Facebook ist das neue Lagerfeuer: Eine kurze Geschichte der Nachrichten

Mitchell Stephens (Twitter), Professor an der New York University, erzählt in fünf Minuten die Geschichte der Nachrichten. Seine Hauptbotschaft: Mit dem Internet werden Nachrichten wieder das, was sie vor der Professionalisierung vor etwa 150 Jahren waren. Statt am Marktplatz gibt es nun virtuelle Treffpunkte, an denen sich Einzelpersonen Neuigkeiten mitteilen.

Lesenswertes: Anreize, Feldforschung und der Walter

Drei Texte: Einmal Anreize bei Geschäftsmodellen mit digitalen Gütern, einmal Journalismus Nabelschau und einmal Kleinigkeiten im Webdesign.

Ben Thompson: Ello and Customer Friendly Business Models

Warum ich die VWL trotz allem mag? Weil sie sich mit Anreizen beschäftigt. Deshalb steh‘ ich wahrscheinlich auch so auf die Analysen von Ben Thompson, dessen Startpunkt sehr oft eben monetäre oder nicht-monetäre Anreize sind. Dieser Tage hat er im Zusammenhang mit Ello eine kurze Zusammenfassung verschiedener Anreizmechanismen gegeben, die je nach Geschäftsmodell mit digitalen Gütern wirken: Einmalzahlung, Abo etc.

  • My favorite business model is a subscription: I pay every month for a piece of software or a service, which means the software or service provider is always under pressure to earn my money
  • Advertising is actually not far off from a subscription-style service: while in a very narrow view the adage “you’re the product that’s being bought and sold” is certainly true, the reality is that the Google and Facebooks of the world are arguably even more incentivized to make sure the user experience is great. After all, the value they offer has to be sufficient to overcome the negative effects of advertising (and in some case, particularly Google search, there are times when advertising is actually additive to the user experience)
  • Up-front payments can go either way:
    • I’m a fan of up-front payments if the developer has plans to release new versions of the software that require me to pay to upgrade. This sort of business is similar to high-margin hardware: not only must this developer offer something very compelling to earn my up-front payment, they must also deliver something of quality to ensure I’m willing to pay for versions two, three, and four
    • On the other hand, if the developer will never charge for upgrades, then I think this business model isn’t consumer friendly at all. A developer of such an app is incentivized to garner as many up-front payments as possible with no regard for existing customers
  • “Unlock”-type schemes are the worse. These can be products where you need to pay for features or assistance to accomplish some given task (free-to-play definitely falls in this category). Developers who use these schemes are incentivized to make the experience of their product frustrating so that I might be willing to pay to avoid the frustration. But, once I pay, there is no incentive to keep me happy

Das Nieman Lab fand diese Zusammenfassung auch super und hat sie auch verbloggt.

Torial: Feldforschung im Journalismus

Geschäftsführer von Torial, Marcus von Jordan, schreibt einen unterhaltsamen Text über die Zukunft des Journalismus. Er macht ihn als „Feldforschung“ auf und fabriziert ein paar knackige Sätze. Zum Beispiel:

„Vielleicht ist das Geschäft mit News tot, das mit Information ist es sicher nicht.“

Eine Aussage, die ich gleich getwittert habe, der ich aber trotzdem nicht ganz zustimmen kann. Richtiger ist meiner Meinung nach: Für News werden Leser nicht zahlen, eine Finanzierung funktioniert dann nur über Werbung. Auf Grund der niedrigen Werbepreise muss dann auf Masse gesetzt werden. Und auf gute Usability (siehe Ben Thompson ein, zwei Scrolling-Aktionen weiter oben).

Von Jordan schreibt außerdem:

Wenn ich mir jetzt noch was wünschen darf: Die digitale Welt sollte für den Journalismus nicht die totale Kapitalisierung bedeuten. Journalismus kann keine Ware werden wie jede andere. Journalismus ist keine Option. Also her mit den Zuschüssen! Journalismus ist selbst seine Maxime und nicht sein “Return on Investment”. Wenn er nur noch wert ist, was der Endkonsument dafür bezahlen will, dann ist das ganz schlicht demokratiegefährdend.

Das ist genau das Dilemma: Journalismus kann keine Ware werden wie jede andere, weil es keine Ware ist wie jede andere. Es vereint stattdessen die Eigenschaften eines öffentlichen Gutes mit denen von digitalen Gütern – ein Albtraum für Betriebswirte, spannend für Volkswirte.

A big article about Wee things

Von Infografiken bis Navigationen erläutertet Propublica-Journalistin Lena Groeger die kleinen Dinge im Webdesign. Viele, viele Beispiele und zum immer wieder nachschauen. Leitmotiv ist Waldo, zu deutsch Walter. Oder Heini. 

Storyteller: Multimediales Storytelling möglichst einfach

Storyteller ist ein WordPress-Theme, das multimediales Geschichtenerzählern so leicht wie möglich machen will. Zielgruppe: Journalisten, die nicht coden können.

Gestern habe ich Storyteller veröffentlicht, ein Tool für multimediales Storytelling. Das Ziel: möglichst einfach zu verwenden. Die Zielgruppe: Journalisten, die nicht coden können. Ein Interview mit mir selbst.

Sind solche Geschichten die Rettung des Journalismus?

Nein, natürlich nicht. Verlangt das jemand? Ob die Geschichten gemacht werden, die mit Storyteller (oder Pageflow oder copytext.py von NPR), etwas taugen, liegt ja nicht nur am Werkzeug. Je einfacher allerdings das zu bedienen ist, desto mehr kann man sich auf die Geschichte konzentrieren.

Findest du diese Art des Erzählens immer super?

Nein. Sehr oft finde ich sie sogar ziemlich schlecht. Aber manchmal sind wirkliche Perlen darunter. Meiner Meinung nach die beste Veröffentlichung in dieser Stilform ist Borderland von NPR: Tolle Fotos, sehr kurze Texte, spannend. Es ist nicht zu übersehen, dass ich mich bei Storyteller daran orientiert habe.

demo

Es gibt doch Pageflow. Warum braucht es da noch ein Tool?

Ich finde Pageflow aus mehreren Gründen nicht ideal. Der wichtigste: zu hohe Einstiegshürden. Ich selbst bin zum Beispiel schon an den Voraussetzungen für die Installation auf dem eigenen Server gescheitert. Storyteller basiert auf WordPress, dem sehr viele Menschen, die ins Internet schreiben, schon begegnet sind. Das Ziel ist es, dass Journalisten, die nicht coden können, damit klar kommen. Den letzten Anstoß gab ein Tweet von Mario Haim:

Und wie willst du das schaffen?

Storyteller reduziert den Admin-Bereich auf das Wesentliche – unnötiges, wie beispielsweise „Seiten“ oder Kommentare sind entfernt. Dazu gibt es auf der Startseite des Adminbereichs und in auf jeder „Slide erstellen“-Seite einen Hilfebereich. Die einzelnen Slides selbst sind schnell gemacht: Ein Beitragsbild hochladen, Text rein, fertig.

Aber die Geschichten sehen dann ja alle gleich aus!

Das ist möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Schließlich sind die dominanten visuellen Elemente Fotos oder Videos, die Schrift tritt eher in den Hintergrund. Und immerhin können Nutzer im Adminbereich aus vier verschiedenen Schriftarten auswählen. Wer noch mehr Individualisierung will, kommt um CSS nicht herum. Dafür gibt es zu jeder Folie ein Feld, in dem diese Elemente Platz haben.

Und ist das jetzt wirklich alles so einfach?

Ich hoffe doch! Allerdings bin ich auch befangen. Um das besser zu beurteilen und um Schwachstellen auszumerzen, muss das Ding getestet, genutzt und verbessert werden – am besten von euch! Ich würde mich freuen. Wer Storyteller mal ausprobieren will, bekommt von mir auch gerne einen Account für meine Version.

Wo bekomme ich Storyteller?

Auf seiner eigenen Webseite oder GitHub.

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Journalismus != Nachrichten

Oh nö, nicht noch ein Text über Roboterjournalismus. Schrieb auch der NZZ-Journalist Stefan Betschon, der darauf verweist, dass die Computerlingustik noch nicht weit genug sei. Und am Schluss etwas wichtiges:

In der Strandhütte, weit weg von den Büros der Redaktion, ins Graue starrend, zwischen Papieren mit Texten über Roboter-Journalismus, kommt es mir plötzlich so vor, als ob diese Zeitungsartikel nicht über Fortschritte in der Computerlinguistik etwas aussagten, sondern über eine Veränderung in der Wahrnehmung des Journalismus, über eine Verengung auf die Textsorte News, auf die Informationsfunktion, auf die Tugend der Schnelligkeit. (Markierung von mir)

Eine solche Verengung ist nicht nur qualitativ, sondern auch ökonomisch schlecht.

NewsLynx: Neues Tool soll Erfolg von Journalismus qualitativ und quantitativ ermitteln

Hyperlinks sind Einbahnstraßen. Das macht es schwierig, den Einfluss von Online-Journalismus zu tracken. Ein neues Tool, will das Problem lösen und Links in beide Richtungen befahrbar machen.

Die Frage nach dem Erfolg von Online-Journalismus ist nur oberflächig leicht zu beantworten. Selbst die Einsicht, dass Klickzahlen nicht das gelbe vom Ei sind und eine Menge Fehlanreize in sich bergen, bringen den ambitionierten Online-Journalismus-Versteher nur in das Basislager des Wie-einflußreich-ist-Journalismus-Berges.

Drei junge News-Nerds versuchen nun, gesponsort mit Geldern des Tow-Centers for Digital Journalism, das Problem, wie Einfluss online gemessen werden kann, zu verstehen.

  • Brian Abelson hat bei der New York Times PAR („Pageviews above replacement“) entwickelt. Vor ein paar Monaten schrieb ich dazu bei den Netzpiloten:

    Im Sommer veröffentlichte Abelson seinen Ansatz. Er nennt ihn PAR, kurz für “Pageviews above replacement”. Die grundlegene Überlegung ist folgende: Der Erfolg eines Artikels – gemessen in Page Views – hängt nicht nur von Zugriffen ab, sondern auch davon, wie viel Werbung dafür gemacht wurde. Es muss also herausgerechnet werden, wenn Facebook- und Twitter-Accounts der NY Times den Text geteilt haben oder ob er auf der Startseite stand. Der PAR-Indikator stellt die Page Views in Relation zu den getroffenen Werbemaßnahmen. Abelson ist sich der begrenzten Aussagekraft bewusst: “Der PAR-Ansatz ist ein Pflaster.” Ein Pflaster das helfe, den Aufwand zu messen, den eine Nachrichtenseite aufbringen müsse, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

  • Der zweite im Bunde ist Stijn Debrouwere, dessen Serie zur Informationsarchitektur bei Nachrichtenseiten zum Besten gehört, was ich zu diesem Themenbereich je gelesen habe.

  • Der dritte ist Michael Keller, den ich bis zur Google-Suche vor einer halben Minute nicht kannte. Er ist offenbar Multimedia-Journalist bei Al-Jazeera. Mehr zu ihm auf seiner Webseite.

Diese drei arbeiten zusammen an NewsLynx, das quantitativ und qualitativ auswerten soll, welchen Einfluß bestimmte journalistische Inhalte haben.

Noch sind die Aussagen ziemlich wage, aber die „Preliminary Feature List“ lässt auf einiges hoffen:

While we’re just getting started, here’s a sense of what NewsLynx will include:

  • Tracking of social media “mentions” and “likes” over time on Twitter and Facebook.
  • Tracking of mentions by lists of people, e.g. local and national representatives, other journalists, or institutional representatives.
  • Integration with Google Analytics and other metric providers.
  • A Google Alert-like river of mentions that can be approved and associated with a given article.
  • A Customizable qualitative taxonomy and tagging system.
  • An interface for recording “impact” events not tied to automatic processes.
  • “If-This-Then-Impact” recipes for custom combinations of events that should trigger an event to be recorded.
  • A report generator for distributing impact assessments to staff, board members, and financial backers.

Warum dieses Vorhaben nicht trivial ist, schreiben die drei in einem Blogbeitrag bei Tow auf: Das Hyperlinks-System, wie es der Erfinder des WWW, Tim Berners Lee, erdacht hat, ist nicht darauf ausgelegt, getrackt zu werden. Denn diese Links sind Einbahnstraßen. Sie zeigen in eine Richtung; das Ziel hat aber nicht gespeichert, woher der Verweis kam.

The inefficiency of one-way links left a hole at the center of the web for a powerful player to step in and play librarian. As a result, if you want to know how your content lives online, you have to go shopping for analytics. To effectively monitor the life of an article, newsrooms currently use a host of services from trackbacks and Google Alerts to Twitter searches and ad hoc scanning. Short link services break web links even further. Instead of one canonical URL for a page, you can have a bit.ly, t.co, j.mp or thousands of other custom domains.

Mit sogenannten „recipes“ wollen sie dieses Problem lösen, indem sie dadurch eine Art „two-way-linking-system“ entwickeln. Die Serpentinen auf den Everest der Erfolgsmessung sollen damit, um in der Metapher der Einbahnstraße zu bleiben, in beide Richtungen befahrbar sein.

Noch kann an NewsLynx nicht ausprobieren, aber Medien können eine Umfrage ausfüllen und unten ankreuzen, dass sie das Tool gerne ausprobieren würden. Wäre ich Head-of-Data-Analysis von I-wanna-own-online-Media, ich würde keine Sekunde zögern …

Lesenswertes zwischen 15. 7. 14 und 29. 7. 14

Lesenswertes der letzten Tage.

Lesenswertes der letzten Tage. Mehr lesenswerte Links findest du in der gleichnamigen Kategorie Lesenswertes.

You May Be Losing Users If Responsive Web Design Is Your Only Mobile Strategy | Smashing Magazine

"You resize the browser and a smile creeps over your face. You’re happy: You think you are now mobile-friendly, that you have achieved your goals for the website. Let me be a bit forward before getting into the discussion: You are losing users and probably money if responsive web design is your entire goal and your only solution for mobile. The good news is that you can do it right."

Börse plus Sozialismus: Alternatives Wirtschaftssystem – brand eins online

"Corneos Vorstoß aber ist etwas Besonderes. Weil er von innen kommt, aus dem Kreis der etablierten Wirtschaftswissenschaftler, denen seit einiger Zeit vorgeworfen wird, sich dogmatisch verkapselt zu haben."

Kara Swisher: Tech’s Most Powerful Snoop — NYMag

All journalism about power runs on trade-offs. Don’t use my name, and I’ll tell you what you want to know. Wait to run the story, and I’ll speak only to you. If you’re fair, I’ll keep taking your calls. Silicon Valley is no different from Washington or Hollywood in this regard, but it’s still much more of a clusterfuck: In the land of the 23-year-old multibillionaire, unlike in D.C., some of the most powerful, newsworthy people are peers of the young reporters covering them, and thus more likely to form social relationships; and unlike in Hollywood, journalists aren’t automatically assigned lower social status than their subjects. Here, too, the investors backing tech media are often from the same industry they’re supposed to be covering, a uniquely sunny industry that encourages puffery. Most tech-media outlets, being start-ups themselves, are sympathetic to entrepreneurs, and upstart tech media don’t necessarily have the ethical proscriptions—such as gift policies—that traditional print institutions do.

Lesbarkeit von Nachrichtenwebseiten

Was gute Lesbarkeit im Web ausmacht und ein Usability-Test deutscher Nachrichtenwebseiten.

Adrian Zumbrunnen der Schweizer Webagentur IA trägt zusammen, was zu einer guten Lesbarkeit von Webseiten dazugehört. Ein Must-read für alle, die sich für das Design und die Usability von Webseiten im Allgemeinen und Nachrichtenseiten im Besonderen interessieren.

„On the web, we are confronted with an unprecedented amount of distractions that gave birth to various tools like Readability, Instapaper, Adblocker, etc. Attention span shortens while the quality of reading experiences declines; ultimately leaving a lot of great content out there undiscovered, unloved, unshared and unread by most.“

Die Elemente, die Zumbrunnen bespricht:

  • Typografie
  • Keine Nachahmung von physischen Lesegeräten (E-Paper, I look at you!)
  • Fixe Elemente
  • Sidebars
  • Animationen
  • Werbung
  • Pagination
  • Navigationen, „Das solltest du auch noch lesen“
  • Bilder

Wenn man sich dann die Auswertung des t3n-Magazins zur Usability von deutschen News-Seiten ansieht, ist die Diskrepanz zu Zumbrunnens Aussagen sehr klar erkennbar.

Das Fazit bei t3n:

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Usability von fast allen News-Portalen negativ von zu unruhigen Werbebannern beeinflusst wird und nicht nur innerhalb der ersten drei Sekunden Aufmerksamkeit vom Inhalt weg gelenkt wird, sondern auch längerfristig.
(…)
Des weiteren lässt der Test erkennen, dass sich die eher traditionelle Herangehensweise, den Leser nicht durch reißerische Headlines und übergroße Teaser zu „triggern“, sondern Inhalte neutral und gleichwertig darzustellen, als Nachteil erweisen kann.

Lesenswertes: Daten, VWL und der erste Satz

Lesenswertes der letzten Tage.

Lesenswertes der letzten Tage. Mehr lesenswerte Links findest du in der gleichnamigen Kategorie Lesenswertes.

  • Warum versagt die Volkswirtschaftslehre? – SWR2 :: Kultur Info | SWR.de – Das alte Thema: Ist die Volkswirtschaftslehre zu monothematisch, zu ideologisch, zu neoklassisch? Die Professoren Michel Burda und Helge Peukert und der Wirtschaftsjournalist Thomas Fricke streiten sich herrlich über die VWL.
  • Alberto Cairo: Data journalism needs to up its own standards » Nieman Journalism Lab – Kritik am Datenjournalismus vom Visualierungsexperten Alberto Cairo: „It is tempting for a news startup to try to be both BuzzFeed and The Economist at the same time, no matter how chimerical that goal is. Lighthearted blahblah can be done quickly and nonchalantly. Proper analytical journalism can’t. If you have a small organization, you may have to choose between producing a lot of bad stuff or publishing just a small amount of excellent stories.“
  • The Rhetoric of Data | Tow Center for Digital Journalism – Immer drandenken: „Who produced the data and what was their intent? Did it come from a reputable source, like a government or inter-governmental agency such as the UN, or was it produced by a third party corporation with an uncertain source of funding? Consider the possible political or advocacy motives of a data provider as you make inferences from that data, and do some reporting if those motives are unclear. When was the data collected? Sometimes there can be temporal drift in what data means, how it’s measured, or how it should be interpreted. Is the age of your data relevant to your interpretation? For example, in 2010 the Bureau of Labor Statistics changed the definition of long-term unemployment, which can make it important to recognize that shift when comparing data from before and after the change. Most importantly it’s necessary to ask what is measured in the data, how was it sampled, and what is ultimately depicted? Are data measurements defined accurately and in a way that they can be consistently measured? How was the data sampled from the world? Is the dataset comprehensive or is it missing pieces? If the data wasn’t randomly sampled how might that reflect a bias in your interpretation? Or have other errors been introduced into the data, for instance through typos or mistaken OCR technology? Is there uncertainty in the data that should be communicated to the reader? Has the data been cropped or filtered in a way that you have lost a potentially important piece of context that would change its interpretation? And what about aggregation or transformation? If a dataset is offered to you with only averages or medians (i.e. aggregations) you’re necessarily missing information about how the data might be distributed, or about outliers that might make interesting stories. For data that’s been transformed through some algorithmic process, such as classification, it can be helpful to know the error rates of that transformation as this can lead to additional uncertainty in the data.“
  • Der verfluchte erste Satz, Teil 1: Was ist Dein Problem? | Deadline – „In dem Drama Mensch gegen Wirklichkeit gibt es roh kartografiert vier Grossgebiete für Treibsand: Die Wirklichkeit entspricht nicht den Erwartungen des Lesers. Das Material ist absurd, abstossend, unerwartet, also gegen die Intuition oder den Geschmack des Publikums. Das heisst: Es muss mit List und Zucker präsentiert werden. Die Wirklichkeit ist sich selbst nicht klar. Das Material ist verwickelt, undeutlich, ausfasernd, unvollständig, uferlos, kurz: objektiv komplex. Das heisst: Man muss ein Ordnungssystem erfinden. Die Wirklichkeit entspricht nicht den Plänen des Autors. Die zentrale These bewahrheitet sich nur halb; die vorgesehene Hauptfigur bleibt blass; der Interviewpartner spricht wie ein Aktenordner; die Nebensache ist interessanter als die Hauptsache. Das heisst: Man muss seine Pläne ändern. Der Autor ist nicht einig mit sich selbst. Alles ist deprimierend eindeutig. Oder von einem selbst schon mehrmals beschrieben. Jeder Satz laaaaaangweilt. Das heisst: Man muss sich selbst eine Schwierigkeit einbauen. Etwa, indem man das Genre ändert. Klar ist nur eins: Das Problem, das man hat, muss am Anfang des Artikels angepackt werden, nicht in der Mitte, nicht am Schluss.“

