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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Filterbubble == Lebenswelt

Ich lebe ihn keiner Blase – Digital Present

Algorithmen sind pragmatisch: Sie arbeiten mit dem, was wir ihnen hinwerfen. Unsere Anfragen auf Google, unsere Klicks auf Links und die Likes bei Facebook.

Früher, in der Zeit vor den sozialen Medien, hießen Filterblasen nicht Filterblasen, sondern „Heimatdorf“, „Familie“, „Arbeitsplatz“, „Nationalstaat“ oder „Fußballverein“. Solche Umfelder waren es, die bestimmten, worüber man sich unterhielt, in welchen Kategorien man dachte, wem man zuhörte und wem gegenüber man Vorbehalte hatte. Denn es war ja nicht so, dass die Berliner Industriearbeiterschaft des 19. Jahrhunderts nach Feierabend Brieffreundschaften mit fernen Völkern oder dem politischen Gegner pflegte.

(…)

Hier nähern wir uns dem, wofür die Bubblediskussion oft als Ausrede dient: nämlich klassischen sozialen Konflikten – zwischen Stadt und Land, Jung und Alt und vor allem zwischen Arm und Reich. Mit der digital beschleunigten Konzentration von immer mehr Geld in immer weniger Händen steigt die Zahl der Abgehängten, Ungebildeten, Unverwertbaren, der Armen. Die machen ihrem ungerichteten Ärger Luft – und zwar, wie so oft in der Geschichte, gegen die noch Schwächeren: Migranten, Frauen, Homosexuelle.

Folglich wären das, was wir als Filterblasen bezeichnen nichts anderes als unsere Lebenswelten. Nur halt digital.