Who’s behind „Daron Acemoglu facts“?

A few days ago I wrote about the economist Daron Acemoglu. He is some kind of superstar in the economics community. Need a proof? He has his own Chuck Norris meme – the Daron Acemoglu facts.

Four questions to the people behind the „Daron Acemoglu facts“ (DAFacts):

Why did you start the Daron Acemoglu Facts? What makes Acemoglu special?

We’re grad students at one of the top-10 U.S. schools for economics and are massive fans of Daron’s contributions to economics; DAFacts is our attempt to pay tribute via humor. We originally modeled the blog off of the well-known „Chuck Norris facts“ meme. Daron is a brilliant economist, obviously, but he’s also well-known for being an incredibly kind and humble person, which makes the outlandish boasts of DAFacts even funnier to us.

Who many persons are behind the blog?

Two of us maintain the blog and monitor the gmail account, though several other students in our program contributed to the first round of DAFacts (in Spring 2013).

What is your favorite Acemoglu meme?

It was hard for us to narrow it down! But we think our top three Facts (in no particular order) are these:

Daron Acemoglu

Daron Acemoglu facts

Daron Acemoglu facts

Who submits Facts?

Anyone can submit Facts by emailing us at daronacemoglufacts@gmail.com – some of our favorite Facts have been fan submissions! Many come from other graduate students and sometimes even economics professors. And of course we always credit the original authors if they choose to be less anonymous than us.

Eine gute Beschreibung von Artificial Intelligence beim Economist

„One way of understanding this [Artificial Intelligence] is that for humans to do things they find difficult, such as solving differential equations, they have to write a set of formal rules. Turning those rules into a program is then pretty simple. For stuff human beings find easy, though, there is no similar need for explicit rules—and trying to create them can be hard. To take one famous example, adults can distinguish pornography from non-pornography. But describing how they do so is almost impossible, as Potter Stewart, an American Supreme Court judge, discovered in 1964. Frustrated by the difficulty of coming up with a legally watertight definition, he threw up his hands and wrote that, although he could not define porn in the abstract, “I know it when I see it.”

Machine learning is a way of getting computers to know things when they see them by producing for themselves the rules their programmers cannot specify. The machines do this with heavy-duty statistical analysis of lots and lots of data.“

Das Ende des Textes:

„But for now, the best advice is to ignore the threat of computers taking over the world—and check that they are not going to take over your job first.“

aus: Rise of the machines

Besitz ist sowas von Industriezeitalter

„Uber, the world’s largest taxi company, owns no vehicles. Facebook, the world’s most popular media owner, creates no content. Alibaba, the most valuable retailer, has no inventory. And Airbnb, the world’s largest accommodation provider, owns no real estate. Something interesting is happening.“

Der Einstieg zu einem TechCrunch-Text mit folgender Grundaussage: Nicht das Produkt zählt, sondern die Software, die Zugang dazu ermöglicht. Kein ganz neuer Gedanke, aber ein wichtiger.

via Christian Fuchs

Update: Zuerst lautete der Titel „Produzieren ist sowas von Industriezeitalter“. Nach einer Diskussion auf Twitter mit Robert Weißgraeber habe ich das Wort „Produzieren“ zu „Besitz“ geändert.

Podcasts und das liebe Geld

Podcasts gehen weiter ab. Einer meiner letzten Texte bei den Netzpiloten handelte davon, Aufhänger war Marcel Weiss’ Gründung von Neunetz.fmIn der Columbia Review of Journalism erläutert Ann Friedmann nun die Ökonomie der Podcasts. Die Geschäftsmodelle unterscheiden sich nicht recht von der schreibenden Zunft:

  • Werbung und Hörerbeteiligung in verschiedensten Varianten – mit einem Unterschied: Die Preise, die für native Das verlangt werden können, sind wesentlich höher. Zwischen 20 und 45 US-Dollar pro Tausend Hörer soll er liegen, im Vergleich zu 1 bis 20 US-Dollar bei allen anderen Formaten wie TV, Radio oder Web-Content.
  • Vor allem die Native Ads-Variante ist beliebt: Kurze Werbeansagen der Podcaster, am Schluss einen Rabattcode für den jeweiligen Dienst. Besonders bei NPR begegnen sie mir oft.
  • Grundsätzlich ähnliche Konstellation wie bei Blogs: Viele Hobbyisten, die unter dem Radar fliegen; ein paar wenige, die davon Leben können.
  • In den USA liegt die Grenze zur Monetarisierung bei etwa 50 000 Downloads pro Folge.

Das größte Problem bleibt:

„If the short-term question is how to get your podcast into the ears of someone who already likes podcasts, the long-term question is how to get podcasts into the ears of someone who doesn’t already listen to podcasts.“

Weitere Nachteile, aus einem Digg-Text, der analysiert, warum Audio nicht viral geht*:

  • Podcasts hört man, während man etwas anderes macht. Abspülen zum Beispiel. Für Sharen ist da keine Hand frei.
  • Nur überfliegen ist nicht möglich.

Der große Vorteil bleibt weiterhin: Die Leser-Hörer-Bindung ist relativ eng; etwas, das auch große Medienhäuser dringend wollen. Slate, New York Times, Buzzfeed, sie alle wollen in Zukunft auch sprechen.

*Ausnahmen von Audio ist anti-viral: Beweise bei Nachrichten, Comedy, austickende Stars

Mindestens haltbar bis: Das Verfallsdatum des Online-Journalismus

Eine zufällig ausgewählte Nachricht: Es ist Juli 2005, die SPD stimmt sich auf den Wahlkampf ein und ändert deshalb das Design seines Logos. Anstatt Blau ist der Hintergrund des roten Logos nun Beige, genauer gesagt Umbrafarben. Der Artikel ist fast zehn Jahre alt, aber nach wie vor ohne Probleme auf Spiegel Online zu finden. Doch: Wen interessiert das?

In Teil 2 der Serie über die Ökonomie des Online-Journalismus es genau darum: Was ist das Verfallsdatum von Online-Journalismus?

[blue_box] Die Frage nach der Finanzierung von Online-Journalismus beschäftigt Journalisten und Manager in Verlagen genauso wie all jene, die sich ohne diese traditionelle Organisationen aufmachen, Journalismus im Web anzubieten. Alle haben sie aber dasselbe Problem: Online-Journalismus ist ein schweres Geschäft. Dieser Text ist der zweite Teil einer mindestens vierteiligen Serie, die sich mit der Ökonomie des Online-Journalismus beschäftigt.
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Die wichtigsten Punkte

  • Journalismus im Internet ist digital. Diese Feststellung ist trivial, hat aber weitreichende Folgen für die wirtschaftlichen Eigenschaften. Eine davon: die Haltbarkeit.
  • Aus technischer Sicht sind alle digitalen Güter unendlich lang haltbar, denn sie können mühelos immer wieder kopiert und nahezu kostenlos auf Servern bereitgehalten werden.
  • Aus journalistischer Sicht sind Nachrichten allerdings nur sehr kurz haltbar; gerade im Internet beschleunigt sich die Berichterstattung immer weiter. Wen interessiert die Eilmeldung von vor einer Stunde?

Keine physischen Speicher mehr

Bis vor wenigen Jahren war die Haltbarkeit von digitalen Gütern abhängig von ihren physischen Trägern. Musik auf einer CD, ein Film auf einer DVD und eine Masterarbeit auf einer Festplatte waren genau so lang speicher- und damit konsumierbar, wie die Lebensdauer dieser Trägermedien. Diese können recht unterschiedlich ausfallen: 50 bis 80 Jahre bei CDs, DVDs sollen mit bis zu 100 Jahre funktionieren. Festplatten im laufenden Betrieb dagegen haben mit einer erwarteten Haltbarkeit von zwei bis zehn Jahren keine lange Lebenszeit. Die Haltbarkeit dieser Speichermedien ist damit endlich, die Haltbarkeit der darauf befindlichen digitalen Güter dagegen potenziell unendlich, schließlich kann ja eine mp3-Datei einfach von einer CD auf die nächste überspielt werden.

Foto: Luis Fernández García
Foto: Luis Fernández García

Doch wer verwendet denn noch CDs?

In den letzten Jahren werden digitale Güter vermehrt ohne physische Medien als Träger verkauft und konsumiert: Musik bei Spotify oder iTunes, Filme, Texte. (Anbieter brauchen mit Servern jedoch weiterhin ein physisches Speichermedium). Diese, wie Rayna es formuliert, potenziell unendliche Haltbarkeit ist damit eine reale Eigenschaft geworden: „Kein anderes wirtschaftliches Gut, außer Information und Boden, hat eine solche Eigenschaft.“

Wie oft kaufe ich eine Datei, wenn sie ewig haltbar ist?

Wenn ein Gut unendlich haltbar ist, wird ein rationaler Konsument dieses Gut nur einmal erwerben. Man kann es ja schließlich immer wieder verwenden. Die Folge: Die Nachfrage geht zurück. Gründe, die in der Vergangenheit dazu führten, dass Konsumenten trotzdem ein Gut mehrmals erwarben, gelten bei digitalen Gütern nicht mehr: Sowohl Verschleiß als auch eine Veränderung der Technologie, wie der Übergang von VHS zur DVD, können durch Kopien umgangen oder verhindert werden. Diese Kopie ohne Qualitätsverlust, die sogenannte vollständige Replizierbarkeit, hat zwei Konsequenzen:

  1. Die Güter sind langlebig
  2. Die Güter sind öffentlich (Thema von Teil 3)

Das ist schlecht für die Anbieter, deren Marktmacht sinkt. Wirtschaftsnobelpreisträger Ronald Coase schreibt: „Bei kompletter Haltbarkeit ist der Preis unabhängig von der Anzahl der Anbieter und entspricht deshalb immer dem Wettbewerbspreis.“ Coase durchdenkt diese Situation aus der Sicht eines (monopolistischen) Landbesitzers, denn – siehe oben – nur Land und Information sind haben a priori kein Verfallsdatum. Die optimale Strategie wäre laut Coase, das Land nicht zu verkaufen, sondern zu vermieten. Das unendlich haltbare Gut wird damit weniger haltbar: Es erhält ein Verfallsdatum. Konsumenten haben deshalb nicht mehr den Anreiz, einen Kauf nach hinten zu verschieben, um auf einen günstigeren Preis zu warten.

Eine alternative Strategie ist die geplante Obsoleszenz, um die Haltbarkeit eines Gutes zu verringern: Die Qualität eines Gutes sinkt nach einer gewissen Zeit oder ein besseres Substitut kommt auf den Markt.

Was bedeutet das für den Online-Journalismus?

Die grundlegende Eigenschaft von langlebigen Gebrauchsgütern erfüllt der Online-Journalismus: Inhalte können beliebig oft kopiert werden. Sie sind damit theoretisch unendlich lange haltbar. Text markieren und copy – paste – copy – paste – copy – paste – paste – paste – paste …

Gleichzeitig gibt es im Journalismus den Effekt in die gegensätzliche Richtung, den die Redensart „Nichts ist so alt wie die Zeitung von gestern“ zusammenfasst: Auch wenn eine einzelne Einheit des Gutes Online-Journalismus unendlich haltbar ist, heißt das nicht, dass der Leser den Konsum unendlich nach hinten verschieben will. Denn Journalismus ist nicht nur ein digitales Gut, sondern auch ein Informationsgut.

Bis vor wenigen Jahren war die Haltbarkeit von Journalismus leicht zu beziffern: ein Tag. Angenommen eine Zeitung berichtet exklusiv (und man lässt die Berichterstattung im Rundfunk außen vor), konnte ein Konkurrenzblatt erst am kommenden Tag ebenfalls berichten – das entspricht, wenn man so will, der Haltbarkeit des Trägermediums Papier.
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Im Internet hat sich diese Reaktionszeit erheblich verkürzt, Geschwindigkeit wird von Sorge sogar als „wichtigste Währung“ bezeichnet: „Eilmeldungen“ und „Echtzeitjournalismus“ lassen als eigenständige Formen der Berichterstattung auf eine immer kürzer werdende Haltbarkeit schließen.

Im Online-Journalismus kommt es also zur paradoxen Situation, dass die Inhalte gleichzeitig unendlich lange haltbar und doch nur sehr kurz aktuell sind. Wer sieht sich Eilmeldungen von vor fünf Jahren an? Oder einen Text über eine neue Farbe im SPD-Logo?

Fazit

Die Tatsache, dass Online-Journalismus digital ist, macht einen Artikel technisch unendlich langlebig.

Die Tatsache, dass der Artikel Information enthält, macht ihn zu einem kurzlebigen Verbrauchsgut.

[blue_box]In den kommenden Woche werde ich weitere Texte zur Ökonomie des Online-Journalismus veröffentlichen. Sie sind modifizierte Varianten meiner Masterarbeit – und damit robuste digitale Güter. [/blue_box]

Literatur

  • Coase R.H. (1972), Durability and monopoly, in: Journal of Law and Economics 15 (1), 143- 149
  • Klein, L. R. (1998), Evaluating the Potential of Interactive versus Experience Goods, in: Journal of Business Research 41, 195-203
  • Quah, D. (2003), Digital goods and the new economy, Centre for Economic Performance, London School of Economics and Political Science, Discussion Paper 563 (pdf)
  • Rayna, T. (2008), Understanding the Challenges of the Digital Economy: The Nature of Digital Goods, Communications & Strategies 71 (3), 13-36 (pdf)
  • Shapiro, C., Varian, H. (1998). Information rules, Harvard Business School Press, Boston
  • Sorge, P. (2014), Echtzeitjournalismus in der Kritik, in: Politik, Medien, Öffentlichkeit, Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung 22-23/2014

Die Ökonomie des Online-Journalismus – Teil 1: Online-Journalismus als ökonomisches Gut

Die Frage nach der Finanzierung von Online-Journalismus beschäftigt Journalisten und Manager in Verlagen genauso wie all jene, die sich ohne diese traditionelle Organisationen aufmachen, Journalismus im Web anzubieten. Alle haben sie aber dasselbe Problem: Online-Journalismus ist ein schweres Geschäft.

[blue_box]Dieser Text ist der erste Teil einer mindestens vierteiligen Serie, die sich mit der Ökonomie des Online-Journalismus beschäftigt.
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Ökonomie des Online-Journalismus

Aus volkswirtschaftlicher Perspektive ist Journalismus spannend: Schon immer ist Marktversagen auf dem Nachrichtenmarkt eher die Regel als die Ausnahme. Man denke nur an die Monopolstellung vieler Regionalzeitungen – dem Paradebeispiel für eine suboptimale Verteilung der zur Verfügung stehenden Ressourcen. Der populäre Standard-Zusammenhang von Angebot und Nachfrage lässt sich deshalb nicht anwenden. Daraus ergeben sich direkt Konsequenzen für die Refinanzierung, die sich durch das Internet nur weiter verschärfen. Spoiler: Betriebswirtschaftlich sind sie nicht positiv und die Kostenstruktur ist schuld.

Journalismus aus ökonomischer Perspektive

Journalismus wird meist nicht aus einer ökonomischen, sondern einer kommunikations- oder politikwissenschaftlichen Perspektive betrachtet. Im Vordergrund stehen dann positive Externaliäten, die sich aus dem Konsum von Nachrichten ergeben: Informierte Bürger können an zivilgesellschaftlichen Debatten teilnehmen und die Wahrscheinlichkeit einer Partizipation an demokratischen Willensbildungsprozessen steigt. Kurz: Journalismus hat als vierte Gewalt einen klaren demokratischen Auftrag. Journalismus als ökonomisches Gut hat dagegen einen anderen Ansatzpunkt: die Wirtschaftlichkeit.

McManus hat sich in seinem Aufsatz „What Kind of Commodity Is News?” Gedanken über diese beiden Herangehensweisen gemacht, die meistens in einem Zielkonflikt münden. Um das zu verdeutlichen, erstellt er zwei einfache Theorien, die an den beiden Extrempunkten angesiedelt sind: eine rein journalistische und eine rein ökonomische Sicht.

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Rein journalistische Theorie des Journalismus nach McManus.
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Rein ökonomische Theorie des Journalismus nach McManus.

Nur sehr selten stimmen diese beiden Interessen überein. Wenn sie es doch tun, dann beispielsweise bei tragischen Ereignissen oder Schlammschlachten unter Politikern: Eine Berichterstattung ist wichtig – und bringt viele Leser.

In der Mehrzahl der Fälle stehen sich aber die beiden Maximen gegenüber: Das Ziel des journalistischen Ansatzes ist es, öffentliches Verständnis zu erhöhen, Ziel der Firmen hinter Medien ist die Gewinnmaximierung. In diesem Spannungsfeld bewegen sich die meisten Diskussionen rund um den Journalismus, seiner Finanzierung, aber auch der Rolle individueller Journalisten.

Das ökonomische Konzept, das beide Vorstellungen von Journalismus in Einklang bringen kann, ist das meritorische Gut. Ein Staat stuft ein solches Gut normativ als gut ein, allerdings glaubt er, dass Konsumenten von diesem privaten Angebot zu wenig nachfragen. Eine solche Sonderrolle wird zum Beispiel der Kultur zugeschrieben, genauso journalistisch aktiven Firmen „vor allem in Hinblick auf die politische Aufklärung und den Beitrag zu Allgemeinbildung, den sie leisten sollen“, so Hanno Beck. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk lässt sich mit dieser Argumentation begründen.

Für eine genauere volkswirtschaftliche Analyse sind die Details entscheidend, die sich durch die Transformation von Papier zu Displays ergeben. Eine offensichtliche Veränderung: Journalismus ist im Web digital.

Was ist ein digitales Gut?

„Jede Kopie eines Gutes ist das Gut selbst. Es gibt keine Unterscheidung zwischen Original und Kopie.“ (Quah)

Das ist der Kernsatz, der ein digitales Gut beschreibt. Aus diesem Grund ist das Bild des Datendiebstahls falsch: Daten werden in der Regel nicht gestohlen, sondern vervielfältigt.

"Datendiebstahl" als Begriff ist Unsinn.
„Datendiebstahl“ als Begriff ist Unsinn.

Konkreter betrachtet: Ein digitales Gut ist ein Bitstring, kann also – in der Umgangsprache von Nicht-Informatikern – mit Nullen und Einsen dargestellt werden. Dieser Bitstring hat nun Einfluss auf den Nutzen eines Individuums. „Am einfachsten ist es, ein digitales Gut als ein Rezept zu betrachten“, schreibt Danny Quah von der Loondon School of Economics (Twitter: @dannyquah). „In einem digitalen Gut sind ökonomisch wertvolle Vorschriften kodiert. Die Formulierung lässt es zu, dass digitale Güter sowohl konsumiert als auch produziert werden können; sie sind also nicht bloß Technologien, die die Produktivität auf der Angebotsseite einer Ökonomie erhöhen.“ Dazu kommt: alles, was sich in einem Bitstring darstellen lässt, ist wiederum selbst Information. „Das verändert auf dramatische Art und Weise eine ganze Kategorie von Gütern: Wie sie erschaffen produziert, verteilt, ausgetauscht und konsumiert werden“, so Quah.

Er unterteilt digitale Güter in zwei Gruppen: robust und fragil. Robuste digitale Güter sind solche, deren ökonomischer Wert gleich bleibt, wenn ein Teil zufällig entfernt oder verändert wird. Ein Beispiel sind Musikdateien, die sich zumindest bis zu einer gewissen Rate in das mp3-Format komprimieren lassen: Der dahinterstehende Bitstring wird kleiner, der Wert des Musikstückes bleibt allerdings gleich. Ein Programmiercode dagegen kann als fragiles digitales Gut eingestuft werden: Der Code kann nur dann ausgeführt werden, wenn er komplett ist. Fehlt ein Befehl: Error! Online-Journalismus ist in dieser Unterteilung ein robustes digitales Gut: Die Aussage einer Nachricht kann die gleiche bleiben, auch wenn sie paraphrasiert oder gekürzt auf einer anderen Webseite erscheint.

Die entscheidenden Details für das Wohl oder Wehe der Monetarisierung von Journalismus liegen in den Details folgender drei Eigenschaften:

  1. der Langlebigkeit,
  2. dem Verhalten eines Erfahrungsgutes,
  3. dem Grad der Öffentlichkeit.

Diese klassischen Eigenschaften werden auch bei nicht-digitalen Gütern zur Kategorisierung benutzt. Die Digitalisierung macht bei der Beschreibung der Güterart die ökonomische Theorie also nicht obsolet. Thierry Rayna schreibt: „Fundierte ökonomische Konzepte können dazu verwendet werden, um die Herausforderungen der digitalen Technologie zu erklären und zu verstehen.“

[blue_box] In den kommenden Woche werde ich weitere Texte zur Ökonomie des Online-Journalismus veröffentlichen. Sie sind modifizierte Varianten meiner Masterarbeit – und damit robuste digitale Güter. [/blue_box]

Literatur

  • Beck, H. (2011), Medienökonomie: Print, Fernsehen und Multimedia, Springer, Heidelberg, 3. Auflage
  • Kiefer, M. L. (2011), Die schwierige Finanzierung des Journalismus, in: Medien & Kommunikationswissenschaft 59 (1), 5-22 (pdf)
  • McManus, J. H. (1992), What Kind of Commodity Is News, in: Communication Research 19 (6), 787-805
  • Quah, D. (2003), Digital goods and the new economy, Centre for Economic Performance, London School of Economics and Political Science, Discussion Paper 563 (pdf)
  • Rayna, T. (2008), Understanding the Challenges of the Digital Economy: The Nature of Digital Goods, Communications & Strategies 71 (3), 13-36 (pdf)

Lesenswertes: Profi-Gamer, Sklaven-MGMT und deutsche US-Kultur

Profi-Gamer statt Profi-Fussballer

Vor Jahren handelte eine meiner ersten Reportagen von chinesischen Jugendlichen, die Games spielen. Bei Aeon gibt es nun einen aktuellen (und wesentlich besseren) Text über die Folgen davon, wenn Tausende Jugendliche von einer Karriere es als Profi-Spieler träumen.

„Game boys: From a vast subculture of gaming addicts in China, only a few go professional and get rich. Is the social cost worth it?“

Die alten Römer als die ersten Manager

Ein anderer Aeon-Text vergleicht den Umgang der Römer mit Sklaven und modernem Management:

„The successful Roman master understood that slaves were not stupid and would take advantage of opportunities to undermine their master’s authority. Oppression, however, meant that outright rebellion was as rare as labour strikes today. The three big slave rebellions, the last of which was led by Spartacus, all took place between 135-71 BC when slaves were cheap and expendable, thanks to rapid Roman conquests, and so were treated appallingly.

(…)

Owning slaves and employing staff are in a simple sense a million miles apart. A comparison of the two is going to provoke, but similarities do exist. It is an uncomfortable truth that both slave owners and corporations want to extract the maximum possible value from their human assets, without exhausting them or provoking rebellion or escape.“

Die deutschen Einwanderer und ihre Spuren in der amerikanischen Kultur

The silent minority – The Economist

„German immigrants have flavoured American culture like cinnamon in an Apfelkuchen. They imported Christmas trees and Easter bunnies and gave America a taste for pretzels, hot dogs, bratwursts and sauerkraut. They built big Lutheran churches wherever they went. Germans in Wisconsin launched America’s first kindergarten and set up Turnvereine, or gymnastics clubs, in Milwaukee, Cincinnati and other cities.“

Die größte ökonomische Frage des 21. Jahrhunderts

Ein faszinierendes Interview Yuval Harari in der SZ von Johannes Kuhn. Darin sagt Harari unter anderem:

Die größte ökonomische Frage des 21. Jahrhunderts ist: Warum benötigst Du Menschen in der Wirtschaft? Die hat sich zuvor noch nie gestellt, denn wer sollte den Weizen ernten oder in den Fabriken arbeiten, wenn nicht Menschen? Eine Antwort auf die Frage lautet also: Wir brauchen Menschen als Produzenten. Wenn das der Fall ist, sind wir in ziemlichen Schwierigkeiten. Die andere, recht amerikanische Antwort lautet: Wir brauchen die Menschen als Konsumenten. In der Praxis wird das bedeuten, dass wir nicht mehr arbeiten werden, sondern nur noch konsumieren, das ist dann unser Job. Die USA entwickelt sich gerade in Richtung dieser Idee, doch es gibt ein Problem: Sie widerspricht jedem ökonomischen Modell in der Geschichte der Menschheit. Du bräuchtest dafür ein neues Modell, das noch nicht existiert.

Die 90er-Jahre-Technologie-Party

Welcome to the Revenge of ’90s Internet

The Verge vergleicht die großen der Technologie-Industrie – Google, Facebook und den Chip-Hersteller Qualcomm – mit den dominanten Firmen der 90er Jahre:

You can keep going: Facebook is now pitching itself to media companies as their savior, just as AOL once did. Most websites get a tremendous amount of traffic from Facebook; it’s only a matter of time before Facebook starts aggressively charging for that traffic.

Google = Microsoft
Facebook = AOL
Apple = Sony
Buzzfeed = Yahoo

Die Begründungen dazu nach dem Link