Was mit Wissenschaft (III)

So, erster Tiefpunkt erreicht. Inzwischen hab ich relativ gelesen, vieles verstanden, doch ich sehe noch keinen roten Faden – und das nervt mich. Nächste Woche bin ich in Kiel, die Woche drauf muss ich dann meinen Zwischenbericht abliefern. Das kann ja lustig werden. Ich hoffe auf den Druck Ende nächster Woche, der mit ein paar Geistesblitze beschert.

Was mit Wissenschaft (II)

Am 11.11.2011 muss ich meine Bachelorarbeit beim Prüfungsamt einreichen. Ehrensache, dass ich das um 11:11 Uhr erledigen will. Wie viele Tage ich noch genau habe, um die 30 Seiten Text zu schreiben, will ich nicht wissen. Aber es sind seit dem Startsignal schon genug vergangen, als dass ich wieder schreiben sollte, wenn ich das mit dem über die Bachelorarbeit blogge wirklich durchziehen möchte.

Mein Thema ist der Handel, und zwar die Gründe dafür. Eine Theorie geht so: Es gibt zwei Länder, Land A hat im Vergleich zu Land B mehr Kapital, Land B dafür mehr Arbeit relativ zu Land A. Unter bestimmten Annahmen spezialisiert sich Land A auf kapitalintensive Güter und stellt deshalb mehr von diesem kapitalintensivem Gut mehr her, als die Konsumenten, die Unternehmen und der Staat aus A kaufen. Der Rest exportiert es deshalb in Land B, das sich wiederum auf Produkte konzentriert, die relativ viel Arbeit benötigen. Die Herstellung übersteigt wieder den Konsum und B verkauft deshalb das arbeitsintensive Gut nach A. A, das kapitalintensive Land, exportiert also das kapitalintensive Gut und importiert das Gut, das relativ mehr Arbeit braucht, von dem A ja nicht so viel hat. Für B gilt es umgekehrt analog.

Was ich bisher gemacht habe:

  • Die zwei Einstiegslektüren gelesen. Beide Paper untersuchen mit statistischen Tests, ob das Heckscher-Ohlin-Vanek-Modell Außenhandel richtig vorhersagt, indem die Schätzergebnisse für den Faktorinhalt mit erhobenen Daten für den Faktorinhalt vergleicht. Also im Grunde: Sind die Modellergebnisse in der Wirklichkeit beobachtbar und statistisch robust?
  • Vier andere Paper und die Unterlagen aus der Vorlesung durchgearbeitet.
  • Das Notizbuch, das ich mir extra für diesen Zweck zugelegt habe, ist schon fast voll gekritzelt:

Inzwischen ergibt sich ein Bild. Ich habe alles bisherige im Groben verstanden. Das mathematische Konstrukt, das die Zusammenhänge zwischen verschieden ausgestatteten Staaten modelliert, muss ich aber noch fertig nachrechnen. Das soll dann auch einen gewissen Anteil an der Arbeit haben. Es heißt nämlich Professoren stehen auf Formeln und auch mein Betreuer hat mir nahegelegt, ganz hinter die Mathematik zu steigen. Mag ich nicht so gern, aber ist machbar. Ich kann mir vorstellen, dass das auch dankbar ist. Die Schwierigkeit ist dabei nicht das Schreiben, sondern das Dahintersteigen vorher. Ich glaube, ich stehe so bei 60 Prozent.

Aber einen wirklichen Dreh hab ich noch nicht. Sollte er in zwei Wochen noch nicht da sein, prognostiziere ich, dass ich panisch werde.

Was mit Wissenschaft (I)

Bachelorarbeit steht an. Ab morgen geht es los. Das heißt: Ab morgen fang ich an, auch wenn ich noch keine Bestätigung habe, aber ich kann mich noch ein bisschen an das Thema erinnern. Doch der 1. September ist der Stichtag in meinem Kopf und daran will ich mich halten. Mein Semester unterliegt nämlich einem straffen Zeitplan. Das letzte Sommersemester bin ich mit angezogener Handbremse gefahren, war zum einen recht angenehm, zum anderen auch notwendig war. Die Konsequenz ist (um in der Metapher zu verbleiben), dass ich im kommenden Semester links rechts überholen muss. Aber das Coole: Ich habe zum ersten Mal nur Vorlesungen, die ich richtig geil finde, im Vorlesungsverzeichnis zumindest.

Zu meinem ausgeklügelten Plan gehört es auch die Bachelorarbeit nicht am Schluss des Studiums zu schreiben, sondern vor meinem letzten Semester. Mein Professor hat mir sehr deutlich zu verstehen geben, dass er die Idee bescheuert finde, schließlich habe ich noch nie zuvor wissenschaftlich gearbeitet. Ist mir aber egal: Der Zeitplan! Mein Zeitplan!

Der torschtl hat zu seiner Bachelorarbeit gebloggt. Ich fand das ganz angenehm zu lesen und ich kann mir vorstellen, wenn man sich so seinen Fortschritt etwas vor Augen führt, könnte unter wohlwollenden Umständen das Frustpotenzial gesenkt werden (oder erhöht? Ich check das grad nicht: Also wenn die Latte, also der Frust, höher hängt, dann passt ja mehr drunter rein. Ergo: Ich kann beschissener laufen ohne dass ich gleich frustriert bin. Oder aber ich senke die Latte, was heißt, dass sie einfach niedriger ist. Hilfe, anyone?)

Was ich jetzt schon weiß:

  • Ich werde VIEEEEEEL twittern oder bloggen. Aber des is ja ned des schlechteste.
  • Ich werde am Schluss Word hassen. Ich weiß, alle empfehlen LaTeX (das leider “Latech” ausgesprochen wird, was ich sehr schade finde), aber ich hör nicht drauf. Bisher hat noch jemand Tage damit verbracht mit Fußnoten zu kämpfen
  • Ich hab keine Ahnung wie man zitiert, also das, was man in die Fußnoten schreibt. Aber so schwer kann das ja nicht sein.

Ja, mehr weiß ich grad nicht zum Thema. Ach doch: Ich hab mir ein Notizbuch gekauft. Habe mich gegen Evernote als zentraler Gedächtnisersatz entschieden, denn mit Grafiken und Formeln wird das blöd. Also klassisch per Hand.

Mein Thema ist übrigens irgendwas mit Faktorausstattungen beim Heckscher-Ohlin-Modell. Was ganz cool ist, weil es einfach ein ganz zentrales Grundmodell im Außenhandel ist.

Gut, also dann mal anfangen. Vielleicht mit ‘ner Vorlage in Word.

Reich (auch) über Reiche. *Hust*

“Die Wahrheit über die Wirtschaft” ist schon ein sehr ehrgeiziger Titel, den das Video von Robert Reich trägt. Reich versucht in 2 Minuten und 15 Sekunden die fundamentalen Probleme der US-amerikanischen Wirtschaft zu erklären. Das gelingt dem ehemaligen Arbeitsminister unter Präsident Clinton gut.

Reich hat sechs Kernpunkte ausgemacht:

  • Die Wirtschaftskraft hat sich seit 1980 verdoppelt, die Löhne sind aber nicht dementsprechend angestiegen
  • Sämtliche Einnahmen gehen an die Superreichen
  • Mit Geld geht politische Macht einher
  • Hohe Budgetdefizite
  • Die Mittelschicht spaltet sich
  • Kraftlose Erholung nach der Finanzkrise

Interessant, gerade zum zweiten Punkt, nämlich, dass die Gewinne aus dem Wirtschaftswachstum ausschließlich an die Superreichen gehen:

Im Fall der 400 Amerikaner mit dem höchsten Einkommen liegt der durchschnittliche Steuersatz bei 18%.

Ökonomie der Naturkatastrophen

Yasuhide Okuyama arbeitet als Ökonom an der Universität von Kitakyushu und beschäftigt sich dort auch mit der Ökonomie von Katastrophen. Antworten zur Situation in Japan:

You were writing about the economics of natural desasters. What is typical for this?

Natural hazards, earthquake, hurricane, flooding, wild fire, etc., damage the built environment, such as buildings, houses, roads, lifelines, etc., and human lives, leading to economic damages. These are damages on capital (in a broad meaning, these imply assets for economic activities). These economic damages, in turn, lead to economic losses, business interruptions, caused by the inability to produce commodities and services due to economic damages on production facilities or due to reduced availability of intermediate inputs for production. The first case is easier to imagine (damaged facility leads to decline of production level) than the second case (reduced availability of intermediate inputs). As an example, in the 2007 Niigata earthquake, one factory producing automobile engine parts was severely damaged by the earthquake. This caused the one-week stoppage of production lines for all the Japanese automobile companies (TOYOTA, NISSAN, HONDA, MAZDA, etc,.). No factories of these automobile companies were damaged by the earthquake; however, because this particular engine part became not available, they could not assemble automobiles. This implies that they were indirectly affected by the earthquake. We call this indirect effect as higher-order effect. And, economic impact includes both economic losses directly related to physical damages caused by the event AND this higher-order effect.

We estimate economic impact for one year period after the event, because most of economic models we use (input-output model, social accounting matrix, etc.) to estimate economic impact are one year model.

Of course, there should be the long-term (longer than 10 years, for example) economic impact of natural disasters, and it has been studied to some extent, but most of research on economic impact of disasters are short-term impact for a few years.

You did research on the Kobe earthquake. How did things go on after this in the region and whle Japan in terms of economics. Do you think there is a similar situation in Tohoku region?

Kobe earthquake occurred in a very populated and dense urban area, causing significant structural damages on buildings, houses, roads, highways, railways, etc. On the other hand, based on the current information available, this 2011 Tohoku earthquake damaged mostly on many small cities on the pacific coast. There might have been sever structural damages on buildings, houses, and roads, but we might not be able to find these due to the tsunami after the earthquake, which washed away many of those cities. Also, since the Tohoku region is relatively rural area, and those coastal cities rely mostly on fisheries and agriculture (meaning their income level is relatively lower than in Kobe), their residential area were filled densely with old wooden houses, which have no way to resist against the large tsunami like this time. According to the scattered reports, some of cities appear completely destroyed (washed away by tsunami). It will be very difficult to rebuild such cities from scratch, since their economic base (agriculture, fisheries, and related food industries) requires at least few years to be restored and the community may not have sufficient financial resources to survive during that period. The Kobe’s damages and the number of casualties may be larger than in this 2011 Tohoku earthquake, but they had some industries left in tact and remaining population was much larger than in this case. So, the situation for economic recovery and reconstruction strategies for this time shall be much different from the Kobe’s case, and I guess it would be much tougher for the Tohoku region than for Kobe.

It is said that Japan was relativly well prepared for an earthquake. Do you think the loss reduction strategies worked?

A good question. The Japanese mitigation strategies focus mainly on stronger structure (resisting against ground shakes of earthquake for protecting people inside) and early warning and evacuation policy. We need more time to evaluate these with more detailed damage information. Based on the current available information, tsunami seems to have brought much severer damages than the shakes of the earthquake. If this is the case, the early warning and evacuation policy was tested in a very hard way. Whether or not it worked, we need more time to evaluate it.

Zum Weiterlesen:

Economics of Natural Disasters: A Critical Review – A Research Paper of Yasuhide Okuyama

Defying Gravity

In late 2008 the US credit market froze. How affected the „gravity problem“ the working of the economy and markets in the US during the financial crisis? What prevented market equlibrium from being realized?

What gravity is for scientists, equilibrium is for economists: a central and undeniable force. But what happens if this force doesn’t exist? The physicist Dr. Verlinde questions existence of gravity in science. Regarding economy the question about gravity is in the end a question about an existing market-equilibrium in the economy, the point where supply equals demand in a competitive market. In reality this point cannot be reached easily, due to the fact that the models are made under many assumptions and simplify reality. A lack of economic “gravity” means therefore uncertainties, market failures like asymmetric information and moral hazard or failed assumptions in economic models that keep supply from equaling demand.

The financial crisis and the Great Recession showed that economic theories might not entirely be true: Explanation why nearly nobody — neither economists nor regulators or investors — saw the risks in the always rising housing prices and the always getting more complicated financial instruments will keep economists and students occupied for the following years and decades. How could the crisis occur? Were there hints of a lack of gravity? In the following I want to show what influenced the markets during the financial crisis — uncertainties, market failures and failed assumptions — to loose its “gravity” during the four phases of the crisis: The bubble, the collapse, the recession and the recovery.

„Defying Gravity“ weiterlesen

Filme, die die Finanzkrise erklären

Seitdem ich Volkswirtschaft studiere ist die Finanzkrise das dominierende Thema: Der Zusammenbruch von Lehmann Brothers war einen Monat vor meiner ersten Vorlesung. Die erste Hälfte meines Auslandssemesters hab ich mich nur der größten Wirtschaftskrise seit der “Great Depression” in den 1930er Jahren beschäftigt. Wie die Krise entstand ist nicht so leicht zu erklären und umso wichtiger ist es, dass es gemacht wird. Das folgende Video zur Kreditkrise habe ich bereits aus meinem Auslandssemester-Blog veröffentlicht, aber das macht nichts, denn es schadet nicht es zweimal zu sehen (oder drei oder vier Mal), denn die zehn Minuten sind gut investiert.

Ein anderer Film, “Inside Job” analysiert die Finanzkrise im Kinoformat und -länge. Heute habe ich den Film mit meiner Klasse gesehen und eine der zentralen Thesen ist, dass die personellen Verknüpfungen zwischen Investmentbanken, der Politik und auch Universitätsprofessoren erst zur Immobilienblase geführt haben.

Das macht den Titel der Dokumentation klarer: Wikipedia beschreibt Inside Job als einen Begriff, der “colloquially refers to a crime, usually larceny, robbery or embezzlement, committed by a person with a position of trust who is authorized to access a location or procedure with little or no supervision.”

Der Trailer zu “Inside Job”: