#FTOJ14: Sechs Lehren für den Online-Journalismus

Beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus des Hessischen Rundfunks sprach der Journalist Holger Schmidt über die Monetarisierung von Online-Journalismus. // von Katharina Brunner Unser Autorin Katharina Brunner ist heute beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus (#ftoj14) des Hessischen Rundfunks und hat in einem Storify den Vortrag des Journalisten Holger Schmidt, bekannt als Netzoekonom, festgehalten. Schmidt […]

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Beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus des Hessischen Rundfunks sprach der Journalist Holger Schmidt über die Monetarisierung von Online-Journalismus. // von Katharina Brunner

Storify

Unser Autorin Katharina Brunner ist heute beim 10. Frankfurter Tag des Online-Journalismus (#ftoj14) des Hessischen Rundfunks und hat in einem Storify den Vortrag des Journalisten Holger Schmidt, bekannt als Netzoekonom, festgehalten. Schmidt sprach über die Monetarisierung von Online-Journalismus. Aus der Analyse von Auflagenzahlen, Umsätzen, Werbeeinnahmen etc. zog Schmidt sechs Lehren, die Katharina Brunner uns vorstellt.

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Rezension: “Journalism and Technological Change”

In einem Sammelband versuchen Wissenschaftler das Verhältnis zwischen Journalismus und Technologie auszuloten. // von Katharina Brunner Der Scherz bekommt mittlerweile einen grauen Bart und trotzdem funktioniert er noch immer: Einfach Eilmeldung vor eine nur mäßig spannende Nachricht schreiben. Der Witz zeigt das Problem, das Journalisten mit der immer schneller werdenden Geschwindigkeit im Nachrichtengeschäft haben. Denn […]

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In einem Sammelband versuchen Wissenschaftler das Verhältnis zwischen Journalismus und Technologie auszuloten. // von Katharina Brunner

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Der Scherz bekommt mittlerweile einen grauen Bart und trotzdem funktioniert er noch immer: Einfach Eilmeldung vor eine nur mäßig spannende Nachricht schreiben. Der Witz zeigt das Problem, das Journalisten mit der immer schneller werdenden Geschwindigkeit im Nachrichtengeschäft haben. Denn neue technische Entwicklungen – seien es der Telegraf im 19. Jahrhundert, das Telefon im 20. oder das Internet im 21. Jahrhundert – bedeuten vor allem: steigende Geschwindigkeit im Nachrichtengeschäft.


Warum ist das wichtig? Das „Journalism and Technological Change“ zeigt wissenschaftliche Aspekte von Journalismus und Technologie

  • Technische Entwicklungen beeinflussen den Journalismus schon immer
  • Mit jeder Technologie steigt die Geschwindigkeit der Berichterstattung
  • Sicherheit und ökonomische Aspekte kommen zu kurz

 Doch bis zum Internet haben von dieser Beschleunigung vor allem traditionelle Medien profitiert, denn nur sie hatten die finanziellen Möglichkeiten, die teuren Technologien zu nutzen. Mit dem Internet hat sich das geändert: “Beschleunigung hat dem Aufstieg von Nachrichten (traditionellen Medien, Anm. d. Red.) bis zu einem Tipping-Point der Technologie geholfen – und dieser Punkt ist überschritten“, glaubt John Nerone. Denn Exklusivmeldungen können heute genauso gut von Amateuren kommen.

Und haben Journalisten doch einen Scoop gelandet und eine Meldung vor den Konkurrenten gebracht, dann nützt ihnen das nur mehr wenig. Hielt der zeitliche Vorsprung in analogen Zeiten noch 24 Stunden oder mehr, ist er heute in wenigen Minuten dahin. Nämlich ganz einfach dann, wenn die Konkurrenz die Nachricht als Eilmeldung bei sich selbst übernommen hat. Der Streit zwischen der Bild-Zeitung und Focus Online zeigt das schön: Bild.de-Chefredakteur Julian Reichelt wirft in einem Interview mit Turi2 der Online-Ausgabe des Focus vor, Inhalte „zu klauen“. Das Problem liegt da weniger in der Tatsache, dass die Medien voneinander abschreiben, sondern darin, dass die Bild versucht mit Inhalten Geld zu verdienen, die anderswo kostenlos zu kriegen sind. Mitchell Stephens vergleicht das damit, Eis verkaufen zu wollen, nachdem jeder bereits einen Kühlschrank zu Hause stehen hat.

Schritt zurück von der Nachrichtenfront

Die Daseinsberechtigung von traditionellen Medienhäusern kann also nicht mehr darin liegen, weiterhin im Rennen um die nächste Eilmeldung teilzunehmen. “Die prestigeträchtigsten Nachrichtenorganisationen werden einen Schritt zurück von der Nachrichtenfront machen“, prognostiziert Nerone.

Statt Schnelligkeit also Kontext, Erklärungen, Einordnung – kurz: diesen ominösen Qualitätsjournalismus. Doch was soll das genau sein? Stephens fordert den „wisdom journalism“: „Journalismus, der das Verständnis von der Welt stärkt.” Die technischen Entwicklungen, die den Journalismus auf so vielen Ebenen verändern, führt womöglich zu einer ganz neuen Kategorisierung: Karin Wahl-Jorgensen schlägt den Begriff des post-modernen Journalismus vor.

Die akademischen Aufsätze beginnen die Betrachtung allerdings nicht erst mit dem Internet. Telegrafen, Fotografie und Telefon werden genauso analysiert, wie aktuelle empirische Arbeiten zu Leser-Partizipation und sozialen Medien. Zum Beispiel: Wie beeinflussen Selbstregulierung und Kritik aus Social-Media-Kanälen die Arbeit von Journalisten? Um die wissenschaftliche Studie auf einen Satz herunterzubrechen: Selbst-Regulierung und soziale Medien haben keinen großen Einfluss, wichtiger sind Qualitäts- oder Ethikstandards innerhalb von Redaktionen.

schreiber-u4.inddSicherheitsaspekte fehlen

Die Herausgeber Martin Schreiber und Clemens Zimmermann stellen im Vorspann fest, dass die Journalismusforschung bisher in getrennten Lagern verläuft: Zum einen die technische Seite, die in den Naturwissenschaften verortet wird. Zum anderen die „Dimension der Inhalte“, die die Geisteswissenschaften bearbeiten. Diese Dichotomie müsse überwunden werden, denn wenn das Internet das alles verändernde Moment im Journalismus ist, dann ist jede Betrachtung des gegenwärtigen Journalismus auch eine der technologischen Möglichkeiten.

Zu kurz kommen im Buch die ökonomischen Implikationen: Zwar lässt es sich fast keiner der Autoren nehmen, darauf hinzuweisen, dass das Internet das analoge Geschäftsmodell in sich zusammenbrechen lässt. Den Zusammenhang zwischen technologischen Veränderungen und seinen wirtschaftlichen Folgen streifen die Autoren aber höchstens.

Die Beiträge im Buch speisen sich aus einer Konferenz im Frühjahr 2013. Der Zeitpunkt ist entscheidend. Denn in der Prä-Snowden-Ära standen Sicherheit von Kommunikation, Quellen und Daten nicht im Blickpunkt: Nur etwa eine der knapp 300 Seiten streift diese Aspekte. In einem etwaigen Nachfolgeband nehmen diese Themen sicher mehr Raum ein.

Martin Schreiber und Clemens Zimmermann (Hrsg.), “Journalism and Technological Change“, Campus Verlag


Teaser & Image by Russland und Ukraine (CC BY-SA 2.0)


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Bunte Liste erneut stärkste Kraft – Fachschaftsinitiative Lehramt mit drei Mandaten

Fast alles beim Alten: Im Kovent verlieren die großen drei Listen jeweils einen Sitz, im Senat bleiben die Verhältnisse gleich. Nur die Fachschaftsinitiative Lehramt kann stark hinzugewinnen.

Fast alles beim Alten: Im Kovent verlieren die großen drei Listen jeweils einen Sitz, im Senat bleiben die Verhältnisse gleich. Nur die Fachschaftsinitiative Lehramt kann stark hinzugewinnen.

Hochschulwahlen 2014 Uni Regensburg

Spannung im Senatssaal: Die meisten Gesichtern schauen freudig, als das vorläufige Ergebnis der Hochschulwahlen am Dienstagabend bekannt gegeben wurde.

Die Bunte Liste feiert mit acht Sitzen im studentischen Konvent bzw. zwei im Senat auch dieses Jahr den größten Einzelerfolg der Hochschulgruppen. Der RCDS und die Jusos bekommen jeweils einen Sitz im Senat. Im Konvent verlieren sie beide einen Sitz, beide Listen haben nun fünf Mandate.

 

 

Ein Überraschungserfolg gelang der Fachschaftsinitiative Lehramt, die mit drei Sitzen in den Konvent einzieht. Letztes Jahr waren sie dort nicht vertreten. Die Liberale Hochschulgruppe (LHG) kann allen Wahlkampfbemühungen zum Trotz auch dieses Jahr nicht in den Konvent oder Senat einziehen. Die Bieraten dagegen verteidigten ihren Posten und holen wieder einen Sitz. Insgesamt werden so 22 studentische Vertreter in den Konvent einziehen.

 

 

Die Ergebnisse für den Senat

Im Senat bleibt der Proporz gleich: Zwei Personen aus dem grünen Spektrum, ein RCDler, ein Juso: Die zwei Mandate der Bunten Liste holten Christiane Fuchs und Josef Werner, den RCDS vertritt weiterhin Benjamin Gürtler und Tobias Hartl von LAF/Jusos zieht neu den Senat ein. Der Kopf der Fachschaftsinitiative Lehramt, Jordan Zaby, und auch die Kandidaten der anderen Listen gingen leer aus.

 

 

Verzögerung beim Auszählen

Mit der Bekanntgabe der Ergebnisse ging ein langer Wahlabend zu Ende: Aufgrund einer falschen Auszählung einer Fakultätsliste zögerte sich die Verkündung bis in die späten Abendstunden hinaus. Die anwesenden Hochschulgruppen störte dies jedoch wenig. Sie witzelten bei Bier und Gummibärchen über die Langsamkeit des auswertenden Rechners: „Der Rechner hat bestimmt Windows 95, solange wie das dauert“, kommentierte ein Anwesender auf die Aussage der Wahlleitung, dass der Computer noch am auswerten sei. Am Ende waren dennoch die meisten froh, nicht mehr in Ungewissheit zu sein und machten sich auf, um zu feiern – oder bereits die kommende Amtszeit zu planen.

Die Wahlbeteiligung war auch dieses Jahr wieder sehr gering: 13,49 Prozent beteiligten sich bei der Wahl zum Senat bzw. 13,42 Prozent beim studentischen Konvent.

 

BuchhandlungVorOrt will Online-Handel mit Buchhandlungen verbinden

Das Startup BuchhandlungVorOrt will mit einem gemeinsamen Online-Shop die unabhängigen Buchhändler stärken. Doch zu welchem Preis? // von Katharina Brunner Amazons Image ist schlecht: Neben den Arbeitsbedingungen im Lager und die Steueroasen beschäftigt die PR-Abteilung der Vorwurf für den Tod des stationären Buchhandels verantwortlich zu sein. Dass Online-Handel und kleine unabhängige Buchläden zusammengehen können, will […]

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Das Startup BuchhandlungVorOrt will mit einem gemeinsamen Online-Shop die unabhängigen Buchhändler stärken. Doch zu welchem Preis? // von Katharina Brunner

Bookstore (Bild: Geraint Rowland [CC BY 2.0], via Flickr)

Amazons Image ist schlecht: Neben den Arbeitsbedingungen im Lager und die Steueroasen beschäftigt die PR-Abteilung der Vorwurf für den Tod des stationären Buchhandels verantwortlich zu sein. Dass Online-Handel und kleine unabhängige Buchläden zusammengehen können, will das Startup BuchhandlungVorOrt zeigen. Unter ihrer Marke sollen sich unabhängige Läden zu einer gemeinsamen Online-Plattform zusammenschließen. Zielgruppe sind Leser, die sich bewusst für den kleinen Laden um die Ecke entscheiden wollen.


Warum ist das wichtig? Das Berliner Startup BuchhandlungVorOrt will Online-Handel und kleine Buchhandlungen miteinander verbinden.

  • Unabhängige Läden sollen sich zu einem gemeinsamen Online-Shop zusammenschließen.
  • Zielgruppe sind Leser, die sich bewusst für lokale stationäre Buchhandlungen entscheiden wollen.
  • Unklar bleibt aber die wichtigste Information: Wie hoch soll die Vermittlungsprovision für das Startup sein?

Der Buchhandel gilt als eine der Branchen, die das Internet besonders schmerzvoll getroffen hat. Schließlich ist es das Online-Kaufhaus Amazon, das als erstes das Internet als Vertriebsweg das Internet nutzte. Traditionelle Unternehmen im Buchhandel haben es nicht geschafft, eine konkurrenzfähige Alternative zu Amazon zu schaffen “Leider ist die Online-Präsenz der lokalen Buchhändler oftmals wenig ausgebaut und nicht an unsere veränderten Bedürfnisse angepasst. Bislang existierende Weblösungen und E-Commerce-Plattformen, welche Bestellungen bei lokalen Buchhändlern ermöglichen, überzeugen weder uns noch die lokalen Buchhändler selbst“, sagen die Gründer von BuchhandlungVorOrt.de im Netzpiloten-Interview (hier).

Die Idee klingt einleuchtend: Eine Bestellung bei BuchhandlungVorOrt wird an einen lokalen Buchhändler weitergeleitet, der das Buch an den Kunden verschickt. Bequemes Online-Shopping soll so mit kleinen, unabhängigen Buchhandlungen kombiniert werden.

Zentraler Shop strategisch richtig

Strategisch ist ein zentraler Shop der richtige Schritt: Durch die fixen Preise der Buchpreisbindung kann Gewinn nur dadurch gesteigert werden, indem die Kosten sinken. Je größer ein Unternehmen, desto leichter geht das. Amazon zeigt es, wie ein Geschäft mit geringen Margen trotzdem profitabel betrieben werden kann. “Obwohl viele stationäre Buchhändler einen eigenen Webshop haben, finden sie keine Zeit, den Webshop als weiteren Verkaufskanal kosteneffizient auszuspielen“, sagt die Gründer von BuchhandlungVorOrt.de weiter ausführen. Und in diese Lücke möchte BuchhandlungVorOrt treten.

Die Idee ist es, dass Käufer ihre Lieblingsbuchhandlung auswählen können. Doch das kann auch ein Laden in einer anderen Stadt sein. Damit könnte das Konzept auch weg
von der Fokussierung auf einen bestimmten Laden hin zu einer allgemeinen Plattform für alternativen Buchhandel entwickeln.

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Eine Frage bleibt offen: Wie hoch ist die Provision?

