Do not nudge me!

Within Reason

Steven Poole, englischer Autor kluger Texte, ist der Meinung, wir kein Nudging brauchen. Sein Punkt: Nur weil jemand die Fragestellungen in Bezug auf Biases nicht richtig beantwortet, heiße das nicht, dass man irrational sei. Vielleicht ist auch nur die Frage dumm gestellt.

„Nudging is far from being a dystopian tool of state mind control. After all, we remain free to make the “wrong” choices. The more fundamental problem, however, is that nudging bypasses political discussion. There is no public consultation about choice architecture. (Is it always irrational to eat fatty food? Is it irrational to refuse to donate one’s organs?) The attempt to bypass our reasoning selves with “nudge” politics creates a problem of consent, a short-circuiting of democracy. Why bother having a political argument if you can make (most) people do what you want anyway?“

„Nudge politics, then, is not only predicated upon a thesis that we will most of the time make irrational choices; to continue to be viable, it must be opposed to any increase in our rationality. In this sense it is at odds with public reason itself.“

Lesenswertes: Über das Verhalten im digitalen Raum

Disruptions: Digital Era Redefining Etiquette (New York Times)

Mit dem Internet, Smartphones und Handys verändern sich Höflichkeitsstandards. Die Mailbox hören viele nicht mehr ab, wenn mir doch mal jemand drauf spricht, weiß ich vorher schon, dass es Papa sein wird. Auch die Frage der „Danke“-E-Mails stellt sich. Und dann natürlich Fragen, die jeder mit einem Mal googlen beantworten könnte.

In the age of the smartphone, there is no reason to ask once-acceptable questions: the weather forecast, a business phone number, a store’s hours. But some people still do. And when you answer them, they respond with a thank-you e-mail.

Das Shirky-Dilemma (kleinerdrei.org)

Es gibt ein Online-Phänomen, das ist ungefähr so: Jemand postet etwas und der Leser fühlt sich angesprochen, aber ist er es auch? Auf dem neuen, feinen Blog kleinerdrei nimmt sich Juliane des Themas an:

Dass Kommunikation Missverständnisse und Verwirrung hervorruft, hat mit dem Internet erstmal nichts zu tun. Wir sprechen, um gehört zu werden. Wir sprechen, um unsere Bedürfnisse, unsere Eindrücke, unsere Wünsche mitzuteilen. Und wir formen unsere Botschaften so, dass unser Adressat sie versteht und manchmal machen wir dabei eben Fehler. Was Social-Media aber zu einer Art Dauer-Cluedo werden lässt, ist die Tatsache, dass sich dort hunderte Adressaten unserer Botschaften am gleichen Ort aufhalten und wir deswegen ständig die oben genannten Ebenen wechseln, um ja auch alle zu erreichen. Es hören und lesen aber im Zweifel alle Follower und Freunde alles. Der Chef oder die Chefin die Emo-Tweets, der oder die Liebste die Büro-Tweets, der Geschäftspartner aus dem Nachmittagstermin die Lästerei über seine Heimatstadt. Und alle ziehen ihre Schlüsse. Manche mit Recht, manche mit Unrecht.

Das Resonanz-Vakuum (Dragstripgirl)

Sich im digitalen Raum zu äußern, heißt meistens auch auf Resonanz zu setzen. Sarahs Text startet mit:

Einsamkeit ist nicht, wenn man alleine auf der Couch sitzt und an die Decke starrt. Einsamkeit ist wenn Resonanz fehlt. Leute behaupten, sie müssen sich Raum für sich selber schaffen und hängen doch wieder nur an irgendwelchen Resonanzschläuchen fest. Egal ob Twitter, Facebook oder Blog: sich selbst mitzuteilen und daraufhin ein Feedback zu bekommen ist das Sugarhigh nach dem Blutsturz.