Menu

Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Leseliste: Konservativ, feministisch, im Widerstand

Können jetzt nicht mal die Konservativen rebellieren?
Die Zeit fragt nach, wer denn eigentlich noch konservativ ist. Gerade in Zeiten, in denen sich auch die Rechten als (Neo-)Konservative bezeichnen, braucht es eine klare Grenzziehung. „Die Wirklichkeit des Konservativen ist (…) komplex. Das ist eigentlich das Gegenteil zum rechten Populismus.“

Emma Watson: the feminist and the fairytale

One way to understand Watson’s very 21st-century celebrity activism is to see her as a multi-hyphenate entrepreneur in the vein of Beyoncé and Gwyneth Paltrow. It’s just that instead of using her brand to promote her own range of perfumes and cookbooks, she is using it to promote gender equality.

Is the „Resistance“ the new Tea Party?
Ist der Widerstand gegen Trump die neue Tea Party? Diese Tea Party, die nicht nur gegen Barack Obama hetzte, sondern auch die republikanischer Partei terrorisierte.

Die Parallelen: Spontaner Massenprotest von Leuten, die vorher überwiegend nicht für die Demokraten aktiv waren – außer, um sie zu wählen vielleicht. Und eine Regierung an der Macht, damals Obama, jetzt Trump, die es für möglich hält bei bestimmten Themen mit der Gegenseite zusammen zu arbeiten. Bei Obama hatte es damals jedenfalls nicht funktioniert.

Lesenswertes: gay ’n‘ gender

EXCLUSIVE: Undercover At NOM’s Anti-Gay Student Conference

Ein junger, schwuler Mann schreibt seit einiger Zeit gegen eine US-Organisation NOM, die gegen die Homo-Ehe ist. Eben diese Leute richten eine Konferenz aus. Eher aus Spaß bewirbt sich xxx, in der Annahme nicht eingeladen zu werden, da nach einem Googeln klar ist, das er eines auf keinen Fall ist: Ein Freund. [Update: xxx steht für den Blogger Carlos Maza von „Equality Matters – A Campain for Full LGBT Equality“].

Doch er wird eingeladen. In seinem Bericht der vier Tage in San Diego bloggt er über den kleinen Schritt zwischen der Verweigerung der Ehe für Homosexuelle und anti-schwul-lesbisch-bi-und-was-auch-immer-nicht-Mann-Frau-Kind. Er zeigt Fotos und Audio-Aufnahmen, die er gemacht hat.

I told them I was a practicing Catholic (false) who recently graduated from Wake Forest University (true), where I was a member of the university’s debate team (true). I told them that I worked with my mom at a computer software company in Miami, FL (false) but was planning to move to Washington, DC in order to be closer to my long-term college girlfriend (absolutely false). I also claimed to have found out about ITAF through the Ruth Institute’s YouTube page (true), which I was browsing to learn more about how to defend traditional marriage (could not be more false).

Was mich Gender kümmert

Der Physiker Joachim Schulz erläutert sein Interesse an Genderforschung und warum statistische Unterschiede keine Aussage pro oder contra nature oder nuture treffen:

Ein Satz wie „Mathematik ist nichts für Mädchen“ oder „Männer können nicht zuhören“ wird nicht dadurch richtig, dass es in Mathematikfähigkeiten oder Einfühlungsvermögen messbare Gender-Unterschiede im Mittelwert gibt. Solche Sätze können aber Menschen demotivieren. Vor allem, wenn sie als wissenschaftlich fundierte Tatsachen dargestellt werden.

Mobil machen in Syrien

Manche Geschichten sind so verquer, ambivalent und absurd, dass sie einfach nur noch komisch sind. So wie diese: Amina Adalla ist  verschleppt worden, mitten in der Hauptstadt Syriens.  So steht es plötzlich auf ihrem Blog, es gebe Zeugen. Amina Affaf bloggt als Gay Girl in Damascus mit Verve und einem großen „Fuck you“ gegen das politische System in Syrien.