Doch etwas überrascht doch: Entscheidend über den geschäftlichen Erfolg der Buchhandlung vor Ort ist die Provision, die das Startup für die Vermittlung der Aufträge erhält. Doch bisher gibt es keine konkrete Zahlen – zumindest offiziell. Die Provision sei “derzeit eine zentrale Frage, die wir derzeit im Team erörtern“, heißt es im Interview mit den Netzpiloten. “Hierbei gehen wir auch ins Gespräch mit Buchhandlungen.” Es überrascht, dass sich das Startup über die zentralste Frage ihres Geschäftsmodell keine genauere Auskunft machen kann – oder will.

Denn auch für die Buchhandlungen, die vor der Entscheidung stehen, ob sie Teil des Vertriebnetzwerkes werden wollen, könnte das der entscheidende Punkt sein: Wieviel des Preises geht als Provision für die Vermittlung an BuchhandlungVorOrt, wieviel bleibt ihnen selbst? Dazu kommt die Überlegung: Können Buchhandlungen so neue Zielgruppen erschließen? Also diejenigen, die sowieso nie in den Laden gehen, aber gerne kleine Geschäfte unterstützen würden. Oder aber kaufen über BuchhandlungVorOrt auch diese Menschen, die sonst in den Laden gehen würden – für deren Einkäufe die Händler aber Provision an BuchhandlungVorOrt zahlen müssen.

Oft geht die Geschichte so: Die Marktmacht Amazons zerstört die kleinen, unabhängigen Buchläden. Doch, so schreibt das Wirtschaftsmagazin Quartz, zumindest für die USA korreliert der Aufstieg Amazons nicht mit dem Wegfall kleiner Geschäfte. Im Gegenteil: Dort ist die Anzahl zwischen 2009 und 2013 um über 15 Prozent angestiegen. Die wahren Verlierer durch Amazon sind dort die großen Buchhändler, wie Borders und Barnes and Nobles. Deren deutschen Pendants lauten: Weltbild, Thalia oder Hugendubel – Unternehmen, von denen gute Nachrichten schon eine Weile auf sich warten lassen.


Teaser & Image by Geraint Rowland (CC BY 2.0).


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Automattic: Wie wertvoll ist das Unternehmen hinter WordPress.com?

WordPress.com-Betreiber Automattic ist auf Expansionskurs: 160 Millionen Risikokapital, fünf Übernahmen in einem Jahr und die Aufnahme im “Billion Dollar Club”. // von Katharina Brunner Die Journalisten beim Wall Street Journal sollten bald tun, was sie in ihrer Fußnote versprechen: Die Infografik “Billion Dollar Club” updaten. Dort zählen sie diejenigen Startups auf, deren Wert auf mehr […]

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WordPress.com-Betreiber Automattic ist auf Expansionskurs: 160 Millionen Risikokapital, fünf Übernahmen in einem Jahr und die Aufnahme im “Billion Dollar Club”. // von Katharina Brunner

WordPress (Bild: mkhmarketing [CC BY 2.0], via Flickr)

Die Journalisten beim Wall Street Journal sollten bald tun, was sie in ihrer Fußnote versprechen: Die Infografik “Billion Dollar Club” updaten. Dort zählen sie diejenigen Startups auf, deren Wert auf mehr als eine Millarde Dollar geschätzt wird. Zwischen Fab, einem Onlineshop für “fashionable products” (1,2 Milliarden US-Dollar), und Gilt Groupe, einem Online-Outlet für Luxus-Kleidermarken (1,1 Milliarden US-Dollar), sollte das Wall Street Journal Platz machen für Automattic, Betreiber u.a. von WordPress.com (1,16 Milliarden US-Dollar).


Warum ist das wichtig? Das Unternehmen Automattic steht hinter der Plattform WordPress.com ist auf Expansionskurs.

  • Im letzten Jahr schrieb Automattic-Gründer Matt Mullenweg, die Firma brauche kein Risikokapital.
  • Anfang Mai steigt eine Investorengruppe mit 160 Millionen US-Dollar in Automattic ein.
  • Automattic hat im vergangenen Jahr fünf Startups übernommen.

Eine Investorengruppe um Insight Venture Partners hat den Wert von Automattic auf über eine Milliarde Dollar angesetzt und bekannt gegeben, 160 Millionen US-Dollar in das 2005 gegründete Unternehmen zu investieren. Dieses Risikokapital kommt überraschend, das letzte Mal gab es eine solche Finanzierung 2008. In der Vergangenheit hat Automattic-Gründer Matt Muellenweg nicht ohne Stolz betont, die Firma wolle auf Investitionen von außen verzichten. Noch vor einem Jahr schrieb er auf seinem Blog: “Es ist nicht nötig, direkt Geld aufzunehmen – es gibt keine Finanzierungsengpässe“. Seit dieser Aussage im Mai letzten Jahres war Automattic sehr aktiv: Es hat fünf andere Startups übernommen und im Januar hat Mullenweg mit CEO Toni Schneider die Posten gewechselt. Mullenweg ist nun Chef, Schneider für neue Produkte verantwortlich.

WordPress hat Konkurrenz Raum gelassen

Matt Mullenweg, Mitgründer der Open-Source-Software WordPress, hat Automattic als den kommerziellen Zweig von WordPress aufgebaut. WordPress.com fungiert als Blog-Hoster, der sich über Werbung und kostenpflichtige Zusatzangebote, wie Domains (eine der Übernahmen im letzten Jahr war die eines Domain-Namen-Generators) oder Themes finanziert. Zudem betreibt Automattic WordPress-relevante Dienstleistungen wie den Backup-Dienst VaultPress oder die populären Plugins Akisment, Jetpack oder BuddyPress, aber auch die WordPress-unabhängige Notiz-App Simple Notes. Seit 2012 sollen mit WordPress VIP Großkunden geworben werden. Unter anderem das Wirtschaftsmagazin Quartz und das Time-Magazin setzen auf diese Lösung. Nicht zuletzt leiten Mitarbeiter von Automattic einen nicht unerheblichen Teil an der Weiterentwicklung der Open-Source-Variante von WordPress.

Mit seiner enormen Reichweite – über 20 Prozent der zehn Millionen am häufigsten besuchten Webseiten laufen laut dem Standardisierungskonsortiums des World Wide Webs, W3C, auf WordPress-Basis – tut sich auch ein Problem auf: Soll sich WordPress auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und seine Blogging-Plattform optimieren oder sollte sich WordPress seine Eigenschaften als Content-Management-System ausbauen, die auch Webseiten von großen Firmen oder Medien tragen? In den vergangenen Jahren schien der Fokus darauf zu liegen, ein vollwertiges Content-Management-System zu entwickeln – darunter hat der Blogging-Aspekt gelitten und Raum für Konkurrenz gelassen, bei denen das Posten von Texten oder Bildern nutzerfreundlicher ist: Tumblr, Medium oder Ghost.

File-Sharer, Editor, Kuratierer: Automattic ist in Shopping-Laune

Die Blogger könnte Automattic mit seinen Übernahmen wieder stärken. Ähnlich wie Twitter mit TweetDeck verfahren ist, hat Automattic die beliebte App zum mobilen Bloggen übernommen. Cloudup und Scroll Kit versprechen für die Zukunft neuartige Möglichkeiten, um Beiträge zu erstellen. Cloudup ist eine Filesharing-Plattform mit Stream-Option, Scroll Kit erlaubt über Drag-and-Drop spektakuläre Webseiten zu erstellen. Die bekannte Snowfall-Geschichte der New York Times, die angab, über Wochen daran gearbeitet zu haben, konnte mit ScrollKit innerhalb von einer Stunde nachgebaut werden. Die New York Times fand das gar nicht lustig und schickte eine Unterlassungsanordnung. Im Gegensatz zu Cloudup hat Scroll Kit seinen eigenständigen Betrieb bereits eingestellt. Ein Anzeichen dafür, dass Elemente des visuellen Editors schon bald in den vielkritisierten WordPress-Editor eingebaut werden könnten. Womöglich stehen diese Features dann auch nur Premium-Nutzern zur Verfügung. Wie dem auch sei, der Kauf von Scroll Kit verspricht das individualisierte WordPress-Webseiten, wie sie reguläre Themes ohne zusätzliches Coden nicht zulassen.

