Lesenswertes: Gleichgewicht und Promis

“China’s Treasury Holdings Make U.S. Woes Its Own” (Was wäre denn eine gute Übersetzung für die Überschrift?) – China und die USA hängen voneinander ab: China kauft wie wild amerikanische Staatsanleihen, um sich so den niedrigen Wechselkurs leisten zu können, und finanziert den Amerikanern so ihre Schulden. China müsste mehr konsumieren und weniger sparen, die Vereinigten Staaten weniger konsumieren und mehr sparen. Die Regierung in Beijing versucht die überhitzte Wirtschaft zu bremsen, die in Washington sie wieder anzukurbeln. Die New York Times schreibt dazu, dass es sich dabei um ein Gleichgewicht ähnlich wie im Kalten Krieg handelt, bei dem keine der beiden Seiten extreme Schritte gegenüber dem anderen machen kann (z.B. China hört auf Staatsanleihen zu kaufen, weil es an der Zahlungsfähigkeit der USA zweifelt), ohne dass es dramatische Konsequenzen für das Land selbst hat (der Wechselkurs der Chinesen steigt, was die Export – und somit das chinesische Geschäftsmodell – teurer macht).

“The Gossip Machine, Churning Out Cash” – Polizeifotos von Lindsay Lohan oder Auszüge aus Krankenakte von Michael Jackson: Irgendwie müssen Promiblogs und Medien ja an die Infos kommen. Die New York Times hat umfassend dargestellt, wie das Geschäft funktioniert, wie eine Hand die andere wäscht. Gerade der Vater von Lohan scheint ein Meister darin zu sein, die Bekanntschaft seiner Tochter (und damit seinen eigenen Promistatus) zu Geld zu machen. Wer sich für Medien interessiert und auch mal Fotos von “Stars am Strand” (o.ä.) ansieht, sollte das lesen. Gerade auch während des “News of the World”-Skandal zeigt die Reportage, dass solche Methoden nicht nur auf das Murdoch-Imperium beschränkt sind und gerade auch Blogs fleißig am Rädchen drehen, damit es jeden Tag zehn exklusive Berichte geben kann.

Lesens- und Sehenswertes: New York

New York ownen – mspro spaziert durch New York und erzählt von den verschiedenen Gegenden und der Filme, die darin spielen. Im Gegensatz zu mir, war er im Sommer unterwegs, denn bei mir war es nur kalt – egal ob in den U-Bahnstationen, in der U-Bahn selbst oder draußen.

DSC_0143

Jeder kennt die Freiheitstatue, die Wolkenkratzer oder den Central Park, ohne jemals dort gewesen zu sein. Für mspro heißt das, dass niemand New York ownen kann: “Es ist völlig unmöglich einen eigenen, unverstellten Blick auf diese Stadt zu werfen, denn sie ist in uns allen bereits lebendig, bevor wir sie das erste mal betreten und sie referenziert sich dann hunderttausendmal selbst und wenn man in ihr herumläuft, dann ist man im Film, dem einen oder anderen.”

Anderes Beispiel: Das Video zu ”NYC (Keep On Playin’)” von Oliver Huntemann. Huntemann hat am Freitag in der Suite in Regensburg aufgelegt, weshalb ich das Video im Vorfeld gefunden habe. Ein Typ ist darin ein paar Tage in New York und eine Kamera begleitet ihn beim Sightseeing und Feiern.

Ein kleines Update

Ich bin wieder zurück in Deutschland. Im Bayerischen Wald schneit es jetzt schon seit drei Tagen durch und nach einem alkoholgetränkten Wochenende genieße ich mit Büchern, deutschen Zeitungen und Wärmflaschen die Ruhe. Währenddessen rücke ich die beiden Berichte, die ich noch über mein Auslandssemester schreiben muss, in den Hintergrund, um sie dann zwei Tage vor Abgabetermin wieder aus meinem Kopf zu holen und ein paar Seiten zu schreiben bis ich mir denke: “Mir doch egal, ich lass das jetzt so.”

Eine kurze Zusammenfassung der fünf Monte und dem einen Tag, die ich Amerika verbrachte: Ich habe in Washington DC studiert, das Leben genossen und vor allen Dingen war ich verliebt (eigentlich noch immer, aber das versuche ich zu ignorieren). Ich habe vieles gelernt über Wirtschaft und mir von Ben Bernanke die Finanzkrise erklären lassen. Ich habe eine Unterschrift von Jonathan Franzen bekommen, seinen neuen Roman aber nach einem Drittel aufgehört zu lesen (warum weiß ich nicht, das Buch ist gut) und mich meinem Nerdtum gewidmet. Ich war in New York, in Boston, Toronto, Los Angeles und San Francisco. Ich habe Fahrer von Greyshoundbussen verflucht und Kentucky Fried Chicken zu Weihnachten gegessen. Ich war das erste Mal am Pazifik, im Disneyland und in einem Pool auf dem Dach mit Champagner im Plastikbecher. Ich habe den Kopf geschüttelt über die Tea-Party (und dagegen demonstriert) und Briefe in den Abgeordnetenbüros am Kongress verteilt bei meinem ersten Job, für den ich Vorbildung brauchte. Es war vieles toll, manches nicht ganz so und eigentlich nur eine Sache richtig scheiße. Kurz: Ich mag die USA mehr als vorher.

In drei Wochen werde ich für ein Praktikum nach Berlin ziehen. Eine Wohnung oder ein Zimmer habe ich noch nicht, dafür aber einen Platz auf einer Couch für zwei Wochen. Dadurch wird die Suche nach einer Bleibe schon entspannter. Die Zeitung bei der ich arbeiten werde, kann ich in meiner Heimatstadt nicht kaufen, weshalb ich jetzt jeden Tag in ein großes Bekleidungsgeschäft gehen muss, wo sie ausliegt.

In einem Jahr werde ich Bachelorette-Volkswirtin sein und ich muss weitere Entscheidungen treffen: Masterstudiengang? Wenn ja, wo und vor allem was? Arbeiten? Oder Geld verdienen und reisen? Schau ma moi, dann seng mas scha. Sicher ist nur, dass ich dann noch Bloggen werde (Hach).