Podcasts: Immer schön rein in die Nische

Neunetz-Blogger Marcel Weiß gründet Podcast-Netzwerk: “Sie sind ein persönliches Medium” // von Katharina Brunner Wenige Minuten, bevor sich die Tech-Community diese Woche über die chinesische Übersetzerin im Livestream des Apple-Events echauffieren konnte, hat der Blogger Marcel Weiß auf seinem Blog Neunetz.com verkündet: “Ich starte heute ein neues Podcast-Netzwerk“. Der Satz stand am Ende einer Lobeshymne […]

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Neunetz-Blogger Marcel Weiß gründet Podcast-Netzwerk: “Sie sind ein persönliches Medium” // von Katharina Brunner

My Podcast Set I (Bild: Patrick Breitenbach, [CC BY 2.0], via Flickr)

Wenige Minuten, bevor sich die Tech-Community diese Woche über die chinesische Übersetzerin im Livestream des Apple-Events echauffieren konnte, hat der Blogger Marcel Weiß auf seinem Blog Neunetz.com verkündet: “Ich starte heute ein neues Podcast-Netzwerk“. Der Satz stand am Ende einer Lobeshymne auf Podcasts: “Im Grunde verhilft die Mischung aus Podcast und Smartphone dem Talkradioformat zu einem neuen goldenen Zeitalter.


Warum ist das wichtig? Podcasts sind Nischenprodukte. Das ist gut so.

  • Marcel Weiß will seine Podcasts unter Neunetz.fm refinanzieren.
  • Das Netzwerk besteht bisher aber vor allem aus Weiß und seinen Gästen.
  • Der Sportjournalist André Voigt gilt als Paradebeispiel für den Erfolg von Podcasts.

Weiß zählt Podcasts auf, deren Hörerschaft pro Folge in die Tausende geht. Er selbst erreiche mit Neunetzcast 1500 Hörer, ein anderer Podcast über Online-Handel, bei dem sich Weiß mit Exciting-Commerce-Gründer Jochen Krisch unterhält, hätte etwa 1000.

Weiß scheint seine Podcasts professionalisieren zu wollen. Die ersten Schritte: Eine eigene Webseite und ein eigener Name. Unter neunetz.fm residieren ab sofort drei verschiedene Formate: Feste Gespräche mit Johannes Kleske oder Markus Angermeier, Gespräche mit Gästen und kurze Beiträge zu aktuellen Themen.

Gängigste Form der Finanzierung: Werbejingles zu Beginn der Episoden

Wenn Weiß seinen Text mit “goldenem Zeitalter” überschreibt, ist der Sprung zur Finanzierung nur ein kleiner. Und tatsächlich will Weiß mit neunetz.fm Geld verdienen. Schließlich, so schreibt er, “muss der Aufwand refinanziert werden“. Einen Vermarktungspartner habe er schon gefunden. Man kann davon ausgehen, dass in Zukunft Werbung zu Beginn der Episoden geschaltet wird – die gängigste Form der Monetarisierung für Podcasts. Auch andere deutschsprachige Podcasts haben eine solche Finanzierung, wie zum Beispiel Geek-Week.de, in deren Episoden zu Beginn ein Werbe-Jingle läuft.

Weiß nennt neunetz.fm ein Netzwerk. Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Podcasts gerne verwendet wird, um verschiedene Formate unter einer Dachmarke zusammenzufassen. Bekannt ist das amerikanische Podcast-Netzwerk 5by5, in dem sich über 30 Gesprächsshows über Technologie sammeln. In Deutschland sind zum Beispiel das Küchenstudio und die Metaebene von Tim Pritlove bekannt. Bei Neunetz.fm dreht sich bisher alles um Weiß, dessen etwas hektische Sprechweise im Radio keine guten Chancen hätte.

Weiß’ Neunetz.fm ähnelt eher dem Talkformat von Ben Thompson, dessen Blog Stratechery zu den Top-Adressen für Analysen digitaler Geschäftsmodelle gehört. Thompson vermarktet nicht nur seinen Podcast, in dem er sich mit seinem alten Uni-Freund James Allworth über die Tech-Branche unterhält. Etwa zeitgleich zum Podcast ist ein Membership-Programm gestartet, bei dem sich Leser für 100 oder 300 US-Dollar pro Jahr Zugang zu täglichen Updates oder E-Mail-Kontakt zu Thompson kaufen können.

Doch nicht nur in der Tech-Filterblase können diese Talkshows erfolgreich sein. Ein Beispiel: Andre “Dré” Voigt, ehemaliger Basketball-Profi und Sportjournalist, der mit Got Nexxt zu den erfolgreichsten Sport-Podcasts in Deutschland gehört. Got Nexxt richtet sich an “Basketball-Nerds”, wie sich Voigt auch selbst bezeichnet. Er hat eine treue Anhängerschaft: Zweimal haben sie ihm bereits die Fahrt zu Finalspielen in der amerikanischen Basketballliga finanziert, damit er von dort berichten kann.

Basketball: Podcast ebnet Weg zum Magazin

In diesem Sommer hat er wieder eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Monatlich können ihn seine Hörer unterstützen, die Summe ist egal. Dafür bekommen sie Zugang zu einem ergänzenden Magazin: “Der Podcast wird immer kostenlos sein“, sagt Voigt. Das Ergebnis: 3000 Euro pro Monat. Diese Zahlungsbereitschaft führt Voigt auf die Nähe zurück, die durch den Podcast entsteht: “Die Leute haben eine Vorstellung von dir, es entsteht ein Bild im Kopf, auch wenn das natürlich nicht komplett der Wahrheit entspricht“, sagt Basketball-Journalist Voigt. Auch Tech-Blogger Weiß stellt fest, dass Podcasts den Draht zum Publikum enger werden lassen: “Sie sind ein persönliches Medium – ich wurde in den letzten Jahren öfter auf meine Podcasts als auf die Texte von mir angesprochen.

Vor ein paar Wochen beklagte sich Ole Reißmann bei Spiegel Online, dass Podcasts in der Nische feststecken würden. Ja, das tun sie, und das ist gut so. Denn dorthin gehören sie – weit hinein in die Nische. Der Schritt Richtung Massenmedium würde bloß die Inhalte verwässern oder verkürzen. Wo sonst gibt es Platz, um sich über eine Stunde lang über die Auszeichnungssprache Markdown oder Wechselgerüchte in der NBA zu unterhalten?

Du bist auf der Suche nach guten Podcasts? Haken Tanriverdi hat für kleiner3 vor ein paar Monaten sieben Stück empfohlen.


Teaser & Image by Patrick Breitenbach (CC BY 2.0)


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Lieferheld, Lieferando und Co: Die Ökonomie der Online-Lieferdienste

Delivery Hero hat für knapp 300 Millionen Euro Pizza.de übernommen: Ein Blick auf die wirtschaftlichen Grundlagen der Online-Lieferdienste. // von Katharina Brunner Platz Eins: Delivery Hero. Platz Sechs: Takeaway.com. Als der Blog tech.eu Anfang August eine Rangliste der größten Finanzierungsrunden in Europa dieses Jahres veröffentlichte, waren gleich zwei Plattformen für Online-Lieferdienste vertreten. Verwendet haben beide Firmen […]

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Delivery Hero hat für knapp 300 Millionen Euro Pizza.de übernommen: Ein Blick auf die wirtschaftlichen Grundlagen der Online-Lieferdienste. // von Katharina Brunner

Kitty vegan pizza surprise (Bild: Lisa Brewster [CC BY 2.0])

Platz Eins: Delivery Hero. Platz Sechs: Takeaway.com. Als der Blog tech.eu Anfang August eine Rangliste der größten Finanzierungsrunden in Europa dieses Jahres veröffentlichte, waren gleich zwei Plattformen für Online-Lieferdienste vertreten. Verwendet haben beide Firmen die Investorengelder wohl für Übernahmen auf dem deutschen Markt: Takeaway.com kaufte Lieferando, Delivery Hero übernimmt, wie am gestrigen Donnerstag bekannt wurde, Pizza.de.


Warum ist das wichtig? Der Online-Lieferdienst Delivery Hero aus Berlin übernimmt den Konkurrenten Pizza.de aus Braunschweig.

  • Online-Lieferdienste stehen als Vermittler zwischen Kunden und Restaurants
  • Restaurants subventionieren über die Provision die Kunden
  • Marktstruktur begünstigt Firmen mit großen Marktanteilen

290 Millionen Euro soll Pizza.de gekostet haben, wie Gründerszene berichtet. Die insgesamt 173 Millionen US-Dollar aus zwei Finanzierungsrunden im Januar und April hat das Unternehmen aus Berlin dafür verwendet. Takeaway.com bekam 102 Millionen US-Dollar an Investorengeldern.

Eine solche Konsolidierung durch Aufkäufe kommt häufig auf zweiseitigen Märkten vor, auf denen die Online-Lieferdienste auch operieren. Zweiseitige Märkte bedeuten: Mit Restaurants und Kunden sind zwei verschiedene Nutzergruppen beteiligt, die sich gegenseitig beeinflussen können. Delivery Hero oder Takeaway.com tritt als Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer auf und verlangt dafür von den Restaurants eine Provision.

Diese Markt-Konstellation ist allerorten anzutreffen: Bei sozialen Netzwerken, bei Betriebssystemen oder Kreditkarten. Ihnen ist gemeinsam, dass es für zwei unterschiedliche Benutzergruppen günstig ist, wenn die jeweils andere Gruppe wächst.

Indirekte Netzwerkeffekte zwischen Kunden und Restaurants

Für Kunden von Lieferdiensten erhöht sich der Nutzen, wenn möglichst viele und möglichst unterschiedliche Restaurants ihre Dienste anbieten. Für die Restaurants wiederum macht es Sinn, sich bei Lieferheld, Lieferando und Co. einzutragen, weil sie damit viel mehr hungrige Menschen erreichen können. Diese gegenseitige Beeinflussung von Kunden und Restaurants über eine bestimmte Plattform bezeichnet man als indirekte Netzwerkeffekte, die typisch für zweiseitige Märkte sind.

Immer wieder beschweren sich Restaurants über die hohen Provisionen, die sie an die Online-Vermittler zahlen müssen. In München legen sie beispielsweise den Lieferungen Flyer bei, auf denen sie darum bitten, das nächste Mal direkt zu bestellen. Lieferheld soll laut Wirtschaftswoche im September 2013 die Provision auf 14 Prozent erhöht haben, eine Steigerung von zum Teil 50 Prozent.

Hohe Provisionen als Subvention der Kunden

Diese hohen Provisionen kommen daher, weil die Restaurants die Kunden subventionieren – indem die Vermittler die Preise für die Restaurants höher setzen als für die Kunden. Das ist ein typisches Muster bei zweiseitigen Märkten: Die Preise sind für diejenige Gruppe niedriger, die die höheren indirekten Netzwerkeffekte, also den größeren Einfluss auf die andere Gruppe hat. Im Falle der Lieferdienste sind das die Besteller. Angenommen, die Online-Lieferdienste würden einen Aufschlag von den Kunden verlangen, dann kann man davon ausgehen, dass Kunden anstatt über die Online-Plattform direkt telefonisch bei den Restaurants bestellen – und die Online-Liefer-Aggregatoren würden leer ausgehen. Genauso würde es für die Restaurants keinen Sinn machen, ihre Preise bei den Lieferdiensten zu erhöhen: “Als wir neulich um ein paar Cents aufgeschlagen haben, gingen uns sofort Aufträge verloren“, sagte ein Pizzabäcker im September 2013 dem Wirtschaftsmagazin Wirtschaftswoche. Stattdessen zahlen die Pizzabäcker, Curry- und Sushi-Zubereiter mehr, die, im Vergleich zu den Kunden, die geringeren Netzwerkeffekte aufweisen.

In Deutschland nur mehr zwei große Anbieter

Zweiseitige Märkte tendieren durch die Netzwerkeffekte zu einem “Winner takes it all”-Verhalten: Eine oder einige wenige Firmen haben einen sehr großen Marktanteil. Genau das lässt sich bei deutschen Lieferdiensten beobachten. Durch die Übernahme von Pizza.de durch Delivery Hero gibt es nur mehr zwei große Anbieter: Delivery Hero mit Lieferheld und Pizza.de sowie Takeaway.com mit Lieferando.

Um die starke Marktposition auch im Ausland zu festigen, will Delivery Hero weiter expandieren. Im Moment arbeitet Delivery Hero in 23 Ländern mit 75000 Partnerrestaurants zusammen. In Zukunft, so steht in der Pressemitteilung zur Übernahme, soll weiter expandiert werden: Nach Südamerika und Asien. Dort will sich das Unternehmen aus Berlin frühzeitig Marktanteile sichern, um die Eigenschaften der zweiseitigen Märkte auszunutzen.


Teaser & Image by Lisa Brewster (CC BY-SA 2.0)


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Wie der New Yorker die digitale Transformation schaffen kann

Das 1925 gegründete Magazin New Yorker erfindet sich digital neu. Fünf Gründe, warum die Transformation gelingen kann. // von Katharina Brunner “Es ist schwer zu sagen, was der New Yorker im Internet macht. Sie posten die besten Texte nicht online – außer wenn sie es doch tun. Die besten Autoren bloggen nicht – oder doch“. […]

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Das 1925 gegründete Magazin New Yorker erfindet sich digital neu. Fünf Gründe, warum die Transformation gelingen kann. // von Katharina Brunner

New Yorker (Bild: Tom Small [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Es ist schwer zu sagen, was der New Yorker im Internet macht. Sie posten die besten Texte nicht online – außer wenn sie es doch tun. Die besten Autoren bloggen nicht – oder doch“. Es war im Winter letzten Jahres, als das Literaturmagazin n+1 süffisant anmerkte, dass die Online-Strategie des New Yorker offenbar ist, keine Strategie zu haben. Das hat sich diese Woche geändert.


Warum ist das wichtig? Redesign, Paywall, offenes Archiv: Das Magazin New Yorker erfindet sich online neu.

  • Bisher hatte das Magazin “New Yorker” keine dezidierte Online-Strategie.
  • Der Verlag des New Yorker, Condé Nast, hat nun eine ganzheitliche Strategie gewählt.
  • Die Kombination verschiedener Eigenschaften lässt auf gute Erfolgschancen schließen.

In einem “Brief an die Leser” erklärt die Redaktion die Veränderungen: Alle Artikel seit 2007 sind online, teilweise auch Scans bis zurück ins Gründungsjahr 1925, es gibt zusätzliche Blogs. Dazu ein neues Design auf WordPress-Basis und bis zum Herbst ist alles frei zugänglich, danach kommt es eine Metered Paywall.

Fünf Gründe, warum es der New Yorker schaffen könnte, ein funktionierendes, digitales Geschäftsmodell zu finden:

1. Streber in Sachen Design

Die offensichtlichste Veränderung betrifft das Design der Webseite. Viele weiße Flächen, größere Schrift, fixe Navigation: Das Aussehen folgt den momentanen Design-Trends und gängigen Usability-Regeln, mit den typischen Schriftarten bleibt dennoch Individualität erhalten. Der Guardian schreibt metaphorisch: “Die Seite sieht immer noch aus wie der New Yorker, aber mit mehr Raum zum Atmen in der U-Bahn“.

Für die technische Umsetzung hat sich der Condé-Nast-Verlag für das Content-Management WordPress entschieden, wie schon bei Wired. Ein kluger Schachzug war dabei, den Webentwickler Michael Donohoe als Director of Product Engineering zu engagieren. Donohoe war bereits bei der New York Times tätig und zuletzt beim Launch des oft gelobten Wirtschaftsmagazins Quartz federführend dabei – auch dort wird WordPress genutzt.

Mit dem Redesign hat der New Yorker keine offensichtlichen Schnitzer in Sachen Usability erlaubt – auch weil sie dort genau wissen, dass das Auswirkungen auf den Erfolg der Paywall haben wird: “Es ist in unserem ökonomischen Interesse, das Lesen so leicht wie möglich zu machen, denn dann werden Leute lesen und die Texte teilen”, sagt Online-Redakteur Nicholas Thompson dem Magazin Capital.

2. Die Paywall hat mehrere Monate Vorlaufzeit

Ab Herbst soll eine Metered Paywall wie bei der New York Times gelten. Eine bestimmte Anzahl von Artikeln ist dann kostenfrei zu lesen. Wer mehr will, muss ein Abo abschließen.

Spannend ist dabei: In den kommenden Monaten will Condé Nast laut New York Times Daten sammeln, um die optimale Paywall zu installieren. Wie viele Texte sind frei? Sind nur Printartikel beschränkt oder auch Blogbeiträge? Was ist mit Podcasts oder Karikaturen? Sich mit dieser Entscheidung auf empirische Erhebungen zu verlassen, ist schlau.

Ökonomisch sind Metered Paywalls eine Preisdifferenzierung durch zwei verschiedene Versionen. Die Ökonomen Carl Shapiro und Hal Varian empfehlen in ihrem Standardwerk “Information Rules” bei einer solchen Konstellation zwei Regeln: Erstens, den Preis für die kostenpflichtige Variante nicht zu hoch ansetzen, um das Abo relativ gesehen attraktiver zu machen. Und zweitens, die Qualität des kostenlosen Angebots schlechter zu machen – also weniger Texte pro Monate zur Verfügung stellen. Wo diese Schwelle genau liegen sollte, kann aus den in der Zwischenzeit erhobenen Daten gewonnen werden. Man kann gespannt sein, wie der New Yorker die Preise und die frei verfügbare Menge setzt.

3. Die Bezahlschranke ist gut für die Leser

Erst die konsequente Ausrichtung des Verlags auf das Internet macht es möglich, dass wirklich alle Texte auch online zu finden sind. Ein größeres Angebot – also gut für die Leser.

Natürlich handelt der New Yorker nicht selbstlos: Das Archiv soll neue, am besten zahlende Kunden gewinnen; ältere Texte können wiederverwertet werden. Für Konsumenten ist das trotzdem vorteilhafter als bisher, die bisher von der New York Times als “unberechenbar” bezeichnete Auswahl der Texte aus der Printausgabe, die online gestellt wurden.

Dieses viel größere Angebot ruft die Kuratierer auf den Plan: In den letzten Tagen gab es bereits eine ganze Reihe von Listen, mit Texten, die man unbedingt lesen soll. Bei “The Awl” sind mehrere solcher Auflistungen aggregiert.


Eine Session auf dem New Yorker Festival 2011 beschäftigt sich mit dem Alltag im Magazin:


4. Grenzen innerhalb der Redaktion weichen auf

Der neue Kurs hat auch Folgen für die Redaktion, deren Trennung zwischen Print und Online zwangsläufig aufbrechen muss. Denn laut Capital werde an einer neuen Gehaltsstruktur gearbeitet, um der neuen Strategie gerecht zu werden. Für festangestellte Redakteure sind in den bisherigen Verträgen alle Blogbeiträge abgegolten. Das verändert sich gerade: 250 US-Dollar zahle das Magazin pro Blogbeitrag mittlerweile.

Auch beim für sein Fact-Checking bekannte Magazin, herrscht ein bisher ein klaren Ungleichgewicht pro Print: Von 15 Faktenprüfern ist nur eine Person für die Online-Ausgabe abgestellt. “Das ist wahrscheinlich immer noch einer mehr als allen anderen“, sagt Redakteur David Remnick zu Capital. Wenn nun künftig alle Artikel automatisch auch online erscheinen, bricht diese strikte Trennung auf.

5. Die Kombination macht’s

Beim New Yorker haben sich die Verantwortlichen dafür entschieden, den Schritt Richtung bezahlte Inhalte zu machen – und zwar ganzheitlich: Eine Paywall ohne wirklich nutzerfreundliches Design hat wahrscheinlich wenig Sinn, genauso wie tolles Aussehen der Webseite ohne die Texte aus dem gedruckten Heft.

Das Traditionsmagazin könnte verschiedene Eigenschaften auf sich vereinen, um die digitale Weiterentwicklung zu schaffen: Reputation und Qualitätsinhalte, nutzerfreundliche Webseite, ein globales Publikum. Und nicht zu vergessen: Noch immer verkaufen sich mehr als eine Million gedruckte Hefte pro Ausgabe – aus finanzieller Not handelt der Verlag deshalb wahrscheinlich nicht, sondern aus Weitsicht. Way to go, New Yorker!


Teaser & Image by Tom Small (CC BY-SA 2.0)


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Haucap über Monopole: Facebook ist gefährlicher als Google

Ist Google ein Monopol? Nein, findet die Monopolkommission. Ihr Mitglied Justus Haucap erläutert im Interview die Gründe. // von Katharina Brunner Es ist die Frage, die in den letzten Wochen die Wirtschaftsmedien genauso bewegte wie die Feuilletons: Hat Google zuviel Marktmacht? Auch die Monopolkommission, ein beratendes Gremium der Bundesregierung, hat in ihrem Hauptgutachten 14 der […]

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Ist Google ein Monopol? Nein, findet die Monopolkommission. Ihr Mitglied Justus Haucap erläutert im Interview die Gründe. // von Katharina Brunner

Justus Haucap

Es ist die Frage, die in den letzten Wochen die Wirtschaftsmedien genauso bewegte wie die Feuilletons: Hat Google zuviel Marktmacht? Auch die Monopolkommission, ein beratendes Gremium der Bundesregierung, hat in ihrem Hauptgutachten 14 der über 800 Seiten dieser Frage gewidmet. Die klare Antwort: Nein, Google ist kein Monopol. Justus Haucap, Mitglied der Kommission, VWL-Professor und erklärter Gegner des Leistungsschutzrechts für Presseverlage, im Interview über Daten-Sammel-Maschinenen, Anti-Google-Stimmung und sein persönliches Schreckensszenario.


Warum ist das wichtig? Die Marktmacht Googles steht unter Beschuss. Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission, rät zu Besonnenheit.

  • Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission, sieht keinen Grund für eine Entflechtung Googles.
  • Die Anti-Google-Stimmung sei von einigen Medien-Konzernen hierzulande getrieben.
  • Bei Facebook sei die Gefahr größer, aber auch beim größten sozialen Netzwerk sei das Wachstum begrenzt.

Katharina Brunner: Soll Google zerschlagen werden?

Justus Haucap: Das ist keine gute Idee. Man muss sich zunächst fragen, was das genau bedeuten sollte. Eine eigentumsrechtliche Entflechtung hieße, dass Google zum Beispiel YouTube oder Google Maps verkaufen müsste. Aber wenn wir das in Europa anordnen, würde Google das überhaupt machen? Oder würde Google diese Dienste einfach in Deutschland oder Europa nicht mehr anbieten?

Was hieße das zum Beispiel für die Nutzer?

Wenn ich in Google “Wetter Freiburg” eingebe, dann zeigt mir Google sofort das Wetter in Freiburg an – ohne dass ich noch weiter klicken muss. Eine Entflechtung hieße, dass Google nicht mehr die Antworten auf diese Fragen geben darf, sondern nur noch Links zeigen soll. Darüber würden sich die Wettbewerber von anderen Wetterdiensten natürlich freuen. Aber für den Nutzer ist das eigentlich kein Vorteil. Man muss sich eher anschauen, ob man Schutzzäune um bestimmte Daten ziehen soll.

An welche Daten denken Sie da?

Perspektivisch sind das Google Car oder Google Glass, die ja Daten-Sammel-Maschinen für Google sind. Google möchte wissen, wann ich wo mit meinem Auto entlang gefahren bin und was genau ich mir angucke. Und da stellen sich zum einen starke datenschutzrechtliche Fragen, zum anderen aber auch: Führt das dann möglicherweise wirklich zu einer unangreifbaren Monopolstellung? Hat ein Konzern irgendwann so viele Daten, dass das kein anderer diesen Wettbewerbsvorteil reproduzieren kann? Dann haben wir wirklich so etwas wie ein Monopol, das vor Konkurrenz sicher wäre. Google wäre dann nicht durch Wettbewerber angreifbar und könnte nicht durch Wettbewerb diszipliniert werden. Da müsste man sich dann schon Gedanken machen, welche Grenzen man dem ggf. setzen will. Also: Welche Daten darf Google miteinander kombinieren? Braucht es dazu explizitere Formen der Einwilligung als momentan? Heute sind wir noch nicht soweit. Google Glass und Google Car sind ja noch Zukunftsmusik.

Wenn das Zukunftsmusik ist, heißt das, dass Google jetzt alles machen kann?

Nein, Google darf nicht unkontrolliert machen, was es will. Das haben wir ja zum einem durch das EuGH-Urteil gesehen, aber auch durch das Wettbewerbsrecht. Die Europäische Kommission und die Federal Trade Commission in den USA haben Google eine ganze Reihe von Zugeständnissen abgerungen. Ich denke, dass mit dem Kartell- und Datenschutzrecht bereits ein gewisser Hebel besteht. Das bestehende Recht kann vielleicht nicht jedes Problem jedes Bürgers und jedes Unternehmens lösen, aber das ist in absolut allen Rechtsgebieten so. Aktuell gibt es jedenfalls keine allzu gravierende Verwerfungen, die nicht durch das bestehende Recht adressiert werden könnten.

Wie erklären Sie sich dann die Anti-Google-Stimmung?

Der wahre Grund sind aus meiner Sicht einige Medien-Konzerne. Es ist eine recht ähnliche Koalition, die schon seit einigen Jahren versucht, das Leistungsschutzrecht zu etablieren, was auch in gewissem Umfang gelungen ist: Es gibt ein Leistungsschutzrecht, aber in sehr abgeschwächter Form verglichen zu den ursprünglichen Vorstellungen einiger Medienhäuser. Durch die Krise der Medienwirtschaft sind viele Einnahmequellen weggebrochen. Deswegen versuchen viele Verlage jetzt anders an Geld zu kommen. Und von wem wollen sie es haben? Natürlich in erster Linie von Google, denn bei Google gibt es viel zu holen.

Glauben Sie, dass die Beschwerde der VG Media beim Kartellamt erfolgreich sein wird?

Ich bin mir relativ sicher, dass das Kartellamt im Wesentlichen für Google entscheiden wird. Es ist für mich nicht vorstellbar, dass Google verpflichtet werden kann, Links und Snippets zu zeigen und dafür dann bezahlen muss – selbst wenn Google die Links und Snippets nicht gegen Bezahlung will. Das gibt das Kartellrecht nicht her – was auch richtig so ist: Ich kann nicht jemanden dazu zwingen, etwas zu bezahlen, wenn er es nicht haben will.

Könnte die Anti-Google-Stimmung auch politisch motiviert sein?

Die Presse ist sehr wichtig für die Politik, gerade der Springer-Verlag. Es gibt nur wenige Politiker, die es sich mit der Springer-Presse verderben wollen, was individuell-rational vielleicht ja auch nachvollziehbar ist. Ich finde es auch interessant, dass sich im Feuilleton der FAZ Robert Maier, der selbst Shopping-Portale betreibt, auf einer ganzen Seite ausbreiten darf. Das sind natürlich handfeste kommerzielle Interessen, die aber nicht unbedingt zum Vorteil der Verbraucher sind und auch Innovationen unterbinden.


Interview von Netzpiloten-Autor Gunnar Sohn mit Justus Haucap:


Was wäre Ihre ideale Lösung, um Google zu regulieren?

Google hat natürlich den Anreiz bei den Listungen die konzerninternen Inhalte zu bevorzugen. Das kann man nicht leugnen. Im Idealfall würde man das in allen Details permanent kontrollieren, aber das geht nicht.

Was ist eine Alternative? Eine Behörde?

Auf keinen Fall. Das ist mein Schreckensszenario. Da streiten dann die Gewerkschaftler mit denen von der Evangelischen Kirche, welcher Link weiter oben stehen soll. Das würde völlig die Dynamik herausnehmen. Google ändert seinen Algorithmus über 500 mal pro Jahr, solche Veränderungen sind wichtig, mit einer Behörde aber nicht machbar.

Was wäre dann Ihr Vorschlag?

Konkret sehe ich keinen Handlungsbedarf, der über die durchaus umfangreichen Aktivitäten der EU-Kommission hinausgeht. Sollten sich Belege erhärten, dass Google in der Zukunft Links diskriminierend behandelt, muss man erneut tätig werden. Die Lösung der Europäischen Kommission, die Links, die aus dem Google-Konzern kommen, farbig zu markieren, finde ich ganz gut. Letztendlich kann der Verbraucher dann entscheiden, ob er klicken will – genauso, wie er sich jetzt zwischen generischen Suchergebnisse und bezahlten Anzeigen entscheiden kann.

Wenn Google kein Monopol ist, ist dann Facebook eines? Die indirekten Netzwerkeffekte sind bei sozialen Netzwerken ja stärker.

Ja, es ist schwieriger Facebook anzugreifen, denn dazu müsste ein Großteil der sozialen Beziehungen auch zu einem anderen Netzwerk wandern. Zudem hat Facebook viel bessere Informationen über mich als Google. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass das nicht zwangsläufig ein dauerhaftes Monopol bedeutet. Aus der Vergangenheit sieht man, dass Leute ihre sozialen Netzwerke wechseln. Die VZ-Netzwerke sind in Deutschland ja auch völlig den Bach hinuntergegangen. Zudem gibt auch andere: Wenn ich etwas Seriöses, Professionelles brauche, dann gehe ich lieber zu Xing oder LinkedIn. Und dem Wachstum von Facebook sind Grenzen gesetzt – vor allem bei den unter 18-Jährigen, was soziologisch leicht zu erklären ist: Man tauscht sich ungern im gleichen Netzwerk wie die Eltern aus. Auch wenn man sich den Werbemarkt anguckt, ist Facebook noch wesentlich unbedeutender als Google. Ich rate daher zu einer entspannten, aber nicht unkritischen Sichtweise.

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WordPress: Spezialist oder Wollmilchsau?

Blogging-Plattform oder Content-Management-System? Mit dem Erfolg steigen die Anforderungen an WordPress – aber auch die Verdienstmöglichkeiten. // von Katharina Brunner In keinem Text über WordPress darf die Zahl fehlen: Über ein Fünftel des Web soll auf der Software laufen. Je weiter sich WordPress verbreitet, desto heterogener werden die Nutzer – und damit steigen die Forderungen […]

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Blogging-Plattform oder Content-Management-System? Mit dem Erfolg steigen die Anforderungen an WordPress – aber auch die Verdienstmöglichkeiten. // von Katharina Brunner

WordPress (Bild: Heisenberg Media [CC BY 2.0], via Flickr)

In keinem Text über WordPress darf die Zahl fehlen: Über ein Fünftel des Web soll auf der Software laufen. Je weiter sich WordPress verbreitet, desto heterogener werden die Nutzer – und damit steigen die Forderungen an das Entwicklerteam, die sich zwischen zwei großen Polen bewegen: Eine reine Blogging-Plattform auf der einen Seite und ein umfangreiches Content-Management-System auf der anderen. Wohin soll die Reise also gehen?


Warum ist das wichtig? Mit dem Erfolg von WordPress steigen die Anforderungen an die Entwickler und die Software geht einer ungewissen Zukunht entgegen.

  • Blogger wollen eine einfachere und intuitivere Bedienbarkeit vor allem im Admin-Bereich von WordPress.
  • Mit dem Prinzip der Backwards Compatibility ist ein kompletter Relaunch von WordPress nicht möglich.
  • Mit WordPress-Dienstleistungen verdienen viele Webentwickler und Designer ihren Lebensunterhalt

Die Verfechter einer Blogging-Plattform kritisieren offensichtliche Schwachstellen im Adminbereich. Gerade für viele Anfänger kann der überladene Backend-Bereich abschreckend wirken. Nicht vergleichbar ist der WordPress-Admin-Bereich mit der Eleganz von Medium, der initutiven Bedienbarkeit von Tumblr oder der schnellen Formatierung durch Markdown wie bei Ghost. Kurz: WordPress verschenkt Platz bei der Usability, dadurch steigt die Konkurrenz.