Auch inhaltlich will sich Automattic als Kurator breiter aufstellen. Davon zeugt die Übernahme von Longreads. “Die Redaktion von WordPress.com wächst und wir sind begeistert, Teil davon zu sein“, schreibt Longreads-Gründer Mark Armstrong. Longreads kuratiert lange Texte – journalistische genauso wie Kurzgeschichten. Das Geschäft basiert auf dem Freemium-Modell: Newsletter mit ausgewählten Texten gibt es einmal die Woche umsonst, als Member kann man für drei Dollar pro Monat die Seite unterstützen und bekommt dafür jeden Tag Geschichten. Die vier Angestellten von Longform sollen in Zukunft Texte auf der “Freshly Pressed“-Seite kuratieren. Longreads läuft in bisheriger Form auch unabhängig von WordPress.com weiter.

Bei keiner der Neuerwerbungen ist bekannt, wieviel sie Automattic gekostet haben. Doch ganz billig war der Expansionskurs sicher nicht, vielleicht war Longreads auch nicht die letzte Neuanschaffung. Nicht zuletzt deshalb werden sich die Entscheider bei Automattic doch für Risikokapitalgeber entschieden haben. Den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz sieht CEO Mullenweg in der Open-Source-Bewegung. In der “Billion Dollar Club”-Liste des Wall Streets Journals setzen nur drei von 45 Firmen (Stand: Januar 2014) auf Open Source – bald kommt eines hinzu.


Teaser by Nikolay Bachiyski (CC BY 2.0)

Image by (CC BY 2.0)


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#rp14: Wie persönliche Daten zurückerobert werden könnten

Wie können wir die Souveränität über unsere Daten zurückerlangen? Drei Sessions auf der re:publica versuchten eine Antwort zu finden. // von Katharina Brunner   Wir müssen unsere Daten schützen! Der Satz ist leichter gesagt als getan. Wie könnte man es tatsächlich schaffen, die Souveränität über die eigenen Daten zurückzugewinnen? Am ersten Tag der re:publica haben […]

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Wie können wir die Souveränität über unsere Daten zurückerlangen? Drei Sessions auf der re:publica versuchten eine Antwort zu finden. // von Katharina Brunner

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Wir müssen unsere Daten schützen! Der Satz ist leichter gesagt als getan. Wie könnte man es tatsächlich schaffen, die Souveränität über die eigenen Daten zurückzugewinnen? Am ersten Tag der re:publica haben sich in drei Sessions die Referenten versucht, über eine Definition von My Data, konkreten Tools und einem Gedankenexperiment zu einem idealen Netzwerk versucht, sich dem Thema zu nähern. Das große Zauberwort: Dezentralität.


Drei Session haben sich auf der Republica mit individuellen Daten und wie sie in Zeiten der Triade aus Facebook, Google und NSA zumindest ein Stück zurückerobert werden können.

  • My Data sind Informationen, die sich – im Gegensatz zu Big Data und Open Data – auf einzelne Personen zurückführen lassen
  • Push/Pull-Ansatz als Kompromiss zwischen Komfort und Datenkontrolle
  • Ein erfolgreiches dezentrales Netzwerk braucht auch eine zentrale Komponente

“Was glaubt ihr, wieviele Firmen, Organisationen oder Institutionen sammeln pro Tag Daten von euch?”, fragte Christian Heise  zu Beginn der Session mit dem Titel “Big, small, open – My Data“, die er zusammen mit Mark Lizar und Marco Maas hielt. Die Antwort auf Heises Frage: “Wir wissen es nicht. Aber ich habe versucht, es bei mir an einem Tag zu zählen: Es waren 288 – und das waren nur die Offensichtlichen.”

In Anbetracht dessen haben die drei Referenten versucht, persönliche Daten von von Big Data und Open Data abzugrenzen. “Big Data ist alles, was genug Daten sind, damit sie immer statistisch signifikant sind”, sagte Heise. Open Data dagegen all jene Daten, die nicht nicht persönlich relevant sind, aber öffentliche Bedeutung haben. Die persönlichen Daten, My Data, sind all die Informationen, die jemanden persönlich identifizieren können – ganz egal, wer sie sammelt.

Damit stellen sich zwei Fragen: Wer hat Zugang zu den Daten? Und wer die Kontrolle darüber? Heise, Lizar und Maas berichten aus Großbritannien, wo es eine Debatte darüber gibt, ob alle Gesundheitsdaten in einer Datenbank gespeichert werden sollen. „Das wird zeigen, wie die die Welt zukünftig mit Gesundheitsdaten umgeht.“

Wie geht man gegen Unternehmen und Behörden vor? Unter Selbstauskunft.net können einzelne User in Deutschland von Firmen und Behörden verlangen, ihre Daten zu bekommen. Als Ziel setzte Marco Mass: “Wie bekommt man die Firmen, die Daten sammeln dazu, dass sie die eigenen Daten maschinenlesbar herausgeben.”

Konkretere Wege, wie Nutzer bereits jetzt zumindest eine Teil-Souveränität über ihre Daten wiederbekommen können, versuchte auch Jonas Westphal aufzuzeigen. Der Titel seines Vortrags: “Web 1.0 + 2.0 remixen: Digitale Identität zurückerlangen“. Web 1.0 steht dabei für eine dezentrale Struktur, Web 2.0 für die soziale und interaktive Komponente.

Kompromiss zwischen Komfort und Datenkontrolle

Wie auch Maas forderte auch er: “Wenn ich schon Daten hergebe, dann will ich sie auch kostenfrei zurück.” Mit der Software ThinkUp ist das auch möglich: Die eigenen Daten können damit über Schnittstellen aus sozialen Netzwerken auf den eigenen Webserver kopiert werden. “Das ist ein Kompromiss zwischen Komfort und Datenkontrolle, denn die Daten bleiben ja trotzdem beim Anbieter.” Die Methode heißt Pull, weil die Daten aus dem öffentlichen Raum, zum Beispiel bei Facebook oder Twitter, in die eigene Cloud gezogen werden. Der umgekehrte Weg, die Push-Methode, würde erst schlecht funktionieren.

Westphals zweiter Ansatz sind dezentrale Netzwerke. Das bekannteste Beispiel ist dafür ist Diaspora, aber auch Dienste wie Pump.io oder Tent.io. Dadurch könne man die maximale Kontrolle behalten – und damit unabhängig bleiben. Das Problem: “Diese Dienste nutzt kein Schwein.” “In the wild”, also in der digitalen Realität fällt Westphals Urteil für die dezentralen Netzwerke vernichtend aus: “Sie funktionieren nicht. Diaspora ist auf der ganzen Linie gescheitert.”

Daran schloss, thematisch wie auch auch zeitlich, Michael Seemann an, der eine Prise Optimismus in die Debatte um dezentrale Netzwerke streute. Der Titel seines Vortrags: „Dezentrale Social Networks. Warum sie scheitern und wie es gehen könnte“. Seemann zählte erfolgreiche dezentrale Ansätze auf: E-Mails und Jabber in der 1:1-Kommunikation, in der 1:n-Kommunikation das Web, Bittorrent und Blogs.

Dezentralität geht nicht ohne Zentralität

Doch die Latte für ein erfolgreiches dezentrales soziales Netzwerk liegt hoch: “Es muss eine soziale Gravitation erzeugt werden.” Es muss also unbedingt zu einem Netzwerkeffekt kommen, der den individuellen Nutzen umso größer werden lässt, je mehr andere Personen ebenfalls am Netzwerk angebunden sind. “Ein soziales Netzwerk muss alles andere dominieren, alles andere ist Bullshit”, sagte Seemann. Denn, so stellte er klar, Dezentralität sei kein Wert an sich: “Niemand nutzt es nur deshalb.”

Zentrale Netzwerke, wie etwa Facebook, haben zwei große ökonomische Vorteile gegenüber ihren dezentralen Konkurrenten: Sie können Skaleneffekte besonders gute ausnutzen und die Transaktionskosten sind geringer. Trotz der wesentlich besseren Startbedingungen für eine zentrale Organisation, glaubt Seemann nicht, dass die Idee der dezentralen Social Networks zum Scheitern verurteilt ist. Doch wenn es klappen sollte, dann ist auch in einem dezentralen Netzwerk eine zentrale Komponente, die Abfragen möglich macht. Bei Bittorrent sei das PirateBay, beim Web Google.

Doch damit Daten abzufragen sind, müssen sie öffentlich sein. Denn, so Seemanns These, im Spannungsfeld zwischen Privacy, Dezentralisierung und Erfolg kann man immer nur zwei Dinge gleichzeitig erreichen: Wollen Nutzer also ein dezentrales Netzwerk, das Erfolg hat, müssen sie zwangsläufig auf Privacy verzichten.

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Warum es ein “WhatsApp des Journalismus” nicht geben kann

Journalistische Startups haben ein Problem: Journalismus ist schwer skalierbar. // von Katharina Brunner Bei dem Wort Skalierbarkeit bekommen Startup-Gründer und Investoren gleichermaßen große Augen. Es ist der Grund dafür, warum Whats App mit nur 60 Mitarbeitern einen Kommunikationskanal für 500 Millionen Nutzern entwickeln konnte. Nur wenige Personen reichen aus, um ein Produkt zu entwickeln und […]

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Journalistische Startups haben ein Problem: Journalismus ist schwer skalierbar. // von Katharina Brunner

Measure Image (Bild- Ian Muttoo [CC BY-SA 2.0], via Flickr)

Bei dem Wort Skalierbarkeit bekommen Startup-Gründer und Investoren gleichermaßen große Augen. Es ist der Grund dafür, warum Whats App mit nur 60 Mitarbeitern einen Kommunikationskanal für 500 Millionen Nutzern entwickeln konnte. Nur wenige Personen reichen aus, um ein Produkt zu entwickeln und es auch bei großem Wachstum zu erhalten. Das stellt journalistische Startups und Verlage gleichermaßen vor ein Problem: Journalismus ist nur eingeschränkt skalierbar.


Warum ist das wichtig? Journalistische Startups sind nur eingeschränkt mit klassischen Startups vergleichbar.

  • Journalismus braucht viel Humankapital, dadurch ist das Potenzial der Skalierung geringer
  • Damit die Startups auch in Anbetracht enger Budgets wachsen können, muss die Technologie optimal genutzt werden
  • Roboterjournalismus ist der Inbegriff der Skalierungsmaxime

Skalierbarkeit bedeutet, eine Einheit Input erzeugt einen überproportionalen Output. Für Steve Blank, einer der Begründer der populären Lean-Startup-Methode ist das ein wesentliches Charakteristikum eines Startups. Er definiert sie als „eine temporäre Organisation, die nach einem wiederholbaren und skalierbaren Geschäftsmodell sucht“.

Journalismus passt nicht in dieses Schema, denn Inhalte zu erstellen ist arbeitsintensiv: interviewen, recherchieren, schreiben, schneiden, redigieren und die vielen weiteren Aufgaben sind kaum automatisierbar. Den Output bei gleichbleibender Qualität zu erhöhen ist nur möglich, wenn der Einsatz an Humankapital erhöht wird. Skalierbar ist im Online-Journalismus nur die Technologie. In Anbetracht enger Budgets ist es bei journalistischen Neugründungen deshalb umso wichtiger, das vorhandene technologische Potenzial optimal zu nutzen.

Content-Management-System als Geheimwaffe

Eine Webseite eines Online-Magazins sollte zwei Aufgaben optimal erfüllen: Die Organisation der Beiträge im Backend und die möglichst flexible Ausgabe im Frontend. Einem Content-Management-System kommt dabei eine entscheidende Bedeutung zu, findet der ehemalige Reuters-Blogger Felix Salmon: „Es ist fast unmöglich, die Wichtigkeit des Content-Management-System zu überschätzen, wenn es darum geht, wer die Online-Publishing-Kriege gewinnt.“

Die Nase vorn zu haben scheint bei dieser Auseinandersetzung im Moment Vox Media, das Unternehmen hinter Magazinen wie The Verge oder Vox.com von Ezra Klein. Die Geheimwaffe von Vox Media ist ihr Content-Management-System names Chorus. Das CMS kann nicht nur die Inhalte verwalten, sondern hat auch die Kommunikation mit Usern, Statistiken oder die Anzeigenorganisation integriert. Chorus ist der Grund, warum Klein zu Vox Media gegangen ist: „Sie hatten die Technologie, die wir erfinden wollten“, sagte Klein der New York Times. Klein spricht im Plural, weil nicht nur er die Washington Post verlassen hat, sondern mit ihm acht weitere Post-Mitarbeiter, u.a. Yuri Victor, der sich als Entwickler bei einem Nachrichtenmedium einen Namen gemacht hat.

Inhalte wiederverwertbar machen

Strukturierte Daten sind ein zweiter Weg, um die Inhalte wiederverwertbar zu machen – und damit skalierbar, weil sie mit einmaligen Aufwand öfter verwendet werden können. Ein Beispiel: Anstatt über einen Unfall nur in einer herkömmlichen Meldung zu berichten, kann man den Ort, das Datum und die Zahl der Verletzten separat als Metadaten des Artikels speichern. Diese Informationen können dann leicht auf einer Karte oder in einer Statistik dargestellt werden.

Weiter geht Lauren Rabaino, Produktmanagerin bei – Überraschung – Vox Media. „Kill the article“, schreibt sie über ein Konzept, das sie mit zwei ihrer Ex-Kollegen von der Seattle Times bei einem Hackathon entwickelte: Ein einzelner Artikel soll so in den Kontext vorher erschienener Inhalte gesetzt werden. Im Hinblick auf die Monetarisierung heißt das: Ein Text kann mehr als nur einmal Einnahmen geniereren. Der Spruch „Nichts ist älter als die Zeitung von gestern“ aus der Print-Ära verliert damit an Bedeutung.

Roboterjournalismus als Inbegriff der Skalierungsmaxime

Im Sinne der Skalierungsmaxime ist allerdings nur eine Art des Journalismus: Sogenannter Roboterjournalismus​, bei dem Algorithmen oder Sensoren die Arbeit von Journalisten ganz oder zum Teil übernehmen. Humankapital ist im Herstellungsprozess nicht notwendig, damit geht eine hohe Skalierbarkeit einher. Im April kündigte zum Beispiel die Agentur Aexea aus Stuttgart an, Sportnachrichten in acht Sprachen automatisch generieren lassen zu wollen. Doch Sportergebnisse sind sicherlich nicht das Ende der Fahnenstange. „Das wäre so, als wenn das Roboter-Auto nur auf einer schnurgeraden Straße ohne andere Verkehrsteilnehmer fahren würde“, schreibt der Datenjournalist Lorenz Matzat bei Netzpolitik.org.

Wachstum ist für jedes Startup ein wichtiger Schritt hin zu einem funktionierendem Geschäftsmodell. Im Journalismus ist das allerdings nicht durch direkte Skalierbarkeit zu erreichen: zu arbeitsintensiv ist (qualitativ hochwertiger) Inhalt. Trotzdem – oder gerade deshalb – bedeutet Innovation im digitalen Journalismus, die technologischen Gegebenheiten möglichst gut auszunutzen. Dafür braucht es in den Redaktionen nicht nur Journalisten, sondern auch Coder. Dennoch bleibt die Technologie stets nur Hilfsmittel, nicht das Produkt selbst – im Gegensatz zu Startups, die auf rein technologische Lösungen ausgerichtet sind.


Teaser & Image by Ian Muttoo (CC BY-SA 2.0)


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Amazons Hardware-Strategie: Gib’ ihnen Kindle, verkauf’ Ihnen E-Books

Bei Shell-Tankstellen soll es den Kindle Paperwhite mit einem Rabatt von über 100 Euro geben. Der Kampfpreis steht exemplarisch für Amazons Hardware-Strategie. // von Katharina Brunner Auf diversen Schnäppchenjäger-Blogs ist es eine Meldung wert: Im Mai soll es einen Kindle Paperwhite für umgerechnet zehn Tafeln Schokolade gaben. Das Treuepunkteprogramm Clubsmart des Mineralölkonzerns Shell bietet für […]

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Bei Shell-Tankstellen soll es den Kindle Paperwhite mit einem Rabatt von über 100 Euro geben. Der Kampfpreis steht exemplarisch für Amazons Hardware-Strategie. // von Katharina Brunner

Kindle (Bild: Zhao ! [CC BY 2.0], via Flickr)

Auf diversen Schnäppchenjäger-Blogs ist es eine Meldung wert: Im Mai soll es einen Kindle Paperwhite für umgerechnet zehn Tafeln Schokolade gaben. Das Treuepunkteprogramm Clubsmart des Mineralölkonzerns Shell bietet für 999 Punkte das im Moment neueste Modell des E-Book-Readers. Und diese knapp 1000 Punkte bekommen Kunden nicht nur durch tanken, sondern auch indem sie zehn Tafeln Ritter Sport Schokolade kaufen: Einen Kindle für unter 15 Euro. Dieser Kampfpreis zeigt einmal mehr die Strategie Amazons: möglichst viele Kunden gewinnen.


Warum ist das wichtig? Amazon subventioniert seine Kindle-Geräte, um möglichst viele Kunden zu bekommen.

  • Profit sollen Kunden bringen, wenn sie digitale Güter bei Amazon kaufen, nicht durch den Gerätekauf.
  • Durch hohe Wechselkosten soll für die Kunden ein Lock-in-Effekt entstehen.
  • Vorreiter dieses Business-Modells ist Rasierklingenhersteller Gillette.

Schon die regulären Preise für die Kindle-Geräte sind relativ gering: 129 Euro kostet der Paperwhite. Das Einsteigermodell der vollwertigen Tablets, der Kindle Fire HD, ist für den gleichen Preis zu bekommen. Das Analyse-Institut IHS geht davon aus, dass Amazon den ersten Kindle Fire unter Herstellungskosten verkaufte. 207 US-Dollar sollen Produktion, Lizenzen und Software zusammen kosten, für 199 US-Dollar konnten Kunden das Gerät erwerben. “Wir verkaufen Hardware zu unseren Kosten, wir liegen also am Break-Even“, sagte Amazon-Chef Jeff Bezos im Oktober 2012 der britischen BBC. Eine klare Aussage: Gewinn macht Amazon mit den Geräten nicht.

Amazon kennt das Geschäft mit geringen Margen

Denn egal ob E-Book-Reader oder Tablet: Günstige Hardware soll Kundenwachstum garantieren, auch wenn das Unternehmen zu Beginn sogar draufzahlen muss. Gewinn ist erst mittel- bis langfristig geplant. Wie beim E-Commerce-Bereich hat dieses Geschäft geringe Margen, Geld wird über die Masse gemacht. Und dafür müssen die E-Book-Reader in so viele Taschen wie möglich.

Verkauft werden sollen E-Books, Musik, Filme, Apps – kurz: digitale Güter.

Und damit die Kunden das so viel wie möglich tun, versucht Amazon einen sogenannten Lock-in-Effekt zu generieren: Das Grundprodukt ist günstig, Einnahmen sollen über die Folgekosten für die Kunden gemacht werden. Wer einen Kindle hat, kauft sich sehr wahrscheinlich seine E-Books auch bei Amazon. Indem die Wechselkosten – anderes Gerät, neuer Account, geringeres Angebot bei Konkurrenten – auf ein anderes System möglichst hoch sind, entsteht mit den Kindle-Produkten eine Plattforme mit genau diesem Lock-in-Effekt.

Die hohen Wechselkosten sind die Kehrseite des relativ günstigigen Einstiegspreises. Als Erfinder dieser Strategie gilt der Gründer des Rasiererherstellers Gillette, King C. Gillette. Ihm wird der Spruch “Gib’ ihnen Rasierer, verkauf’ ihnen Klingen” zugeschrieben. Diese Herangehensweise heißt deshalb auch “Razor and Blade”. Auf Amazon gemünzt: Gib’ ihnen Kindle, verkauf’ Ihnen E-Books.

Kindle-Kunden geben mehr Geld bei Amazon aus

Und die Zahlen geben Amazon bisher recht: Die Marktforschungsfirma Consumer Intelligence Research Partners hat im Dezember letzten Jahres die Ausgaben bei Amazon von Kindle-Besitzern und Kunden ohne Kindle verglichen. Das Ergebnis: Kunden mit Kindle geben geschätzt über 440 US-Dollar mehr pro Jahr aus.

Womöglich steht die Aktion, für unter 15 Euro einen Kindle Paperwhite zu bekommen, in Zusammenhang mit dem Nachfolger-Modell des Geräts. Der neue Paperwhite mit dem Namen Kindle Ice Wine soll noch im zweiten Quartal 2014 erscheinen, also spätestens bis zum Mai. Wahrscheinlich zahlt auch Shell trotz der Annahme günstiger Konditionen drauf. Aber Shell will schließlich dasselbe wie Amazon: Mit einem Treue-Programm Kunden an sich binden.

Das Geschäftsmodell Amazons ist es nicht, als Produzent für Hardware Umsatz zu generieren, sondern es versteht sich als reines Dienstleistungsunternehmen – im Gegensatz zu Apple. Das Augenmerk von Apple liegt – neben digitalen Gütern im App-Store und iTunes – auf Premium-Produkte mit Premium-Preisen. Zum Vergleich: Im Programm von Shell kann man sich auch ein iPad holen. Dafür muss man 44.999 Treuepunkte vorweisen – 44.000 mehr als beim Kindle. Das sind 440 Tafeln Schokolade.


Teaser & Image by Zhao ! (CC BY 2.0)


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Sorgenkind Twitter: Sie haben sich stets bemüht

Neue Funktionen, neues Design, vielleicht sogar das Ende von @-Replies und Hashtags? Twitter will mit radikalen Änderungen Nutzer gewinnen. // von Katharina Brunner “Twitter weiß genau, was ich mag und für was ich mich interessiere. Offensichtlich durch das, was ich tweete, aber vor allem auch dadurch, wem ich folge“, schreibt Technologie-Analyst Ben Thompson. Doch bis […]

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Neue Funktionen, neues Design, vielleicht sogar das Ende von @-Replies und Hashtags? Twitter will mit radikalen Änderungen Nutzer gewinnen. // von Katharina Brunner

Twitter (Bild: Pete Simon [CC BY 2.0], via Flickr)

Twitter weiß genau, was ich mag und für was ich mich interessiere. Offensichtlich durch das, was ich tweete, aber vor allem auch dadurch, wem ich folge“, schreibt Technologie-Analyst Ben Thompson. Doch bis zu einer hochgradig individualisierten Timeline braucht es langen Atem. Die Einstiegshürden sind hoch: Was heißt RT? Was ist ein @-Reply? Wem soll ich überhaupt folgen? Das scheint für Twitter zum Problem zu werden, denn das Nutzerwachstum schwächelt, viele Accounts verwaisen. Jetzt will Twitter dagegen steuern.


Warum ist das wichtig? Twitter hat ein Problem: Die Nutzerzahlen stagnieren, viele Accounts werden nie regelmäßig befüllt.

  • Twitter führt eine Reihe von Neuerungen ein, um die Einstiegshürden zu verringern.
  • Viele Änderungen machen Twitter dem großen Konkurrenten Facebook ähnlicher.
  • Twitter macht Verluste: Um in den Gewinne zu machen, müssen die Werbeeinnahmen gesteigert werden – durch mehr und aktivere Nutzer.

Etwa 70 bis 80 Prozent der Menschen, die sich bei Twitter anmelden, springen im Laufe der Zeit wieder ab. Nur etwa 3 Prozent der Menschen, die sich jemals bei Twitter im deutschsprachigen Raum angemeldet haben, sind heute noch täglich als Schreiber aktiv“, schreibt Holger Schmidt auf seinem Blog Netzökonom.

Dieser Unfähigkeit, angemeldete User dauerhaft an den Dienst zu binden, hat auch mit der grundsätzlichen Struktur zu tun: Twitter ist per se eine asymmetrische Plattform. Man folgt jemandem, ohne dass diese Person zurück folgen muss. Jede Aktivität muss als erstes von den Nutzern ausgehen. Beim symmetrischen Facebook ist das anders: Eine Freundschaft wird von beiden Parteien bestätigt. Als Neuling kann man also auch warten, bis Freunde und Bekannte den “Freundschaftsanfrage”-Button klicken.

Twitter ist als Werkzeug umso besser, je individueller und auf die eigenen Interessen zugeschnitten die Timeline ist. Das ist ganz Sinne der Werbepartner, die so am zielgerichtesten ihre “Sponsored Tweets” schalten können. Das Problem: Viele Neuanmelder kommen gar nicht bis zum dem Punkt, an dem der Mehrwert von Twitter den Aufwand, sich den eigenen Stream zusammenzustellen, rechtfertigt.

In einer Umfrage hat die Deutsche Bank versucht, 270 Twitter-Nutzer und solche, die den Dienst wieder aufgegeben haben, zu verstehen. Das Ergebnis: Vielen ist der Dienst zu kompliziert, relevante Themen zu schwierig zu finden.

Quelle: Deutsche Bank, Surveymonkey Audience, Sample = 270

Quelle: Deutsche Bank, Surveymonkey Audience, Sample = 270

Doch es ist nicht so, als ob Twitter seinem Verderben zusehen würde – im Gegenteil. Das Unternehmen aus San Francisco ist hochaktiv und bringt immer wieder neue Features: Antworten auf Tweets werden schon seit einigen Monaten mit der Originalnachricht mit einem blauen Strich verbunden, ein “Entdecken”-Tab soll es leichter machen, andere Accounts zu finden. Im Februar wurde bekannt, dass Twitter an einem Redesign der Profilseiten arbeitet, das stark an Facebook erinnert. Fotos und Videos können mittlerweile direkt in den Stream eingebunden werden und müssen nicht mehr über einen Klick auf einen Link geöffnet werden. Ende März wurde bekannt, dass User bis zu zehn Fotos in einem Tweet hochladen und Leute darauf taggen können – beides ohne, dass die 140 Zeichen in Anspruch genommen werden. Jetzt gibt es Gerüchte, dass Twitter sogar erwägt, die @-Replies bei Antworten auf Tweets zu entfernen. Buzzfeed wurde dazu ein Screenshot einer Android Alpha Testgruppe zugespielt, in deren App genau diese @-Replies fehlen.

Das Ziel: Die Nachrichten sollen besser sortiert werden, neue Nutzer leichter an die Plattform herangeführt werden. Und zwar dadurch, dass man Twitter dem anpasst, was Nutzer schon kennen: Facebook. Der Techblog Readwrite wirft Twitter vor, mit den Neuerungen der “Fear of Missing Out” zu unterliegen, also der Angst etwas zu verpassen. In einem anderen Beitrag bezeichnet ReadWrite Twitter sogar als Copycat von Facebook, ein Begriff der in Deutschland vor allem im Zusammenhang mit StudiVZ als Nachmacher-Plattform von Facebook verwendet wird. Aber nicht vergessen: Auch Facebook hat Dinge von Twitter übernommen und zwar genau diese @-Replies und Hashtags, die Twitter angeblich abschaffen will.

Gibt es auch gute Nachrichten? Auch wenn das Nutzerwachstum langsamer wird, die Monetarisierung von Twitter nimmt Fahrt auf. Im vierten Quartal 2013 konnte das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahresquartal die Einnahmen verdoppeln: 242,6 Millionen US-Dollar flossen zwischen Oktober und Dezember in die Kassen. Im gesamten Jahr betrug der Umsatz 665 Millionen US-Dollar. Für 2014 erwartet Twitter eine Verdopplung des Umsatzes – die wird es aber nur geben, wenn weiterhin neue Nutzer den Dienst verwenden. Allerdings macht Twitter weiterhin keinen Gewinn: Im vierten Quartal 2013 betrug der Verlust 511 US-Dollar. Der Aktienkurs liegt dieser Tage im Bereich des Ausgabekurses von knapp 45 US-Dollar. Zum Vergleich: Facebook hatte im vierten Quartal 2013 einen Gewinn von 528 Millionen Dollar, der Umsatz betrug 2,6 Milliarden US-Dollar.

Viele Reaktionen auf die Veränderungen bei Twitter sind skeptisch – gerade bei aktiven Twitter-Nutzern. Doch wenn die Aktiengesellschaft Twitter aus der Verlustzone kommen will, müssen die Werbeeinnahmen immens gesteigert werden. Und das kann nur über die Masse von Usern passieren: Neuanmeldungen oder reaktivierte Accounts. Wenn also Nutzer angeben, Twitter sei ihnen zu kompliziert oder zu unübersichtlich, ist es nachvollziehbar, dass Twitter an diesen Stellschrauben dreht. Die entscheidende Frage: Verwäscht Twitter mit den Veränderungen seine Einzigartigkeit oder macht Twitter nur das, was (neue) Nutzer wollen?


Teaser & Image by Pete Simon (CC BY 2.0)


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Oldies but Goldies: Warum Newsletter noch lange nicht tot sind

Newsletter führen im Online-Marketing ein Leben im Schatten sozialer Netzwerke. Und doch stapeln sie sich in den Posteingängen. Aus guten Gründen. // von Katharina Brunner Ja, auch ich habe es schon oft getan: Ohne die E-Mail zu öffnen habe ich wahrscheinlich schon hunderte, vielleicht tausende Newsletter mit einem Mausklick und ohne mit der Wimper zu […]

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Newsletter führen im Online-Marketing ein Leben im Schatten sozialer Netzwerke. Und doch stapeln sie sich in den Posteingängen. Aus guten Gründen. // von Katharina Brunner

twTHQas - Imgur

Ja, auch ich habe es schon oft getan: Ohne die E-Mail zu öffnen habe ich wahrscheinlich schon hunderte, vielleicht tausende Newsletter mit einem Mausklick und ohne mit der Wimper zu zucken ins digitale Nirwana geschickt. Newsletter umweht der Hauch des Verruchten, nicht selten landen sie im Spam-Ordner neben dubiosen Angeboten nigerianischer Prinzen. Und doch ist er überall: Kaum ein Magazin, kaum ein Unternehmen bietet nicht die Möglichkeit, die eigene E-Mai-Adresse zu hinterlegen, um dann regelmäßige Updates zu bekommen.


Warum ist das wichtig? Newsletter sind Klassiker im Online-Marketing und rücken durch soziale Medien etwas in den Hintergrund – zu Unrecht.

  • Echtes Interesse: Um einen Newsletter zu abonnieren, müssen Nutzer zweimal aktiv werden.
  • Eine direkte Monetarisierung von einem Newsletter klappt nur bei spitzer Zielgruppe.
  • Indikatoren für den Erfolg von einem Newsletter: Zahl der Abonnenten , Zahl der E-Mail-Öffnungen und Klickrate

In Zeiten von Facebook, Twitter oder Whats App wirken Newsletter arg altmodisch: Einfache E-Mails mit klarer Sender-Empfänger-Struktur ohne Kommentarfunktion, keine Share-Buttons, die Abonnenten wissen nichts voneinander. Und doch erhalten sich Newsletter auch im Jahr 25 nach Tim Berner-Lees Erfindung des WorldWideWebs ihren Platz im Online-Marketing und der Nutzerbindung.

Tatsächliches Interesse, weil Abonnent zweimal aktiv werden muss

Wer freiwillig seine Adresse angibt und dann in einem zweiten Schritt auch noch das Abonnement bestätigt, hat tatsächliches Interesse an den Inhalten: Schließlich muss eine Person zweimal aktiv werden – weitaus mehr Aufwand als ein “Gefällt mir” bei Facebook oder ein “Folgen” bei Twitter. Und das macht die Abonnenten wertvoll: “Eine solide Basis von E-Mail-Abonnenten aufzubauen, ist wertvoller als eine Followerschaft auf Twitter”, schreibt Sean Blanda in seinem Text “Pretty Much Everything I Know About The News Business” auf Medium.

Eine Umfrage unter 1292 Personen aus dem Jahr 2012 zeigt, dass Newsletter über alle Altersgruppen hinweg eine weite Verbreitung haben:

Statistik: Anteil der Internetnutzer (nach Altersgruppen), die Newsletter-Abonnenten, Facebook-Fans und Twitter-Follower sind | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Der Klassiker der Newsletter ist Werbung. Gerade E-Commerce-Unternehmen wissen um den Vorteil von Newsletter-Abonnenten, denen man die neue Produkte immer wieder unter die Nase halten kann. Online-Shops für Kleidung lassen sich mehr Einträge im Adressbuch etwas kosten: Bei Zalando gibt es einen Fünf-Euro-Gutschein, beim Frontline-Shop sogar zehn Euro, genauso wie bei Tchibo. Das Ziel ist klar: Käufer akquirieren, Stammkunden bekommen.

Publikum unabhängig von Facebook, Twitter und Co.

Auch für Medien aller Couleur bietet es sich an, sich mit Newslettern ein Publikum unabhängig von sozialen Netzwerken aufzubauen. Die meisten Medien bieten Teaser im Newsletter an, die Monetarisierung läuft dann indirekt über vermehrte Zugriffszahlen auf die Webseite oder direkt durch Anzeigen in den E-Mails. Das Wirtschaftsmagazin Quartz optimiert zum Beispiel den Newsletter für seine Leser auf der ganzen Welt, so dass er je nach Zeitzone immer morgens im Postfach liegt.

Ungewöhnlich ist der Blog Brain Pickings. Die Betreiberin Maria Popova bietet jede Woche die besten Posts im Volltext an. Die Abonnenten sollen gar nicht unbedingt dazu überredet werden, auf die Seite zu klicken. Es reicht, wenn sie sich mit den Inhalten beschäftigen. BrainPickings Geschäftsmodell basiert nicht auf Werbung, sondern baut auf freiwillige Geldspenden, die prominent angepriesen werden – auch im wöchentlichen Rundschreiben.

The Next Draft: Der Superstar unter den Newslettern

Mein Name ist Dave Pell und ich habe ein Problem. Von Kindesbeinen an bin ich von Nachrichten besessen“, schreibt Pell, der als der Superstar unter den Ein-Mann-Newslettern gilt. Fast 30.000 Abonnenten soll “Next Draft” haben. Aus über 50 Seiten kuratiert Pell Tag für Tag die zehn besten Geschichten. WordPress-Gründer Matt Mullenweg persönlich hat Pell angeboten, ihm einen Blog zu sponsorn. Pell’s Weg hatte eine ungewöhnliche Richtung: Erst existierte der Newsletter, dann eine iOS-App und erst im neuesten Schritt, bekam Next Draft einen Blog: “Durch die Blog-Version konnte ich das Teilen der Beiträge erheblich verbessern“, sagte Pell dem WordPress-Blog Post Status.

Ein Vertreter der Einzelkämpfer-Newsletter aus dem deutschsprachigen Raum ist der Schweizer Journalist David Bauer, der sein “Weekly Filet” an etwa tausend Abonnenten verschickt. “Das Weekly Filet ist eigentlich eine Disziplinierungsmassnahme für mich. Es sorgt dafür, dass ich mir jede Woche einen halben Tag Zeit nehme für all die spannenden Inhalte, die ich im Netz finde, für die ich im Alltag aber zu wenig Zeit finde“, sagt Bauer. Monetarisieren will er seinen Blog nicht, allerdings hatte er 2012 eine Partnerschaft mit dem Schweizer Magazin: “Empfehlungen zur Syndizierung” nennt er das. Gelegentlich spenden ihm Leser Geld: “Was mich besonders freut: Wenn jemand spendet, dann meistens gleich einen nennenswerten Betrag“.

Newsletter, die sich an ein Fachpublikum richten, sind die einzigen, die sich direkt monetarisieren lassen. Spitze Zielgruppen sind bereit, tatsächlich Geld für Informationen zu bezahlen. Ein Beispiel ist das Magazin Business Insider, dessen Research-Abteilung namens Business Intelligence einen Newsletter für 995 US-Dollar im Jahr anbietet. Dafür soll es jeden morgen “In-Depth Research On What Matters In Digital” geben. Zwei Wochen kann man die Mail kostenlos zur Probe beziehen.

Und wann ist ein Newsletter erfolgreich?

Doch wie immer stellt sich die Frage: Wann ist ein E-Mail-Newsletter erfolgreich? Die Zahl der Abonnenten allein kann es nicht sein. Man denke nur an die Vielzahl von Newsletter, die jeder von uns schon gelöscht hat. Es gibt zwei Standard-Methoden, um den Erfolg über die quantitative Leserschaft hinaus zu messen: Wann wandert der Newsletter nicht ungeöffnet in den digitalen Papierkorb, sondern wird tatsächlich geöffnet? Und: Wie oft klicken Empfänger die Links in der E-Mail? Diese Indikatoren ähneln vom Prinzip her dem der Zugriffszahlen bei Webseiten und haben daher mit den gleichen Nachteilen zu kämpfen. Das Wichtigste und gleichzeitig das Schwierigste: Ein Newsletter darf nicht nerven. Und wenn doch, dann ist die Mail schnell gelöscht.


Die Netzpiloten haben gleich zwei verschiedene redaktionelle Newsletter – einen mit News und einen mit Klicktipps.


Teaser by Donna Benjamin (CC BY-SA 2.0)


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