Ist das Internet vielleicht doch nicht Schuld am Rückgang der Auflagen von Tageszeitungen?

Der Presseforscher Andreas Vogel zeigt in seiner Studie „Talfahrt der Tagespresse: Eine Ursachensuche“ eine interessante Trendentwicklung der Auflagenzahlen von Tageszeitungen.

Der Presseforscher Andreas Vogel hat für die Friedrich-Ebert-Stiftung den Auflagenrückgang der Tagespresse untersucht: „Talfahrt der Tagespresse: Eine Ursachensuche“ (pdf). Dafür nutzte er verschiedene Zeitreihendaten. Und gleich auf Seite 20 der 130 Seiten langen Studie zeigt er mit einer (sehr!) simplen Trendlinie, dass das Argument, das Internet sei allein Schuld an den sinkenden Auflagen, sich nicht halten lässt.

Ist das Internet doch nicht Schuld an sinkenden Auflagen? (Markierungslinie beim Jahr 1996 kommt von mir)
Ist das Internet doch nicht Schuld an sinkenden Auflagen? (Markierungslinie beim Jahr 1996 kommt von mir)

Was sagt die Grafik aus?

  • Die pinke Line ist die tatsächliche Entwicklung der Auflagen zwischen 1983 und 2013.
  • Die schwarze Linie hat – auch wenn das optisch nicht ersichtlich ist – zwei Teile, die Grenze ist das Jahr 1996. Die grüne Markierung bei diesem Jahr habe ich eingefügt. Presseforscher Vogel hat 1996 als das letzte Jahr definiert, in dem das Internet keinen Einfluss auf den Nachrichtenkonsum hatte.
    1. Von 1983 bis 1996 ist die schwarze Linie die tatsächliche durchschnittliche negative Wachstumsrate. Konkret: 1983, am Höhepunkt der verkauften Zeitungen, lag die Auflage bei 30,1 Millionen (Obacht: BRD- und DDR-Auflagen sind hier zusammengerechnet). 1996 lag die Auflage bei 25,2 Millionen. Die Wachstumsrate berechnet sich durch (neu-alt)/alt. Hier ergibt sich eine Rate von -0,16279. Teilt man das durch die 13 Jahre und gibt sie in Prozent an, erhält man Vogels Wert einer „jährlichen Auflagenverlust von 1,2523 Prozentpunkten zwischen 1983 und 1996“ (S. 21).
    2. Ab 1997 ist die Trendlinie eingezeichnet. Sie heißt so, weil der Trend der Jahre 1983 bis 1996, also die Schrumpfung um 1,2523 pro Jahr, einfach weitergezeichnet wird. Das heißt: Die tatsächlichen Auflagenzahlen ab 1997 haben keinen Einfluss auf diese Linie.

Und was ist daran so interessant?

Die Trendlinie ab 1996 zeigt eine schematische Fortschreibung der Vergangenheit auf die Zukunft (bzw. die Jahre 1997 bis 2013). Das Internet und seine Implikationen auf die Verlage spielen also keine einschneidende Rolle. Vielmehr sind die Verluste in den letzten Jahren eine Entwicklung, die so schon seit Anfang der 80er Jahre läuft.

