Podcasts und das liebe Geld

Podcasts gehen weiter ab. Einer meiner letzten Texte bei den Netzpiloten handelte davon, Aufhänger war Marcel Weiss’ Gründung von Neunetz.fmIn der Columbia Review of Journalism erläutert Ann Friedmann nun die Ökonomie der Podcasts. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich nicht recht von der schreibenden Zunft:

  • Werbung und Hörerbeteiligung in verschiedensten Varianten – mit einem Unterschied: Die Preise, die für native Das verlangt werden können, sind wesentlich höher. Zwischen 20 und 45 US-Dollar pro Tausend Hörer soll er liegen, im Vergleich zu 1 bis 20 US-Dollar bei allen anderen Formaten wie TV, Radio oder Web-Content.
  • Vor allem die Native Ads-Variante ist beliebt: Kurze Werbeansagen der Podcaster, am Schluss einen Rabattcode für den jeweiligen Dienst. Besonders bei NPR begegnen sie mir oft.
  • Grundsätzlich ähnliche Konstellation wie bei Blogs: Viele Hobbyisten, die unter dem Radar fliegen; ein paar wenige, die davon Leben können.
  • In den USA liegt die Grenze zur Monetarisierung bei etwa 50 000 Downloads pro Folge.

Das größte Problem bleibt:

„If the short-term question is how to get your podcast into the ears of someone who already likes podcasts, the long-term question is how to get podcasts into the ears of someone who doesn’t already listen to podcasts.“

Weitere Nachteile, aus einem Digg-Text, der analysiert, warum Audio nicht viral geht*:

  • Podcasts hört man, während man etwas anderes macht. Abspülen zum Beispiel. Für Sharen ist da keine Hand frei.
  • Nur überfliegen ist nicht möglich.

Der große Vorteil bleibt weiterhin: Die Leser-Hörer-Bindung ist relativ eng; etwas, das auch große Medienhäuser dringend wollen. Slate, New York Times, Buzzfeed, sie alle wollen in Zukunft auch sprechen.

*Ausnahmen von Audio ist anti-viral: Beweise bei Nachrichten, Comedy, austickende Stars

Die Krux der digitalen Güter

In zwei Absätze anstatt 15 Seiten.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Silicon Valley: How Silicon Valley Learned to Love Surveillance beim „Model View Culture“-Magazin. Die These (nach der Überschrift des Textes wahrlich keine Überraschung): Die Firmen bauen ihre Geschäftsmodelle auf Überwachung auf.

When something is copied, it can be stored, and when it is stored, it can be analyzed. This makes every possible point of contact we make with the digital world a point of potential capture.

Zu Beginn des Textes stehen zwei Absätze, die in meiner Masterarbeit mindestens 15 Seiten brauchen.

Before everything was digital, information capitalism depended on the ability to turn data into something that could be bought and sold. However, when applied to digital information, this commodification turned out to be trickier than the boosters of the knowledge economy had predicted. In an analog world, it was easy to turn information into a commodity, because the only way to get information was through a traditional model of industrial production and distribution: the printing press, broadcast TV and radio, etc.

Digital information, however, has an odd property: it can be endlessly copied, with every copy as perfect as the original. In fact, it can only be copied. This perfect replication makes the industrial model of centralized production and controlled distribution difficult for digital goods.

Facebook ist das neue Lagerfeuer: Eine kurze Geschichte der Nachrichten

Mitchell Stephens (Twitter), Professor an der New York University, erzählt in fünf Minuten die Geschichte der Nachrichten. Seine Hauptbotschaft: Mit dem Internet werden Nachrichten wieder das, was sie vor der Professionalisierung vor etwa 150 Jahren waren. Statt am Marktplatz gibt es nun virtuelle Treffpunkte, an denen sich Einzelpersonen Neuigkeiten mitteilen.

Lesenswertes: Anreize, Feldforschung und der Walter

Drei Texte: Einmal Anreize bei Geschäftsmodellen mit digitalen Gütern, einmal Journalismus Nabelschau und einmal Kleinigkeiten im Webdesign.

Ben Thompson: Ello and Customer Friendly Business Models

Warum ich die VWL trotz allem mag? Weil sie sich mit Anreizen beschäftigt. Deshalb steh‘ ich wahrscheinlich auch so auf die Analysen von Ben Thompson, dessen Startpunkt sehr oft eben monetäre oder nicht-monetäre Anreize sind. Dieser Tage hat er im Zusammenhang mit Ello eine kurze Zusammenfassung verschiedener Anreizmechanismen gegeben, die je nach Geschäftsmodell mit digitalen Gütern wirken: Einmalzahlung, Abo etc.

