Dieser Text über Terrorismus und die Medien ist auch nach 30 Jahren noch aktuell

Frühling 1981 auf Sizilien. Brian Michael Jenkins hält einen Vortrag über das Zusammenspiel von Medien und Terrorismus – und diese Grundmechanismen machen auch trotz Internet zum Großteil noch Sinn. Jenkins arbeitet für Rand, einem Think-Tank des US-Militärs.

„Terrorism is aimed at people watching.“

Das ist Jenkins zentraler Satz. Und damit das gelingt, braucht es Medien, die die Botschaft vervielfachen. Je schlimmer das Attentat, je näher es ist, desto mehr verdrängt es alle anderen Nachrichten. Wer kann sich an irgendetwas vor zwei Wochen erinnern, das nichts mit Paris zu tun hat?

„The quality of the terrorist incident determines whether or not it is covered by the news media and the amount of coverage given it. As a result of this uneven news coverage, public perceptions of terrorism are imperfect, driven not by the volume of terrorist activity but rather by a handful of spectacular actions, generally those involving hostages.“

Hostages, also Entführungen, sind für Jenkins die Art von Anschlägen, die den meisten Buzz verursachen: Niemand weiß wie es ausgeht, Menschenleben sind unmittelbar in Gefahr – und die Medien im besten Falle live dabei. „It’s genuine drama.“

Aus Sicht von Terrorgruppen argumentiert Jenkins so: Sie brauchen die Medien, um Propaganda zu verbreiten. Doch in den Nachrichten sei dann meist nur vom Attentat an sich, aber nicht von den Gründen die Rede. Das sei nicht im Interesse der Terroristen. Das ist 30 Jahre später etwas anders: Heute können sie ihre Ansichten selbst im Internet verbreiten.

Hier das pdf: The Psychological Implications of Media-Covered Terrorism, Brian Michael Jenkins, June 1981

Eine Anmerkung zu Blumencrons „20 Jahre Onlinejournalismus“-Text

Journalismus war auch offline nicht bloß Recherche und Geschichten erzählen. Online auch nicht.

Ein Auszug aus „Schafft den Online-Journalismus“ ab von Mathias Müller von Blumencron:

Ein noch nie da gewesener Kampf um Aufmerksamkeit ist entbrannt, ein Kampf, dessen Dimension dem mahnenden „Postman“ Anfang der Neunziger nicht ansatzweise bewusst war. Es ist eine Auseinandersetzung zwischen klassischen Medien und neuen, selbstkonfigurierten Informationskanälen. Anspruchsvoller Journalismus bedeutet heute nicht mehr allein die exzellente Recherche, der starke Artikel, das ganz besondere Angebot. Anspruchsvoller Journalismus muss sich vor allem auch Gehör verschaffen im kakophonischen Informationslärm der neuen Meinungswelt. Nur so wird es den klassischen Medien gelingen, neue Leser zu gewinnen und die alten zu halten.

Ja, Blumencron hat recht: Dieses Gehör verschaffen ist entscheidend. Aber auch offline bestand die Dienstleistung von anspruchsvollem Journalismus nicht bloß aus exzellenter Recherche, starken Artikel und dem ganz besonderen Angebot. Ohne die Herstellung und die Lieferung bis an die Haustür hätte sich auch im analogen Zeitalter Qualitätsjournalismus kein Gehör verschafft. Online ist das nicht anders. Der einzige Unterschied: Medien haben nicht mehr die alleinige Kontrolle mehr über Distributionskanäle.

Lesenswertes: Webdesign+ Journalismus (Die Klassiker)

Fixed Navigation Bars: Pros and Cons: Vor- und Nachteile von fixen Navigationsmenüs im Webdesign

Fixed or “sticky” navigation bars are a prevalent trend in some of the most shockingly beautiful sites across the web. These benignly set bars allow for ease of access to a website’s core functionalities, regardless of where a user may be in the midst of a page’s content. Yet there are more than a few critics of the fixed bar model. The most common complaints include words like: “unnecessary” and “distracting” pitched about in regular intervals.

Newspapers are Dead; Long Live Journalism: Eine großartige Analyse von Ben Thompson, die mich dazu bewog seinen Blog gleich zu abonnieren.

The reason why I find business models so fascinating is because your business model is your destiny; newspapers made their bed with advertisers, and when advertisers left for a better product, the newspaper was doomed. To change destiny, journalists need to fundamentally rethink their business:

  • More and more journalism will be small endeavors, often with only a single writer. The writer will have a narrow focus and be an expert in the field they cover. Distribution will be free (a website), and most marketing will be done through social channels. The main cost will be the writer’s salary.
  • Monetization will come from dedicated readers around the world through a freemium model; primary content will be free, with increased access to further discussions,3 additional writing, data, the author, etc. available for-pay.
  • A small number of dedicated news organizations focused on hard news (including the “Baghdad bureau”) will survive after a difficult transition to a business model primarily focused on subscriptions, with premium advertising4 as a secondary line of revenue. This is the opposite of the traditional model, where advertising is the primary source of revenue, with subscriptions secondary.

Marcel Weiss hat sich dazu noch ein paar Gedanken über die Situation in Deutschland gemacht. Sie sind keine überschwänglichen.

Hamburg expandiert in den Süden

SpiegelOnline-Texte beim neuen Schweizer Nachrichtenportal Watson.ch, der Postillion soll regelmäßig im Kulturteil des Sterns erscheinen: Innerhalb von 24 Stunden teilen zwei Hamburger Traditionsmagazine mit, mit Journalismus-Start-Ups aus Bayern und der Schweiz zusammenzuarbeiten.

SpiegelOnline-Texte beim neuen Schweizer Nachrichtenportal Watson.ch, der Postillion soll regelmäßig im Kulturteil des Sterns erscheinen: Innerhalb von 24 Stunden teilen zwei Hamburger Traditionsmagazine mit, mit Journalismus-Start-Ups aus Bayern und der Schweiz zusammenzuarbeiten.

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Ohne Effekt wäre effektiver

Schüler der Deutschen Journalistenschule haben eine Webreportage veröffentlicht – und mit was für einer Hammer-Geschichte: Die Handball-Nationalmannschaft aus Sri Lanka kommt in einen kleinen Ort nach Schwaben und verschwindet. Komplett.

„Das letzte Spiel“ ist wirklich gut geschrieben, es gibt große Bilder, eine große Schrift und eine statische Navigationsleiste. Doch zwei Sachen haben mich beim Lesen dann doch gestört.
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Nieman vs. SpiegelOnline

Die Lieblingsbeschäftigung von Medienmenschen: Den Wandel in ihrer Industrie analysieren. Gerade haben zwei Schwergewichte aufwendige Geschichten dazu veröffentlicht: „Der Tag“ von SpiegelOnline und „Riptide“ von Nieman Lab im direkten Vergleich.

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Links ohne Text einer Nachwuchsjournalistin zwischen Angst und Euphorie

Seit Wochen brodelt in mir ein Text über Leute, die in den Journalismus wollen. Die Aussichten sind angesichts des dahinsiechenden Geschäftsmodell „Tageszeitung mit Gratis-Onlineausgabe“ angsteinflößend, andererseits sind die Möglichkeiten unter dem Buzzword „Digital Storytelling“ großartig.

Leider habe ich nicht die Zeit und Muse meine Gedanken dazu aufzuschreiben und langsam nerven mich die offenen Tabs, deren Inhalt ich verlinken wollte.

Deshalb: Die Links ohne den Text einer Nachwuchsjournalistin zwischen Angst und Euphorie.

1) Future of Journalism

Studenten der Columbia School of Journalism haben einen Fim gedreht, bei junge und alte Medienmacher zur Zukunft der Branche zu Wort kommen.

2) Vortrag von einem „New York Times“-Journalisten zu Digital Storytelling

Wichtigste Lehre für mich: Vergiss das Content-Management-System

3) Zeitungen müssen promiskuitiv werden – beim Geldverdienen

Der Text beginnt mit:

Liebe Verleger, liebe Chefredakteure (inklusive der wenigen Frauen unter Ihnen),

ehrlich gesagt, ich kann diese Ideenlosigkeit nicht mehr ertragen, die mir auf Kongressen und Portalen entgegenschlägt. Ich bin kein Zeitungsmann.

Und endet mit sieben relativ konkreten Vorschlägen zum Geldverdienen.

Lesenswertes vom Wochenende (und davor)

Wie leicht sich Medien manipulieren lassen — Ryan Holiday weiß wie das System funktioniert. Er arbeitet in der PR-Branche und bringt Sachen über Blogs in die Medien. Sein Spezialrezept scheint zu sein: Protest gegen das Produkt zu inszenieren.  Die Financial Times Deutschland interviewte den jungen Herren.

In Ihrem Buch vergleichen Sie dieses Mediensystem mit der Immobilienkrise, die sich dann zur Finanzkrise auswuchs…
Es ist wie bei einem Schneeballsystem, das auf Glauben und Vertrauen beruht. Viele professionell betriebene Onlinemedien handeln mit wertlosen Assets. Sie belügen und betrügen ihr Publikum, wie während der Finanzkrise. Stellt sich heraus, dass eine Geschichte falsch oder schlicht gelogen war, dann heißt es: Wir haben ein Problem mit einem isolierten Einzelfall. Dabei ist das ganze System verrottet und zutiefst korrupt. Es funktioniert, solange die Illusion noch aufrechterhalten werden kann, hinter dem Müll, den sie verbreiten, steckten Werte. Mit meinem Buch wollte ich in diese Blase stechen und ein wenig Luft herauslassen.

The Critic Wall Street Loves to Lunch With — Portrait über Felix Salmon, Blogger und Kritiker der Finanzmärkte, von dem ich zuvor noch nie hörte. Was aber besonders an ihm ist: Es wird ernst genommen von den Großen, das zeigt gleich der Anfang des Textes.

THERE AREN’T MANY people who can get the Treasury secretary on the phone—and fewer still who can get away with yelling at him on the call. His wife, sure. Probably the president. Add to that group Felix Salmon, Reuters’s finance blogger, who has no problem raising his voice and giving Timothy Geithner the what-for while bobbing away on the yoga ball that serves as a desk chair in his Times Square workspace.

Behind China’s High Abortion Rate: New Sexual Freedoms — 13 Millionen Abtreibungen gibt es pro Jahr in China – und das nicht nur wegen der Ein-Kind-Politik. Grund dafür sei auch die fehlende Aufklärung bei gleichzeitig höherer Freiheit, was Sex anbelangt. Etwas, das ich mir nur zu gut vorstellen kann. Mir erzählte man, die Pille mache krank, Kondome seien was für Loser und ich kann mir vorstellen, dass die Abtreibung der damals 15-Jährige wahrscheinlich nicht ihre letzte war.

Werdet Weltbürger statt Bologna-Sklaven! — Ein Redakteur, der dem Foto nach zu alt aussieht, um das Bolognasystem mitgemacht zu haben, schreibt einen Erbauungs- und Motivationsaufsatz. Lernen statt employable werden! Einer der Texte, die wahrscheinlich sowieso nur die Leute lesen, die sich damit identifizieren können.

Autofahren. Pro und Contra

Pro Autofahren:

  • Radio hören: <3 DLF und BR 2 (Zündfunk!), wo dann sowas läuft:

Contra Autofahren:

  • Zwang, Arme und Beine an einem festen Platz zu halten
  • Ab 120 Kilometer/pro Stunde fing das Auto an zu wackeln, ab 140 Kilometer/pro Stunde war es wieder weg
  • Zwei Stunden aufmerksam sein – am Stück!
  • Nicht denn Mumm zu haben, zu überholen und dann eine halbe Stunde hinter einem Laster mit Holzstämmen hinterherzufahren. Bergauf natürlich
  • rückwärts-seitwärts einparken