Das Internet spielt gar keine Rolle? Naja, vielleicht doch…

Etwas fällt noch auf: Ab 2005 liegt die Trendlinie über den tatsächlichen verkauften Auflagen, der Trend würde also einen weniger starken Rückgang vorhersagen. Könnte das nicht der Einfluss des Internets sein?  Vogel will sich da nicht recht festlegen:

„Wenn der Unterschied zwischen einer Projektion auf der Basis der Situation des Jahres 1996 und der tatsächlichen Entwicklung bis in das Jahr 2013 nur um knapp 5 Prozentpunkte abweicht – was bedeutet dies für die gängige Ursachenbehauptung „Internet/ Onlinekommunikation“? Denn nur diese 5 Prozentpunkte – dies entspricht einem Neuntel des gesamten Auflagenrückgangs im Zeitraum 1983 bis 2013 – könnten ja dann der neuen digitalen Konkurrenz zugerechnet werden.“ (S. 21)

Vogel rät davon ab, allzu große Schlüsse aus der Grafik zu ziehen – meine Überschrift wird er deshalb wahrscheinlich nicht mögen:

„Doch diese Grafik bezweckt nicht, irgendetwas zu beweisen. Sie ist lediglich eine Illustration, die dazu dienen soll, sich von zu leichtfertigen Schlüssen zu befreien, die statistische Grafiken nahelegen. Zwar sind alle Zahlen real und valide. Tatsächlich müssten aber auch die für den Auflagenrückgang wirksamen Faktoren der Jahre 1984 bis 1996 bis in das Jahr 2013 weitgehend konstant wirksam geblieben sein, um 37,5 Prozentpunkte Auflagenverluste mittels einer solchen einfachen Trendlinie zu erklären. Dies wäre erst noch zu belegen.“ (S. 21)

Interviewempfehlung:

Auf weitere Aspekte der Studie geht das Interview des Kress Mediendienstes ein: „Produktdifferenzierung ist die letzte Chance“

Interview via Dominik Schönleben

Können Startups den Journalismus in der digitalen Welt neu erfinden?

Die Debatte um die Zukunft des Journalismus ist eine, die in Technologie-Zyklen gerechnet bereits eine halbe Ewigkeit dauert.

Die Debatte um die Zukunft des Journalismus ist eine, die in Technologie-Zyklen gerechnet bereits eine halbe Ewigkeit dauert. Als Konsens gilt: Leser sind durchaus bereit, zumindest geringe Beträge für besondere Stücke oder für das Vertrauen in eine Publikation zu zahlen. Die reine Information dagegen bleibt kostenlos. Werbung funktioniert nur ab einer kritischen Masse oder einer spitzen Zielgruppe als Erlösmodell. Deshalb ist es unausweichlich: Zumindest ein Teil der Leser muss im Internet zahlen. Auch wenn Vertreter der deutschen Verlage an der Diskussion zum digitalen Journalismus seit Jahren teilnehmen: Umgesetzt haben sie bisher keine der Kernforderungen – und lassen damit Platz für Startups, um den Journalismus in der digitalen Welt neu zu erfinden.

Es ist ein offenes Geheimnis: Die deutschen Nachrichtenportale wollen eine Paywall. Bis jetzt können sie sich aber aus dem Gefangenendilemma nicht befreien: Niemand fängt an, aus Angst, die anderen Portale könnten doch weiterhin kostenlos bleiben und dann Traffic abgreifen. In der Niederlanden konnte dieses Problem ein Startup lösen: Der Aggregator Blendle wird als iTunes für journalistische Güter gehandelt, weil Artikel verschiedenster Verlage dort zu günstigen Preisen erworben werden können. Natürlich kann man auch auf deutschen Nachrichtenportalen ein E-Paper beziehen – jedoch nicht auf einer zentralen Plattform und immer als ganze Ausgabe wie in der Offline-Welt. Der Journalist Richard Gutjahr gehört zu denen, die bereits seit Jahren fordern, dass Verlage diese Bündelung auflösen müssen. Es ist ist bezeichnend, dass ausgerechnet er beim Münchner Startup LaterPay als Berater tätig ist. LaterPay will Micropayment userfreundlich in Online-Publikationen einbinden. Es wird sich in den kommenden Monaten zeigen, ob Konzept des digitalen Bierdeckels die Vorschusslorbeeren wert ist. LaterPay ist ein Beispiel dafür, dass Startups nicht rein journalistisch arbeiten müssen, um Auswirkung auf den Journalismus im Netz zu haben.

Die lausigen Pennies des Micropayments sind für zeitaufwendigen Journalismus, der eine Vorabfinanzierung braucht, nicht die richtige Methode. Der Sportteil habe schon immer das Politikressort querfinanziert, heißt es dann oft. Was aber ist, wenn es keinen metaphorischen Sportteil gibt? Crowdfunding kann die Lösung sein. Leser können konkret Recherchen unterstützen, erst wenn die benötigte Summe tatsächlich gesammelt wurde, bekommen Journalisten das Geld ausbezahlt. Die deutsche Plattform dafür heißt Krautreporter. Startups spielen dabei gleich auf zwei Arten eine Rolle: Zum einen durch die Plattform an sich, zum anderen durch die Journalisten, Coder oder Grafiker, die sich im Stile von Entrepreneuren selbst um die Finanzierung ihrer Projekte kümmern.

Doch die vielleicht wichtigste Triebfeder für Startups sind die schlechten Arbeitsbedingungen. Die wiederkehrenden Kämpfe zwischen Print und Online – zuletzt in der Debatte um den Aufstieg Stefan Plöchingers in die Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung – drehen sich auch darum, dass der Arbeitsalltag vieler Online-Journalisten mehr Content Management als Content Creation ist. Viele dürfen nicht so, wie sie wollen. Online zählt vor allem Quantität, um die Klickzahlen und Werbeeinnahmen hochzutreiben. Wer an vorderster Innovationsfront dabei sein will, ist fast gezwungen, das außerhalb traditioneller Verlagshäuser zu tun. Aus einer solchen Enttäuschung heraus ist eines der beeindruckendsten neuen Magazine im deutschsprachigen Raum entstanden: das österreichische paroli. Technisch ehrgeizig befasst sich paroli mit Politik, Gesellschaft, Kultur. Man merkt es dem individuellen Stil des Magazins an, dass von Anfang an Webentwickler mit im Team waren. Mit Kopf oder Zahl hat paroli auch das Werkzeug des Crowdfundings erfolgreich ausprobiert. Das Ergebnis: Eine interaktive Webdokumentation über die Lebenswirklichkeit junger Europäer. Das Lokalblog Da Hog’n aus dem Bayerischen Wald hat sich aus ähnlichen Gründen wie paroli gegründet: Journalisten, die mit der Berichterstattung der Monopolzeitung nicht zufrieden waren, feiern bald den zweiten Geburtstag. Die Finanzierung erfolgt über eine Mischkalkulation: Anzeigen, auch native Advertising, und – in geringerem Maße – Unterstützung durch Leser.

Eine Musterlösung gegen den Preisverfall im digitalen Journalismus haben auch Startups bisher noch nicht gefunden, aber sie sind durch geringe Fixkosten agil genug, um neue Wege auszuprobieren. Der Risikokapitalgeber Marc Andreessen ist optimistisch – auch berufsbedingt durch Investitionen u.a. in das US-Magazin PandoDaily: Er glaubt daran, dass die Preise nahe Null von einem größer werdenden Markt für Nachrichten aufgefangen werden. Behält Andreessen recht, heißt das: Noch mehr Platz für journalistische Startups, als den Raum, den ihnen festgefahrene Verlage sowieso schon lassen.

Diesen Text habe ich beim Essay-Wettbewerb des Meedia-Magazins eingereicht, um am Innovation Field Trip teilzunehmen. Das hat nicht geklappt, Chefredakteur Christian Meier teilte mir mit, ich sei unter den Top 3 gewesen. Die Gewinnern ist Karolin Freiberger

Dieser Tage läuft der fünftägige Innovation Field Trip, bisherige Berichte darüber: