Leaflet.js: Regensburg und seine Migranten

Ein bisschen mit Karten spielen Teil 2322: Dieses Mal mit Migranten in Regensburg.

Die Daten habe ich mit Tabula aus dem Vierteljahresbericht 2013 der Stadt Regensburg gescrapt. Sie waren die ersten, die Angaben zu Stadtteilen hatten und mir untergekommen sind. Die Geodaten der Stadtteile habe ich ebenfalls von offizieller Stelle.

In der Vergangenheit hatte ich immer das Problem, diese zwei Datensätze zusammenzufügen. Nachdem ich im letzten Wintersemester eine Vorlesung zu GIS belegt habe, war mir klar, dass das der way to go ist: Mit GIS-Software mergen – und nicht in der Kommandozeile, so wie ich das vor etwa einem Jahr probiert hatte. Das Ende vom Lied waren zwei neue Benutzer auf meinem Computer. Das passiert, wenn man Copy-Pasted und keine Ahnung hat davon …

Also: Wie Geodaten, zum Beispiel eine im Geojson-Format und eine csv-Datei zusammenfügen? Mit der Open-Source-Software QGIS. In der Uni haben wir ArcGIS benutzt, aber QGIS ist dem sehr, sehr ähnlich.

Aber dabei gibt es ein Problem: Alle Einträge der csv-Datei sind automatisch Strings. Es gibt aber einen Weg, das zu verhindern. Dazu muss man eine zweite Datei erstellen, die denselben Namen wie die .csv-Datei trägt, jedoch mit der Endlung .csvt. In diese .csvt-Datei werden dann in einer Zeile die Datentypen notiert. Zum Beispiel:

"string", "integer", "real"

Danach muss die Datei über Layer –> Delimited Tab Layer importiert werden. Dadurch werden die Datentypen automatisch erkannt, solange die .csv und .csvt-Datei den gleichen Namen haben und im gleichen Ordner liegen.

Andere Varianten, um die .csv-Datei in QGIS zu laden, wie einfach reinziehen oder als Vector Layer zu laden, haben bei immer dazu geführt, dass alle Datenpunkte wieder Strings waren.

Wo waren wir? Wir haben eine Datensatz mit passenden Datentypen und die Geodaten zusammengeführt. Diese kann nun exportiert werden und dann als Geojson-Datei zum Beispiel in Leaflet weiterverarbeitet werden.

Doch halt! So leicht ging es nicht. Die direkt aus QGIS exportierte Datei wurde bei mir über Leaflet nicht ausgespielt. Erst wenn ich sie bei CartoDB hochgeladen und wieder exportiert habe, hat es funktioniert. Weiß der Geier, warum.

Das Ergebnis: Eine Karte mit Leaflet. Für die Klassifizierung, Infobox und Legende habe ich das Leaflet-Tutorial benutzt.

Und nun? So ganz ohne Kontext ist das ein bisschen langweilig. Deshalb habe ich mir überlegt, Texte zum Thema von der Mittelbayerischen Zeitung und Regensburg Digital einfließen zu lassen. Doch: Bei beiden Medien ist nicht möglich, Artikel zu diesem Thema einigermaßen automatisiert, z.B. via Feed, auszulesen. Bei Regensburg-Digital finde ich zum Beispiel nur das Schlagwort „Flüchtlinge“, bei der Mittelbayerischen gar keine Tags. Über einen Alert bei Google News würde zu viel Unpassendes mitgeschwemmt und für eine händische Auswahl, die in zwei Tagen wieder obsolet wäre, fehlt mir die Motivation. Dann eben nur die Karte.

Sonderseite der Lautschrift zu den Hochschulwahlen

Für die Hochschulwahlen der Uni Regensburg haben wir bei der Regensburger Studentenzeitung Lautschrift eine Sonderseite gebastelt: Videos, kurze Texte, Grafiken.

In der Vergangenheit haben wir dafür ein gedrucktes Heft produziert, wir hatten aber das Gefühl, dass das nicht besonders viele Leute erreicht – auch, weil die Hochschulwahlen sowieso fast niemanden interessiert. Eine Wahlbeteiligung knapp über zehn Prozent spricht Bände. Online konnten wir uns bei Sachen ausprobieren, die uns wirklich Spaß machen: Ich beim Webdesign, mein Kollege bei den Videos.

Und womöglich bin ich mit dem Scrolling-Effekt zu Beginn dem verfallen, das ich sonst gerne kritisiere: Etwas zu tun, nur weil man es kann, obwohl es eigentlich keine Bedeutung hat. Doch im Laufe des Coding-Tages ist mir eine Methode von Codrops in die Hände gefallen, die verschiedene Scrolling-Effekte zulässt – und swoooosh – war’s auch schon eingebaut.

Die Seite basiert auf HTML5, CSS3 und benutzt das Bootstrap-Grid. Fitvids.js benutze ich, damit sich die eingebundenen Youtube-Videos der Display-Größe anpassen. Die Datawrapper-Grafiken und das HTML5-Audioelement tun das nicht, denn am Schluss musste es schnell gehen. Mit einer transparenten fixen Navigationsleiste habe ich den neuesten Webdesign-Trend eingebaut.

Semestermeter

Manchmal lasse ich meine Finger an ihr entlangleiten, so manche Narben und Dellen hat sie mit der Zeit bekommen. Sie ist kalt, als wäre sie tot.

Über 20 000 Menschen verkehren regelmäßig an der Uni. Sie stopfen rein und lassen raus. 6000 Essen werden an einem guten Tag in der Mensa verkauft, hunderte Leberkaassemmeln verdrückt. Dann warten sauber-schmutzige Toiletten, bei denen die Handtücher schon alle feucht sind, aber es zumindest immer Klopapier gibt.

Den Mythos »Sex am Uniklo« wollte das Magazin Unicum vor zwei Monaten suchen, gefunden hat es ihn nicht. Der Hausmeister einer großen Ruhrgebiets-Universität kennt aktuell keine Fälle von Sex auf dem Klo, heißt es. Sex in universitären Bedürfnisanstalten – nur Sprücheklopferei in den Kabinen.

Das Fleisch scheint schwach, aber der Wille wäre stark. Und so stalken bei Facebook seit Anfang des Jahres Tausende ein paar Dutzend Kontaktanzeigen aus dem Mikrokosmos Uni/Hochschule. Anonyme Gossip-Girl-Gerüchteküche paart sich mit charmanten, verzweifelten, sexistischen Druck-Ablass-Mitteilungen. Erfolgsquote? Wahrscheinlich irgendwo zwischen Sex auf der Uni-Toilette und der Chance auf warmes Wasser zum Händewaschen.

»Data journalism is like sex at university – everyone talks about it; few do it; fewer still do it well«, twitterte der Journalist Paul Bradshaw zu einem gänzlich anderen Thema. Mehr Sex in der Lautschrift habt ihr bei der Umfrage »Wer ist wir?« gefordert. Sex, Drogen und ausgewählte Kurzgeschichten von russischen Autoren um 1900.

Manchmal lasse ich meine Finger an ihr entlangleiten, so manche Narben und Dellen hat sie mit der Zeit bekommen. Sie ist kalt, als wäre sie tot. Grau in grau steht unsere Alma Mater auf einer leichten Anhöhe. Hier gibt’s nur Shades of Grey. 

Erschienen in der letzten Lautschrift

Was ich in letzter Zeit so gemacht habe

Manchmal gibt es tatsächlich Dinge, in die ich wahnsinnig gerne Enthusiasmus und Motivation hineinstecke – und nicht mal über den Aufwand oder sonstiges schimpfe (!). Dieses Zauberdings ist die Lautschrift, das Studierendenmagazin der Uni Regensburg. Meine Mitstreiter und ich haben in den vergangenen Monaten wesentlich mehr Zeit hineingesteckt als in die regulären Univeranstaltungen, schließlich waren da drei Perfektionisten auf einem Haufen. Und das ist dabei herausgekommen: Die Lautschrift, Ausgabe 12, zum Thema “Hysterie”.

Weil wir ja so wahnsinnig professionell sind, haben wir natürlich auch einen Pressetext:

Ob Weltuntergang oder Krise, EHEC oder Schweinegrippe, Anmeldefristen oder Flexnow – die Hysterie ist allgegenwärtig. Sie ist zum Treiber unserer Gesellschaft, Politik und Gefühlswelt geworden. Für die Studierenden-Zeitschrift der Uni Regensburg, Lautschrift, war das Grund genug, dieses Phänomen genauer unter die Lupe zu nehmen und zum Titelthema der neuen Lautschrift-Ausgabe zu machen.

Acht Autoren beschäftigen sich in ihren Beiträgen mit der »Dauerhysterisierung« der Gesellschaft, der Krankheitserreger-Hysterie, der Hysterie vor dem prophezeiten Weltuntergang 2012, der »Torschlusspanik« bei Studenten, der Job-Hysterie bei Lehramtsanwärtern, der Hysterie vor Abschlussprüfungen und, last but not least, mit der Bürokratie-Hysterie an der Uni Regensburg.

Wie gewohnt finden sich auch Themen über Uni, Gesellschaft, Kunst und Politik im Heft. Wie lässt sich ein Studium mit einem Kind bewältigen? Wer steckt eigentlich hinter den gelben Tonnen in den Cafeten? Wie schafft man es von einer Schokowaffelwerbung-Persiflage zu ProSieben? Die Antworten auf all diese Fragen könnt ihr ab dem 16. Januar in der neuen Ausgabe der Lautschrift nachlesen.

Die Antwort auf eine Frage sei schon einmal vorweg genommen: Wie schafft man es nun eigentlich, mit der Hysterie zu leben? Man muss sich daran gewöhnen. Und wem das Warten auf die Apokalypse zu lang wird, der kann sich nun die Wintersemester-Ausgabe der Lautschrift holen: diese Woche Dienstag bis Donnerstag mittags vor der Mensa, überall auf dem Campus oder direkt vor dem AStA-Zimmer. Werdet hysterisch und holt sie euch!

Ach ja, eine nigelnagelneue Webseite hat die Lautschrift auch.

Und hier ist das gute Ding. Richtig toll ist sie natürlich nur in gedruckt, aber diese Flash-Version erzeugt zumindest Magazin-Feeling.

Viel Spaß dabei! Kritik? Anmerkungen? – Nur her damit!

Zur Vollversammlung der Uni Regensburg

Vor wenigen Minuten ist die Vollversammlung der Studierenden an der Uni Regensburg zu Ende gegangen. Das wichtigste Resultat nach drei-stündiger Diskussion: Die Verwaltung der Uni Regensburg wird sofort besetzt. Nach einer halben Stunde kam die Revision. Die Versammlung war nicht beschlussfähig. Und das ist auch gut so. Falsche Nachricht: Die Verwaltung ist doch besetzt.

Denn: Eine Besetzung soll das allerletzte Mittel des Protests sein. Hier ist es aber gerade umgekehrt: Bevor irgendwelche anderen Mittel zu Rande gezogen werden, wird besetzt. Genau das war auch schon der Fehler bei der Besetzung des H2 vor ziemlich genau zwei Jahren: Es gab keine KONKRETEN Forderungen und Ziele. Das hat die Studierendenschaft eher gegen die Besatzer aufgebracht.

Klar, kann man da sagen: Die Occupy-Bewegung hat auch keine klaren Forderungen, aber trotzdem Gewicht. Ja, das haben sie, aber deshalb, weil sich viele Menschen mobilisieren lassen. Das kann von der Uni Regensburg nicht behauptet werden (Was ich von der Besetzung mitnehmen konnte: Ein gratis Auftritt des Kabarattisten Josef Hader).

Der Beschluss zur erneuten Besetzung war in meinen Augen undemokratisch. Abgesehen davon, dass erschreckend wenige zu der Vollversammlung erschienen sind (ich schätze, dass zu Beginn die Plätze des Audimax’ zu etwa 2/3 besetzt waren), sind zusätzlich in den folgenden zwei Stunden immer mehr Leute abgehauen, sodass zum Schluss vielleicht 100, vielleicht auch 200 Studierende darüber abgestimmt haben, ob die Uni besetzt werden soll. (Ich habe dagegen gestimmt).

Egal, ob man die erneute Besetzung für sinnvoll hält: Das Desinteresse der Studenten und Studentinnen an der Uni an Mitbestimmung ist erschreckend! Wie erwähnt, war der Audimax nicht annähernd voll besetzt und das bei über 20.000 eingeschriebenen Leuten. Und ich wage zu behaupten, dass der Großteil Dinge am Unisystem auszusetzen hat: Seien es die Studienbeiträge, das Bachelor-Master-System, die fehlende Grundfinanzierung durch die Landesregierung in München, die überfüllten Hörsäle oder auch nur die fehlenden Parkplätze und vollgestopften Busse des RVV.

Und dann kommt der Vorwurf auf: “Die labern doch nur und bringen eh nichts zu Rande”. Das liegt aber daran, dass die Studierenden keine Macht haben. Bayern ist das einzige der 16 Bundesländer, in denen die Studenten und Studentinnen kein Mitbestimmungsrecht haben – und zwar schon fast 40 Jahren. 1973 hat die Landesregierung die Parlamente, Asta usw. abgeschafft und zwar mit “um den terroristischen Sumpf trocken zu legen.” Das ist natürlich ein Witz!

Meiner Einschätzung nach, kann das aber nur durch einen Weg verbessert werden. Ihr müsst zu den Hochschulwahlen gehen! Würde ich in der Staatskanzlei oder dem Kultusministerium sitzen und dann sehen, dass die Wahlbeteiligungen Jahr für Jahr unter 20 Prozent liegen, dann würd ich mir auch denken: Die haben doch keinen Bock darauf. Dass das natürlich auch daran liegt, dass sich jeder der Machtlosigkeit der Gremien bewusst ist, ist ein Teufelskreis.

Menschen, Castings, Sensationen

Der Bus steht an der Albertstraße, dem Busbahnhof in Regensburg, schon wieder seit Minuten, die viel zu langsam vergingen als eine Gruppe Jugendlicher in den Bus stieg. Sechs, sieben angetrunkene junge Männer, Flasche Schnaps in der Hand und gut drauf. Sie visieren schnell den Typen vor mir, der in seiner blauen Trainingsjacke und dem weißen Adidas-Cappi, das er verkehrt herum trägt, vor mir sitzt. Er wippt zu schneller Musik oder zittert, aber nicht so als ob er friert, langsamer.

“Ey, Shadow”, schrie einer und die anderen echoten den Ruf nach. “Ey, Shadow”, nochmal. “Du bist scheiße“: “Schämst du dich gar nicht”. Ich konnte die Aussagen keinem zuordnen. Immer wieder glucksen vom betrunkenen Lachen. Als einer der Jungs “X-Factor war scheiße” sagt, beginne ich die Sache zu durchblicken. Diese Casting-Show auf VOX, von dem an der Eisernen Brücke so ein großes Plakat steht. Sarah Conner, die Sängerin, das Bo, der Rapper, und Till Brönner, der Trompeter, stellen die Jury. Im Bus ist es laut, die Mann, der sich gegenüber eine Zigarette dreht, findet es auch spannend. Die Typen gehen Shadow dann auch körperlich an, irgendwann steht er sogar auf, um die Tätscheleien abzuwehren. Ich krächzte ein “Hört doch auf”, doch niemand hört (auf) mich.

“Ey, das war aber unfair”, Shadow beginnt sich doch zu verteidigen. “Das Bo hat mich voll gedisst, aber das haben sie rausgeschnitten“.

“Sag mal ehrlich”, einer der Jungs, lehnt sich über die Halterung vor Shadow und grinst: “Sag mal ehrlich, die Sarah Conner, die ist doch schon ne Schlampe, oder?” Sofort konnte man an Shadows Körpersprache Zustimmung ablesen. “Ja, da stehst du vor denen und die war gleich total voreingenommen. Das stehst du auf der Bühne und die sind gleich gegen dich. Aber ich sag’s euch: DSDS 2012!” Alle lachen. Ich habe inzwischen meine Ohrstöpsel herausgenommen. Es war richtig unterhaltsam, die Gefahrensituation war abgewandt, alle entspannten und Shadow genoss es im Mittelpunkt zu stehen. “DSDS 2012!” Er gröhlt noch ein bisschen, die anderen auch.

Es wird ein bisschen ruhiger im Bus und ein junger Mann, ich glaube der, der vorher wissen wollte, ob Sarah Conner eine Schlampe ist, nimmt ihn sich zur Brust. “Mach weiter Kumpel, wirklich mach weiter. Du hast es drauf!”, andere stimmen ein ein. “Ich weiß, dass ich es drauf hab. DSDS 2012, Kumpel.”

“Du machst halt was neues”, war das Stichwort für Shadow. Er fing an zu rappen. Voll schnell. Ich überliege. Video? Oder nicht? Ich überlege lange, fingere dann schließlich an meinem Apple-Produkt herum und suche die Videofunktion.

“Ey, filmst du mich? Nee, das geht nicht. Nee, weg damit, lösch das. Nicht von hinten, nicht den Hinterkopf. Wart’, ich dreh mich um.“ (Und einer wollte nicht auf dem Video zu sehen sein). Also neue Kameraeinstellung. Shadow dreht sich um und legt nochmal los:

“Stellst du das auf ‘Tube?”, fragt mich einer, der inzwischen neben mir saß. ”Klar”, Faust drauf. “Ich will das nämlich liken,”

Meine Damen und Herren, die Hintergründe zu all der Aufregung: Shadow Storm bei X-Factor. Heute hat er das gleiche an. So schlecht wie die Jury tut, war er ja gar nicht, Sarah Conner fand nämlich, dass er den schlechtesten Auftritt ever bei der Sendung hingelegt hat. Lol, Wiener Schmäh. “Ich glaub, ich kann Englisch rappen, du nicht”, gab Shadow Storm später das Bo noch mit. Uh, schön mit Dissen zum Schluss, gar das Wort “Krieg” wird in den Mund genommen.

Streit um Meinungsfreiheit: Regensburg-digital verliert gegen das Bistum Regensburg

Im Streitfall „Stefan Aigner gegen die Diözese Regensburg“ ist vergangenen Freitag ein eindeutiges Urteil gefallen: Das Landesgericht Hamburg gab den Vertretern der katholischen Kirche in allen Punkten recht. Das heißt es kommen Kosten von etwa 8000 Euro auf Aigner zu.

Die Reaktion von Stefan Aigner:

Eine nähere Begründung liegt uns noch nicht vor. „Das Urteil ist absolut nicht nachvollziehbar“, sagt unser Rechtsanwalt Nils Pütz. „Wir sind gespannt, wie bei dieser Sachlage ein solches Fehlurteil zustande kommen konnte.“ So bald uns die Begründung vorliegt, werden wir berichten – so weit es uns erlaubt ist. Eines steht schon jetzt fest: Wir werden gegen dieses Urteil vorgehen. Das Landgericht verbietet damit auch den Opfern den Mund.

Der Pressesprecher der Diözese:

„Ich begrüße das Urteil, in dem die Wahrheit zu ihrem Recht kommt. Wenn der Blog-Betreiber nun behauptet, die Meinungsfreiheit zu verteidigen, führt er die Öffentlichkeit hinters Licht. Es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen Meinungen und unwahren Behauptungen. Der Blog-Betreiber schützt nicht die Meinungsfreiheit, sondern er fordert für sich das Vorrecht, über Dritte unwahre und herabwürdigende Tatsachen verbreiten zu dürfen, die mit Nichts zu belegen sind. Ein solches Sonderrecht steht Niemandem zu. Und das ist recht so.“

Doch was ist überhaupt geschehen? Über die Hintergründe des Falls – Der Regensburg-Effekt

Der Regensburger Stefan Aigner betreibt das Blog regensburg-digital.de. Er berichtet dort vor allem über Lokalpolitik. »Im März 2010 habe ich geschrieben, dass ich es als grotesk befunden habe, dass die katholische Kirche selbst Missbrauchsfälle aufklären soll, und habe das mit mehreren Beispielen begründet«, erzählt Aigner. Eines führte die Diözese Regensburg auf den Plan: Es ging um genau diesen Pfarrer aus Riekofen bei Regensburg, der 2008 wegen 22-fachen sexuellen Missbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt wurde. Nachdem er sich 1999 in Viechtach während einer Osterfeier an zwei Brüdern vergriff, während ihre Schwester die Tat beobachtete, unterschrieb die Familie der Kinder eine Stillschweigeerklärung. Der Priester zahlte 6.500 Mark Schmerzensgeld an die Familie. Schon eineinhalb Jahre später arbeitete der Priester wieder mit Jugendlichen.

Die Streitfrage ist, ob es einen Zusammenhang zwischen der Schmerzensgeldzahlung und dem damaligen Stillschweigen der Familie gibt. »Dazu habe ich in meinem Kommentar eine Einschätzung getroffen, die ich so öffentlich nicht mehr äußern darf«, sagt Stefan Aigner. Im nächsten Satz schrieb er, dass das Bistum einen solchen Zusammenhang dementiert.

Die Diözese mahnte ihn ab, das heißt sie forderte Aigner auf, solche Aussagen in Zukunft zu unterlassen. Aigner machte daraufhin einen Kompromissvorschlag und veränderte seine Aussage, um sie deutlicher als Meinungsäußerung kenntlich zu machen. Das Bistum ignorierte das und erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen beide Formulierungen. Bei einer Strafandrohung von 250.000 Euro oder ersatzweise zwei Jahren Haft ist es Aigner untersagt, seine Sicht zum Verhalten der Kirche öffentlich zu sagen. Aigner findet das absurd: »Diese Einschätzung ist so oder so ähnlich auch beim Spiegel, der Süddeutschen Zeitung, der Bild-Zeitung oder der taz zu finden.«

(…)

Ein Richter muss nun entscheiden, ob Stefan Aigner schreiben darf, dass »die Geldzahlung nicht nur in den Augen unserer Redaktion einen Beigeschmack einer Schweigegeldzahlung hat« oder ob das Ordinariat ihm das verbieten darf. Das ist auch eine grundsätzliche Entscheidung: Wo hört Meinungsfreiheit auf und beginnen die persönlichen Rechte eines jeden?

Lest mal, wie Christoph Schlingensief Regensburg gerockt hat!

1999 kam Christoph Schlingensief (…) persönlich nach Regensburg. Er war auf „Deutschlandsuche“, ließ sich im Rahmen der Suchaktion kurzzeitig am Neupfarrplatz festnehmen, weil er – wie schon Monate zuvor bei der Dokumenta in Kassel – lautstark die Tötung des gerade amtierenden Bundeskanzlers Helmut Kohl forderte.

Schlingensief hat offenbar Eindruck gemacht und die Stadtoberen engagierten den Theatermann, der Regensburg zum Titel der Kulturhauptstadt verhelfen sollte. Das Stück “Keine Chance, Regensburg“ forderte “Essen für alle”. Daraufhin wurde Essen zur Kulturhauptstadt und nicht Regensburg, wie der Politiker so gehofft hatten.

„Schlingensief als Werber für Regensburg zu engagieren erwies sich als eine Absurdität”, schrieb die Zeit.

Säm Wagner schreibt in der Regensburg-Kolumne des Zündfunks über die Verbindung zwischen Regensburg und Schlingensief.

Schaut mal, was der alles gemacht hat in seinem Leben. Unglaublich, wieviele Ideen Schlingensief hatte!

“Confessions of a Child of the Age”: Pete Doherty kommt nach Regensburg

Während ich New York an allen Ecken aus dem Fernsehen und Kino wiedererkannte und ich nur wenig wirklich neu entdeckte, sondern nur bestätigte, was ich schon kannte ist Regensburg als Fernsehkulisse nicht wirklich präsent. (Nachtrag: Ich habe tatsächlich Regensburg mit New York verglichen?) Natürlich, die Familie Dr. Sommerfeldt gibt es und Kommisarin Lukas ermittelt hier. Wenn es andere Filme gibt, die in Regensburg spielen, so kenne ich sie nicht. Doch das ändert sich jetzt, denn in den nächsten Wochen wird Regensburg zum Drehort für einen Film mit drei bekannten Namen.

Pete Doherty, August Diehl und Charlotte Gainsbourg drehen in Regensburg einen Kinofilm. Sie arbeiten zusammen an der Verfilmung von “Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen”, in den Alfred de Musset autobiografisch von seiner Jugend in den 1830er Jahren in Paris erzählt. Doherty verkörpert den Dichter, der von seiner unglücklichen Liebe zu George Best Sand, die ebenfalls als Schriftstellerin arbeite, schreibt.

In Sünching, zwei Bahnstationen vor Regensburg, wenn man aus Süden von Passau kommt, werden die Außenszenen gedreht werden. Auch in der Altstadt von Regensburg soll gedreht werden.

Wenn du schauspielerst oder singst kannst du sich für eine Rolle als Komparse bewerben.

“Wir suchen interessante Gesichter im Raum Regensburg/München, Schauspielstudenten, Schauspieler, Tänzer (die den Waltzer tanzen), Musiker, Poeten, Models, Künstler und Laien die (…) als Kleindarsteller mitspielen möchten.”

Der Film spielt vor fast 200 Jahren also werden da eine Menge an Kostümen mit im Spiel sein. Willst du da mitmachen? Dann bewirb dich per E-Mail bei confessionsinregensburg@gmail.com oder confessionsinmunch@gmail.com mit Foto und Angaben zum Wohnort und Telefonnummer. Schreib außerdem deine Kleider- und Schuhgröße, den Zeitraum in dem du Zeit hast und wie gut du Englisch kannst dazu. Es ist geplant den Film von Mitte Februar bis Mitte März zu drehen.

Pete Doherty ist kein Unbekannter in Bayern. Bei einem Konzert bei On3Radio im vergangenen Jahr fing er plötzlich an die erste Strophe des Deutschlandliedes zu singen. Das ist die, die mit “Deutschland, Deutschland…” beginnt. Sonst ist Pete Doherty ein alter Bekannter aus dem Boulevard, der regelmäßig Schlagzeilen macht mit Drogen, Kate Moss und Drogen. Er lebt das Leben eines Junkie in der Öffentlichkeit, seine Sucht kein Geheimnis. Täusche ich mich oder ist es in den vergangenen Monaten ruhiger um ihn geworden?

August Diehl erspielt sich nun schon seit einiger Zeit einen Platz in meinem Herzen. Er war in einer Reihe Filme, seitdem ich ihn bei “Was spielt die Liebe in Gedanken” das erste Mal wahrnahm, als er als Hans ein Mitglied eines Selbstmörderclubs in den Goldenen Zwanziger Jahren darstellte. Vor zwei Jahren spielte er einen SS-Mann in Tarantino’s “Inglorious Basterds”.

Charlotte Gainsbourg arbeitet schon seit ihrer Kindheit in als Schauspielerin und ist auch als Musikerin bekannt. Sie arbeitete zusammen mit Lars von Trier bei “Antichrist” und war in “21 Gramm” zu sehen. Sie ist die Tochter des französischen Sängers Serge Gainsbourgh und der britischen Schauspielerin Jane Birkin.

Unhappy Meal

Seit dem Beginn dieses Semesters können wir endlich in der frisch renovierten Mensa essen. Doch vielen vergeht der Appetit bei den gestiegenen Preisen. Die sind eine Folge einer gewaltigen Unterfinanzierung der Studentenwerke. Erst im Januar wurde der Mensazuschuss bayernweit überraschend um 35 Prozent gekürzt.

Die Studentenwerke sind dazu da, eine soziale, wirtschaftliche und kulturelle Infrastruktur für die Studierenden zu schaffen und den Alltag zu organisieren. Jeder, der studiert, hat die Leistungen schon mal in Anspruch genommen, viele sogar jeden Tag, schließlich betreiben sie die Mensen und Cafeterien. Neben der Essensversorgung übernimmt das Studentenwerk aber auch viele andere Aufgaben: Es verwaltet Wohnheime, bearbeitet Baföganträge, bietet verschiedenste Beratungsstellen und fördert das kulturelle Leben am Campus.

Das Studentenwerk der Regensburger Universität gehört zum Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz, wie auch Passau, Deggendorf und Landshut. Der Mensazuschuss des Freistaates stellt einen großen Posten in der Finanzierung der Studentenwerke dar. Im Laufe der letzten Jahre reduzierte den die bayerische Landesregierung aber immer mehr: Seit 1996 sank der Mensazuschuss beim Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz um 85 Prozent von fast vier Millionen Euro auf knapp 700.000 Euro.

Die Finanzierung des Studentenwerks ist Aufgabe des Freistaates Bayern. Doch der zieht sich immer weiter zurück. Besonders getroffen hat die bayerischen Studentenwerke der Nachtragshaushalt 2010, in dem weniger Geld für sie vorgesehen ist. Im Schreiben des Ministeriums heißt es: »Diese Kürzung wird voll zu Lasten des Mensazuschusses gehen, so dass sperrbereinigt gegenüber 2009 rund 2,36 weniger für den Mensazuschuss zur Verfügung stehen werden. Ich bitte sie die zu erwartenden Mittelkürzungen schon jetzt in ihre Planungen für das Jahr 2010 mit einzubeziehen.« Das entspricht 35 Prozent weniger Zuschuss für die Mensen. Umgerechnet auf die knapp 300.000 Studierenden in Bayern kürzte der Freistaat den Essenszuschuss pro Kopf von 26,03 auf 15,05 Euro.

Der Brief kam kurz nach Neujahr in Regensburg an, doch der Wirtschaftsplan für 2010 wurde bereits im Dezember 2009 dem Ministerium zur Genehmigung vorgelegt. In einem offenen Brief schrieben die bayerischen Studentenwerke an Ministerpräsident Horst Seehofer: »Dieser erneute gravierende Einschnitt bedeutet den Verlust jeder Planungssicherheit und des Vertrauens in die Zuverlässigkeit staatlicher Finanzierungszusagen
im Bildungsbereich.«

20 Cent mehr für jedes Essen

Für das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz entstand eine Finanzierungslücke von 400.000 Euro. Es gab zwei Möglichkeiten um den Ausfall zu kompensieren: Das Studentenwerk könnte einen höheren Grundbeitrag von den Studenten verlangen. Im Moment beträgt der in Regensburg 88 Euro. »Wenn wir ihn erhöht hätten, wären wir aber das teuerste Studentenwerk geworden«, sagt die Geschäftsführerin Gerlinde Dietl. Oder aber die Essenspreise werden teurer: »Wir haben eine seit langem aufgeschobene Preiserhöhung dann moderat gestaltet.«

Auf Basis der verkauften Essen im Jahr 2008 rechnete die Geschäftsleitung der Studentenwerke Niederbayern/Oberpfalz aus, dass der Preis eines jeden Essen im Schnitt um 29 Cent erhöht werden müsste, um die fehlenden 400.000 Euro zu ersetzen. »Wir haben den Studierenden aber nicht 29 Cent  abverlangt, sondern im Schnitt 20 Cent«, erläutert Dietl. »Von den Bediensteten verlangen wir anteilig mehr. Denn das Essen für sie muss kostendeckend abgegeben werden.« Bisher haben die höheren Preise die erwartete Umsatzsteigerung gebracht: »Die Mensa ist wieder geöffnet und wir haben eine sehr gute Resonanz. Damit wären wir erst einmal über den Berg und können das Defizit klein halten.«

Begründet werden die Kürzungen von der Landesregierung mit einem Gutachten des obersten bayerischen Rechnungshofs. »Dieser hatte moniert, dass die Studentenwerke zum Ende des Jahres 2008 teilweise erhebliche Rücklagen und Rückstellungen hätten, und gefordert, diese müssten abgebaut werden«, so Susanne Raab von der Pressestelle des Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.

Petition blieb erfolglos.

Der Rechnungshof argumentierte, dass es nicht sein kann, dass der Freistaat Schulden macht, um seinen Haushalt zu finanzieren und durch diese Schulden den Studentenwerken Geld für die laufenden Aufwendungen gibt, wenn die doch über hohe Rücklagen verfügen. Diese müssen für die Verwaltung und die Instandhaltung der studentischen Wohnanlagen gebildet werden. »Die Rücklagen dürfen wir aber nicht für andere Zwecke als für die Instandsetzung der Wohnanlagen einsetzen. Ich kann nicht einfach sagen: Die Mensa macht ich ein zu hohes Defizit und nehm dann meineRücklagen dafür her.«

Es dauerte nicht lange, bis sich Protest gegen die Kürzung formierte. Die Landesastenkonferenz, ein Zusammenschluss der bayerischen Sprecherräte, schrieb eine Petition an den bayerischen Landtag. Unter dem Slogan »Unhappy Meal« machten sie auf die Kürzungen aufmerksam und fanden innerhalb von zehn Tagen 30.000 Mitzeichner ihrer Beschwerde. Darunter waren nicht nur Studierende, sondern auch Dozenten oder Schüler. Auch von außerhalb Bayerns unterschrieben Leute .Im Brief an die Mitglieder des Petitionsausschusses wird an die grundlegende Aufgabe der Studentenwerke erinnert: »Es geht darum, die Lebenshaltungskosten am Studienort finanzierbar zu machen. Eine Kürzung des Mensazuschusses wird sich überproportional negativ auf Studierende aus finanziell schlechter gestellten Haushalten auswirken, die bereits jetzt massiv belastet sind.« Genützt hat die Petition allerdings nichts, denn im Februar lehnte sie der Ausschuss ab.

Wie wird es in Zukunft weitergehen?

»Minister Heubisch wird sich in den Verhandlungen für den kommenden Doppelhaushalt 2011/12 dafür einsetzen, dass die Zuschüsse für die Studentenwerke wieder entsprechend erhöht werden«, lässt das Wissenschaftsministerium verlauten. So positiv sieht das Gerlinde Dietl vom Studentenwerk an der Uni Regensburg nicht: »Mit mehr Geld können wir nicht rechnen, sondern maximal mit einer Rücknahme der Kürzungen. Und ehrlich gesagt, auch das halte ich im Moment für nicht sehr wahrscheinlich.«
Die Studentenwerke werden sich sehr wahrscheinlich also andere Finanzierungsquellen suchen müssen. Eine Privatisierung, wie sie Malte Pennekamp von der Studierendenvertretung Bayern befürchtet, schließt das Ministerium aus. Daran sei weder mittel- noch langfristig gedacht.
Gabriele Dietl vom Studentenwerk sieht pragmatisch in die Zukunft: »Wir müssen einfach versuchen, durch ein gutes betriebswirtschaftliches Konzept einigermaßen mit den noch gewährten staatlichen Subventionen um die Runden zu kommen.«

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Der Artikel erschien in der Lautschrift zum Thema “Freiheit”, Ausgabe 9, Sommersemester 2010

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