E-Commerce: Weltbank investiert in Rocket Internet

Die Weltbank entdeckt den E-Commerce in Entwicklungsländern: mit Lamoda und Dafiti profitieren zwei Firmen des Risikokapitalgebers Rocket Internet der Samwer-Brüder davon. // von Katharina Brunner 52 kunterbunte Logos prangen auf der Webseite von Rocket Internet, ein paar von ihnen verdecken auf der Startseite die halbe Erde. Die sogenannten Ventures verkaufen alles von Autos bis Tiernahrung. […]

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Die Weltbank entdeckt den E-Commerce in Entwicklungsländern: mit Lamoda und Dafiti profitieren zwei Firmen des Risikokapitalgebers Rocket Internet der Samwer-Brüder davon. // von Katharina Brunner

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52 kunterbunte Logos prangen auf der Webseite von Rocket Internet, ein paar von ihnen verdecken auf der Startseite die halbe Erde. Die sogenannten Ventures verkaufen alles von Autos bis Tiernahrung. Unter den vielen auffälligen Logos sind zwei dunkel gehaltene Marken: Lamoda und Dafiti, Kategorie Klamotten. In diese beiden vom Risikokapitalgeber Rocket Internet gegründeten Händler wird die Weltbank investieren. Insgesamt 25 Millionen Euro sollen über die International Finance Corporaton (IFC) die E-Commerce-Unternehmen fließen: “Internetfirmen beschleunigen die Modernisierung der Lieferkette im Handel in Entwicklungsländern, was Konsumausgaben fördert“, heißt es in einer Pressemitteilung des IFC.


  • Die Weltbank investiert 25 Millionen Euro in Zalando-Klone Dafiti und Lamoda aus dem Hause Samwer.
  • Kalkül hinter der Investition ist, dass Dafiti und Lamoda Arbeitsplätze in Entwicklungsländern schaffen.
  • Lateinamerika und Russland gelten als vielversprechende Wachstumsmärkte im E-Commerce.

Die Weltbank investiert in Rocket Internet

Lamoda und Dafiti sind im Jahr 2011 nach dem Vorbild Zalando gegründet worden: Sie verkaufen Schuhe und Kleidung. Die für die Anbieter so kostenintensiven Rücksendungen sollen Kunden davon überzeugen, im Browserfenster zu shoppen. Und das Modell Zalando funktioniert auch außerhalb Europas: Lamoda ist in Russland und Kasachstan laut CrunchBase der „leading online retailer“ und leistet sich einen Expressdienst, der die Pakete einen Tag nach der Bestellung ausliefert. Dafiti verdient mit dem gleichen Geschäftsmodell in Lateinamerika: Argentinien, Chile, Mexiko und vor allem Brasilien.

Spätestens seit der Debatte um die Arbeitsbedingungen bei Amazon ist klar, dass auch Handel über das Internet physische Arbeit braucht, um die logistischen Aufgeben zu bewältigen: Aus dem Lager ins Paket, das Paket an die Haustür. Lamoda hat dafür 2.000 Angestellte, Dafiti alleine in Brasilien 1500. Zwei Drittel davon seien Frauen, lobt der IFC. Die Firmen würden darüber hinaus in der Logistik, IT und Produktion auch indirekt Arbeitsplätze schaffen. Der IFC beteiligt sich an Lamoda deshalb mit zehn Millionen Euro, an Dafiti mit 15 Millionen Euro.

Für die Weltbank-Organisation IFC sind die beiden Unterstützten nur kleine Lichter: Insgesamt habe es allein für den E-Commerce im Jahr 2013 knapp 440 Millionen Euro gegeben. Diese 440 Millionen Euro wiederum sind nur einer minimaler Anteil an den gesamten Investitionen 2013 in Höhe von etwa 18 Milliarden Euro. Der IFC versteht sich mit seinen Investitionen in die Privatwirtschaft als Entwicklungshelfer: “Wir benutzen unser Kapital, unsere Expertise und unseren Einfluß für Hilfe, um extreme Armut zu elimieren und gemeinsamen Wohlstand voranzutreiben.