  • My favorite business model is a subscription: I pay every month for a piece of software or a service, which means the software or service provider is always under pressure to earn my money
  • Advertising is actually not far off from a subscription-style service: while in a very narrow view the adage “you’re the product that’s being bought and sold” is certainly true, the reality is that the Google and Facebooks of the world are arguably even more incentivized to make sure the user experience is great. After all, the value they offer has to be sufficient to overcome the negative effects of advertising (and in some case, particularly Google search, there are times when advertising is actually additive to the user experience)
  • Up-front payments can go either way:
    • I’m a fan of up-front payments if the developer has plans to release new versions of the software that require me to pay to upgrade. This sort of business is similar to high-margin hardware: not only must this developer offer something very compelling to earn my up-front payment, they must also deliver something of quality to ensure I’m willing to pay for versions two, three, and four
    • On the other hand, if the developer will never charge for upgrades, then I think this business model isn’t consumer friendly at all. A developer of such an app is incentivized to garner as many up-front payments as possible with no regard for existing customers
  • “Unlock”-type schemes are the worse. These can be products where you need to pay for features or assistance to accomplish some given task (free-to-play definitely falls in this category). Developers who use these schemes are incentivized to make the experience of their product frustrating so that I might be willing to pay to avoid the frustration. But, once I pay, there is no incentive to keep me happy

Das Nieman Lab fand diese Zusammenfassung auch super und hat sie auch verbloggt.

Torial: Feldforschung im Journalismus

Geschäftsführer von Torial, Marcus von Jordan, schreibt einen unterhaltsamen Text über die Zukunft des Journalismus. Er macht ihn als „Feldforschung“ auf und fabriziert ein paar knackige Sätze. Zum Beispiel:

„Vielleicht ist das Geschäft mit News tot, das mit Information ist es sicher nicht.“

Eine Aussage, die ich gleich getwittert habe, der ich aber trotzdem nicht ganz zustimmen kann. Richtiger ist meiner Meinung nach: Für News werden Leser nicht zahlen, eine Finanzierung funktioniert dann nur über Werbung. Auf Grund der niedrigen Werbepreise muss dann auf Masse gesetzt werden. Und auf gute Usability (siehe Ben Thompson ein, zwei Scrolling-Aktionen weiter oben).

Von Jordan schreibt außerdem:

Wenn ich mir jetzt noch was wünschen darf: Die digitale Welt sollte für den Journalismus nicht die totale Kapitalisierung bedeuten. Journalismus kann keine Ware werden wie jede andere. Journalismus ist keine Option. Also her mit den Zuschüssen! Journalismus ist selbst seine Maxime und nicht sein “Return on Investment”. Wenn er nur noch wert ist, was der Endkonsument dafür bezahlen will, dann ist das ganz schlicht demokratiegefährdend.

Das ist genau das Dilemma: Journalismus kann keine Ware werden wie jede andere, weil es keine Ware ist wie jede andere. Es vereint stattdessen die Eigenschaften eines öffentlichen Gutes mit denen von digitalen Gütern – ein Albtraum für Betriebswirte, spannend für Volkswirte.

A big article about Wee things

Von Infografiken bis Navigationen erläutertet Propublica-Journalistin Lena Groeger die kleinen Dinge im Webdesign. Viele, viele Beispiele und zum immer wieder nachschauen. Leitmotiv ist Waldo, zu deutsch Walter. Oder Heini. 

Eine Anmerkung zu Blumencrons „20 Jahre Onlinejournalismus“-Text

Journalismus war auch offline nicht bloß Recherche und Geschichten erzählen. Online auch nicht.

Ein Auszug aus „Schafft den Online-Journalismus“ ab von Mathias Müller von Blumencron:

Ein noch nie da gewesener Kampf um Aufmerksamkeit ist entbrannt, ein Kampf, dessen Dimension dem mahnenden „Postman“ Anfang der Neunziger nicht ansatzweise bewusst war. Es ist eine Auseinandersetzung zwischen klassischen Medien und neuen, selbstkonfigurierten Informationskanälen. Anspruchsvoller Journalismus bedeutet heute nicht mehr allein die exzellente Recherche, der starke Artikel, das ganz besondere Angebot. Anspruchsvoller Journalismus muss sich vor allem auch Gehör verschaffen im kakophonischen Informationslärm der neuen Meinungswelt. Nur so wird es den klassischen Medien gelingen, neue Leser zu gewinnen und die alten zu halten.

Ja, Blumencron hat recht: Dieses Gehör verschaffen ist entscheidend. Aber auch offline bestand die Dienstleistung von anspruchsvollem Journalismus nicht bloß aus exzellenter Recherche, starken Artikel und dem ganz besonderen Angebot. Ohne die Herstellung und die Lieferung bis an die Haustür hätte sich auch im analogen Zeitalter Qualitätsjournalismus kein Gehör verschafft. Online ist das nicht anders. Der einzige Unterschied: Medien haben nicht mehr die alleinige Kontrolle mehr über Distributionskanäle.