Kein Wunder, dass WordPress mit der Version 3.8 das Backend zumindest optisch verjüngt hat: “Flat Design”, das momentan herrschende Designparadigma, hat damit auch in WordPress-Einzug gehalten. Die Funktionalitäten bleiben allerdings weiterhin gleich. Der WordPress-Blog wpmudev schreibt in einem Rundumschlag mit dem Titel “Boring, Boring WordPress: Why WP is Falling Behind“: “WordPress hat weiterhin ein Interface, das wie eine Datenbank-Applikation im Jahr 2005 aussieht, nur eben mit ein paar quasi-moderne Farben.


Aktuelles Tutorial für WordPress:


Evolution statt Revolution

Doch eines steht fest: Auch mit der im August kommenden Version 4 wird der erhoffte Relaunch des Backends nicht kommen. Evolution statt Revolution ist das Motto, das gerade WordPress-Mitbegründer Matt Mullenweg immer wieder predigt. Backwards Compatibility heißt, dass alle Veränderungen auch mit älteren WordPress-Installationen funktionieren müssen. Diese Bedingung beschränkt natürlich die Weiterentwicklung der Software, denn die Entwickler können nicht mit einer leeren Datei starten, sondern müssen stets den alten Code im Auge behalten. Mullenweg ist sich klar, dass mit dem Anspruch auch ältere Versionen zu bedienen, einige Nachteile hat. In einem “Ask Me Anything” bei Reddit zählt er eine ganze Reihe von Dingen auf, die er sonst anders machen würde. Unter anderem: das Menü im Admin-Bereich überarbeiten.

Wirtschaftliche Bedeutung trotz Open Source

WordPress hat noch immer den Ruf eines Amateur-CMS. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: Der Start als Blogging-Tool, die Programmiersprache PHP und vielleicht sogar, dass Laien selbstständig relativ viel anspassen können. Das wirkt sich besonders auf zwei Bereiche aus: Große Firmen und Organisationen scheuen davor zurück, WordPress zu benutzen und es scheint Probleme zu geben, gerade JavaScript-Programmierer für WordPress zu gewinnen.

Trotz dieser Reputation als Software für Laien, steigt die wirtschaftliche Bedeutung. Ein Indikator: Laut einer Infografik erwähnen über 335.000 Menschen in den USA bei ihren LinkedIn-Profilen WordPress. Die Monetarisierung kann bei dem unter freier Lizenz erschienen Software nicht direkt geschehen, sondern über den Umweg über Dienstleistungen – gerade bei Anwender, bei denen WordPress als Content-Management-System dient.

Denn viele Nutzer sind bereit, für komplexere Designs oder individuelle Problemlösungen durch Plugins Geld auszugeben. WordPress ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wertschöpfung auf eine frei lizenzierte Software basieren kann. Besonders in drei Bereichen kann Geld verdient werden: Themes, Plugind und Hosting. In allen drei Bereichen gibt es von großen Marktplätzen bis hin zu kleinen Designstudios und Webagenturen Lösungen für Kunden. Ein weiteres Indiz: Im Januar 2015 findet zum dritten Mal die Pressnomics-Konferenz statt, die sich nur mit den wirtschaftlichen Aspekten von WordPress beschäftigt.

Es scheint, also soll eine WordPress-Installation alle Wege offen lassen, egal ob die Webseite am Ende ein Blog, eine große Webseite oder – wie Mullenweg immer wieder fordert – eine Web-Applikation sein soll. Bei diesem Wollmilchsau-Ansatz besteht immer die Gefahr, dass WordPress alles kann, aber nichts richtig. Andererseits ist vielleicht genau das der richtige Weg: Eine breite Basis mit viel Platz für Webentwickler und Designer, die individuelle Anpassungen anbieten können – entweder ebenfalls als Open-Source-Plugin oder als Premium-Dienst.


Teaser & Image by Heisenberg Media (CC BY 2.0)


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Debatte um Disruption: Zeitalter des Terrors?

Eine Historikerin greift die vorherrschende Theorie der Disruption an. Um was geht es? Und wer hat recht? // von Katharina Brunner Im Bullshit-Bingo hat Wort „Disruption“ sein Quadrat verdient. Jedes Startup, das etwas auf sich hält, hat eine disruptive Technologie oder ein disruptives Geschäftsmodell – am besten beides zusammen. Kaum ein Text zur Digitalisierung der […]

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Eine Historikerin greift die vorherrschende Theorie der Disruption an. Um was geht es? Und wer hat recht? // von Katharina Brunner

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Im Bullshit-Bingo hat Wort „Disruption“ sein Quadrat verdient. Jedes Startup, das etwas auf sich hält, hat eine disruptive Technologie oder ein disruptives Geschäftsmodell – am besten beides zusammen. Kaum ein Text zur Digitalisierung der Wirtschaft kommt ohne das Wort aus und eine Konferenz mit dem Wort im Titel klingt gleich cooler. „Disruptive Innovation ist eine Wettbewerbstrategie für ein Zeitalter des Terrors.“ Das ist der Startpunkt von Jill Lepores Angriff auf die Theorie dieser Disruption ihres Harvard-Kollegen Clayton Christensen.


Warum ist das wichtig? Die Historikerin Jill Lepore hat in einem Beitrag im Magazin New Yorker ausführlich das herrschende Startup-Paradigma der Disruption angegriffen.

  • Lepores hat zwei große Ansätze: Die Ablehnung der Disruption als das Narrativ der Gegenwart und konkrete Kritikpunkte an Christensens Fallstudien
  • Christensens tut Lepores Angriffe in einem Interview als „längst bearbeitet“ oder als schlechte Wissenschaft ab
  • Es verhält sich wie so oft: Die Theorie der Disruption ist weder ganz falsch noch ganz richtig

Was ist Disruption überhaupt?

Der Begriff der Disruption begann seinen Siegezug mit Clayton Christensens Buch „Innovator’s Dilemma“ und hat sich in den letzten fast 20 Jahren zum Paradigma für die Startups entwickelt. Im Kern beruht dieses Dilemma auf drei Annahmen:

1. Es gibt zwei Arten von Innovationen: erhaltende („sustaining“) und zerstörende („disruptive”). Bei erhaltenden Innovationen werden bestehende Produkte verbessert, disruptive Innovationen sind neue Güter, die im Vergleich zu den am Markt befindlichen zuerst schlechter abschneiden.

2. Das disruptive Produkt befindet sich zu Beginn im unteren Marktsegment und kann die Bedürfnisse von anspruchsvollen Kunden nicht befriedigen. Im Laufe der Zeit aber wächst der Markt des neuen Produkts und kann bis dahin führende Güter und Dienstleistungen verdrängen.

3.Die alteingesessenen Firmen stehen jetzt vor einem Dilemma, denn für sie ist es nicht vernünftig, in den neuen, viel kleineren Markt des schlechteren, aber potenziell disruptiven Produkts zu investieren. Denn gute Manager holen beispielsweise Feedback von ihren Kunden ein – und die wollen natürlich kein schlechteres Produkt haben. Christensens schreibt in seinem Buch: „Die logischen Managementbeschlüsse, die entscheidend für den Erfolg ihrer Firma sind, sind auch der Grund dafür, warum sie ihre Führungsrolle verlieren.“ Große Firmen müssen sich in der Konsequenz wie Startups verhalten, um selbst Innovationen zu entwickeln, die disruptiv sind – oder sie haben keine Chance.

Was ist die Kritik der Historikerin Jill Lepore?

Die scharfe Kritik Lepores hat zwei Ebenen: Zum einen die Meta-Ebene, auf der sie geschichtswissenschaftlich argumentiert. Sie stellt fest, dass die Disruption eine Art Leitthema der Gegenwart ist und das sei keine gute Sache: „Das ist eine Theorie, die auf einer tiefen Angst vor finanziellem Kollaps basiert, eine apokalyptische Angst vor globaler Zerstörung und flauer Faktenlage.“

Die zweite Ebene ist die konkrete Kritik von Beispielen in Christensens Argumentation. So sei das Erfolgskriterium für eine Firma willkürlich gewählt und Firmen, die von Christensen als verdrängt dargestellt wurden, seien noch immer gut im Geschäft. Er habe sich Fallstudien herausgepickt, die zu seiner Argumentation passen.

Und was sagt Christensen dazu?

Die Business Week befragte Christensen zu den Vorwürfen, der betroffen und eingeschnappt wirkt. Er wirft Lepore schlechte wissenschaftliche Arbeit vor, da sie sich an der Erstausgabe abarbeitet, er aber seine Theorie in nachfolgenden Büchern und Aufsätzen weiter ausgearbeitet habe. Vor allem scheint Christensen aber persönlich gekränkt, dass ihn seine Harvard-Kollegin öffentlich in die Pfanne gehauen hat, ohne vorher das persönliche Gespräch mit ihm zu suchen.

Die Sache mit dem iPhone

Ein wesentlicher Punkt in Lepores Kritik ist, dass die Theorie der Disruption nicht dazu tauge, die Zukunft vorherzusagen. Beispiel iPhone. Christensen behauptete vor seiner Einführung, dass Apple damit keinen Erfolg haben werde. In seinem Interview räumte er diesen Fehler ein: „Was ich nicht gesehen habe ist, dass das Smartphone mit dem Laptop konkurriert.“ Stattdessen habe er angenommen, das iPhone sei eine erhaltende Innovation des Handys. Der Tech-Blogger Ben Thompson von Stratechery glaubt, dass das ein struktureller Fehler bei Christensen ist. Christensens These von der Disruption nur im unteren Marktsegment halte nämlich nur im B2B-Geschäft, nicht aber im Endkundenmarkt.

Der Ökonom Joshua Gans ist der Meinung, dass die Prognosefähigkeit beim „Innovator’s Dilemma“ ebenso ein Dilemma beinhalte: „Christensen findet, dass seine Theorie voraussagend ist, obwohl seine interne Logik aussagt, dass Prognosen unmöglich sind.“ Denn ob eine potenziell disruptive Technologie sich tatsächlich schnell verbessert und so Marktanteile sichert, könne immer nur in der Rückschau beurteilt werden.

Und wer hat nun Recht?

Keiner, die Disruptionstheorie ist weder ganz falsch, wie Lepore behauptet, noch das richtige Mittel, um jeden Bereich einer Gesellschaft zu erklären, wie Christensen glaubt.Gerade Universitäten und das Bildungssystem sollten nach seiner Ansicht streng nach Gesichtspunkten der disruptiven Innovationen ausgerichtet werden.

Mit Lepores Text ist die Diskussion in Gang gebracht worden, die sie sich wünscht: „Die meisten großen Ideen haben laute Kritiker. Nicht Disruption. “Mit ihrer grundsätzlichen Ablehnung der Disruption tutsich Lepore aber keinen Gefallen. In ihrem fast 40.000 Zeichen langen Aufsatz spricht sie nicht einmal vom Internet. Doch dieses Internet ist es, das die Popularität der Disruptionstheorie so enorm gefördert hat. Digitale Güter, die so gut wie kostenlos unendlich oft vervielfältigbar sind, bieten hohe Skalenerträge und damit großes disruptives Potenzial. Ob sie sich dann auch als disruptiv erweisen, kann nur die Zukunft zeigen. Was jetzt schon feststeht: Disruption ist ein Buzzword. In diesem Text kommt es 33 Mal vor.


Teaser & Image by Tsahi Levent-Levi (CC BY 2.0)


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#FTOJ14: Sechs Lehren für den Online-Journalismus

Beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus des Hessischen Rundfunks sprach der Journalist Holger Schmidt über die Monetarisierung von Online-Journalismus. // von Katharina Brunner Unser Autorin Katharina Brunner ist heute beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus (#ftoj14) des Hessischen Rundfunks und hat in einem Storify den Vortrag des Journalisten Holger Schmidt, bekannt als Netzoekonom, festgehalten. Schmidt […]

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Beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus des Hessischen Rundfunks sprach der Journalist Holger Schmidt über die Monetarisierung von Online-Journalismus. // von Katharina Brunner

Storify

Unser Autorin Katharina Brunner ist heute beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus (#ftoj14) des Hessischen Rundfunks und hat in einem Storify den Vortrag des Journalisten Holger Schmidt, bekannt als Netzoekonom, festgehalten. Schmidt sprach über die Monetarisierung von Online-Journalismus. Aus der Analyse von Auflagenzahlen, Umsätzen, Werbeeinnahmen etc. zog Schmidt sechs Lehren, die Katharina Brunner uns vorstellt.

Link zum Livestream

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Rezension: “Journalism and Technological Change”

In einem Sammelband versuchen Wissenschaftler das Verhältnis zwischen Journalismus und Technologie auszuloten. // von Katharina Brunner Der Scherz bekommt mittlerweile einen grauen Bart und trotzdem funktioniert er noch immer: Einfach Eilmeldung vor eine nur mäßig spannende Nachricht schreiben. Der Witz zeigt das Problem, das Journalisten mit der immer schneller werdenden Geschwindigkeit im Nachrichtengeschäft haben. Denn […]

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In einem Sammelband versuchen Wissenschaftler das Verhältnis zwischen Journalismus und Technologie auszuloten. // von Katharina Brunner

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Der Scherz bekommt mittlerweile einen grauen Bart und trotzdem funktioniert er noch immer: Einfach Eilmeldung vor eine nur mäßig spannende Nachricht schreiben. Der Witz zeigt das Problem, das Journalisten mit der immer schneller werdenden Geschwindigkeit im Nachrichtengeschäft haben. Denn neue technische Entwicklungen – seien es der Telegraf im 19. Jahrhundert, das Telefon im 20. oder das Internet im 21. Jahrhundert – bedeuten vor allem: steigende Geschwindigkeit im Nachrichtengeschäft.


Warum ist das wichtig? Das „Journalism and Technological Change“ zeigt wissenschaftliche Aspekte von Journalismus und Technologie

  • Technische Entwicklungen beeinflussen den Journalismus schon immer
  • Mit jeder Technologie steigt die Geschwindigkeit der Berichterstattung
  • Sicherheit und ökonomische Aspekte kommen zu kurz

 Doch bis zum Internet haben von dieser Beschleunigung vor allem traditionelle Medien profitiert, denn nur sie hatten die finanziellen Möglichkeiten, die teuren Technologien zu nutzen. Mit dem Internet hat sich das geändert: “Beschleunigung hat dem Aufstieg von Nachrichten (traditionellen Medien, Anm. d. Red.) bis zu einem Tipping-Point der Technologie geholfen – und dieser Punkt ist überschritten“, glaubt John Nerone. Denn Exklusivmeldungen können heute genauso gut von Amateuren kommen.

Und haben Journalisten doch einen Scoop gelandet und eine Meldung vor den Konkurrenten gebracht, dann nützt ihnen das nur mehr wenig. Hielt der zeitliche Vorsprung in analogen Zeiten noch 24 Stunden oder mehr, ist er heute in wenigen Minuten dahin. Nämlich ganz einfach dann, wenn die Konkurrenz die Nachricht als Eilmeldung bei sich selbst übernommen hat. Der Streit zwischen der Bild-Zeitung und Focus Online zeigt das schön: Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt wirft in einem Interview mit Turi2 der Online-Ausgabe des Focus vor, Inhalte „zu klauen“. Das Problem liegt da weniger in der Tatsache, dass die Medien voneinander abschreiben, sondern darin, dass die Bild versucht mit Inhalten Geld zu verdienen, die anderswo kostenlos zu kriegen sind. Mitchell Stephens vergleicht das damit, Eis verkaufen zu wollen, nachdem jeder bereits einen Kühlschrank zu Hause stehen hat.

Schritt zurück von der Nachrichtenfront

Die Daseinsberechtigung von traditionellen Medienhäusern kann also nicht mehr darin liegen, weiterhin im Rennen um die nächste Eilmeldung teilzunehmen. “Die prestigeträchtigsten Nachrichtenorganisationen werden einen Schritt zurück von der Nachrichtenfront machen“, prognostiziert Nerone.

Statt Schnelligkeit also Kontext, Erklärungen, Einordnung – kurz: diesen ominösen Qualitätsjournalismus. Doch was soll das genau sein? Stephens fordert den „wisdom journalism“: „Journalismus, der das Verständnis von der Welt stärkt.” Die technischen Entwicklungen, die den Journalismus auf so vielen Ebenen verändern, führt womöglich zu einer ganz neuen Kategorisierung: Karin Wahl-Jorgensen schlägt den Begriff des post-modernen Journalismus vor.

Die akademischen Aufsätze beginnen die Betrachtung allerdings nicht erst mit dem Internet. Telegrafen, Fotografie und Telefon werden genauso analysiert, wie aktuelle empirische Arbeiten zu Leser-Partizipation und sozialen Medien. Zum Beispiel: Wie beeinflussen Selbstregulierung und Kritik aus Social-Media-Kanälen die Arbeit von Journalisten? Um die wissenschaftliche Studie auf einen Satz herunterzubrechen: Selbst-Regulierung und soziale Medien haben keinen großen Einfluss, wichtiger sind Qualitäts- oder Ethikstandards innerhalb von Redaktionen.

schreiber-u4.inddSicherheitsaspekte fehlen

Die Herausgeber Martin Schreiber und Clemens Zimmermann stellen im Vorspann fest, dass die Journalismusforschung bisher in getrennten Lagern verläuft: Zum einen die technische Seite, die in den Naturwissenschaften verortet wird. Zum anderen die „Dimension der Inhalte“, die die Geisteswissenschaften bearbeiten. Diese Dichotomie müsse überwunden werden, denn wenn das Internet das alles verändernde Moment im Journalismus ist, dann ist jede Betrachtung des gegenwärtigen Journalismus auch eine der technologischen Möglichkeiten.

Zu kurz kommen im Buch die ökonomischen Implikationen: Zwar lässt es sich fast keiner der Autoren nehmen, darauf hinzuweisen, dass das Internet das analoge Geschäftsmodell in sich zusammenbrechen lässt. Den Zusammenhang zwischen technologischen Veränderungen und seinen wirtschaftlichen Folgen streifen die Autoren aber höchstens.

Die Beiträge im Buch speisen sich aus einer Konferenz im Frühjahr 2013. Der Zeitpunkt ist entscheidend. Denn in der Prä-Snowden-Ära standen Sicherheit von Kommunikation, Quellen und Daten nicht im Blickpunkt: Nur etwa eine der knapp 300 Seiten streift diese Aspekte. In einem etwaigen Nachfolgeband nehmen diese Themen sicher mehr Raum ein.

Martin Schreiber und Clemens Zimmermann (Hrsg.), “Journalism and Technological Change“, Campus Verlag


Teaser & Image by Russland und Ukraine (CC BY-SA 2.0)


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BuchhandlungVorOrt will Online-Handel mit Buchhandlungen verbinden

Das Startup BuchhandlungVorOrt will mit einem gemeinsamen Online-Shop die unabhängigen Buchhändler stärken. Doch zu welchem Preis? // von Katharina Brunner Amazons Image ist schlecht: Neben den Arbeitsbedingungen im Lager und die Steueroasen beschäftigt die PR-Abteilung der Vorwurf für den Tod des stationären Buchhandels verantwortlich zu sein. Dass Online-Handel und kleine unabhängige Buchläden zusammengehen können, will […]

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Das Startup BuchhandlungVorOrt will mit einem gemeinsamen Online-Shop die unabhängigen Buchhändler stärken. Doch zu welchem Preis? // von Katharina Brunner

Bookstore (Bild: Geraint Rowland [CC BY 2.0], via Flickr)

Amazons Image ist schlecht: Neben den Arbeitsbedingungen im Lager und die Steueroasen beschäftigt die PR-Abteilung der Vorwurf für den Tod des stationären Buchhandels verantwortlich zu sein. Dass Online-Handel und kleine unabhängige Buchläden zusammengehen können, will das Startup BuchhandlungVorOrt zeigen. Unter ihrer Marke sollen sich unabhängige Läden zu einer gemeinsamen Online-Plattform zusammenschließen. Zielgruppe sind Leser, die sich bewusst für den kleinen Laden um die Ecke entscheiden wollen.


Warum ist das wichtig? Das Berliner Startup BuchhandlungVorOrt will Online-Handel und kleine Buchhandlungen miteinander verbinden.

  • Unabhängige Läden sollen sich zu einem gemeinsamen Online-Shop zusammenschließen.
  • Zielgruppe sind Leser, die sich bewusst für lokale stationäre Buchhandlungen entscheiden wollen.
  • Unklar bleibt aber die wichtigste Information: Wie hoch soll die Vermittlungsprovision für das Startup sein?

Der Buchhandel gilt als eine der Branchen, die das Internet besonders schmerzvoll getroffen hat. Schließlich ist es das Online-Kaufhaus Amazon, das als erstes das Internet als Vertriebsweg das Internet nutzte. Traditionelle Unternehmen im Buchhandel haben es nicht geschafft, eine konkurrenzfähige Alternative zu Amazon zu schaffen “Leider ist die Online-Präsenz der lokalen Buchhändler oftmals wenig ausgebaut und nicht an unsere veränderten Bedürfnisse angepasst. Bislang existierende Weblösungen und E-Commerce-Plattformen, welche Bestellungen bei lokalen Buchhändlern ermöglichen, überzeugen weder uns noch die lokalen Buchhändler selbst“, sagen die Gründer von BuchhandlungVorOrt.de im Netzpiloten-Interview (hier).

Die Idee klingt einleuchtend: Eine Bestellung bei BuchhandlungVorOrt wird an einen lokalen Buchhändler weitergeleitet, der das Buch an den Kunden verschickt. Bequemes Online-Shopping soll so mit kleinen, unabhängigen Buchhandlungen kombiniert werden.

Zentraler Shop strategisch richtig

Strategisch ist ein zentraler Shop der richtige Schritt: Durch die fixen Preise der Buchpreisbindung kann Gewinn nur dadurch gesteigert werden, indem die Kosten sinken. Je größer ein Unternehmen, desto leichter geht das. Amazon zeigt es, wie ein Geschäft mit geringen Margen trotzdem profitabel betrieben werden kann. “Obwohl viele stationäre Buchhändler einen eigenen Webshop haben, finden sie keine Zeit, den Webshop als weiteren Verkaufskanal kosteneffizient auszuspielen“, sagt die Gründer von BuchhandlungVorOrt.de weiter ausführen. Und in diese Lücke möchte BuchhandlungVorOrt treten.

Die Idee ist es, dass Käufer ihre Lieblingsbuchhandlung auswählen können. Doch das kann auch ein Laden in einer anderen Stadt sein. Damit könnte das Konzept auch weg
von der Fokussierung auf einen bestimmten Laden hin zu einer allgemeinen Plattform für alternativen Buchhandel entwickeln.

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Eine Frage bleibt offen: Wie hoch ist die Provision?

Doch etwas überrascht doch: Entscheidend über den geschäftlichen Erfolg der Buchhandlung vor Ort ist die Provision, die das Startup für die Vermittlung der Aufträge erhält. Doch bisher gibt es keine konkrete Zahlen – zumindest offiziell. Die Provision sei “derzeit eine zentrale Frage, die wir derzeit im Team erörtern“, heißt es im Interview mit den Netzpiloten. “Hierbei gehen wir auch ins Gespräch mit Buchhandlungen.” Es überrascht, dass sich das Startup über die zentralste Frage ihres Geschäftsmodell keine genauere Auskunft machen kann – oder will.

Denn auch für die Buchhandlungen, die vor der Entscheidung stehen, ob sie Teil des Vertriebnetzwerkes werden wollen, könnte das der entscheidende Punkt sein: Wieviel des Preises geht als Provision für die Vermittlung an BuchhandlungVorOrt, wieviel bleibt ihnen selbst? Dazu kommt die Überlegung: Können Buchhandlungen so neue Zielgruppen erschließen? Also diejenigen, die sowieso nie in den Laden gehen, aber gerne kleine Geschäfte unterstützen würden. Oder aber kaufen über BuchhandlungVorOrt auch diese Menschen, die sonst in den Laden gehen würden – für deren Einkäufe die Händler aber Provision an BuchhandlungVorOrt zahlen müssen.

Oft geht die Geschichte so: Die Marktmacht Amazons zerstört die kleinen, unabhängigen Buchläden. Doch, so schreibt das Wirtschaftsmagazin Quartz, zumindest für die USA korreliert der Aufstieg Amazons nicht mit dem Wegfall kleiner Geschäfte. Im Gegenteil: Dort ist die Anzahl zwischen 2009 und 2013 um über 15 Prozent angestiegen. Die wahren Verlierer durch Amazon sind dort die großen Buchhändler, wie Borders und Barnes and Nobles. Deren deutschen Pendants lauten: Weltbild, Thalia oder Hugendubel – Unternehmen, von denen gute Nachrichten schon eine Weile auf sich warten lassen.


Teaser & Image by Geraint Rowland (CC BY 2.0).


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Automattic: Wie wertvoll ist das Unternehmen hinter WordPress.com?

WordPress.com-Betreiber Automattic ist auf Expansionskurs: 160 Millionen Risikokapital, fünf Übernahmen in einem Jahr und die Aufnahme im “Billion Dollar Club”. // von Katharina Brunner Die Journalisten beim Wall Street Journal sollten bald tun, was sie in ihrer Fußnote versprechen: Die Infografik “Billion Dollar Club” updaten. Dort zählen sie diejenigen Startups auf, deren Wert auf mehr […]

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WordPress.com-Betreiber Automattic ist auf Expansionskurs: 160 Millionen Risikokapital, fünf Übernahmen in einem Jahr und die Aufnahme im “Billion Dollar Club”. // von Katharina Brunner

WordPress (Bild: mkhmarketing [CC BY 2.0], via Flickr)

Die Journalisten beim Wall Street Journal sollten bald tun, was sie in ihrer Fußnote versprechen: Die Infografik “Billion Dollar Club” updaten. Dort zählen sie diejenigen Startups auf, deren Wert auf mehr als eine Millarde Dollar geschätzt wird. Zwischen Fab, einem Onlineshop für “fashionable products” (1,2 Milliarden US-Dollar), und Gilt Groupe, einem Online-Outlet für Luxus-Kleidermarken (1,1 Milliarden US-Dollar), sollte das Wall Street Journal Platz machen für Automattic, Betreiber u.a. von WordPress.com (1,16 Milliarden US-Dollar).


Warum ist das wichtig? Das Unternehmen Automattic steht hinter der Plattform WordPress.com ist auf Expansionskurs.

  • Im letzten Jahr schrieb Automattic-Gründer Matt Mullenweg, die Firma brauche kein Risikokapital.
  • Anfang Mai steigt eine Investorengruppe mit 160 Millionen US-Dollar in Automattic ein.
  • Automattic hat im vergangenen Jahr fünf Startups übernommen.

Eine Investorengruppe um Insight Venture Partners hat den Wert von Automattic auf über eine Milliarde Dollar angesetzt und bekannt gegeben, 160 Millionen US-Dollar in das 2005 gegründete Unternehmen zu investieren. Dieses Risikokapital kommt überraschend, das letzte Mal gab es eine solche Finanzierung 2008. In der Vergangenheit hat Automattic-Gründer Matt Muellenweg nicht ohne Stolz betont, die Firma wolle auf Investitionen von außen verzichten. Noch vor einem Jahr schrieb er auf seinem Blog: “Es ist nicht nötig, direkt Geld aufzunehmen – es gibt keine Finanzierungsengpässe“. Seit dieser Aussage im Mai letzten Jahres war Automattic sehr aktiv: Es hat fünf andere Startups übernommen und im Januar hat Mullenweg mit CEO Toni Schneider die Posten gewechselt. Mullenweg ist nun Chef, Schneider für neue Produkte verantwortlich.

WordPress hat Konkurrenz Raum gelassen

Matt Mullenweg, Mitgründer der Open-Source-Software WordPress, hat Automattic als den kommerziellen Zweig von WordPress aufgebaut. WordPress.com fungiert als Blog-Hoster, der sich über Werbung und kostenpflichtige Zusatzangebote, wie Domains (eine der Übernahmen im letzten Jahr war die eines Domain-Namen-Generators) oder Themes finanziert. Zudem betreibt Automattic WordPress-relevante Dienstleistungen wie den Backup-Dienst VaultPress oder die populären Plugins Akisment, Jetpack oder BuddyPress, aber auch die WordPress-unabhängige Notiz-App Simple Notes. Seit 2012 sollen mit WordPress VIP Großkunden geworben werden. Unter anderem das Wirtschaftsmagazin Quartz und das Time-Magazin setzen auf diese Lösung. Nicht zuletzt leiten Mitarbeiter von Automattic einen nicht unerheblichen Teil an der Weiterentwicklung der Open-Source-Variante von WordPress.

Mit seiner enormen Reichweite – über 20 Prozent der zehn Millionen am häufigsten besuchten Webseiten laufen laut dem Standardisierungskonsortiums des World Wide Webs, W3C, auf WordPress-Basis – tut sich auch ein Problem auf: Soll sich WordPress auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und seine Blogging-Plattform optimieren oder sollte sich WordPress seine Eigenschaften als Content-Management-System ausbauen, die auch Webseiten von großen Firmen oder Medien tragen? In den vergangenen Jahren schien der Fokus darauf zu liegen, ein vollwertiges Content-Management-System zu entwickeln – darunter hat der Blogging-Aspekt gelitten und Raum für Konkurrenz gelassen, bei denen das Posten von Texten oder Bildern nutzerfreundlicher ist: Tumblr, Medium oder Ghost.

File-Sharer, Editor, Kuratierer: Automattic ist in Shopping-Laune

Die Blogger könnte Automattic mit seinen Übernahmen wieder stärken. Ähnlich wie Twitter mit TweetDeck verfahren ist, hat Automattic die beliebte App zum mobilen Bloggen übernommen. Cloudup und Scroll Kit versprechen für die Zukunft neuartige Möglichkeiten, um Beiträge zu erstellen. Cloudup ist eine Filesharing-Plattform mit Stream-Option, Scroll Kit erlaubt über Drag-and-Drop spektakuläre Webseiten zu erstellen. Die bekannte Snowfall-Geschichte der New York Times, die angab, über Wochen daran gearbeitet zu haben, konnte mit ScrollKit innerhalb von einer Stunde nachgebaut werden. Die New York Times fand das gar nicht lustig und schickte eine Unterlassungsanordnung. Im Gegensatz zu Cloudup hat Scroll Kit seinen eigenständigen Betrieb bereits eingestellt. Ein Anzeichen dafür, dass Elemente des visuellen Editors schon bald in den vielkritisierten WordPress-Editor eingebaut werden könnten. Womöglich stehen diese Features dann auch nur Premium-Nutzern zur Verfügung. Wie dem auch sei, der Kauf von Scroll Kit verspricht das individualisierte WordPress-Webseiten, wie sie reguläre Themes ohne zusätzliches Coden nicht zulassen.

Auch inhaltlich will sich Automattic als Kurator breiter aufstellen. Davon zeugt die Übernahme von Longreads. “Die Redaktion von WordPress.com wächst und wir sind begeistert, Teil davon zu sein“, schreibt Longreads-Gründer Mark Armstrong. Longreads kuratiert lange Texte – journalistische genauso wie Kurzgeschichten. Das Geschäft basiert auf dem Freemium-Modell: Newsletter mit ausgewählten Texten gibt es einmal die Woche umsonst, als Member kann man für drei Dollar pro Monat die Seite unterstützen und bekommt dafür jeden Tag Geschichten. Die vier Angestellten von Longform sollen in Zukunft Texte auf der “Freshly Pressed“-Seite kuratieren. Longreads läuft in bisheriger Form auch unabhängig von WordPress.com weiter.

Bei keiner der Neuerwerbungen ist bekannt, wieviel sie Automattic gekostet haben. Doch ganz billig war der Expansionskurs sicher nicht, vielleicht war Longreads auch nicht die letzte Neuanschaffung. Nicht zuletzt deshalb werden sich die Entscheider bei Automattic doch für Risikokapitalgeber entschieden haben. Den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz sieht CEO Mullenweg in der Open-Source-Bewegung. In der “Billion Dollar Club”-Liste des Wall Streets Journals setzen nur drei von 45 Firmen (Stand: Januar 2014) auf Open Source – bald kommt eines hinzu.


Teaser by Nikolay Bachiyski (CC BY 2.0)

Image by (CC BY 2.0)


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