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Der Maßstab

Mit das beste, am sowieso schon großartigen Wirtschaftsmagazin Brandeis sind die Essays, die das jeweilige Scherpunktthema einleiten. Im Oktober ging es um die Normalität, die – so die These des Autors Wolf Lotter – als Maßstab gesehen werden soll. Ist einleuchtend, schließlich ist das ein relativer Wert, der sich irgendwo orientieren muss.

Nun ist im Prinzip nichts schlecht daran, wenn sich Menschen an einem Durchschnitt orientieren, an einem Wert, der ihnen Gelegenheit gibt, ihre eigene Position genauer zu bestimmen. Dazu ist ein Body-Mass-Index ebenso nützlich wie Leitkulturen und Moden – wenigstens solange wir all diese Maßstäbe nur zur Kalibrierung unserer eigenen Persönlichkeit nutzen, also zur besseren Unterscheidbarkeit von der Norm. Doch das geschieht nach wie vor selten. Die meisten wollen sich am Maßstab nicht orientieren, sie wollen so sein wie er. Wir machen uns, ohne Not, zu Normalverbrauchern. Und es ist nur auf den ersten Blick paradox, dass das besonders klar wird, wo wir das Abweichende loben.