Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Lesenswertes: Medium, Holocaust und künstliche Intelligenz

Medium, Centralized Publishing and the Future of the Blog

Medium ist das neue Medium (hust). Zumindest ist es die Blogging-Plattform, die im Moment en vogue ist: Einfache Bedienung, großartiges Design und viele namhafte Autoren, die dort publizieren. Doch es ist nicht alles rosig. Martin Weigert beschreibt die Nachteile, die sich aus einer zentralen Plattform ergeben, sei sie auch noch so verführerisch, und plädiert für dezentrale Blogs. Hooray!

„While Medium thrives, the yearly “is blogging dead?” meme goes into another round. And while even this time the answer has to be a clear “no”, which anyone who actually reads blogs will realize, there is a risk that blogging in the sense of a democratic, decentralized publishing system, might die out for real. Not because of a lack of interest in the creation of digital content, but because everybody will have moved to a few centralized platforms. Even this has been a discussion almost as old as blogging itself. But with Medium, this free, high-quality, elegant, usable publishing platform that comes with an effective built-in distribution mechanism, there is now a centralized publishing system with an allure never seen before.“

20 Pictures That Change The Holocaust Narrative

holocaust narrative

„Seriously, how is this image not beyond famous by now? Depicting a woman at the shortly after her liberation, so skinny you can hardly see her, her face is aglow and alive. As if she was never imprisoned.“

via Raphael Raue

The AI Revolution: The Road to Superintelligence

Ich übernehme mal David Bauers Empfehlung:

„Ein atemberaubend guter Text und eigentlich Pflichtlektüre für alle, die planen, noch zwei, drei Dekaden auf diesem Planeten zu verbringen.

Man liest ja viel von künstlicher Intelligenz und denkt dann an den reichlich beschränkten Siri oder hört von Fantasten, die von Singularität und Unsterblichkeit reden. Dieser Text ist der erste, der mir verständlich gemacht hat, wie der Weg vom einen zum anderen verläuft.“

Ein Zitat aus dem Text, der aber nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Aspekte ist, die besprochen werden:

„Build a computer that can multiply two ten-digit numbers in a split second—incredibly easy. Build one that can look at a dog and answer whether it’s a dog or a cat—spectacularly difficult. Make AI that can beat any human in chess? Done. Make one that can read a paragraph from a six-year-old’s picture book and not just recognize the words but understand the meaning of them? Google is currently spending billions of dollars trying to do it. Hard things—like calculus, financial market strategy, and language translation—are mind-numbingly easy for a computer, while easy things—like vision, motion, movement, and perception—are insanely hard for it. Or, as computer scientist Donald Knuth puts it, “AI has by now succeeded in doing essentially everything that requires ‘thinking’ but has failed to do most of what people and animals do ‘without thinking.’”

Automechaniker sind nicht automatisch gute Verkehrsplaner

Technische Begriffe wie “Daten” und “Algorithmen” verschleiern dabei nur allzu oft, dass die drängenden Fragen sich um Zugang, Teilhabe, Machtverteilung und Diskriminierung drehen. Sie implizieren die Angemessenheit des technischen Zugangs, schieben die Deutungshoheit auf die Technologen, die sich dann nur all zu oft in einem undurchdringlichen Wirrwarr aus Fachbegriffen verlieren.

aus: Automechanik und Verkehrsplanung

Lesenswertes: Daten, Politik und Drogen

  • Lexington: When facts are weapons | The Economist – Daten nehmen auch in der politschen Debatte immer mehr Raum ein. Warum die Streitereien trotzdem verhärtet bleiben, v.a. in den USA, der Perspektive des Textes im Economist? Ganz klar: Auch Daten sind nicht neutral, je nach Methode der Erhebung kann das Ergebnis beeinflusst werden: "Alas, there is a gap between the high-minded empiricism all around, and the nasty tone of political debate. Poisonous distrust is part of the puzzle: each faction distrusts the other’s methodologies. (…) Tribal instincts nearly always trump the careful weighing of facts, especially when partisans stress that experts disagree among themselves."
  • Exclusive: Meet the Fed’s First Line of Defense Against Cyber Attacks – "The Fed is perhaps the best of the federal agencies in developing their cyber skills, outside the FBI and the National Security Agency," said Alan Paller, the director of research at the SANS Institute, which teaches cyber security courses for government employees.
  • Ralf Dahrendorf on The Politics of Frustration – Project Syndicate – "Extreme poverty breeds apathy, not rebellion. (…) What we call “terrorism” has many causes, and one must beware of facile explanations. However, the politics of frustration, of ambitions raised and then thwarted, is clearly one such cause."
  • Patrick Radden Keefe: Catching the World’s Most Notorious Drug Lord : The New Yorker – Der Aufstieg, die jahrelange Flucht und schließlich die Festnahme des mächtigsten Drogenboss' in Mexiko beschreibt der relativ lange Text im New Yorker. Einmal wurde Guzmán, genannt Chapo, fast geschnappt, weil sein BlackBerry geortet wurde. Daraufhin entwickelte er ein System, bei dem jede Nachricht an ihn, über ein zweistufiges System von Mittelsmännern ging, die über ständig wechselnde öffentliche WLAN-Zugänge Kontakt mit Guzmán aufbauten. Die D.E.A., die US-Strafvollzugsbehörde nur für Drogen, beschreibt den Analphabeten Guzmán: "He’s an illiterate son of a bitch, but he’s a street-smart motherfucker."
  • Thomas Piketty and Our New Economic Worldview — NYMag – Ökonomisches Denken, das auf Daten basiert, greift auch im politischen und medialen Diskurs immer weiter um sich. Neuestes Anzeichen: Der Erfolg von Thomas Pikettys Buch "Capital in the 21st century".

Barack Obama, David Cameron und eine unbekannte blonde Frau, die sich als die dänische Ministerpräsidenten Helle Thorning Schmidt entpuppt, haben bei vierstündigen Trauerfeuer für Nelson Mandela ein Selfie von sich gemacht. Der AFP-Fotojournalist Roberto Schmidt hat die Geschichte hinter dem Foto erzählt. Er schreibt unter anderem:

„I took these photos totally spontaneously, without thinking about what impact they might have. At the time, I thought the world leaders were simply acting like human beings, like me and you. I doubt anyone could have remained totally stony faced for the duration of the ceremony, while tens of thousands of people were celebrating in the stadium. For me, the behaviour of these leaders in snapping a selfie seems perfectly natural. I see nothing to complain about, and probably would have done the same in their place. The AFP team worked hard to display the reaction that South African people had for the passing of someone they consider as a father. We moved about 500 pictures, trying to portray their true feelings, and this seemingly trivial image seems to have eclipsed much of this collective work.“

P.S.: Michelle Obama war gar nicht angepisst, auch wenn sie auf dem Bild so guckt. Mehr dazu ebenfalls im Text von Schmidt.

P.P.S.: Die Fotorechte liegen selbstverständlich bei AFP Photo / Roberto Schmidt.

Making of: Sitzverteilung im bayerischen Landtag

Fast wären ersten Gehversuche mit D3.js in dem ewigen Unter-unter-unter-Ordner verschwunden. Doch gestern habe ich mich doch noch einmal zusammengerissen und eine Visualisierung der Sitzverteilung im bayerischen Landtag seit 1946 fertiggestellt.
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Der dritte Weg

Sparen oder nicht Sparen? Das ist die Frage, um die die Debatte in der Ökonomie zur Schuldenkrise kreist. Dirk Elster vom Blickblog, bezeichnet den Streit zwischen den beiden Polen als Glaubenskrieg. Er möchte einem dritten Pfad folgen, der zwischen Austerität und keynesianischer Konjunkturpolitik liegt: 

In einem Glaubenskrieg, das wird gerne übersehen, muss man nicht zwingend auf einer der beiden Seiten stehen. Man kann sich einem anderen Glauben anschließen oder einfach skeptischer Atheist bleiben.


Das Nachdenken könnte z.B. einmal dort starten, wo eigentlich die konjunkturrelevanten Entscheidungen getroffen werden. Diese werden nicht bei Zentralbanken oder in Finanzministerien getroffen, sondern bei Verbrauchern und Unternehmen. Und deren Hauptentscheidungsparameter sind gerade nicht ökonomische Makrovariablen.

Damit sind wir wieder bei der Psychologie oder – wie Keynes sagte – den Animal Spirits. Diese nicht-rationalen Motive und Verhaltensweisen, die sich kaum in Modelle einbauen lassen: Nicht-rationales Verhalten hat eine Vielzahl, womöglich sogar unendlich viele, Handlungsmöglichkeiten. Im Gegensatz dazu ist Rationalität richtig bequem: Es gibt eine, und wirklich nur eine einzige, Handlung, die optimal ist, deren Ableitung also Null ist – da lässt sich dann wirklich schön rechnen. 

Nun gut, was ist also dieser dritte Weg? Weil auch Elster es nicht weiß, trifft er sich auf Einladung der Piratenpartei mit den Bloggern Patrick Bernau von der FAZ und Mark Dittli von der NZZ zu einer Diskussion zum Thema:Wege aus der Krise (Gibt es einen dritten Weg abseits der ökonomischen Dogmen?). 

Meet the Man Who Sold His Fate to Investors at $1 a Share

Mike Merrill hat 2008 100 000 Anteile von sich selbst für jeweils einen US-Dollar verkauft. Die Anteilseigner bekommen so das Recht, über ihn und sein Leben zu bestimmen: Wann er schläft, wann er arbeitet, was mit seiner Lebensversicherung passiert (natürlich wird sie unter ihnen aufgeteilt). Seine Freundin hat mit 19 Anteilen nur ein Stimmrecht von unter einem Prozent, ihre Meinung spielt daher zwangsläufig nur eine untergeordnete Rolle. Als es darum geht, ob Mike sich sterilisieren lassen soll, kann sie nur knapp eine Mehrheit dafür verhindern.

Das ist jetzt nur die Hälfte der abstrusen und beängstigenden Geschichte auf Wired. Unbedingt lesen!!!

via @hakantee

Was ist Ihnen das Leben dieser Maus wert?

Viele Volkswirte sehen ihre Wissenschaft als frei von normativen Fragestellungen. Konsequenterweise hat Moral in den meisten Aufsätzen keinen Platz.

Bloß, wie testet man, ob die Moral am Markt besonders gefährdet ist?


Die Antwort der Forscher: Teilnehmer eines Experiments sollten entscheiden, ob sie in einer Welt von Angebot und Nachfrage für Geld eine Sünde begehenwürden. Aber welche? Da half der Zufall. Von einem Medizinforscher erfuhr Falk, dass es Labors gibt, die massenweise genetisch veränderte Mäuse für Experimente züchten – und diejenigen vergasen, bei denen die Manipulation versagt. Für ihr Experiment arbeiteten Falk und seine Mitstreiter mit einem solchen Labor zusammen. Die Sünde, das würde nun das Töten von Mäusen sein.

So viel sei schon mal verraten: Moralische Werte scheinen am Markt keine große Rolle zu spielen.

 The Suicide Epidemic

In der „Newsweek“ nimmt man sich ausführlich des Themas Suizid an und spricht unter anderem mit einem Psychologen, der eine Theorie des Selbstmords entwickelt hat.

Why do people die by suicide? Because they want to. Because they can. Dozens of risk factors banged down to a formula he shared with me in his office: “People will die by suicide when they have both the desire to die and the ability to die.” When he broke down “the desire” and “the ability,” he found what he believes is the one true pathway to suicide.

Pluspunkt: Eine wirklich großartige Webseite, auf das Lesen großen Spaß macht.

Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche

Schandfleck abgebrochenes Studium: Wirklich souverän gehen Bundestagsabgeordnete, die ihr Studium – meistens zugunsten der Politik – aufgegeben haben, nicht damit um. Die FAZ hat die Betroffenen befragt und besonders bei der Union scheint ein fehlender Abschluss schwierig.


Lesenswertes: Macht und Selbstzerstörung

The Self-Destruction of the 1 Percent — Die Journalistin Chrystia Freeland schlägt den Bogen von den alten Veneziern zu den Vereinigten Staaten. Deren Gemeinsamkeit: Die Elite will sich von den anderen abgrenzen – und bringt sich so in Gefahr sich selbst zu zerstören. In Venedig sicherte sich der Adel in der sogenannten „Serrata“ die Macht:

Venice’s elites were the chief beneficiaries. Like all open economies, theirs was turbulent. Today, we think of social mobility as a good thing. But if you are on top, mobility also means competition.


The story of Venice’s rise and fall is told by the scholars Daron Acemoglu and James A. Robinson, in their book “Why Nations Fail: The Origins of Power, Prosperity, and Poverty,” as an illustration of their thesis that what separates successful states from failed ones is whether their governing institutions are inclusive or extractive. Extractive states are controlled by ruling elites whose objective is to extract as much wealth as they can from the rest of society. Inclusive states give everyone access to economic opportunity; often, greater inclusiveness creates more prosperity, which creates an incentive for ever greater inclusiveness.

Bottom Line: Gesellschaften können also dann besser überleben, wenn sie möglichst viele Menschen an der Wirtschaft teilhaben lassen.

Noch ein sehr bezeichnendes Zitat aus dem Text (über das ich auf neunetz überhaupt erst auf den Artikel aufmerksam wurde):

Businessmen like to style themselves as the defenders of the free market economy, but as Luigi Zingales, an economist at the University of Chicago Booth School of Business, argued, “Most lobbying is pro-business, in the sense that it promotes the interests of existing businesses, not pro-market in the sense of fostering truly free and open competition.”


GES 2011: Concluding Remarks

Folgender Beitrag entstand während des Global Economic Symposiums, das am 4. und 5. Oktober 2011 in Kiel stattfand. Alle Artikel sind auf zu finden.

Between the coast, the main train station and a run-down parking garage, the GES 2011 was a great event. Here are some concluding remarks:

A recurring claim: New mechanisms

One statement that appeared in all panels was that old mechanisms for governments interacting with each other on a global level don’t work anymore. They were designed in an other time after the Second World War: The Bretton-Woods-System and its executive institutions, the International Monetary Fund (IMF) and the World Bank took care about the financial systems and the economic development of what used to be called Third World Countries.

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India in the 21st century: An interview with Arun Maira

Folgender Beitrag entstand während des Global Economic Symposiums, das am 4. und 5. Oktober 2011 in Kiel stattfand. Alle Artikel sind auf zu finden.

  • Arun Maira is an elegant man with grey hair, strong tractions and a smile that makes him look like a boy. He seems pretty vital for a 67 old man. Living in Dehli, India,  he serves there as a member of the economic planning commission. He had studied physics before working for Tata Group for 25-years. Later he was with the Boston Consulting Group. He publishes articles and books.
  • The Planning Commission of India is a governmental institution, that gives directions for economic development in five-year plans. Until 1990s the policies were rather restrictive, following socialist ideas. Since then, economic policy has changed and the economy opened up. The latest,eleventh five-year plan is for 2007 to 2012.
  • In an interview in the wine cellar of the hotel Atlantic Arun Maira talks about India’s economic situation, the need of participation in a democracy and an a better system in the “new normal”.
India’s economy was liberalized in the early 1990s. Why is there still a planning commission?

Arun Maira: Because there was one. When things change it takes a while. Two years ago, when the new government came, they asked the question you are asking. And the answer was: No, we should not have a Plannig Commission. The challenges in India are a lot of change for the country. For doing the right thing you need to have a kind of radar. The planning commission need cannot say the people what to do or not to do like 50 years ago, but you can give them very good insight and information. This required to be fulfilled by somebody and the best organization available is the Planning Commission. (mehr …)