Warum ich nie Videos von Anschlägen oder Schießereien auf Facebook, Twitter oder Youtube schaue

New York im Dezember 2010. Es ist kurz nach Mitternacht, ich bin in einer Bar und nicht mehr ganz nüchtern. Ich unterhalte mich mit einer Frau, belangloses Zeug. How are you? Oh, from Germany! How do you like New York?

Ich weiß nicht genau, warum passierte, was dann passierte. Die Frau holte ihr Handy aus der Tasche. Sie müsse mir ein Foto zeigen, das ihr jemand geschickt habe. Sie wirkte aufgeregt, ich war gespannt. Sie zögerte kurz und reichte mir dann ihr Mobiltelefon. Ich blickte auf den Bildschirm und was ich sah, hat sich in mein Hirn gebrannt. Es war das schlimmste und verstörendste, das ich jemals gesehen habe. Nur so viel: Mit Kindern hatte es nichts zu tun. Immerhin.

Seit fast sechs Jahren taucht das Bild immer wieder in meiner Vorstellung auf. Das ist der Grund, warum ich an Tagen wie des Anschlages von Nizza oder Schießereien in den USA Videos nur auf tagesschau.de, heute.de, sz.de etc. anschaue. Da kann ich sicher sein, dass ich es bei einem einzigen traumatischen Bild im meinem Kopf bleibt. Letzte Woche hätte ich es fast nicht rechtzeitig geschafft, als ich auf Twitter ein paar Sekunden das Video vom Tod des Alton Sterling gesehen habe. Gerade noch rechtzeitig konnte auf das X klicken.

Linktipp und Trigger für diesen Post: What Is a Constant Cycle of Violent News Doing to Us? (New York Times)

Was ich mich immer wieder frage: Warum zeigte mir die Frau das Bild? Wollte sie mich schockieren? Kam sie selbst nicht klar? Ich hatte sie nicht gefragt, ich bin damals einfach weggegangen.