Die Bevölkerung hat dort seit Wochen und Monaten soviel Druck auf Präsident Baschir und seine Regierung aus Geheimdienst und Militär ausgeübt, dass das Regime nur mehr mit Gewalt zu helfen weiß. Unter dem schlanken Baschir, dessen Aussehen sich aus einem Hitlerbild in einem Programm, das Gesichter verzerrt, darstellen lassen kann gibt es so viel Gewalt, dass Tausende Menschen über die Grenze in die Türkei flüchten. Die Proteste der Bevölkerung sollen vor allem auf dem Land sein, im Norden des Landes, in Gegenden, von denen die türkische Grenze nicht mehr als 150 Kilometer zurück sind.

Recht viel mehr ist nicht bekannnt. Journalisten dürfen sich schon lange nicht mehr dort aufhalten, nachdem die Rebellionen in Nordafrika und dem Nahen Osten im Winter und Frühling auch in Syrien die Menschen für mehr Freiheit, mehr Geld und mehr Demokratie forderten. In Berlin hatte es schon im März Demonstrationen gegen die syrische Regierung gegeben, etwas abseits von Kairo, Tunis und Bahrain und machten mobil. Ein bisschen Informationen aus dem Land zwischen der Türkei und Israel, bringt Amina Abdalla. Annina verlinkte auf Facebook zu den Unterstützern von Amina, ebenfalls auf Facebook, wo ihre Seite „Free Amina Abdalla“ heißt. Mir gefiel das natürlich, genauso wie 13 Tausend 399 anderen bis gerade eben auch.

Plötzlich zwei Tage, nachdem ich den Gefällt-mir-Button gedrückt habe und mehrere Artikel, die ich nur am Rande auf den üblichen feministischen Blogs wahrnahm, ist aus Amina Abdalla, einer 26-Jährigen aus Damaskus plötzlich ein 27-jähriger Amerikaner aus Istanbul geworden.

Hä? Und nun?

Gedanken aus erster Hand und weiterführende:

  • Apology to reader – Die Entschuldigung von Tom MacMaster, in der er erklärt, warum er angefangen hat, als lesbische Frau zu bloggen und die Entführung seiner Person (in einen syrischen Folterkeller) zu inszenieren.
  • Amina is a Man, and He’s Sorry – so am I! – Auch Annina entschuldigt sich dafür, dass sie ihre Leser aufforderte eine Petition zu unterschreiben. Ich meine: Der Fehleralam hat wenigstens geklappt.
  • A Fake Girl in Damascus – Hakan fragt sich, wie solche Identitäten von Onlinepersonen überprüft werden könnten. Denn gerade auch, dass Journalisten die Geschichte aufgenommen haben ohne offenbar herauszufinden, dass Amina eigentlich von Tom erfunden wurde, machte sie groß.
  • Lesbian Ranting – “Amina” und “Paula” Charly ist auf Kweens ja mal richtig sauer, u.a. wegen, wer einem lügt, dem glaubt man kaum. Und tatsächlich: Würde morgen eine 23-jährige Frau aus Syrien verschwinden, woher soll man den wissen, ob es die Person hinter der anrührenden Geschichte aus wirklich gibt? Und warum machte das Tom MacMaster überhaupt fünf Monate lang?

Lesenswertes: 2000 – 2009

Picturing the Past 10 Years Rückblicke auf das vergangene Jahrzehnt gibt’s dieser Tage wie Sand am Meer. Der beste, den ich bisher gesehen habe, ist in der New York Times und kommt so gut wie ohne Text aus: Eine große Grafik mit verschiedenen Kategorien und jeweils einem Bild, das stellvertretend für das Jahr steht. Günter Jauch, der Spiegel oder diverse Blogs können da einpacken.

The Most Memorable Feminist Moments of the Decade Ein Rundumschlag von „DoubleX“, einem Magazin der Washington Post, zu allem was im letzten Jahrzehnt wichtig (aber nicht unbedingt nur positiv) für den Feminismus war. Da steht Angela Merkel neben Aung San Suu Kyi und Conduleeza Rice neben Paris Hilton.