Vielversprechende Wachstumsmärkte im E-Commerce

Die Investitionen in die beiden E-Commerce-Firmen sind auch betriebswirtschaftlich interessant, denn sie gehen in große Wachstumsmärkte. Die Unternehmensberatung AT Kearney veröffentlichte 2013 einen E-Commerce Index für Entwicklungsländer, auf dem sich in den Top 5 nach Spitzenreiter China vier Länder tummeln, in denen Lamoda und Dafiti aktiv sind. Brasilien, Platz 2, hat den größten Markt in Südamerika, aber Probleme mit der Logistik. Russland, Platz 3, ist der E-Commerce vor allem auf die großen Städte beschränkt. Chile, Platz 4, sei “Lateinamerikas verstecker Juwel“: Gute Technologie-Infrastruktur und eine Bevölkerung ohne Scheu vor E-Commerce. Mexiko, Platz 5, der zweitgrößte Markt Lateinamerikas nach Brasilien, punktet vor allem mit Erwartungen: “internationale Händler wollen das Potential kapitalisieren“.

Anteile von Lamoda und Dafiti gehören – genauso wie bei Zalando – Rocket Internet, der Beteiligungsgesellschaft der berühmt-berüchtigten Samwer-Brüder. Ihnen wird nachgesagt, dass sich ihre Geschäftsmodelle sogenannte Copy-Cats sind. Positiv ausgedrückt: “Wir konzentrieren uns auf erprobte Geschäftsmodelle“, sagt Geschäftsführer Alexander Kudlich im Interview mit der Berliner Morgenpost.

Dennoch bleibt Rocket Internet ein Risikokapitalgeber, dessen Fokus nicht auf nachhaltigem Wirtschaftswachstum liegt, sondern darauf, ein funktionierendes Geschäft mit möglichst viel Umsatz aus dem Boden zu stampfen: ”In aller Regel dauert es drei bis fünf Jahre“, sagt Kudlich im Interview. “Was mit ihnen geschieht – ob sie lange gehalten oder veräußert werden –, entscheiden am Ende die Gesellschafter.” Und zu denen gehören neben privaten Kapitalgebern jetzt mit sechs Prozent bei Dafiti und knapp sieben Prozent bei Lamoda eine öffentliche Institution. Das stößt nicht überall auf Verständnis. Yip Ta studiert Global Business Management an der Uni Augsburg und kann die Entscheidung des IFCs nicht nachvollziehen: “Warum sollte die Weltbank gerade ein Unternehmen fördern, das sich für Konsummaximierung einsetzt? Es gibt sicher genügend andere Unternehmen, die nachhaltiger zur wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes beitragen.


Teaser & Image by Rocket Internet


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E-Commerce: Online-Marketing ist gut, Vertrauen ist besser

Warum Unternehmen im E-Commerce trotz Banner, Re-targeting und SEO auf TV-Werbung setzen? Es geht um Vertrauen. // von Katharina Brunner “Wer kennt MyMüsli?”, fragt Max Wittrock, Mitgründer des Müsli-Startups. So gut wie alle Studenten in Regensburg heben ihre Hände. Ein paar Wochen später fragt Lars Jankowfsky, Mitgründer der Flugsuchmaschine Swoodoo: “Wer hat schon mal eine […]

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Warum Unternehmen im E-Commerce trotz Banner, Re-targeting und SEO auf TV-Werbung setzen? Es geht um Vertrauen. // von Katharina Brunner

Watching TV (Bild: Davidd [CC BY 2.0], via Flickr)

Wer kennt MyMüsli?”, fragt Max Wittrock, Mitgründer des Müsli-Startups. So gut wie alle Studenten in Regensburg heben ihre Hände. Ein paar Wochen später fragt Lars Jankowfsky, Mitgründer der Flugsuchmaschine Swoodoo: “Wer hat schon mal eine Swoodoo-Werbung im Fernsehen gesehen?” Das gleiche Bild: Fast jeder meldet sich. Wieder Zeitsprung, zwei Wochen später: “Wer kennt Zalando nicht?” Es ist eine rhetorische Frage, die Oliver Roskopf, Head of Online Marketing des Versandhändlers, stellt – keine Überraschung, niemand meldet sich.


  • Trotz Online-Marketing bleibt Fernsehwerbung wichtig – besonders im E-Commerce.
  • Laut Umfrage vertrauen Kunden Werbung im TV mehr als im Internet.
  • Online-Händler sind durch ihren Informationsvorsprung verstärkt auf Vertrauen angewiesen.

TV-Werbung ist wichtig für die Markenbildung

Interessant – drei Referenten bei einer Ringvorlesung über E-Commerce an der Uni Regensburg testen auf eine nicht ganz kreative, aber immerhin effektive Weise die Bekanntheit unter den Zuhörern: Männer und Frauen in ihren Zwanzigern, bestes Zielgruppenalter und nach den Studium wahrscheinlich auch in der richtigen Einkommensklasse.

Alle drei Männer betonen, wie wichtig TV für die Markenbildung ist. Doch so richtig passt das nicht zu hippen E-Commerce-Startups. Denn die Menschen im Internet sind sich ja schon seit Jahren einig: Fernsehen ist tot, lineares Programm schon halb verwest und riecht nach Vergangenheit.

Dennoch behaupten die Drei unabhängig voneinander, dass es ohne Fernsehen nicht geht, zeigen stolz die Spitzen in den Zugriffszahlen kurz nachdem ein Spot lief. Also: Kann man noch so viel Online-Marketing, Re-targeting und SEO machen – ohne Fernsehen geht’s trotzdem nicht?

Die Antwort ist simpel, banal und nichts, was man nicht schon gehört hätte. Trotzdem ist sie es wert, wiederholt zu werden, denn sie ist das Herzstück eines jeden Unternehmens: “TV schafft unglaublich viel Vertrauen”, sagt Jankowfsky, der Swoodoo-Gründer, der heute bei Yatego arbeitet.

E-Commerce-Unternehmen sind auf Vertrauen angewiesen

Und das Vertrauen in Werbung ist dann am höchsten, wenn Reklame im Fernsehen oder in der Zeitung erscheint, glaubt man einer 2013 unter europäischen Konsumenten durchgeführten Umfrage des Marktforschungsunternehmens Nielsen.

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Zugegegeben, das Vertrauen in beide Medien ist mit 46 Prozent nicht besonders überwältigend, aber immer noch höher als bei Online-Marketingformaten, denen höchstens 35 Prozent der Befragten trauen.

Das Medienbeobachtungsunternehmen XAD beziffert den Anteil von TV-Spots im ersten Halbjahr 2013, die auf E-Commerce zielen, auf 14 Prozent. Das Bruttomedia-Volumen beläuft sich auf 670 Millionen Euro. Jeder siebte Spot, so die Botschaft, ist auf Verkauf im E-Commerce gerichtet. Bezieht man aber mit ein, dass XAD nicht nur reine E-Commerce-Unternehmen gezählt hat, sondern auch “klassische Unternehmen, die ihre Produkte über einen Onlineshop anbieten”, fällt die Bilanz schon weniger rosig aus. Es zählt also beispielsweise nicht nur die Werbung von Zalando, sondern auch von Media Markt oder seinem Schwesterunternehmen Saturn. Denn diese Firmen verkaufen ihre Produkte nicht nur im stationären Handel, sondern auch über Webshops – ergo: E-Commerce.

Neben Vertrauen soll die Werbung auch Aufmerksamkeit verursachen

Ein differenziertes Bild ergibt sich durch die Kosten: 1000 Euro pro Spot müssen die werbenden Unternehmen durchschnittlich einplanen, so XAD. Allerdings sind nur zehn Unternehmen für ein Drittel aller Spots verantwortlich. Und diese Zehn zahlen deutlich mehr: 2900 Euro im Schnitt für eine Ausstrahlung. Das spricht dafür, dass die bereits etablierten Unternehmen bei den großen Sendern Werbeplätze kaufen, kleinere Firmen dagegen erstmal mit wesentlich niedrigeren Summen bei Nischensendern werben.

Warum ausgerechnet beim E-Commerce die Vertrauensbildung durch das Fernsehen so hoch im Kurs steht, liegt auch in der Natur der Sache: Die Händler haben immer einen Informationsvorsprung. Ich kann mir die Kleidung nicht ansehen, bevor ich ich sie bei Zalando bestelle. Die Qualität eines Müslis kann ich erst testen, wenn ich es bekommen und gegessen habe. Noch komplexer wird es bei Swoodoo und der Vielzahl an Flügen: Ob es wirklich der günstigste ist, den mir die Seite angibt, kann ich als Kunde kaum gegenprüfen. Es bleibt mir nur übrig, der Plattform zu vertrauen.

Doch Vertrauen ist nur der erste Schritt. Nachdem MyMüsli-Mitgründer Max Wittrock fragte, wer seine Firma kennt, stellte er eine Anschlussfrage: “Und wer hat schon mal gekauft?” Fast niemand meldet sich.


Teaser & Image by Davidd (CC BY 2.0)


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