Kostenstruktur bei Medienunternehmen

Ben Thompson von Stratechery hat sich in seinem Text „Is Buzzfeed a Tech Company?“ mit der Kostenstruktur von Medienfirmen beschäftigt:

1. Die Unterschiede zwischen Medienunternehmen und Technologie-Unternehmen vor dem Internet:

  • Created content had a very short shelf life, which leaves a very small amount of time to recoup the fixed costs that went into its creation
  • Media’s marginal costs (paper, ink, delivery) were higher than the marginal costs for software, at least in relative terms
  • Media was generally limited in its geographic availability

2. Diese Unterschiede haben sich durch das Internet vergrößert:

  • Packaging is no longer necessary, reducing the marginal cost of software to zero
  • Multiple new business models have emerged for software, such as attracting massive user bases for free which can then be monetized through advertising or premium services1
  • Media, meanwhile, has lost its local monopoly, and advertisers have fled for platforms that have more scale – there’s that word again – and better targeting

3. Dadurch verändern sich die Möglichkeiten der Skalierung von Medienfirmen:

  • Like software, media has zero marginal cost
  • Multiple new business models have emerged for media, such as attracting massive user bases for free which can then be monetized through advertising or premium services
  • The addressable market for media is the connected population of the world, and content is itself self-selecting when it comes to effective targeting

Golem-Chefredakteur: „Paywalls entsprechen nicht dem Internet-Gedanken“

Das Tech-Magazin Golem bietet ein Abo an. Der Deal: 2,50 Euro, dafür ohne Werbung. Von Paywalls hält der Chefredakteur Benjamin Sterbenz nichts.

Das Tech-Magazin Golem bietet seit Kurzem ein Abo an: 2,50 Euro, dafür gibt es keine Werbung. Jakob Steinschaden hat für das österreichische Medienmagazin Horizont Chefredakteur Benjamin Sterbenz interviewt. Zwei Fragen als Auszug, denn Sterbenz sieht das Problem der Refinanzierung von Nachrichten sehr nüchtern – und sehr realistisch.

HORIZONT: Bei Golem pur wird es ausdrücklich keine Paywall, keinen Paid Content geben, die User zahlen für Werbefreiheit und Zusatzfunktionen. Warum bleibt der Content, das Hauptprodukt des Verlags, gratis?

Sterbenz: Niemand zahlt für Nachrichten-Content. Das ist eine Illusion. Wer was anderes glaubt, ist naiv. Jede Nachricht finde ich auf zig anderen Portalen, es gibt immer eine Alternative. Jener Content, der hinter einer Paywall steckt, wird von der Konkurrenz paraphrasiert als News reproduziert. Hinzu kommt, dass es immer Öffentlich-Rechtliche Portale gibt, die Nachrichten kostenlos anbieten. Schließlich gibt es im Netz unendlich viele exzellente Artikel. Alleine meine Leseliste wächst schneller, als dass ich sie abarbeiten kann. Wenn ich auf Paid Content stoße, lasse ich das bleiben und widme mich einem der anderen tollen Artikel. Oder lese ein Buch, gehe auf Facebook oder auf YouTube. Damit stehen Artikel auch in Konkurrenz. Wir wollen die limitierte Aufmerksamkeit der Leser. Eine Paywall ist nur eine Hürde.

HORIZONT: Auch Krautreporter.de wird den Content gratis anbieten und zahlenden Unterstützern Zusatzfunktionen bieten. Ist Paid Content überhaupt möglich in einem Umfeld, in dem es Millionen Inhalte gratis gibt?

Sterbenz: Paywalls entsprechen nicht dem Internet-Gedanken. Das Netz ist da zum Teilen und zum Informationsaustausch. Da haben es klassische Nachrichten schwer. Bereitschaft zum Zahlen sehe ich nur bei Reports oder Business Intelligence, nicht aber bei normaler Berichterstattung. Es muss sich an eine Nische richten, extrem tiefgreifend und gut recherchiert sein. Im Netz setzt sich entweder Schrott durch oder hohe Qualität. Für alles zwischen diesen Extremen wird es schwer. Ersteres kann man günstiger produzieren, muss dafür aber auf jeden neuen Trend aufspringen. Letzteres braucht wiederum extrem gute Journalisten mit Fachwissen sowie Zeit. Das ist sind Investitionen, die man sich leisten muss, die zudem nur mit langfristigem strategischen Denken zum Ziel führen.

Hamburg expandiert in den Süden

SpiegelOnline-Texte beim neuen Schweizer Nachrichtenportal Watson.ch, der Postillion soll regelmäßig im Kulturteil des Sterns erscheinen: Innerhalb von 24 Stunden teilen zwei Hamburger Traditionsmagazine mit, mit Journalismus-Start-Ups aus Bayern und der Schweiz zusammenzuarbeiten.

SpiegelOnline-Texte beim neuen Schweizer Nachrichtenportal Watson.ch, der Postillion soll regelmäßig im Kulturteil des Sterns erscheinen: Innerhalb von 24 Stunden teilen zwei Hamburger Traditionsmagazine mit, mit Journalismus-Start-Ups aus Bayern und der Schweiz zusammenzuarbeiten.

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