dagegen einen anderen Ansatzpunkt: die Wirtschaftlichkeit.

McManus hat sich in seinem Aufsatz „What Kind of Commodity Is News?” Gedanken über diese beiden Herangehensweisen gemacht, die meistens in einem Zielkonflikt münden. Um das zu verdeutlichen, erstellt er zwei einfache Theorien, die an den beiden Extrempunkten angesiedelt sind: eine rein journalistische und eine rein ökonomische Sicht.

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Rein journalistische Theorie des Journalismus nach McManus.

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Rein ökonomische Theorie des Journalismus nach McManus.

Nur sehr selten stimmen diese beiden Interessen überein. Wenn sie es doch tun, dann beispielsweise bei tragischen Ereignissen oder Schlammschlachten unter Politikern: Eine Berichterstattung ist wichtig – und bringt viele Leser.

In der Mehrzahl der Fälle stehen sich aber die beiden Maximen gegenüber: Das Ziel des journalistischen Ansatzes ist es, öffentliches Verständnis zu erhöhen, Ziel der Firmen hinter Medien ist die Gewinnmaximierung. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die meisten Diskussionen rund um den Journalismus, seiner Finanzierung, aber auch der Rolle individueller Journalisten.

Das ökonomische Konzept, das beide Vorstellungen von Journalismus in Einklang bringen kann, ist das meritorische Gut. Ein Staat stuft ein solches Gut normativ als gut ein, allerdings glaubt er, dass Konsumenten von diesem privaten Angebot zu wenig nachfragen. Eine solche Sonderrolle wird zum Beispiel der Kultur zugeschrieben, genauso journalistisch aktiven Firmen „vor allem in Hinblick auf die politische Aufklärung und den Beitrag zu Allgemeinbildung, den sie leisten sollen“, so Hanno Beck. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk lässt sich mit dieser Argumentation begründen.

Für eine genauere volkswirtschaftliche Analyse sind die Details entscheidend, die sich durch die Transformation von Papier zu Displays ergeben. Eine offensichtliche Veränderung: Journalismus ist im Web digital.

Was ist ein digitales Gut?

„Jede Kopie eines Gutes ist das Gut selbst. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Original und Kopie.“ (Quah)

Das ist der Kernsatz, der ein digitales Gut beschreibt. Aus diesem Grund ist das Bild des Datendiebstahls falsch: Daten werden in der Regel nicht gestohlen, sondern vervielfältigt.

"Datendiebstahl" als Begriff ist Unsinn.

„Datendiebstahl“ als Begriff ist Unsinn.

Konkreter betrachtet: Ein digitales Gut ist ein Bitstring, kann also – in der Umgangsprache von Nicht-Informatikern – mit Nullen und Einsen dargestellt werden. Dieser Bitstring hat nun Einfluss auf den Nutzen eines Individuums. „Am einfachsten ist es, ein digitales Gut als ein Rezept zu betrachten“, schreibt Danny Quah von der Loondon School of Economics (Twitter: @dannyquah). „In einem digitalen Gut sind ökonomisch wertvolle Vorschriften kodiert. Die Formulierung lässt es zu, dass digitale Güter sowohl konsumiert als auch produziert werden können; sie sind also nicht bloß Technologien, die die Produktivität auf der Angebotsseite einer Ökonomie erhöhen.“ Dazu kommt: alles, was sich in einem Bitstring darstellen lässt, ist wiederum selbst Information. „Das verändert auf dramatische Art und Weise eine ganze Kategorie von Gütern: Wie sie erschaffen produziert, verteilt, ausgetauscht und konsumiert werden“, so Quah.

Er unterteilt digitale Güter in zwei Gruppen: robust und fragil. Robuste digitale Güter sind solche, deren ökonomischer Wert gleich bleibt, wenn ein Teil zufällig entfernt oder verändert wird. Ein Beispiel sind Musikdateien, die sich zumindest bis zu einer gewissen Rate in das mp3-Format komprimieren lassen: Der dahinterstehende Bitstring wird kleiner, der Wert des Musikstückes bleibt allerdings gleich. Ein Programmiercode dagegen kann als fragiles digitales Gut eingestuft werden: Der Code kann nur dann ausgeführt werden, wenn er komplett ist. Fehlt ein Befehl: Error! Online-Journalismus ist in dieser Unterteilung ein robustes digitales Gut: Die Aussage einer Nachricht kann die gleiche bleiben, auch wenn sie paraphrasiert oder gekürzt auf einer anderen Webseite erscheint.

Die entscheidenden Details für das Wohl oder Wehe der Monetarisierung von Journalismus liegen in den Details folgender drei Eigenschaften:

  1. der Langlebigkeit,
  2. dem Verhalten eines Erfahrungsgutes,
  3. dem Grad der Öffentlichkeit.

Diese klassischen Eigenschaften werden auch bei nicht-digitalen Gütern zur Kategorisierung benutzt. Die Digitalisierung macht bei der Beschreibung der Güterart die ökonomische Theorie also nicht obsolet. Thierry Rayna schreibt: „Fundierte ökonomische Konzepte können dazu verwendet werden, um die Herausforderungen der digitalen Technologie zu erklären und zu verstehen.“

[blue_box] In den kommenden Woche werde ich weitere Texte zur Ökonomie des Online-Journalismus veröffentlichen. Sie sind modifizierte Varianten meiner Masterarbeit – und damit robuste digitale Güter. [/blue_box]

Literatur

  • Beck, H. (2011), Medienökonomie: Print, Fernsehen und Multimedia, Springer, Heidelberg, 3. Auflage
  • Kiefer, M. L. (2011), Die schwierige Finanzierung des Journalismus, in: Medien & Kommunikationswissenschaft 59 (1), 5-22 (pdf)
  • McManus, J. H. (1992), What Kind of Commodity Is News, in: Communication Research 19 (6), 787-805
  • Quah, D. (2003), Digital goods and the new economy, Centre for Economic Performance, London School of Economics and Political Science, Discussion Paper 563 (pdf)
  • Rayna, T. (2008), Understanding the Challenges of the Digital Economy: The Nature of Digital Goods, Communications & Strategies 71 (3), 13-36 (pdf)

Die größte ökonomische Frage des 21. Jahrhunderts

Ein faszinierendes Interview Yuval Harari in der SZ von Johannes Kuhn. Darin sagt Harari unter anderem:

Die größte ökonomische Frage des 21. Jahrhunderts ist: Warum benötigst Du Menschen in der Wirtschaft? Die hat sich zuvor noch nie gestellt, denn wer sollte den Weizen ernten oder in den Fabriken arbeiten, wenn nicht Menschen? Eine Antwort auf die Frage lautet also: Wir brauchen Menschen als Produzenten. Wenn das der Fall ist, sind wir in ziemlichen Schwierigkeiten. Die andere, recht amerikanische Antwort lautet: Wir brauchen die Menschen als Konsumenten. In der Praxis wird das bedeuten, dass wir nicht mehr arbeiten werden, sondern nur noch konsumieren, das ist dann unser Job. Die USA entwickelt sich gerade in Richtung dieser Idee, doch es gibt ein Problem: Sie widerspricht jedem ökonomischen Modell in der Geschichte der Menschheit. Du bräuchtest dafür ein neues Modell, das noch nicht existiert.

Lesenswertes: Code und Drohnen beim Bund

How Fusion does agile

Once your communication is like oxygen, agile goes best with a heavy dose of open source software.

Daniel Bachhuber, einer der prominentesten WordPress-Entwickler und ehemaliger Automattic-Angesteller, ist seit Kurzem bei Fusion. Dort leitet er die Entwicklungsabteilung. Fusion ist einer der neuen Player auf dem Medienmarkt, der sich mir vor allem bemerkbar gemacht hast, weil er prominente Köpfe abgeworben hat. Unter anderem Alexis Madigal vom Atlantic, Felix Salmon von Reuters und eben Daniel Bachhuber von Automattic.

Coding History

Genauer gesagt ist Coding History hörenswert. Die Selbstbeschreibung:

Ein Podcast zur Frage, wie die digitale Welt geworden ist, wie sie ist: Warum sieht Software so aus, wie sie aussieht? Wie hat sich das Programmieren von Software verändert und was für Auswirkungen hat das eigentlich darauf, wie wir Software benutzen?

„Ich bin kein Computerspieler“

Wie sieht die Arbeit von Drohnenpiloten bei der Bundeswehr aus? Wirklich interessantes Interview bei Zeit Online.

Automechaniker sind nicht automatisch gute Verkehrsplaner

Technische Begriffe wie “Daten” und “Algorithmen” verschleiern dabei nur allzu oft, dass die drängenden Fragen sich um Zugang, Teilhabe, Machtverteilung und Diskriminierung drehen. Sie implizieren die Angemessenheit des technischen Zugangs, schieben die Deutungshoheit auf die Technologen, die sich dann nur all zu oft in einem undurchdringlichen Wirrwarr aus Fachbegriffen verlieren.

aus: Automechanik und Verkehrsplanung

Falsch machen

„Why Getting It Wrong Is the Future of Design“ heißt der Text bei Wired, der sich zusammenfassen lässt mit: Regeln sind dazu da, um gebrochen zu werden.

For the past 30 years, the field of technology design has been working its way through the first two stages of this cycle, an industry-wide march toward more seamless experiences, more delightful products, more leverage over the world around us. Look at our computers: beige and boxy desktop machines gave way to bright and colorful iMacs, which gave way to sleek and sexy laptops, which gave way to addictively touchable smartphones. It’s hard not to look back at this timeline and see it as a great story of human progress, a joint effort to experiment and learn and figure out the path toward a more refined and universally pleasing design.

(…)

We have figured out the rules of creating sleek sophistication. We know, more or less, how to get it right. Now, we need a shift in perspective that allows us to move forward. We need a pole right through a horse’s head. We need to enter the third stage of this cycle. It’s time to stop figuring out how to do things the right way, and start getting it wrong.

IT im Gesundheitsbereich: Software und Algorithmen im Klinik-Alltag

Dass die Digitalisierung alle Bereiche umfasst, ist eine Binsenweisheit. Doch wie das jetzt so in Branchen abläuft, mit denen man nicht oft zu tun hat, bleibt dann doch meistens ein Rätsel.

Einen Einblick in die Software und Algorithmen bei Krankenhäusern bietet das Projekt „Looking into Black Bloxes“. „Algorithmen, Triage und Mobile Visite“ ist die erste Folge von „Looking into Black Boxes“, das ich vor ein paar Monaten bei ihrer Crowdfunding-Aktion unterstützt habe.

Ihre Selbstbeschreibung:

Wir rechnen nicht nur mit Computern, wir leben auch mit ihnen. Aber wie geht das eigentlich?

Eine Aussage aus dem Video:

Reporterin: „Verlässt man sich nicht viel zu sehr auf diese Software?“

IT-Leiter des Unfallkrankenhauses Berlin: „Das hoffe ich mal, dass das die Kollegen nicht tun. IT kann denken nicht ersetzen. Es ist nur eine Unterstützung. Ein Patient braucht immer einen Arzt und die Pflege.“

Lesenswertes: Big Data und Big Algorithmen

Wenn Daten sprechen

Big Data, Big Data, Big Data. Der Begriff flutet die Debatten um die digitale Zukunft. Aber was sind das eigentlich, diese großen Daten? Bernd Graff von der SZ vergleicht den Status Quo mit dem Mittelalter, als Karl der Große mit Erdöl konfrontiert war.

Der Buzz um Big Data ist also erst einmal schiere Verzweiflung an der großen Zahl, verkauft als Freude. Es ist das ungläubige Staunen auch darüber, dass sich die Serverfarmen mit ihren riesigen Daten-Reservoirs wie von selbst füllen. Angeblich verdoppelt sich das Gesamt-Datenvolumen alle zwei Jahre. Das Heu ist also da, aber man will die Stecknadeln darin.

 

How algorithms shape our world

Ein Video, das meiner Meinung nach zu den Best-of TED-Videos gehört:

via