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Katharina Brunner

Bloggin' since 2007

Der Maßstab

Mit das beste, am sowieso schon großartigen Wirtschaftsmagazin Brandeis sind die Essays, die das jeweilige Scherpunktthema einleiten. Im Oktober ging es um die Normalität, die – so die These des Autors Wolf Lotter – als Maßstab gesehen werden soll. Ist einleuchtend, schließlich ist das ein relativer Wert, der sich irgendwo orientieren muss.

Nun ist im Prinzip nichts schlecht daran, wenn sich Menschen an einem Durchschnitt orientieren, an einem Wert, der ihnen Gelegenheit gibt, ihre eigene Position genauer zu bestimmen. Dazu ist ein Body-Mass-Index ebenso nützlich wie Leitkulturen und Moden – wenigstens solange wir all diese Maßstäbe nur zur Kalibrierung unserer eigenen Persönlichkeit nutzen, also zur besseren Unterscheidbarkeit von der Norm. Doch das geschieht nach wie vor selten. Die meisten wollen sich am Maßstab nicht orientieren, sie wollen so sein wie er. Wir machen uns, ohne Not, zu Normalverbrauchern. Und es ist nur auf den ersten Blick paradox, dass das besonders klar wird, wo wir das Abweichende loben.

Text mining ist das neue data mining

Rebecca Weiss forscht in Stanford über Text Mining und ist Fellow der Mozilla-Stiftung. Sie sagt:

„What I do is text analysis, which covers the aggregation of texts, machine learning, natural language processing, applied to text files to understand the context. There is a specific set of skills for data journalists to learn, as it is more and more becoming common place to find information in text files, ranging from material published by governments to corporations. And if you can learn those skills you can start to find meaningful patterns in these documents.”

News organizations: Break the paradigm & choose your niche

Der Journalist John L. Robinson argumentiert, dass Zeitungen nicht das bieten, womit Menschen ihre Zeit verbringen: Arbeiten, schlafen, essen, Zwischenmenschliches etc. – inklusive sehr guten Kommentaren!

Falsch: Hörenswertes!

Städte funktionieren dann nicht, wenn sie überhaupt nicht geplant werden (=Slums) und auch dann nicht, wenn sie zu sehr einem Plan folgen (z.B. dieses Insel-Ding vor Dubai). Warum das so ist, erklärt ein Architekt bei Podcast-Gott Tim Pritlove. Drei wirklich spannende Stunden über, so der Architekt, das komplexeste, das Menschen erstellt haben: Städte.

Der Link: CRE – Stadtplanung

Brett Scott schreibt im Aeon Magazin über Geld. Wie David Graeber, der sich mit seinem Buch „Schulden – Die ersten 5000 Jahre“ an einer Geschichte des Kreditwesens – und damit auch eine Geschichte des Geldes – schrieb, ist er Anthropologe. Scott hat in der Finanzindustrie gearbeitet, um herauszufinden, wie sie funktioniert: „The financial system exists, above all, to mediate flows of money, not to question what money is.“

Er vergleicht dabei Geld mit Computersystemen: Finanzinstrumente funktionieren dabei wie Programmiersprachen, Geld ist Assembler.
(mehr …)

Weil ich das Design testen will, packe ich mich selbst in die Rubrik:

Mein Storify über das Hochwasser in Passau

Meet the Man Who Sold His Fate to Investors at $1 a Share

Mike Merrill hat 2008 100 000 Anteile von sich selbst für jeweils einen US-Dollar verkauft. Die Anteilseigner bekommen so das Recht, über ihn und sein Leben zu bestimmen: Wann er schläft, wann er arbeitet, was mit seiner Lebensversicherung passiert (natürlich wird sie unter ihnen aufgeteilt). Seine Freundin hat mit 19 Anteilen nur ein Stimmrecht von unter einem Prozent, ihre Meinung spielt daher zwangsläufig nur eine untergeordnete Rolle. Als es darum geht, ob Mike sich sterilisieren lassen soll, kann sie nur knapp eine Mehrheit dafür verhindern.

Das ist jetzt nur die Hälfte der abstrusen und beängstigenden Geschichte auf Wired. Unbedingt lesen!!!

via @hakantee

Was ist Ihnen das Leben dieser Maus wert?

Viele Volkswirte sehen ihre Wissenschaft als frei von normativen Fragestellungen. Konsequenterweise hat Moral in den meisten Aufsätzen keinen Platz.

Bloß, wie testet man, ob die Moral am Markt besonders gefährdet ist?

 

Die Antwort der Forscher: Teilnehmer eines Experiments sollten entscheiden, ob sie in einer Welt von Angebot und Nachfrage für Geld eine Sünde begehenwürden. Aber welche? Da half der Zufall. Von einem Medizinforscher erfuhr Falk, dass es Labors gibt, die massenweise genetisch veränderte Mäuse für Experimente züchten – und diejenigen vergasen, bei denen die Manipulation versagt. Für ihr Experiment arbeiteten Falk und seine Mitstreiter mit einem solchen Labor zusammen. Die Sünde, das würde nun das Töten von Mäusen sein.

So viel sei schon mal verraten: Moralische Werte scheinen am Markt keine große Rolle zu spielen.

 The Suicide Epidemic

In der „Newsweek“ nimmt man sich ausführlich des Themas Suizid an und spricht unter anderem mit einem Psychologen, der eine Theorie des Selbstmords entwickelt hat.

Why do people die by suicide? Because they want to. Because they can. Dozens of risk factors banged down to a formula he shared with me in his office: “People will die by suicide when they have both the desire to die and the ability to die.” When he broke down “the desire” and “the ability,” he found what he believes is the one true pathway to suicide.

Pluspunkt: Eine wirklich großartige Webseite, auf das Lesen großen Spaß macht.

Deutsche Spitzenpolitiker verschleiern ihre Studienabbrüche

Schandfleck abgebrochenes Studium: Wirklich souverän gehen Bundestagsabgeordnete, die ihr Studium – meistens zugunsten der Politik – aufgegeben haben, nicht damit um. Die FAZ hat die Betroffenen befragt und besonders bei der Union scheint ein fehlender Abschluss schwierig.

 

The Power of Visualization’s „Aha!“ Moments

Amanda Cox ist eine der Großen im Datenjournalismus. Sie arbeitet für die New York Times und erzählt im Interview von ihrer Arbeit.

Der Datenmythos
Was sind Daten? Warum braucht man Kontext? Der Unterschied zu Phänomenen und was das mit Journalismus zu tun hat. Sehr, sehr interessant!

Daten haben nur in Zusammenhang mit ihrem experimentellen Kontext Sinn, ohne diesen Kontext können sie nicht verstanden werden. Phänomene dagegen sind das, was sich in verschiedenen Experimenten zeigt, was stabil und reproduzierbar ist.

Toward a Complex, Realistic, and Moral Tech Criticism

Nach Schirrmachers „Ego“ ist das neue Buch von Evgeny Mozorov der neueste Schrei im netzpolitischen Feuilleton. Im „The Atlantic“ findet sich lange, interessante, kritische Rezension von „To Save Everything, Click Here“.

Nachrichten an niemand Bestimmten

Leute, die ins Internet schreiben, sind gnadenlose Selbstdarsteller. Mit dem Vorwurf beschäftigt sich Kathrin Passig gewohnt unterhaltsam, indem sie Kleinstädte und Großstädte gegenüberstellt.

 

Wie innovativ Journalismus sein muss

Stefan Plöchinger, Chef der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung über ein Wort, von der nicht besonders viel hält: Innovation, und zwar im Journalismus. Sein Fazit:

Innovativer Journalismus muss schon noch Journalismus sein. Deshalb verpflichtet uns die gefühlte Dauerbedrohung unseres Berufs in den vergangenen Jahren gleich mehrfach. Innovativ ist, Trash sein zu lassen. Den digitalen Wettbewerb über publizistische Profilierung zu führen. Die Möglichkeiten des Multimediums auszunutzen. Themen cooler, interaktiver, spielerischer zu präsentieren. über Erwartungen unserer Nutzer zu debattieren und über die Möglichkeiten, sie für die Zukunft des Journalismus zu begeistern. Auch, sie finanziell zu beteiligen. Neue Formen des Leserdialogs einzuführen. Neue Ansätze für Recherche zu erforschen… — die Liste der Möglichkeiten ist lang.

Wenn Wissenschaft kein Wissen schafft

Ein Rant über die treibende Kraft in der Wissenschaft: Die Veröffentlichung. Und ein Rant für alle, die frustriert von der Uni sind, also zum Beispiel für mich: „Auswendiglernen, Kreutzchen setzen, auskotzen – Unialltag.“

“I like Hitler! He hates Isreali people.”

Caro ist zur Zeit in Jordanien und muss da beim Essen dann und wann erklären, warum die Deutschen den Hitler jetzt nicht so dolle finden.

What Is the Business of Literature?

Ein Gang durch die Geschichte der Literatur-Industrie, die nach Gutenberg auch mit dem Copyright Fahrt aufnahm:

Copyright, though nominally instituted to encourage the creation of a work, has as its only logical purpose the encouragement of the  reproduction of the work. What we see again and again in our society is that people do not need to be encouraged to create, only that businesses want methods by which they can minimize the risk of investing in the creation. (…) As with any law that loses the consent of the governed because it no longer reflects the logic of society, the law is not overturned, just ignored.

Hinter einer Buchveröffentlichung steckt ja nicht nur ein Autor, sondern Verlage.

What, then, is the biggest job to be done by publishers? There is marketing and discovery, yes, but even though editors are not miracle makers who make their best decisions in a vacuum, the editor is a source of great value in the economics of literature and will therefore remain as valuable, if not more so, than before, even if less privileged.

Nur wenige der tatsächlich veröffentlichten Bücher, haben auch wirklich großen wirtschaftlichen Erfolg.

Books, like most entertainment media, live in what Nassim Nicholas Taleb calls Extremistan, a place with vast amounts of commercial failure and spectacularly high and extremely infrequent success. The advent of self-publishing has rendered this ever more visible. The vast majority of the 28 million books currently in print made no money at all, and every few years one author will make more than $200 million: first Dan Brown and J. K. Rowling, now E. L. James.

Mehr zur „Extremistan“-Theorie von Taleb:

Nassim Nicholas Taleb on Extremistan von FORAtv

In Talebs neues Buch „Antifragilität“ hab ich gestern beim Hugendubel hineingeblättert und hier und da einen Absatz gelesen. Das scheint wirklich sehr interessant zu sein. Wenn dann werd ich mir das Buch für den Kindle holen, denn mit dem Buch könnte leicht ein handelsüblicher Hamster zerquetscht werden. Der Trailer zum Buch: